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Evolutionsrate von Wiederkäuern anhand ihrer Innenohren nachgezeichnet

Naturhistorisches Museum Basel / Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Naturhistorischen Museum Basel dokumentiert mit einem neuartigen Ansatz Evolutionsschritte und -tempo der Wiederkäuer während der letzten 35 Millionen Jahre, die zu ihrer heutigen Biodiversität geführt haben. Die Untersuchungen des tief im Schädel versteckten knöchernen Labyrinths des Innenohrs von rund 200 lebenden und ausgestorbenen Wiederkäuerarten belegen die Entstehung der verschiedenen Evolutionslinien. Klimatische und großgeographische Ereignisse waren offenbar der Motor für Diversifizierungsereignisse, die zur heutigen Vielfalt der Wiederkäuer geführt haben. An der Studie beteiligt war auch SNSB-Paläontologin Gertrud Rößner.

In acht Jahren wurden am Naturhistorischen Museum Basel Mikro-CT-Daten vom Innenohr ausgestorbener und lebender Wiederkäuerarten von mehreren hundert Schädeln aus der ganzen Welt zusammengetragen. Von diesen Hohlraumstrukturen fertigten die Paläontologen Bastien Mennecart und Loïc Costeur hochaufgelöste virtuelle 3D-Modelle an und berechneten mit statistischen Methoden die Variabilität ihrer Form in Raum und Zeit. Die Münchner Paläontologin Gertrud Rößner von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) beteiligte sich an der Studie mit der Erstellung von Computertomographien zu ca. 20 Arten. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nun in der renommierten Zeitschrift NATURE COMMUNICATIONS veröffentlicht.

Das knöcherne Labyrinth des Innenohrs, gleichzeitig Hör- und Gleichgewichtsorgan, wird aufgrund seiner artspezifischen Form seit langem zur Rekonstruktion der Evolution und Verwandtschaftsverhältnisse der Säugetiere verwendet. So konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass die spiralförmig aufgerollte Gehörschnecke schon vor rund 150 Millionen Jahren entstanden ist. Die neue Studie umfasst das bisher umfangreichste Datenset zum Innenohr einer Säugetiergruppe und erlaubt daher einen besonders detaillierten Einblick in die Formenvielfalt dieser komplexen Struktur. Damit war zum Beispiel die eindeutige verwandtschaftliche Zuordnung einer Ur-Giraffe möglich.

Anders als andere Organe, eignet sich das Innenohr besonders gut Entwicklungsschritte zu rekonstruieren und als Gradmesser für die Evolution der Säugetiere zu verwenden. So konnten die Forscher*innen zeigen, dass Diversifizierungsschübe in der Form der Innenohren der Wiederkäuer über eine Zeitspanne von 35 Millionen Jahren in Wechselbeziehung mit Klima und der Besiedlung neuer Landmassen standen. So zeigen die Ergebnisse, dass die Giraffen in Zeiten mit warmem Klima prosperierten und in der Vergangenheit eine höhere Evolutionsrate hatten als heute. Wohingegen sich die Hornträger und Hirsche in kühlerem Klima erfolgreicher entwickelten. Infolge entstand die Biodiversität der Wiederkäuer, wie wir sie heute kennen.

Auch großgeographische Veränderungen in der Verteilung der Landmassen auf der Erde spielte eine ebenso große Rolle. So konnten vor rund drei Millionen Jahren Mitglieder der Familie der Hirsche von Nordamerika nach Südamerika einwandern, da sich zwischen diesen beiden Kontinenten eine Landbrücke gebildet hatte. Die Tiere mussten sich auf dem neu besiedelten Erdteil an viele neue Lebensräume anpassen. In der Folge entwickelten sich dort rasch viele neue Arten, was sich eindrücklich in der Evolution der Innenohrformen manifestierte. Gegenwärtig leben rund 19 verschiedene Hirscharten in Südamerika, was einem guten Drittel aller bekannter Arten innerhalb der Familie entspricht.

In der modernen Welt bilden Wiederkäuer (Antilopen, Rinder, Hirsche, Giraffen, Gabelböcke, Moschustiere und Hirschferkel) mit ca. 300 Arten die vielfältigste Gruppe unter den pflanzenfressenden Großsäugetieren. Sie besiedeln nahezu alle festländischen Habitate von Hochgebirgen bis zu Küsten und von den Tropen bis zur Arktis. Daher eignen sie sich besonders gut für die Erforschung von Mechanismen und Prozessen der Evolution. Heute stehen fast die Hälfte aller nach 35 Millionen Jahren Evolution entstandenen Wiederkäuerarten auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Der Einfluss des Menschen auf den Fortbestand der Arten ist augenfällig, wie der 2022 vom WWF veröffentlichte Bericht «Living Planet Report» verdeutlichte.  Dieses Erbe verpflichtet uns zu verstärkten Bemühungen für Schutz und Erhalt dieser Säugergruppe.

Publikation

Mennecart, B., Dziomber, L., Aiglstorfer, M. et al. Ruminant inner ear shape records 35 million years of neutral evolution. Nat Commun 13, 7222 (2022). https://doi.org/10.1038/s41467-022-34656-0

Kontakt

PD Dr. Gertrud Rößner
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel: 089 2180 6609
E-Mail: roessner@snsb.de

Dornenkronenseesterne aus dem Roten Meer sind endemische Art

LMU, Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, Zoologische Staatssammlung München

LMU- bzw. SNSB-Forschende haben korallenfressende Dornenkronenseesterne im Roten Meer als eigene Art identifiziert, die ausschließlich in diesem Lebensraum vorkommt.

Tropische Korallenriffe gehören zu den besonders gefährdeten Ökosystemen der Erde. Neben dem Klimawandel stellen korallenfressende Dornenkronenseesterne (Acanthaster spp.) in Teilen des Indo-Pazifiks eine der größten Bedrohungen dar. Diese bis zu 40 cm großen Tiere ernähren sich insbesondere von den Polypen schnellwachsender Steinkorallen. In vielen Fällen kommt es zu regelrechten Massenausbrüchen, bei denen sich die Seesterne schnell und massiv vermehren und viele Tausend Individuen Riffkorallen großflächig vernichten können. Diese Massenausbrüche wurden in den letzten Jahrzehnten immer häufiger, unter anderem weil die natürlichen Feinde der Seesterne durch Überfischung dezimiert wurden.

Dornenkronenseesterne sind im gesamten Indopazifik weit verbreitet. Ihr Name bezieht sich auf große Giftstacheln, die sie auf ihren Armen tragen. Aufgrund regionaler morphologischer Unterschiede wurden bereits in Vergangenheit verschiedene Arten beschrieben, die Verwandtschaftsverhältnisse blieben jedoch diffus. „Lange nahm man an, dass die erstbeschriebene Art der Gattung, Acanthaster planci, vom Roten Meer über den indischen Ozean bis über den gesamten Pazifik verbreitet ist“, sagt Gert Wörheide, Professor für Paläontologie und Geobiologie an der LMU sowie Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG). DNA-Barcoding-Daten aus einer von Wörheide betreuten Doktorarbeit zeigten aber bereits vor mehr als 10 Jahren, dass sich A. planci in vier stark divergierende genetische Linien unterteilen lässt, die mutmaßlich unterschiedliche Arten darstellen. Ein Team um Wörheide und Gerhard Haszprunar, Professor für Systematische Zoologie sowie Direktor der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), hat nun mithilfe morphologischer Untersuchungen und genetischer Analysen nachgewiesen, dass die im Roten Meer beheimateten Dornenkronenseesterne eine eigene Art bilden, die nun als Acanthaster benziei beschrieben wurde. „Das hebt wieder einmal die Bedeutung des Roten Meeres als Ökosystem mit einer einzigartigen Fauna und zahlreichen endemischen Arten hervor“, unterstreicht Wörheide. Der neue Artname ehrt John Benzie, Professor am University College Cork, der mit seinen wegweisenden genetischen Studien über Dornenkronenseesterne in den 1990ern und seiner umfangreichen Sammlung Pionierarbeit geleistet hat.

