Grabungsstart in Wattendorf: Naturkundemuseum Bamberg nimmt die Fossiliensuche wieder auf

München, 31.08.2026
Es wird wieder gegraben im Wattendorfer Steinbruch. Nach vierjähriger Pause wird ab 1. September 2026 ein Grabungsteam des Naturkundemuseums Bamberg die Suche nach Fossilien in den 154 Millionen Jahre alten Plattenkalken nordöstlich von Bamberg wieder aufnehmen – in einer der wichtigsten Fossilfundstellen Deutschlands. Grundlage der neuen Grabungskampagne ist ein neu geschlossener Grabungsvertrag der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) mit dem Steinbruchunternehmen Andreas SCHORR GmbH & Co. KG.

Der Neustart wird intensiv: Am 1. September 2026 wird ein Team um Grabungs- und Museumsleiter Dr. Oliver Wings seine Arbeit im Steinbruch beginnen. Etwa ein Dutzend Personen – Paläontologinnen und Paläontologen, Präparatoren, Praktikanten sowie ehrenamtliche Helferinnen und Helfer – werden dabei zeitgleich im Einsatz sein. Alle Teilnehmenden eint dabei ihr wissenschaftliches Interesse auf der Suche nach spektakulären Fossilien. Oliver Wings, Leiter des Naturkundemuseums Bamberg, freut sich: „Die Wattendorfer Fundstelle ist einzigartig und hat das Potential für zahlreiche bedeutende Funde. Wir sind der Firma Schorr sehr dankbar für die Unterstützung unserer Arbeit und die Chance, die sich uns dadurch bietet. Uns ist es nun möglich, alle wichtigen Funde, insbesondere neuer, noch unbekannter Arten, zeitnah wissenschaftlich zu bearbeiten.“ Insgesamt 30 Tage wird die diesjährige Grabungssaison dauern, Oliver Wings und sein Team planen in Zukunft wieder regelmäßig in Wattendorf zu graben.

Im Gegensatz zu anderen Plattenkalk-Lagerstätten sind Fossilien aus Wattendorf nicht nur relativ häufig, sie sind auch außergewöhnlich gut erhalten und zeigen oft sogar noch versteinerte Weichteile. Die Wattendorfer Plattenkalke lagerten sich vor rund 154 Millionen Jahren in der späten Jurazeit in einem tropischen Flachmeer ab. Die Gesteine sind etwas älter als alle anderen süddeutschen Plattenkalkvorkommen, wodurch es unter den Wattendorfer Fossilien viele neue, bislang unbeschriebene Arten gibt. Darüber hinaus weisen viele der Funde eine ganz besondere Ästhetik auf. Viele Skelette wirken wie in der Zeit eingefroren.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden in Wattendorf eine Vielzahl bedeutender Fossilien geborgen und wissenschaftlich untersucht, darunter sogar zwei neue Flugsaurierarten. So auch der im Bamberger Museum präsentierte Balaenognathus maeuseri, der weltweit bisher einzige Flugsaurier mit Reußengebiss, mit mehr als 480 Zähnen. Auch viele andere Wirbeltierarten wurden entdeckt, wie Brückenechsen, Schildkröten, Krokodile und insbesondere eine große Vielfalt an Fischen, darunter Quastenflosser und Engelhaie. Die Paläofauna Wattendorfs umfasst daneben viele Wirbellose: Ammoniten, Seeigel oder Krebse – ebenfalls zu sehen in den Ausstellungen des Naturkundemuseums Bamberg. Eine besondere Gelegenheit bietet sich für alle, die ein bisschen Forscherluft schnuppern möchten: Wer gerne wissen möchte, wie eine Fossiliengrabung abläuft, hat am Sonntag, 20. September 2026 die einmalige Möglichkeit den Paläontologinnen und Paläontologen über die Schulter zu blicken: Am Tag des Geotops dürfen interessierte Bürgerinnen und Bürger gerne das Grabungsteam des Naturkundemuseums Bamberg an der Grabungsstelle besuchen.

Kontakt:
Dr. Oliver Wings
SNSB – Naturkundemuseum Bamberg
Fleischstr. 2
96047 Bamberg
Tel.: +49 (0) 951 86 31 249
E-Mail: nkmb@snsb.de