Geologie für den Mond: Astronautinnen und Astronauten trainieren am RiesKraterMuseum
Auch 2026 war das Nördlinger Ries mit dem RiesKraterMuseum der SNSB wieder Trainingsort im Rahmen des Astronautentrainings der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Bei diesem speziellen Schulungsprogramm verbinden sich Geländegeologie, die Untersuchung von Gesteinsproben und die Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen des Riesimpakts.
Foto oben: ESA/V. Crobu
Der vor knapp 15 Millionen Jahren entstandene Nördlinger Rieskrater gehört zu den am besten erhaltenen großen Einschlagskratern der Erde. An zahlreichen Aufschlüssen lassen sich Gesteine und Strukturen untersuchen, die bei dem großen Impakt entstanden sind. Der Rieskrater ist nicht nur ein außergewöhnliches geologisches Archiv auf der Erde, er dient auch als Trainingsgebiet für die Erkundung anderer Himmelskörper. Im Rahmen des PANGAEA-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA trainierten hier ESA-Astronaut Pablo Álvarez Fernández, NASA-Astronautin Jasmin Moghbeli und JAXA-Astronaut Kimiya Yui mehrere Tage lang geologische Feldarbeit (PANGAEA: Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts).
Für zukünftige Mondmissionen sind geologische Vorkenntnisse insbesondere von Impaktstrukturen wichtig: Einschlagskrater und ihre Auswurfmassen prägen große Teile der Mondoberfläche. Bereits 1970 kamen deshalb Astronauten der späteren Apollo-14- und Apollo-17-Missionen ins Ries, um sich auf ihre geologischen Aufgaben auf dem Mond vorzubereiten. Seit 2017 ist der Rieskrater mit dem RiesKraterMuseum fester Bestandteil des PANGAEA-Trainings der ESA, als eines von inzwischen vier geologischen Trainingsgebieten in Europa. Dazu gehören die Bletterbachschlucht in Südtirol, die Vulkanlandschaften Lanzarotes und die Lofoten in Norwegen. Die verschiedenen Regionen decken unterschiedliche Aspekte planetarer Geologie ab, von Sedimentologie und Vulkanismus über Astrobiologie bis zu Impaktprozessen und der Geologie des Mondhochlands. Das PANGAEA Programm bereitet Astronautinnen und Astronauten auf geologische und astrobiologische Aufgaben bei zukünftigen Missionen vor, sowohl in theoretischen Unterrichtseinheiten wie auch mit geologischer Geländearbeit. Die Teilnehmenden lernen, unterschiedliche Gesteine und Strukturen zu erkennen, Beobachtungen geologisch einzuordnen, Zusammenhänge zu rekonstruieren, geeignete Proben auszuwählen und ihre Ergebnisse an ein unterstützendes Wissenschaftsteam zu übermitteln.
Das RiesKraterMuseum übernahm für die Trainingseinheit Impaktstrukturen im Ries den Part der geologischen Orientierung. Am großen Kratermodell wurden Aufbau und Morphologie des Rieses erläutert. Ausgewählte Gesteinsproben vermittelten einen direkten Eindruck vom Untergrund der Umgebung. Ausstellungsobjekte im RiesKraterMuseum ermöglichten ergänzend, Impaktprozesse sehr unterschiedlicher Größenordnung miteinander zu vergleichen. An einem Stück Weltraumschrott zeigte Museumsleiter Dr. Christian Bergemann beispielsweise kleinste Einschlagskrater von Mikrometeoroiden. Für Jasmin Moghbeli und Kimiya Yui ein vertrautes Bild: Ähnliche Einschlagsspuren hatten sie bereits an Außenstrukturen der Internationalen Raumstation ISS gesehen. In mehreren Exkursionen untersuchte das PANGAEA-Team zusammen mit den Planetengeologinnen und -geologen der Universitäten Münster und Manchester typische Gesteine und Strukturen des Rieskraters. Ziel war es, aus Beobachtungen im Gelände die geologische Entwicklung des Kraters zu erkennen.
„Das Besondere am Ries ist, dass man hier an vielen verschiedenen Stellen direkt sehen kann, was bei einem großen Impakt passiert. Das Museum ergänzt die Arbeit im Gelände, weil wir die unterschiedlichen Gesteine und den Aufbau des gesamten Kraters an einem Ort zusammenbringen können“, sagt SNSB Geowissenschaftler Dr. Christian Bergemann, Leiter des RiesKraterMuseums und des ZERIN.
RiesKraterMuseum & ZERIN
Neben seinem Vermittlungsauftrag sind für das RiesKraterMuseum auch Sammlung und Forschung von essentieller Bedeutung. Im angeschlossenen Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen (ZERIN) beherbergt es seine geowissenschaftliche Sammlung sowie das Bohrkernarchiv mit Material aus Forschungsbohrungen im Ries. Die dort aufbewahrten Gesteine und Bohrkerne stehen langfristig für wissenschaftliche Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung des Rieskraters und zu Impaktprozessen zur Verfügung. Mit deren Hilfe können Gesteine aus dem Gelände in die Geologie des gesamten Kraters eingeordnet und in einen größeren planetengeologischen Zusammenhang gestellt werden.