Weniger Arme, dünnere Stacheln

Mit A. benziei gelang den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die erste Beschreibung einer neuen Art von Dornenkronenseesternen seit mehreren Jahrzehnten. „Bei Dornenkronenseesternen aus dem Roten Meer wurden zwar bereits früher vereinzelte Besonderheiten beobachtet, zum Beispiel eine eher nachtaktive Lebensweise oder eine wahrscheinlich geringere Toxizität der Stacheln, aber wir wussten noch nicht, dass es sich tatsächlich um eine eigenständige Art handelt“, so Wörheide. Die Untersuchungen bestätigten nun deutliche Unterschiede zwischen A. benziei und den anderen Arten des „A. planci“ Artenkomplexes. Neben charakteristischen Sequenzen in der mitochondrialen DNA gehören dazu auch morphologische Merkmale wie etwa eine geringere Anzahl von Armen und dünnere, anders geformte Stacheln.

„Da wir nun wissen, dass es sich um eine eigenständige Art handelt, können wir das Augenmerk jetzt auf die Biologie, Ökologie und Toxikologie von A. benziei und der anderen Acanthaster-Arten legen“, so Wörheide. Den Dornenkronenseesternen im Roten Meer wurde in der Vergangenheit auch eine geringere Tendenz zu Massenausbrüchen zugeschrieben. „Die sind vor allem von Acanthaster cf. solaris aus dem westlichen Pazifik bekannt und richten am Großen Barriere-Riff regelmäßig erhebliche Schäden an, während das Phänomen im Roten Meer weniger heftig aufzutreten scheint – ob das auch mit artspezifischen Charakteristika zu tun hat, könnte ein Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sein“, sagt Wörheide. Bisher stammen die meisten Daten zu Biologie und Ökologie der Dornenkronenseesterne von Acanthaster cf. solaris aus dem westlichen Pazifik. „Durch die saubere Abgrenzung der verschiedenen Arten von korallenfressenden Dornenkronenseesternen können wir die Dynamik von Massenausbrüchen und damit einen weiteren der multiplen Stressoren, die auf tropische Riffe einwirken, noch detaillierter erforschen – letztendlich ein Schritt in Richtung eines besseren Managements der Riff-Ökosysteme.“

Publikation
Gert Wörheide, Emilie Kaltenbacher, Zara-Louise Cowan, Gerhard Haszprunar. A new species of crown-of-thorns sea star, Acanthaster benziei sp. nov. (Valvatida: Acanthasteridae), from the Red Sea. ZOOTAXA, 2022. DOI: 10.11646/zootaxa.5209.3.7

Kontakt:
Prof. Dr. Gert Wörheide
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Department of Earth and Environmental Sciences, Paleontology & Geobiology & GeoBio-Center
LMU Munich
Phone: +49 (89) 2180- 6646 / or 6602
Email: geobiologie@geo.lmu.de

Grenzüberschreitender Datenfluss für die Flora des Böhmerwaldes

Ein deutsch-tschechisches Forscherteam stellt eine neue binationale Dateninfrastruktur vor. Das Projekt „Flora des Böhmerwaldes“ erschloss in den letzten vier Jahren wissenschaftliche Daten sowohl aus historischen Artenmonitoringprojekten beider Länder als auch neue Datenbestände zur aktuellen Pflanzenvielfalt des Böhmerwaldes. Die Daten sind öffentlich über ein Online-Portal in deutscher und tschechischer Sprache verfügbar. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler:innen unter Federführung der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) kürzlich im Biodiversity Data Journal. Die etablierten Dienste werden in den nächsten Jahren im Rahmen des NFDI4Biodiversity Konsortiums und des SNSB Datenprojektes zur Flora von Bayern weiterentwickelt.

Der Böhmerwald ist ein biologisch einzigartiges Gebiet in Mitteleuropa, das besondere Aufmerksamkeit bei der Erforschung und Dokumentation seiner Biodiversität und deren Schutz verdient. Trotz langer Tradition der floristischen Erforschung dieser Region in beiden Ländern lag bisher keine grenzüberschreitende Gesamterfassung und -analyse vor. Unterschiedliche methodische Ansätze und Forschungsschwerpunkte sowie sprachliche und politische Barrieren begrenzten die Zusammenarbeit zwischen Experten in der Vergangenheit maßgeblich. Der Böhmerwald erstreckt sich über die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava hinaus, vom Gebiet des Großen Arbers bis in das österreichische Mühlviertel.

Die große Herausforderung für die Biodiversitätsinformatiker:innen war die Entwicklung einer neuen und zugleich nachhaltigen technischen Infrastruktur, die mehrere Millionen Datensätze aus tschechischen und bayerischen Datenmanagementsystemen dynamisch und zugleich qualitätsgesteuert zusammenführt. „Notwendig ist dabei die technische und inhaltliche Übersetzung von Kategorien, Strukturen und Formaten bei der Zusammenführung der beiden Datenhaltungssysteme“, erklärt Dr. Stefan Seifert, Projektmitarbeiter und leitender Biodiversitätsinformatiker am SNSB IT-Zentrum. Es galt also, wissenschaftliche Bezeichnungen, Angaben zu Herkunft, geographische Lokalisierung und Gefährdungsstatus der Pflanzen in einer neuen gemeinsamen Dateninfrastruktur zu vereinen. Die Zusammenführung sämtlicher Informationen ist von großer Bedeutung, um gemeinsam passende Maßnahmen für den Arten- und Ökosystemschutz auf beiden Seiten der Grenze entwickeln zu können. Dazu gehört beispielsweise die Überwachung der Bestandsentwicklung von seltenen und bedrohten Arten.

2018 ging die grenzübergreifende Initiative „Flora des Böhmerwaldes – Květena Šumavy – Flora Silvae Gabretae“ an den Start – mit dem Ziel Daten unabhängig von Landesgrenzen verfügbar zu machen. Partner sind der Lehrstuhl für Botanik der Südböhmischen Universität České Budějovice (Budweis), der Nationalpark Bayerischer Wald, der tschechische Nationalpark Šumava, die Karls-Universität Prag sowie die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns mit ihrem SNSB IT-Zentrum.

Das neue Datenportal zur Flora des Böhmerwaldes präsentiert dabei in deutscher, tschechischer und englischer Sprache Informationen und Daten zur Verbreitung und Häufigkeit der Pflanzen unter anderem auch in Form von Verbreitungskarten, Artenlisten und Artensteckbriefen mit den ökologischen

Anforderungen der Gefäßpflanzen der Region. Die Webseite richtet sich an Pflanzen- und Naturliebhaber:innen, Bürgerwissenschaftler:innen gleichermaßen wie an professionelle Botaniker:innen, Förster:innen, Landwirt:innen, oder Ökolog:innen aus Tschechien sowie aus Deutschland.

Das SNSB IT Zentrum war im Projekt maßgeblich für Hintergrundprozesse des Datenmanagements im Diversity Workbench-Netzwerk sowie Prozesse der Datenintegration verantwortlich: Die Arbeitsgruppe um Leiterin Dr. Dagmar Triebel steuerte den Datenimport sowie die technische Bereitstellung von historischen und aktuellen Verbreitungsdaten der bayerischen Seite des Böhmerwaldes. Neben seiner Expertise im Bereich Data Science und Softwareentwicklung stellte das SNSB IT Zentrum als Teil der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) auch sein botanisches Expertenwissen zur Verfügung: BSM Botaniker:innen übernahmen die wissenschaftliche Betreuung der bayerischen Artenlisten, die Bestimmung schwieriger Arten, die Mitarbeit an Artensteck-briefen und der Einstufung des Rote-Liste-Status. Datenerhebungen im Gelände erfolgen mittels der vom SNSB IT Zentrum entwickelten Smartphone App DiversityMobile.

„Das Projekt hat den interkulturellen Austausch zwischen tschechischen und deutschen Wissenschaftler:innen nachhaltig befördert. Gleichzeitig professionalisieren die neuen technischen Dienste den digitalen Austausch von Biodiversitätsdaten mit Umweltindikatorfunktion zwischen beiden Ländern. In Zukunft wäre es sehr sinnvoll, das Netzwerk zu erweitern und auch die österreichischen Daten in das Netzwerk aufzunehmen und damit das Untersuchungsgebiet vollständig abzudecken“, erläutert Dr. Dagmar Triebel, Kuratorin an der Botanischen Staatssammlung München und Leiterin des SNSB IT Zentrum. Die einzelnen Dienste und Software-Komponenten werden im Rahmen des Citizen Science Projektes „Koordinationsstelle Bayernflora“ weiterentwickelt und in die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) integriert werden.

