{"id":5023,"date":"2013-05-08T09:37:00","date_gmt":"2013-05-08T07:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/mmc-dev.de\/die-pest-zur-zeit-kaiser-justinians\/"},"modified":"2013-05-08T09:37:00","modified_gmt":"2013-05-08T07:37:00","slug":"die-pest-zur-zeit-kaiser-justinians","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snsb.de\/en\/die-pest-zur-zeit-kaiser-justinians\/","title":{"rendered":"Die Pest zur Zeit Kaiser Justinians"},"content":{"rendered":"\n<p> Staatssammlung f\u00fcr Anthropologie und Pal\u00e4oanatomie <\/p>\n\n\n\n<p><em>Internationales Forscherteam beendet Debatte um Seuche im 6. Jahrhundert: Schon im sechsten Jahrhundert, &#8211; also Jahrhunderte vor dem bekannten Schwarzen Tod des 14ten Jahrhunderts, waren tausende von Menschen in Europa einer verheerenden Krankheit, der sogenannten Pest des Justinian, zum Opfer gefallen. In historischen Quellen wird von einer Seuche gesprochen, deren Beschreibung zu dem Verdacht f\u00fchrte, es h\u00e4tte sich auch damals schon um eine erste Pandemie der Beulenpest gehandelt. In den letzen Jahrzehnten kamen jedoch Zweifel auf, ob es sich bei der historischen Krankheit tats\u00e4chlich um die Pest gehandelt hat. Zwischenzeitlich hielt man dies sogar f\u00fcr unm\u00f6glich und ging davon aus, dass ein anderer Erreger die Seuche verursacht hat. Das Wissenschaftler-Team der jetzt vorgestellten Studie konnte diese Frage nun endg\u00fcltig kl\u00e4ren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Team von Forschern aus M\u00fcnchen, Mainz und Arizona konnte anhand von DNA-Untersuchungen beweisen, dass bei der Pest des Justinian das Pest-Bakterium <em>Yersinia pestis<\/em>, tats\u00e4chlich beteiligt war. Dies geht aus den Ergebnissen hervor, die das Team letzte Woche im Wissenschaftsjournal PLoS Pathogens ver\u00f6ffentlicht hat. Den Naturwissenschaftlern gelang der unumst\u00f6\u00dfliche Nachweis der Pest-DNA an menschlichen \u00dcberresten des sechsten Jahrhunderts in zwei verschiedenen Laboren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team hat DNA-Reste aus den Z\u00e4hnen von Skeletten untersucht, die bei einer arch\u00e4ologischen Ausgrabung des fr\u00fchmittelalterlichen Gr\u00e4berfeldes Aschheim-Bajuwarenring (Aschheim, Landkreis M\u00fcnchen, Bayern) in den Jahren 1997 und 1998 gehoben worden waren. Dank g\u00fcnstiger Bedingungen blieb \u00fcber grob 1400 Jahre die Erbinformation des Pestbakteriums in ihnen erhalten. \u201eAllerdingswurde die DNA des Erregers nur in kleinsten Mengen und in Bruchst\u00fccken in den Knochen und Z\u00e4hnen konserviert\u201c, sagt Dr. Michaela Harbeck. Sie ist Konservatorin an der Staatssammlung f\u00fcr Anthropologie und Pal\u00e4oanatomie M\u00fcnchen (SAPM) und eine der Autorinnen der Studie. Zusammen mit der Doktorandin Lisa Seifert hat sie in einer Kooperation mit Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t, des Mikrobiologischen Instituts der Bundeswehr (IMB), der Johannes-Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz und des Zentrums f\u00fcr Mikrobielle Genetik und Genomik in Arizona zusammengearbeitet. \u201eWir haben zun\u00e4chst einen Genabschnitt untersucht, der nur in Yersinia pestis vorkommt\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Holger Scholz vom IMB. Bei einem Erfolg analysierten die Forscher in weiteren DNA-Abschnitten sogenannte Einzel-Nukleotid-Polymorphismen (SNP). \u201eSNPs sind einzelne Basen, in denen sich der Pesterreger von anderen Pathogenen unterscheidet\u201c, f\u00fcgt seine Kollegin Dr. Julia Riehm hinzu. Damit war es nun erstmals m\u00f6glich die Position des Erregers der Justinianischen Pest im Stammbaum von Yersinia pestis zu bestimmen und gleichzeitig eine Herkunft dieses historischen Bakteriums aus Asien wahrscheinlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich ist der genetische Nachweis der Pest im fr\u00fchmittelalterlichen Bayern auch der einzige Hinweis, dass die damals dort lebenden Menschen unter dieser Seuche litten \u2013 historische Quellen der entsprechenden Zeit fehlen f\u00fcr diese Region.<br><br><strong>Publikation: <\/strong><br>Harbeck M, Seifert L, H\u00e4nsch S, Wagner DM, Birdsell D, et al. (2013) <em>Yersinia pestis<\/em> DNA from Skeletal Remains from the 6th Century AD Reveals Insights into Justinianic Plague.<br>PLoS Pathog 9(5): e1003349. doi:10.1371\/journal.ppat.1003349<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt:<\/strong><br>Dr. Michaela Harbeck<br>Dipl.-Biol. Lisa Seifert<br>Staatssammlung f\u00fcr Anthropologie und Pal\u00e4oanatomie (SNSB-SAPM)<br>Karolinenplatz 2a<br>80333 M\u00fcnchen<br>Lisa Seifert: +49 (0)171 976 49 63<br>E-Mail: <a href=\"mailto:M.Harbeck@lrz.uni-muenchen.de\">M.Harbeck@lrz.uni-muenchen.de<\/a><br>E-Mail: <a href=\"mailto:l.seifert@lrz.uni-muenchen.de\">l.seifert@lrz.uni-muenchen.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Holger C. Scholz<br>Mikrobiologisches Institut der Bundeswehr<br>Neuherbergstra\u00dfe 11<br>80937 M\u00fcnchen<br>Tel.: +49 (0)89 31 68 28 05<br>E-Mail: <a href=\"mailto:holger1scholz@bundeswehr.org\">holger1scholz@bundeswehr.org<\/a><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Staatssammlung f\u00fcr Anthropologie und Pal\u00e4oanatomie Internationales Forscherteam beendet Debatte um Seuche im 6. 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