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Wo spüren wir Veränderung?

Zoologische Staatssammlung München
Checkliste der Schmetterlinge

Auch in Deutschland macht sich der Klimawandel durch den Verlust der biologischen Vielfalt bemerkbar. Forscher an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns beobachten die Veränderungen der Vielfalt und das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten in der Natur. Sie erstellen zum Beispiel umfassende Artenlisten anhand von Sammlungsmaterial und können so über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg die räumliche und zeitliche Ausbreitung von Arten vergleichen. Die Zoologische Staatssammlung München hat beispielsweise 2016 eine ausführliche Checkliste aller bayerischen Schmetterlinge erstellt. Diese basiert auf über 250 Jahren Schmetterlingsbeobachtung und mehr als 400.000 Datensätzen. Für Bayern wurden insgesamt über 3.200 Arten nachgewiesen, darunter sogar eine Neuentdeckung aus der Familie der Grasminierfalter (Elachistidae). Es mussten allerdings auch 13% Artverluste bestätigt werden, und selbst viele „Allerweltsarten“ wie Rotrandspanner (Timandra comae) oder Brauner Bär (Arctia caja) sind stark rückläufig.

Quelle: Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera)
Alfred Haslberger & Andreas H. Segerer
Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft (2016) 106 (Supplement), 1–336.

Mehr Information zur Checkliste der Schmetterlinge


Botanische Staatssammlung München
Flora von Bayern

Die Flora Bayerns wurde zuletzt 1914 in einem umfassenden Werk erfasst. Die Initiative „Flora von Bayern“ an der Botanischen Staatssammlung München (BSM) hat zum Ziel, die Flora des gesamten Freistaates zu erfassen und so deren Veränderungen durch Klimawandel und Landnutzung auszuwerten. Nur durch solche Vergleichsarbeiten von aktuellen und historischen Belegen aus der Botanischen Staatssammlung sind beispielsweise die Erstellung „Roter Listen“ gefährdeter Arten möglich.

Link zur Website Flora von Bayern


Botanische Staatssammlung München
Flora von München

Die letzte veröffentlichte Artenliste der Münchner Pflanzen ist über 100 Jahre alt. Seither hat sich die Einwohnerzahl fast verzehnfacht. In diesem Zeitraum gab es hohe Artenverluste, aber auch Einwanderungen, was der direkte Vergleich mit dem seit 2006 laufenden Kartierungsprojekt „Flora von München“ zeigt. Beispiel für einen Neuzugang ist die heute im Stadtgebiet weit verbreitete Indische Scheinerdbeere (Duchesnea indica), die hierzulande vor 100 Jahren noch gänzlich unbekannt war, sowie das Drüsische oder Indische Springkraut (Impatiens glandulifera), das einerseits einheimische Pflanzen verdrängt, andererseits aber wertvolle Bienenweide im Spätsommer darstellt.

Link zur Website Flora von München


Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Fossilien als Zeitzeugen

Fossilien sind Zeugen vergangenen Lebens auf der Erde. Umfassende Sammlungen von Fossilien aus einer speziellen geologischen Formation oder aus einer bestimmten Region geben Hinweise auf den Lebensraum oder das Klima aus längst vergangenen Zeiten. So zeigen beispielsweise die Fossilien und Gesteine aus den Solnhofener Plattenkalken, dass in Bayern vor rund 150 Millionen Jahren ein tropisches Klima herrschte. Die Landschaft zur Zeit des oberen Jura war geprägt durch ein warmes Flachmeer, gegliedert in Lagunen und Riffe. Ein Forschungsprojekt an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG) befasste sich intensiv mit der Vielfalt der Fisch-Fossilien aus den Solnhofener Plattenkalken, welche außergewöhnlich gut erhalten sind.

Link zur Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG)


Botanischer Garten München-Nymphenburg
Holzpflanzen und Klimawandel

Wie kommen heimische und nicht-heimische Holzpflanzen mit dem Klimawandel zurecht? Dieser Frage wird im Botanischen Garten München-Nymphenburg nachgegangen. Seit sechs Jahren wird der Blattaustrieb bei über 1000 Individuen aus 500 Baum- und Straucharten experimentell untersucht. Von den 500 Arten sind 85 % nicht aus Zentraleuropa, sondern aus Asien oder Nordamerika. Diese Vielfalt an nebeneinander wachsenden Arten ermöglicht es, deren genetisch bestimmte Strategien herauszufinden, denn alle sind den gleichen Bedingungen ausgesetzt. So wird ihr „Genotypus“ der Forschung zugänglich. Dieser grundlegende Forschungsansatz ist allein in Botanischen Gärten möglich und hat zu einer Reihe von unerwarteten Erkenntnissen geführt: zum Beispiel zeigte sich, dass nordamerikanische Arten erst nach einem viel längeren Winter austreiben als europäische und asiatische und dass sie ihre Blätter durchschnittlich drei Wochen kürzer präsentieren als alle anderen Arten. Da sich der Winter in München in den letzten 100 Jahren um vier Wochen verkürzt hat, haben es amerikanische Holzarten bei uns besonders schwer.