Gefördert wurde das „Flora des Böhmerwaldes“-Projekt durch die Europäische Union im Rahmen des Programms „Europäische Territoriale Zusammenarbeit“ (ETZ), zur grenzübergreifenden Kooperation zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik.

Publikation:
Novotný, P., Seifert, S., Rohn, M., Diewald, W., Štech, M. & Triebel, D. 2022. Software infrastructure and data pipelines established for technical interoperability within a cross-border cooperation for the flora of the Bohemian Forest. Biodiversity Data Journal 10: e87254: 1-21, https://doi.org/10.3897/BDJ.10.e87254

Links
https://www.florasilvaegabretae.eu/de/
https://snsb.de/nfdi/
https://snsb.de/flora-von-bayern/

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
Botanische Staatssammlung München / SNSB IT Zentrum
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 252
Email: triebel@snsb.de

Dr. Stefan Seifert
Botanische Staatssammlung München / SNSB IT Zentrum
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 245
Email: seifert@snsb.de

Biodiversity Genomics Europe: Europäisches Forscher-Konsortium will den Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten

Logo BGE

Zoologische Staatssammlung München

Europäische Biodiversitätsforscher:innen starten ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt, um die Biodiversitätskrise mit Hilfe von DNA-Daten zu bekämpfen. Die Bündelung von molekularbiologischen Analysemethoden, welche auf genomischen Daten und DNA-Barcoding basieren, soll eine neue Grundlage schaffen, um die biologische Vielfalt sowie die Gründe für den massiven Artenschwund auf der Erde besser zu verstehen. Die nun vorgestellte gesamteuropäische Initiative Biodiversity Genomics Europe (BGE) will auf dem Gebiet der globalen Biodiversitätsforschung wegweisend sein – vergleichbar dem Humangenomprojekt in der Medizin. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) ist als Projektpartner mehrerer nationaler sowie europäischer DNA-Barcoding Initiativen an BGE beteiligt.

Die Erde steckt mitten in einer Biodiversitätskrise. Die Zeit läuft, eine von vier Arten auf unserem Planeten ist bereits vom Aussterben bedroht. Dieser Verlust gefährdet Lebensgrundlagen, die Nahrungsmittelversorgung sowie wichtige Wasser- und Nährstoffkreisläufe. Im Kampf gegen den beispiellosen Artenschwund und die Zerstörung der Ökosysteme ist der Aufbau von Wissen von entscheidender Bedeutung: Unser Verständnis davon, wie Leben auf der Erde funktioniert und auf Umweltbelastungen reagiert ist in vielen Bereichen noch völlig unklar. Ein neu gegründetes Konsortium von Wissenschaftler:innen aus ganz Europa sieht die Lösung zur Beantwortung dieser Fragen in der Genomik. Die Initiative Biodiversity Genomics Europe (BGE) bündelt europaweit Expert:innen, um durch genomische Daten einen Quantensprung in der Biodiversitätsforschung zu schaffen.

Trotz jahrhundertelanger wissenschaftlicher Forschung warten schätzungsweise 80 % der Arten der Erde immer noch auf ihre wissenschaftliche Entdeckung und Beschreibung. Selbst bei beschriebenen Arten ist es oft schwierig, diese anhand ihrer Merkmale zu unterscheiden. Hinzu kommt, dass Interaktionen innerhalb und zwischen Arten sowie zwischen Arten und ihrer Umwelt ein äußerst komplexes Bild unserer Lebewelt zeichnen. Das neue BGE-Konsortium möchte diese Aspekte der Biodiversität erforschen und verstehen, wie Arten und Artgesellschaften auf Umweltveränderungen reagieren. Die Initiative verbindet hierfür die beiden grundlegenden DNA-basierten Technologien DNA-Barcoding und Genomsequenzierung und führt die europäischen Expert:innen in diesen Gebieten zusammen.

DNA Labor

Auch die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) sind Teil des BGE-Konsortiums. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) ist an mehreren nationalen sowie internationalen DNA-Barcoding Initiativen aktiv beteiligt. Sowohl als einer der wichtigsten Lieferanten von Biodiversitätsdaten für die globalen DNA-Datenbanken, als auch mit der Expertise ihrer Forscher:innen, die in vielen Bereichen der Biodiversitätsforschung aktiv sind. Ihre aktuellen Projekte German Barcode of Life (GBOL III: Dark Taxa), BIOSCAN-Germany sowie BIOSCAN-Europe haben zum Ziel mittels DNA-Barcoding alle deutschen bzw. europäischen Tierarten zu erfassen sowie die wissenschaftlichen Daten nachhaltig zu archivieren und zu pflegen. „Die ZSM erstellt bereits seit vielen Jahren umfassende DNA-Barcode-Bibliotheken der deutschen Fauna. Wir analysieren insbesondere verschiedenste Insektengruppen wie z.B. Schmetterlinge, Käfer oder Wanzen. In unseren Analysen überrascht uns immer wieder der hohe Anteil an noch unentdeckter Artenvielfalt bei einigen dieser Gruppen – sogar direkt vor unserer Haustür. In der groß angelegten europäischen Initiative wollen wir gemeinsam diese Wissenslücke schließen“, sagt Michael Raupach, Leiter der Sektion Hemiptera (Wanzen, Zikaden, Pflanzenläuse, Heuschrecken) an der ZSM.

Beim DNA-Barcoding werden kurze DNA-Sequenzen analysiert, um zwischen Arten zu unterscheiden. Mit modernen genetischen Sequenzierungstechniken hat das DNA-Barcoding das Potenzial, die Bestandsaufnahme des Lebens auf der Erde zu beschleunigen und eine Grundlage für die globale Überwachung der Ökosysteme zu schaffen.

Die Genomsequenzierung bestimmt die Reihenfolge der DNA-Nukleotide – die Bausteine des genetischen Codes – im Gesamtgenom einer bestimmten Art. Dies ermöglicht es Wissenschaftler:innen, Gene und andere Merkmale eines Genoms zu identifizieren und zu lokalisieren. Auf diese Weise erhält man ein vollständiges Bild davon, wie biologische Systeme funktionieren und wie Arten auf Umweltveränderungen reagieren und sich an sie anpassen.

Das 21-Millionen-Euro-Projekt Biodiversity Genomics Europe (BGE) wird von der Europäischen Kommission, Großbritannien und der Schweiz ko-finanziert und bis 2026 laufen. Es bringt Organisationen des BIOSCAN Europe DNA-Barcoding Konsortiums (104 Partnerinstitutionen aus 29 Ländern) und des ERGA-Konsortiums zur Genomsequenzierung (European Reference Genome Atlas) (709 Mitglieder in 37 Ländern) zusammen.

Weiterführende Informationen:

Kontakt:
PD Dr. Michael Raupach, Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr.21, 81247 München
Tel: 089 8107 145, E-Mail: raupach@snsb.de

Umweltminister Glauber verleiht SNSB Botaniker Andreas Fleischmann die Bayerische Umweltmedaille

Botanische Staatssammlung München

SNSB Botaniker PD Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) erhielt am gestrigen Donnerstagnachmittag die Umweltmedaille des Freistaates Bayern. Im Rahmen einer Ehrungsfeier in der ehemaligen Dominikanerkirche in Bamberg überreichte Staatsminister Thorsten Glauber die Auszeichnung.

Glauber Fleischmann Umweltmedaille
PD Dr. Andreas Fleischmann, Wissenschaftler an der Botanischen Staatssammlung München, erhält die Bayerische Umweltmedaille von Staatsminister Thorsten Glauber. (Bildquelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

Als Kurator für Blütenpflanzen an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) bringt Andreas Fleischmann sein breites Fachwissen für den Umweltschutz ein. Der Botaniker engagiert sich zudem intensiv in verschiedenen ehrenamtlichen Biodiversitätsinitiativen und setzt dabei auf Aufklärung und Information. Fleischmann erläutert Bürger:innen unermüdlich die Ursachen, Zusammenhänge und Folgen der Biodiversitätskrise.

„Sie versorgen die Gesellschaft mit den nötigen Fakten, um den Umweltschutz in Bayern voranzubringen“, begründete Staatsminister Thorsten Glauber die Auszeichnung. „Besonders herausheben möchte ich Ihre gelungene Wissenschaftskommunikation zu den Umweltthemen Biotopzerstörung und Blühstreifenmanagement und Ihr fachlich fundiertes Engagement in der umweltpolitischen Diskussion um Artenschwund, effektiven Artenschutz und die Einrichtung von Biotopbrücken.“

Die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt ist die höchste Auszeichnung, die der Bayerische Staat in diesem Bereich zu vergeben hat. Sie wird jährlich vom Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz an Personen oder Vereinigungen verliehen, die herausragende Verdienste um den Natur- und Umweltschutz erworben haben. In diesem Jahr erhielten elf Personen die Medaille.

Auch Prof. Dr. Dr. Joris Peters, Generaldirektor der SNSB, freut sich über die Ehrung: „Ich gratuliere Andreas Fleischmann sehr herzlich zu dieser tollen Auszeichnung. Sie zeigt die Wertschätzung für seine Arbeit als Wissenschaftler, hebt aber zugleich die Bedeutung naturhistorischer Sammlungen als Grundlage für die Beurteilung des Zustandes unserer Umwelt hervor. Denn um den Wandel zu erkennen und zu deuten, benötigen wir den Blick in die Vergangenheit – und diese zu rekonstruieren zählt zu den Kernaufgaben der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns.“

Andreas Fleischmann ist seit 2014 Wissenschaftler an der Botanischen Staatssammlung München, sowie seit 2021 Privatdozent für Systematik, Biodiversität & Evolution der Pflanzen an der LMU München. Seit 2020 hat Fleischmann den ersten Vorsitz der Bayerischen Botanischen Gesellschaft inne. Der Botaniker forscht insbesondere an fleischfressenden, parasitischen sowie mykoheterotrophen Pflanzen sowie zu paläobotanischen Themen.

Kontakt:
PD Dr. Andreas Fleischmann
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel: 089 17861 240, E-Mail: fleischmann@snsb.de

Katja Henßel
Öffentlichkeitsarbeit
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel: 089 17861 121, E-Mail: henssel@snsb.de

Alexander Gerst zu Gast im Nördlinger Ries

RiesKraterMuseum Nördlingen

Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst war vergangene Woche zu Gast im Nördlinger Ries. Er war einer der Teilnehmer:innen des geologischen Schulungsprogramms „PANGAEA“ der europäischen Weltraumorganisation ESA. Die erfahrene NASA-Astronautin Stephanie Wilson, ebenfalls Teilnehmerin des Kurses, gilt als eine der aussichtsreichsten Kandidat:innen für „die erste Frau auf dem Mond“. Der Geologe und Leiter des RiesKraterMuseums Nördlingen, Prof. Dr. Stefan Hölzl, war mit mehreren Stationen im RiesKraterMuseum und im ZERIN (Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen) sowie Geländeführungen an der Schulung und Organisation beteiligt.

Stefan Hölzl vom RiesKraterMuseum (SNSB Regionalmuseum) ist bereits seit mehreren Jahren an den PANGAEA (Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts) Schulungen der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA im Nördlinger Ries beteiligt. In diesem Jahr freute er sich ganz besonders über den Besuch des deutschen Weltraumforschers Alexander Gerst. Gerst, selbst Geophysiker und Vulkanologe, war 2018 Kommandant der Internationalen Raumstation ISS und hat bereits über 5700 Sonnenauf- und -untergänge im Weltraum erlebt.

Alexander Gerst und seine amerikanische Kollegin Stefanie Wilson, haben sechs Tage im Nördlinger Ries und am letzten Tag auch im nahegelegenen Steinheimer Becken für zukünftige Mond- oder Marsmissionen trainiert. Die beiden absolvierten im Rahmen des Programms ein geologisches Intensivtraining zu Grundlagen der Feldgeologie und Astrobiologie. Ziel ist die Schulung der Fähigkeit, wissenschaftlich relevante Gesteinsproben im Feld zu identifizieren, zu dokumentieren mit der Bodenkontrolle effizient zu kommunizieren. Hierzu diente ein straffes Unterrichtsprogramm mit rund 20 Unterrichtseinheiten (Vorlesungen und Übungen) in Schulungsräumen, im RiesKraterMuseum, im Bohrkernlager und im Isotopenlabor des ZERIN sowie 6 Exkursionen mit Übungen zu Schlüsselorten im Gelände.

Der Rieskrater war in diesem Jahr, nach den italienischen Dolomiten, die zweite Station von PANGAEA (Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts). Letzte Station wird die Kanareninsel Lanzarote sein.

Das Nördlinger Ries entstand vor knapp 15 Millionen Jahren bei der Kollision eines etwa 1 km großen Asteroiden mit der Erde und hat einen Durchmesser von ca. 25 km. Er ist einer der ganz wenigen gut erhaltenen unter den insgesamt etwa 200 bekannten Kratern der Erde und eignet sich deshalb ideal als Schulungsort für Astronaut:innen. Bereits vor über 50 Jahren absolvierten dort Astronauten der Apollo-Missionen 14 und 17 ein einschlägiges Training, ehe sie zum Mond aufbrachen.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Hölzl
RiesKraterMuseum Nördlingen
Eugene-Shoemaker-Platz 1, 86720 Nördlingen
Tel.: 09081 84713, E-Mail: s.h@lmu.de


Gesamtgenom der „Spanischen“ Wegschnecke entschlüsselt

Zoologische Staatssammlung München

Die „Spanische“ Wegschnecke (Arion vulgaris) breitet sich in Europa immer weiter aus. Für ihr enormes Ausbreitungs- und Schädlingspotential könnte eine besonders hohe Anzahl sogenannter „springender“ Genabschnitte die Grundlage sein, vermuten SNSB Zoolog:innen. Die Forscher:innen veröffentlichten kürzlich die vollständige Entschlüsselung des Gesamtgenoms der Landschnecke in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Die „Spanische“ Wegschnecke, die eigentlich Gemeine oder Gewöhnliche Wegschnecke heißt (Arion vulgaris), gilt als einer der größten Schädlinge in Europa. Sie richtet nicht nur in Haus- und Nutzgärten, sondern auch in der Landwirtschaft erhebliche Schäden an. Die äußerst robuste und anpassungsfähige Schneckenart breitet sich in Westeuropa immer weiter in nördliche und östliche Gebiete aus. Dabei verdrängt Arion vulgaris sehr erfolgreich andere heimische Landschneckenarten.

Eine neue Studie zeigt nun, dass das Genom von Arion vulgaris über eine besonders große Anzahl an mobilen Genabschnitten, sogenannte transponierbare Elemente (TE), verfügt, die innerhalb des Gesamtgenoms ihre Position verändern können. SNSB Forscher:innen vermuten hier den Ursprung für die extrem gute Anpassungsfähigkeit dieser invasiven Spezies.

Zeyuan Chen, Gastwissenschaftlerin an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) gelang es, im Rahmen ihrer Doktorarbeit das Gesamtgenom von Arion vulgaris zu entschlüsseln. Das Genom entpuppte sich als sehr groß und komplex und es ist eines von bisher nur wenigen entschlüsselten Gesamtgenomen einer Landschnecke, das erste einer terrestrischen Nacktschnecke überhaupt.