Botanischer Garten München-Nymphenburg
Wildbienen-Heimat Botanischer Garten

Der Botanische Garten München Nymphenburg ist Heimat für 107 der 571 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen. Haben sich diese Zahl oder das Artenspektrum im Laufe der letzten Jahre verändert? Beide Fragen konnten durch eine Masterarbeit beantwortet werden, denn 1997 hat es schon einmal eine Erfassung der Bienenarten des Gartens gegeben, angeleitet von Wissenschaftlern der Zoologischen und der Botanischen Staatssammlung München (ZSM und BSM). Vor 20 Jahren wurden 79 Arten gefunden. Von den neu hinzugekommenen Arten sind acht wärmeliebend, während 16 Arten, die nicht mehr gefunden werden konnten, an kühle Bedingungen angepasst sind. Von vielen unserer Bienen kennt man aber die Wärme-Präferenzen für Nestbau und Futterpflanzen noch nicht. Die Forschungen werden daher in einer Doktorarbeit fortgesetzt. Eine logische Erklärungsmöglichkeit für die beobachteten Änderungen ist der Temperaturanstieg in München um 0,5°C von 1997 bis 2017, denn die Bienenvielfalt nimmt allgemein in wärmeren Gegenden zu.

Link zur Publikation: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00442-018-4110-x

Where do we feel changes?

The Bavarian State Collection of Zoology Munich (ZSM)
Checklist of butterflies

Even here in Germany, the manifestations of climate change can be seen in a loss of biodiversity. Researchers at the Bavarian Natural History Collections are observing the changes in biodiversity and the distribution of faunal and floral species in nature. They compile broad species lists based on collection material, which allows for comparisons of a species‘ spatial and temporal propagation over decades and centuries. The Bavarian State Collection of Zoology Munich compiled an extensive checklist of all Bavarian butterflies in 2016. The list is based on 250 years of butterfly studies and more than 400,000 data records. As for Bavaria, over 3,200 species have been established, even including a new discovery from the grass miner moths family (Elachistidae). However, a 13% loss of species was confirmed and even many of the „ordinary species“ like the blood-vein (Timandra comae) or the garden tiger (Arctia caja) are declining rapidly.
Source: Systematic, revised and commented checklist of Bavaria’s butterflies (Insecta: Lepidoptera)

Publication: Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera)
Alfred Haslberger & Andreas H. Segerer
Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft (2016) 106 (Supplement), 1–336.

Further information checklist of butterflies


The Bavarian Botany and Mycology State Collection Munich (BSM)
Flora of Bavaria

The last time Bavaria’s flora was recorded in a comprehensive work was in 1914 . The initiative „Flora of Bavaria“ at the Botany and Mycology State Collection Munich (BSM) aims to document and compile a record of the flora for the entire state of Bavaria. This will help to evaluate changes in it caused by climate change and land use. Thanks to comparative studies of recent and historic evidence stemming from the Botany Collection, it is possible to compile valuable information such asthe „Red Lists“ of threatened species.

Link to Website Flora von Bayern


The Bavarian Botany and Mycology State Collection Munich (BSM)
Flora of Munich

The last published list of species covering Munich’s plants is more than 100 years old. Since that time, the number of inhabitants has multiplied by nearly ten. In this time, there has been a huge decline in species, but also the introduction of new ones, which can be seen by a direct comparison with the mapping project „Flora of Munich“, running since 2006. The Indian strawberry (Duchesnea indica), which today is widely spread in the city area, is an example for a new addition that was entirely unknown in this part of the world 100 years ago, or the bee-bums (Impatiens glandulifera), which, on the one hand, suppresses indigenous plants, but, on the other, grants valuable phacelia in late summer.

Link to Website Flora von München


Bavarian State Collection for Paleontology and Geology
Fossils as witnesses of the past

Fossils are witnesses of past life on Earth. Comprehensive collections of fossils from a specific geological formation or a certain region provide clues to the habitat or climate of the past. Such as the fossils and rocks from the Solnhofen Limestone area, which show that around 150 million years ago, there was a tropical climate in Bavaria. The landscape in Upper Jurassic times was characterised by a warm shallow sea, divided into lagoons and reefs. A research project at the Bavarian State Collection for Paleontology and Geology (BSPG) focused intensely on a variety of fish fossils from the Solnhofen Limestone, which areextraordinary well preserved.

Link to Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG)


Munich Botanical Garden (GBM)
Woody plants and climate change

How do native and non-native woody plants cope with climate change? This question is being addressed in the Munich Botanical Garden. For six years now, there have been experimetal studies on how the leaves of over 1000 individuals out of 500 species of trees and shrubs sprout. Out of 500 species, some 85 % are not from Central Europe, but from Asia or North America. It is this very variety of species growing next to each other that allows us to find out about their genetically predisposed strategies, since they are all exposed to the same conditions. This way, their „genotype“ is accessible to research. This fundamental research approach is only possible in Munich Botanic Garden and has led to a number of unexpected events: it appeared, for instance, that North American species sprout after a much longer winter period than European or Asian ones and that on average, their leaves bloom three weeks less than those of all the other species. Because the winter period in Munich has shortened by four weeks in the past 100 years, especially American woody plants tend to struggle in this part of the world.


Munich Botanical Garden (BGM)
Botanical Garden, a home for wild bees

The Munich Botanical Garden is home to 107 of the 571 wild bees species found in Germany. Has this number or the range of species changed in the course of the past years? Both questions could be answered by a Master’s thesis, since the garden’s species of bees had already been compiled once before in 1997, guided by scientists of the Zoological and Botanical Collections (ZSM and BSM). Twenty years ago, 79 species were found. Out of the newly added species, eight are thermophilic, whereas 16 species which could not be found anymore, are adapted to colder conditions. The thermal preference for nest-building and forage crops of many our bees is still unknown though. The studies are thus carried on in a PhD thesis. One of the possible logical explanations for the monitored changes is the rise in temeperature in Munich of 0.5 °C between 1997 and 2017. Generally speaking, the variety of bees increases in warmer regions.

Publication https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00442-018-4110-x