„Die Menge an mobilen oder auch „springenden“ Genabschnitten in der DNA der „Spanischen“ Wegschnecke hat uns überrascht. Sie machen mehr als 75% ihres Gesamtgenoms aus. Die besonders hohe Rate an solchen springenden Genen kann bedeuten, dass ein Organismus sich besser an neue Umweltbedingungen anpassen kann als andere. Sie könnte der Hintergrund für das enorme Ausbreitungs- und Schädlingspotential von Arion vulgaris sein“, deutet Erstautorin Zeyuan Chen die Ergebnisse ihrer Arbeit. „Motor für die rasche und flächendeckende Ausbreitung des Schneckenschädlings ist vermutlich die Erwärmung des Klimas wie auch die Verschleppung der Tiere durch menschliche Transporte.“

„Das hier entschlüsselte Genom bildet eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung der evolutionären Entwicklung von Schnecken und anderen Weichtieren wie z. B. die Evolution von Molluskenschalen sowie deren Verlust“, so Prof. Dr. Michael Schrödl, Schneckenexperte und Leiter der Molluskensektion an der Zoologischen Staatssammlung München. 

Publikation:
Chen, Z., Doğan, Ö., Guiglielmoni, N. et al. Pulmonate slug evolution is reflected in the de novo genome of Arion vulgaris Moquin-Tandon, 1855. Sci Rep 12, 14226 (2022). https://doi.org/10.1038/s41598-022-18099-7

Dr. Amaryllis Vidalis übernimmt Wissenschaftliche Geschäftsführung bei den SNSB

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Die Naturwissenschaftlerin Dr. Amaryllis Vidalis übernimmt zum 1. August 2022 die Funktion der
Wissenschaftlichen Geschäftsführung an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB). Sie berät und unterstützt den Generaldirektor der SNSB und vertritt ihn in nationalen und internationalen Gremien. „Dr. Vidalis hat bei den SNSB ideale Voraussetzungen um ihre Expertise in den Bereichen Forschungs- und Drittmittelförderung einzubringen“, unterstreicht Prof. Dr. Dr. Peters, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayern (SNSB). „Auch persönlich freue ich mich sehr auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit“, so Peters.

Vidalis war zuletzt Wissenschaftsmanagerin im TUM ForTe – Forschungsförderung & Technologietransfer, Technische Universität München. Als Wissenschaftsreferentin war sie mit der europäischen und internationalen Forschungs- und Drittmittelförderung betraut und beriet die Hochschulleitung bei strategischen und operativen Entscheidungen. Ihrem Diplom im Naturressourcen Management an der Demokrit-Universität Thrakien, Griechenland folgte 2006 eine Anstellung als Doktorandin in der Abteilung Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung an der Georg-August Universität, Göttingen. Hier erlangte Vidalis 2011 ihre Promotion zur Doktorin der Naturwissenschaften. Es folgten diverse wissenschaftliche Stationen, u.a. als Forschungsingenieurin an der Universität Umeå, Schweden und im Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt, Technische Universität München.  

„Mich hat stets ein ausgesprochenes Interesse an naturkundlichen Museen und Sammlungen als Mittel des gesellschaftlichen Diskurses über Forschung und neuere Technologien angetrieben“, erklärt Vidalis. Zu ihrem neuen Tätigkeitsbereich merkt Vidalis an: „Ich freue mich, mit meinen Erfahrungen als forschende Wissenschaftlerin und als Wissenschaftsmanagerin zum Erfolg des einzigartigen Konzeptes der SNSB beitragen zu können.“

Vidalis folgt auf die langjährige Wissenschaftliche Geschäftsführung Dr. Eva-Maria Natzer, die im letzten Jahr neue Herausforderungen angenommen hat.

Kontakt:
SNSB – Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Helene Tobollik
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: +49 (0)89 17861 123
Fax: +49 (0)89 17 99 92 55
E-Mail: tobollik@snsb.de

Dr. Amaryllis Vidalis, Foto: SNSB

Dr. Oliver Wings übernimmt wissenschaftliche Leitung des Naturkunde-Museums Bamberg

Naturkunde-Museum Bamberg

Der Geowissenschaftler und Paläontologe Dr. Oliver Wings übernimmt zum 1. August 2022 die wissenschaftliche Leitung des Naturkunde-Museums Bamberg. Wings ist Experte für Forschungs- und Grabungsprojekte, er hat weitreichende Erfahrungen in der Betreuung geologischer, mineralogischer und paläontologischer Sammlungen sowie in Konzeption und Umsetzung von Ausstellungsprojekten. In Lehre und Forschung liegt Wings‘ Schwerpunkt in der Erforschung jurassischer terrestrischer Wirbeltiere.

Wings war zuletzt Paläontologe und Kustos der Geowissenschaftlichen Sammlungen und der Geiseltalsammlung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach seiner Diplomarbeit über die Solnhofener Plattenkalke an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Promotion 2004 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zur Identifikation, Verbreitung und Funktion von Magensteinen bei Dinosauriern und Vögeln, folgten diverse wissenschaftliche Stationen u.a. in Hannover, Tübingen und als Kustos im Museum für Naturkunde Berlin.

„Gerade Paläontologie ist für die Wissensvermittlung prädestiniert, da sie relativ geringe Einstiegshürden bereithält und es mit Themen wie den Dinosauriern schafft, ein Publikum jeden Alters zu begeistern. Ich empfinde es als große Ehre, nun das angesehene Naturkunde-Museum Bamberg leiten zu dürfen“, erklärt Wings. Zu den eigenen Grabungen des Naturkunde-Museums Bamberg in den Oberjura-Plattenkalken von Wattendorf/Oberfranken unterstreicht Wings: „Die Häufigkeit der Wattendorfer Fossilfunde in Kombination mit ihrer exzellenten Erhaltung und der frühen Entstehungszeit ist einzigartig.“

Das Naturkunde-Museum ist über seine jetzige Eigentümerin, die Lyzeumstiftung Bamberg, eng mit der Universität Bamberg verbunden. Universitätskanzlerin Dr. Dagmar Steuer-Flieser, die zugleich 1. Vorstandsvorsitzende der Lyzeumstiftung ist, sieht darüber hinaus weitere Anknüpfungspunkte: „Zahlreiche Veranstaltungen und gemeinsame Projekte haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass es auch inhaltlich zwischen Naturkunde-Museum und Universität viele Schnittstellen und Kooperationsmöglichkeiten gibt. Diese Zusammenarbeit zu intensivieren und zu erweitern, ist eines der Ziele, die wir gerne gemeinsam mit Dr. Oliver Wings verwirklichen wollen. Wir freuen uns auf eine produktive und konstruktive Zusammenarbeit!“

Wings folgt dem 2021 verstorbenen und hoch geschätzten Museumsleiter Dr. Matthias Mäuser. „Nicht zuletzt auch dank des Engagements des kommissarischen Leiters Dr. Joachim Rabold vom Urwelt-Museum Oberfranken (UMO) findet Dr. Wings ausgezeichnete Grundlagen für seine Arbeit vor“, so Prof. Dr. Dr. Peters, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB). Peters ergänzt: „Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit und eine Fortführung des Naturkunde-Museums Bamberg als etabliertes Regionalmuseum der SNSB und Mitglied des Naturkunde Netzes Bayern.“

Mit dem Gründungsdatum 1791 gehört das Naturkunde-Museum Bamberg zu einer der frühesten öffentlich zugänglichen naturkundlichen Schausammlungen überhaupt. Zahlreiche Objekte besitzen daher nicht nur einen naturwissenschaftlichen, sondern auch einen kulturhistorischen Wert. Zu dem Museum gehört der Bamberger Vogelsaal – ein historisches Naturalienkabinett und ein Museum im Museum, bis heute weltweit der einzig original erhaltene Schauraum aus dem 19. Jahrhundert. Heute umfassen die Sammlungen des Bamberger Naturkunde-Museums rund 186.000 Belege.

Kontakt:
Naturkunde-Museum Bamberg
Fleischstr. 2
96047 Bamberg
Tel.: 0951 – 8631249, Fax: 0951 – 8631250
E-Mail: info@naturkundemuseum-bamberg.de

Dr. Oliver Wings, Foto: Markus Scholz

Seltene Wildbiene im Botanischen Garten entdeckt

Botanischer Garten München-Nymphenburg

Viele seltene und oft auch bedrohte Pflanzenarten werden in Erhaltungskulturen Botanischer Gärten vermehrt und herangezogen. Das dient auch dem Naturschutz: Botanische Gärten mit ihrer Vielzahl an Pflanzenarten sind auch ein hervorragender Lebensraum für viele heimische Tierarten. Im Botanischen Garten München-Nymphenburg wurde nun eine sehr seltene heimische Wildbiene entdeckt.

Für blütenbesuchende Insekten wie Bienen und Schmetterlinge gibt es im Botanischen Garten München-Nymphenburg ein stets reich gedecktes Nahrungsangebot. Seit 1997 werden die Wildbienen erfasst, derzeit sind 112 verschiedene Arten bekannt, was fast der Hälfte aller im Raum München bekannten Wildbienen-Arten entspricht. Bei einer Nachsuche im Juni 2022 wurde am Botanischen Garten München-Nymphenburg erstmal die seltene Stängel-Blattschneiderbiene (Megachile genalis) entdeckt. Diese Bienenart ist vom Aussterben bedroht, in den vergangenen Jahren wurde sie nur sehr selten in Bayern nachgewiesen. Bisher waren bayernweit nur sechs Fundorte bekannt, an vielen davon wurde diese Biene seit 80 Jahren nicht mehr gesehen.

In den Jahren 2020 und 2021 wurde die seltene Stängel-Blattschneiderbiene bereits an zwei Stellen in München in Kleingarten-Anlagen gefunden. Im Botanischen Garten wurde sie nun eher zufällig entdeckt, dort jedoch in größerer Zahl: Es konnten gleich vier Weibchen beim Pollensammeln beobachtet werden.

Die seltene Bienenart sammelt den Pollen für ihren Nachwuchs ausschließlich auf bestimmten Korbblütengewächsen, vor allem Disteln und Flockenblumen. Und davon gibt es in den Schausammlungen des Botanischen Gartens reichlich. Eine Besonderheit dieser Blattschneiderbiene ist auch ihr Nestbau: Sie baut keine Waben aus Wachs – wie die Honigbienen – und nistet auch nicht in Nisthilfen („Insekten-Hotels“) wie viele ihrer wildlebenden Verwandten.

Megachile genalis baut sich ihre Nester aus ausgeschnittenen Blattstücken, die sie in aufrechte, hohle Pflanzenstängel (zum Beispiel von Zwiebelpflanzen, Karden oder Disteln) steckt, in die sie vorher seitlich ein Loch genagt hat. Im Botanischen Garten wird versucht, die Nester der Art zu erhalten, so dass die seltene Bienenart dort hoffentlich auch in den nächsten Jahren beobachtet werden kann.

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Straße 67
80638 München
Telefon: 089 17861-240
Mail: fleischmann@snsb.de

Genome zeigen verstecktes Potential der Flechten

Botanische Staatssammlung München

Flechten bilden unter anderem Stoffe mit biotischer Wirkung, die für die Pharmazie von großem Interesse sind – sogenannte sekundäre Flechtenstoffe. Forscher:innen der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) fanden in Kooperation mit Wissenschaftler:innen der LMU München durch Genomanalysen eine unerwartet hohe Zahl an bisher unbekannten Genabschnitten, die für die Bildung von wichtigen sekundären Flechtenstoffen, die Polyketide, verantwortlich sind.

Neue Forschungsergebnisse zeigen das große versteckte Potenzial von Flechten. Möglicherweise beherbergen die Organismen deutlich mehr Wirkstoffe für Arzneimittel wie z.B. Antibiotika, Entzündungshemmer oder Zytostatika als bisher angenommen.

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften aus einer Pilz- und einer Algenart. Sie besiedeln weltweit Bäume oder Felsen. Insbesondere der Pilzpartner leistet im Verborgenen Erstaunliches: Er bildet unter anderem Stoffe, die für die Pharmazie von großem Interesse sind – sogenannte sekundäre Flechtenstoffe. Unter den Flechtenstoffen bilden die Polyketide die größte Gruppe. Sie werden im Stoffwechsel der Flechtensymbiose von den Flechtenpilzen produziert. Polyketide sind sowohl ökologisch sowie pharmazeutisch von Bedeutung: Sie schützen die Flechte vor der schädlichen Wirkung der UV-Strahlung und wirken unter anderem entzündungshemmend und antibakteriell. Zu den Polyketiden zählen aber auch giftige Substanzen wie das Aflatoxin des Schimmelpilzes oder auffällige Farbstoffe wie die Anthrachinone. In der Pharmaindustrie werden Polyketide unter anderem als Antibiotika verwendet.

Ein Forscherteam um Dr. Andreas Beck, Kurator und Flechten-Experte der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), hat gemeinsam mit Kolleg:innen der LMU München die Genome von Flechten bzw. deren Pilzpartnern analysiert – auf der Suche nach speziellen Genabschnitten, die für die Bildung der Polyketide verantwortlich sind. Mit erstaunlichem Ergebnis: Die Forscher:innen fanden unerwartet viele solcher Genabschnitte, sogenannte Polyketidsynthase-Gene. Deren Menge übersteigt die Zahl an bekannten Flechtenstoffen aus den Organismen um ein Vielfaches. Die Forschergruppe verglich in ihrer Studie über 600 Polyketidsynthase-Gene aus den Genomen von 23 Flechtenpilzen. Die Arbeit zeigt die bisher umfangreichste Übersicht von Polyketidsynthasen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Fungi.

Besonders überrascht hat die Wissenschaftler:innen, dass auch die eher unscheinbare rötliche Stäbchenflechte (Bacidia rubella) wesentlich mehr Polyketidsynthase-Gene besitzt als bisher  angenommen: „Bisher wurde für diese Krustenflechte nur sogenanntes Atranorin als Polyketid-Flechtenstoff nachgewiesen. Das Genom der Stäbchenflechte beherbergt aber insgesamt 10 Polyketidsynthase-Gene, die alle in der Lage sind, weitere Flechtenstoffe zu produzieren. Folglich sind bisher nicht einmal 10% der potentiellen Stoffwechselprodukte der rötlichen Stäbchenflechte bekannt“, erläutert Julia Gerasimova, von der LMU und der Botanischen Staatssammlung München und Erstautorin der Studie.

„Diese unerwartete Vielzahl sowie die Vielfalt der Polyketidsynthase-Gene legt nahe, dass wir noch längst nicht alle produzierten Flechtenstoffe kennen – weder ihre Struktur noch ihre Funktion bzw. Wirkungsweise. Unter diesen unbekannten Stoffen dürften sich viele mit sehr interessanter Wirkung befinden – interessant speziell für pharmazeutische oder biotechnologische Anwendungen“, so Andreas Beck von der Botanischen Staatssammlung München.

Publikation:
Gerasimova JV, Beck A, Werth S, Resl P. High Diversity of Type I Polyketide Genes in Bacidia rubella as Revealed by the Comparative Analysis of 23 Lichen Genomes. J Fungi (Basel). 2022 Apr 26;8(5):449. https://doi.org/10.3390/jof8050449

Kontakt:
Dr. Andreas Beck
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 266
E-Mail: beck@snsb.de

Alte DNA und Zähne zeigen: Die Römer brachten das Maultier mit

Staatssammlung für Paläoanatomie München

Erst die Römer brachten auch Maultiere im ersten Jahrhundert über die Alpen nach Norden, davor wurden in Mitteleuropa ausschließlich Pferde als Reittiere genutzt. Das zeigen die Genanalysen einer Forschergruppe der Universität Wien, des ArchaeoBioCenters der LMU München sowie der Staatssammlung für Paläoanatomie München (SNSB-SPM). Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen nun in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science.

Bis zum Ende der Eisenzeit (ca. 1. Jahrhundert vor Chr.) wurden in den keltischen Siedlungen im nördlichen Alpenvorland ausschließlich Pferde gezüchtet. Die von den Kelten hochgeschätzten „Tiere für die Elite“ fanden vor allem bei Militäreinsätzen Verwendung. Als die Römer kurz vor Christi Geburt in die Gebiete nördlich der Alpen vordrangen und sich dort ansiedelten, brachten sie aus dem Mittelmeerraum auch Maultiere mit. Diese waren beim Militär als Pack- und Arbeitstiere hoch angesehen. Die Römer schätzten die Esel-Pferd-Kreuzungen, sogenannte Hybride, insbesondere in Bezug auf ihre Kraft, Ausdauer und Trittsicherheit im Gebirge. Außerdem kommen Maultiere mit wenig wertvollerem Futter aus und sind widerstandsfähiger Krankheiten gegenüber als Pferde und Esel.

Der Beginn der wirtschaftlichen und militärischen Bedeutung von Maultieren für die Menschen in Siedlungsgebieten nördlich der Alpen war bisher mit Unsicherheiten behaftet. Selbst für Fachleute ist es schwierig, die archäologischen Überreste von Equiden – Pferde, Esel sowie deren Kreuzungen, die Maultiere und Maulesel – voneinander zu unterscheiden. Zu ähnlich sind sich die meisten Skelettelemente der Tiere aus dieser Gruppe. Ein Forscherteam der Universität Wien, des Lehrstuhls für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der LMU München sowie der Staatssammlung für Paläoanatomie München hat nun in einer Studie die alte DNA von über 400 Equiden aus einer keltischen und sieben römischen Siedlungen in den nördlichen Provinzen des Römischen Reichs – heute Süddeutschland, Ostschweiz und Österreich – untersucht. Die Genanalysen verglichen die Forscher:innen mit den Ergebnissen der klassischen Methoden zur Artbestimmung, der Analyse der Morphologie, Form und Größe von Unterkieferzähnen und ausgewählten Knochen. Überreste von Maultieren fanden sich nur in den römischen Siedlungen. Außerdem zeigten die Untersuchungen, dass Maultiere sich nicht nur anhand ihrer altDNA identifizieren lassen, sondern auch durch die Merkmale insbesondere ihrer vorderen Backenzähne, den sogenannten Prämolaren.

„Voraussetzung für die sichere Identifikation der Pferd-Esel-Hybridformen sind allerdings umfassende Referenzsammlungen von Equidenskeletten, damit Forscherinnen und Forscher diese mit archäologischen Funden vergleichen können“, erläutert Prof. Dr. Peters, Direktor der Staatssammlung für Paläoanatomie München und Inhaber des Lehrstuhls für Paläoanatomie, LMU München. „Nicht immer ist im archäologischen Fundmaterial DNA ausreichend gut erhalten, um Tiere sicher bestimmen zu können. Daher ist auch für die Erforschung vergangener Kulturen der Aufbau von umfangreichen naturkundlichen Sammlungen unabdingbar.“

Publikation:
Sharif MB, Mohaseb AF, Zimmermann MI, Trixl S, Saliari K, Kunst GK, Cucchi T, Czeika S, Mashkour M, Orlando L, Schaefer K, Peters J, Mohandesan E (2022) Ancient DNA refines taxonomic classification of Roman equids north of the Alps, elaborated with osteomorphology and geomric morphometrics, Journal of Archaeological Science, Vol. 143, 105624
https://doi.org/10.1016/j.jas.2022.105624

Kontakt:
Prof. Dr. Joris Peters
Lehrstuhl für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin der LMU München
Staatssammlung für Paläoanatomie (SNSB-SPM)
Kaulbachstr. 37 III, 80539 München
Tel: +49 (0)89 / 2180 – 5711
E-Mail: peters@snsb.de

Verlockender Reis: Wie das Huhn zum Menschen kam und seinen Weg nach Europa fand

Neue Forschungsergebnisse verändern unser Verständnis der Umstände und des Zeitpunkts der Domestikation von Hühnern, ihrer Ausbreitung über Asien in den Westen und zeigen, wie sich ihre Rolle in den Gesellschaften während der letzten 3.500 Jahre verändert hat. Experten fanden heraus, dass der voranschreitende Reisanbau wahrscheinlich einen Prozess in Gang setzte, der dazu führte, dass Hühner zu einem der zahlreichsten Tiere der Welt wurden. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Hühner zunächst als Exoten galten und erst einige Jahrhunderte später zum „Nahrungsmittel“ avancierten.

In früheren Arbeiten wurde angenommen, dass Hühner vor bis zu 10.000 Jahren in China oder Südostasien domestiziert wurden und dass Hühner in Europa schon vor über 7.000 Jahren vorkamen. Zwei neue Studien zeigen nun, dass diese Annahme falsch ist. Die treibende Kraft hinter der Domestikation von Hühnern dürfte die Einführung des Trockenreisanbaus in Südostasien gewesen sein, wo ihr wilder Vorfahre, das rote Dschungelhuhn, lebte. Der Trockenreisanbau wirkte wie ein Magnet, der die wilden Dschungelhühner aus den Wäldern in menschliche Siedlungen lockte – offenbar der Katalysator für eine engere Beziehung zwischen Mensch und Dschungelhuhn, aus der schließlich das Haushuhn hervorging.

Der Domestizierungsprozess wird um 1.500 v. Chr. auf der südostasiatischen Halbinsel nachweisbar. Die Forschungen deuten darauf hin, dass die Hühner zunächst durch Asien und erst im frühen ersten Jahrtausend vor Chr. über die von den frühen griechischen, etruskischen und phönizischen Seehändlern genutzten Routen in den Mittelmeerraum transportiert wurden.

In Europa haben die Menschen Hühner zunächst verehrt und im Allgemeinen nicht als Nahrungsmittel betrachtet. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass einige der frühesten Hühner einzeln und als vollständige Körper bestattet und somit gar nicht geschlachtet wurden. Viele der Hühner wurden auch zusammen mit Menschen bestattet, je nach Geschlecht der bestatteten Person entweder Hähne oder Hennen. Erst später während der Römerzeit wurden Hühner und Eier auch als Nahrungsmittel populär. In Britannien zum Beispiel verzehrten die Menschen Hühner erst ab dem dritten Jahrhundert nach Christus regelmäßig, vor allem in städtischen und militärischen Siedlungsplätze.

Das internationale Expertenteam wertete Überreste von Hühnern aus, die an mehr als 600 Fundorten in 89 Ländern gefunden wurden. Die Forscher:innen untersuchten die Skelette, Fundumstände und historische Aufzeichnungen über die Gesellschaften und Kulturen, in denen die Knochen gefunden wurden. Die ältesten erhaltenen Knochen des Haushuhns wurden

im neolithischen Ban Non Wat in Zentralthailand gefunden und stammen aus der Zeit zwischen 1.650 und 1.250 vor Christus.

Mittels Radiokohlenstoffdatierung gelang es dem Forscherteam das Alter von 23 Knochenfunden der frühesten Hühner aus Europa und Nordwestafrika direkt zu bestimmen. Die meisten der Knochen waren viel jünger als bisher angenommen. Die Ergebnisse widerlegen die Behauptung, dass Hühner in Europa bereits 6.000 v. Chr. lebten, und deuten darauf hin, dass sie erst um 800 v. Chr. nach Europa kamen. Nach der Ankunft im Mittelmeerraum dauerte es dann beinahe weitere 1.000 Jahre, bis sich Hühner in den kälteren Klimazonen Schottlands, Irlands, Skandinaviens und Islands etablierten.

Die beiden Studien erschienen in den Zeitschriften The Proceedings of the National Academy of Sciences USA und Antiquity.  Wissenschaftler:innen der Universitäten München, Exeter, Cardiff, Oxford, Bournemouth und Toulouse sowie von Forschungsinstituten in Deutschland, Frankreich und Argentinien durchgeführt, darunter auch die Staatssammlung für Paläoanatomie München (SNSB-SPM), waren an den Untersuchungen beteiligt.

Prof. Joris Peters von der Staatssammlung für Paläoanatomie München sowie der LMU München sagt: „Zusammen mit der insgesamt sehr anpassungsfähigen, im Wesentlichen auf Getreide basierenden Ernährung der Hühner spielten die Seewege eine besonders wichtige Rolle bei der Verbreitung der Hühner nach Asien, Ozeanien, Afrika und Europa.“

Prof. Naomi Sykes von der Universität Exeter sagt: „Der Verzehr von Hühnern ist so weit verbreitet, dass die Menschen glauben, wir hätten sie nie nicht gegessen. Unsere Erkenntnisse zeigen, dass unsere Beziehung zu Hühnern in der Vergangenheit viel komplexer war und dass Hühner jahrhundertelang gefeiert und verehrt wurden“.

Prof. Greger Larson von der Universität Oxford sagt: „Diese umfassende Neubewertung der Hühner zeigt erstens, wie falsch unser Verständnis von Zeit und Ort der Hühnerdomestikation war. Und, was noch viel spannender ist, wir zeigen, wie die Einführung des Trockenreisanbaus als Katalysator für die Domestikation der Hühner und ihre weltweite Ausbreitung wirkte.”

Dr. Julia Best von der Universität Cardiff sagt: „Dies ist das erste Mal, dass Radiokohlenstoffdatierungen in diesem Ausmaß verwendet wurden, um die Bedeutung von Hühnern in frühen Gesellschaften zu bestimmen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es notwendig ist, frühe Funde direkt zu datieren, da dies uns das bisher klarste Bild unserer frühen Interaktionen mit Hühnern liefert.“

Dr. Ophélie Lebrasseur vom CNRS/Université Toulouse Paul Sabatier und dem Instituto Nacional de Antropología y Pensamiento Latinoamericano, sagt: „Die Tatsache, dass Hühner heute so allgegenwärtig und beliebt sind, obwohl sie erst vor relativ kurzer Zeit domestiziert wurden, ist verblüffend. Unsere Forschung unterstreicht die Bedeutung solider osteologischer Vergleiche, sicherer stratigrafischer Datierungen und der Einordnung früher Funde in einen breiteren kulturellen und ökologischen Kontext“.

Prof. Mark Maltby von der Universität Bournemouth sagt: „Diese Studien zeigen den Wert von Museen und die Bedeutung von archäologischem Material für die Erforschung unserer Vergangenheit.“

Publikationen:
Peters J, Lebrasseur O, Irving-Pease E, Paxinos PD, Best J, Smallman R, Callou C, Gardeisen A, Trixl S, Frantz L, Sykes N, Fuller D, Larson G (2022) The biocultural origins and dispersal of domestic chickens. Proceedings of the National Academy of Sciences USA
https://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.2121978119

Best J, Doherty S, Armit I, Boev Z, Büster L, Cunliffe B, Foster A, Frimet B, Hamilton-Dyer S, Higham T, Lebrasseur O, Miller H, Peters J, Seigle M, Skelton C, Symmons R, Thomas R, Trentacoste A, Maltby M, Larson G & Sykes N (2022) Redefining the timing and circumstances of the chicken’s introduction to Europe and north-west Africa. Antiquity 2022 Vol. 0 (0): 1–15
https://doi.org/10.15184/aqy.2021.90

Kontakt:
Prof. Dr. Joris Peters
Staatssammlung für Paläoanatomie (SNSB-SPM)
& LMU München
Kaulbachstr. 37 III, 80539 München
Tel: +49 (0)89 / 2180 – 5711
E-Mail: peters@snsb.de

Die genetische Herkunft der ersten Bauern der Welt geklärt

Johannes Gutenberg-Universität Mainz / Staatssammlung für Anthropologie München

Der genetische Ursprung der ersten Ackerbauern im Neolithikum schien lange Zeit im Nahen Osten zu liegen. Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht wurde, zeigt, dass die ersten Bauern in Wirklichkeit eine Mischung aus eiszeitlichen Jäger- und Sammlergruppen darstellten, die sich über den Nahen Osten bis nach Südosteuropa erstreckten. An der Studie waren Forscherinnen und Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ebenso wie von den Schweizer Universitäten Bern und Fribourg beteiligt. Die von ihnen entwickelte Methode könnte dazu beitragen, weitere Prozesse der menschlichen Evolution mit einer bisher unerreichten Auflösung aufzudecken. Ebenfalls an der Studie beteiligt war Prof. Dr. Joris Peters, Direktor der Staatssammlungen für Anthropologie und für Paläoanatomie München sowie Generaldirektor der SNSB. Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden in München zahlreiche Proben von bayerischen Fundorten aus der Staatssammlung für Anthropologie (SNSB-SAM) befundet und anschließend für weitere genetische Analysen nach Mainz geschickt.

Die ersten Anzeichen für Ackerbau und eine sesshafte Lebensweise finden sich im sogenannten „Fruchtbaren Halbmond“, einer Region im Nahen Osten, wo die Menschen vor etwa 11.000 Jahren begannen, sesshaft zu werden und Tiere und Pflanzen zu domestizieren. Die Frage nach dem Ursprung von Ackerbau und Sesshaftigkeit beschäftigt die Forscherinnen und Forscher seit über 100 Jahren: Verbreitete sich der Ackerbau vom Nahen Osten aus durch kulturelle Diffusion oder durch Migration? Genetische Analysen prähistorischer Skelette stützten bisher die Vorstellung, dass die ersten Bauern Europas von Jägern und Sammlern in Anatolien abstammten. Diese neue Studie zeigt jedoch, dass sich die genetischen Ursprünge des Neolithikums nicht eindeutig einer einzigen Region zuordnen lassen, sondern dass am Ende der Eiszeit eine unerwartete und komplexe Bevölkerungs-dynamik stattfand, die zur genetischen Zusammensetzung derjenigen Bevölkerungsgruppen führte, die den Ackerbau und eine sesshafte Lebensweise erfanden.

Die ersten Bauern entstanden aus einem Mischungsprozess, der vor 14.000 Jahren begann

Frühere Analysen deuteten darauf hin, dass sich die ersten neolithischen Menschen genetisch von allen anderen Menschengruppen dieser Zeit unterschieden. Über ihre Ursprünge war wenig bekannt. Nina Marchi, eine der Erstautorinnen der Studie vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern sagt: „Wir stellen nun fest, dass die ersten Bauern Anatoliens und Europas aus einer Bevölkerungsmischung zwischen Jägern und Sammlern aus Europa und dem Nahen Osten hervorgegangen sind.“ Den Autoren zufolge begann der Mischungsprozess vor etwa 14.000 Jahren, worauf eine mehrere tausend Jahre dauernde Periode extremer genetischer Differenzierung folgte.

Ein neuer Ansatz zur Modellierung der Bevölkerungsgeschichte anhand prähistorischer Genome

Ermöglicht wurde diese Forschung durch die Kombination zweier Techniken: die Gewinnung hoch qualitativer Genome aus prähistorischen Skeletten in Verbindung mit demografischer Modellierung der daraus resultierenden Daten. Das Forscherteam prägte dafür den Begriff „demogenomische Modellierung“. „Es ist notwendig, Genomdaten von bestmöglicher Qualität zu haben, damit die neuesten statistischen Genommethoden die subtilen demografischen Prozesse der letzten 30.000 Jahre mit hoher Auflösung rekonstruieren können“, sagt Laurent Excoffier, einer der Hauptautoren der Studie. Zusammen mit Joachim Burger von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Daniel Wegmann von der Universität Fribourg hat Excoffier das Projekt initiiert. Laura Winkelbach, eine weitere Erstautorin und verantwortlich für die Produktion der Palaeogenome, fügt hinzu: „Das Gebiet der Palaeogenomik ist noch sehr jung, wir haben daher jahrelang unsere Labormethoden optimiert, um die Produktion solch hochauflösender Palaeogenome möglich zu machen. Nur etwa zehn Prozent der untersuchten Skelette enthielten ausreichend DNA, um sie derart intensiv zu untersuchen.“ Tatsächlich produzierten die Mainzer Anthropologen für diese Studie etwa 20-tausendfach mehr DNA-Sequenzen pro Skelett als branchenüblich. Die Arbeiten wurden in den hochspezialisierten palaeogenetischen Laboren der Johannes Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt, die weltweit zu den größten ihrer Art zählen.

Ein Model der Evolution des Menschen in Südwestasien und Europa

Prof. Dr. Joachim Burger von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und ebenso Seniorautor der Studie betont die Notwendigkeit der Interdisziplinarität einer solchen Studie: „Es hat fast zehn Jahre gedauert, die geeigneten Skelette zusammenzutragen, Genomdaten aus ihnen zu gewinnen und diese im historischen Kontext zu analysieren. Dies war nur durch die Zusammenarbeit mit zahlreichen Archäologen und Anthropologen möglich, die uns geholfen haben, unsere Modelle historisch zu verankern.“ Die historische Kontextualisierung wurde von Maxime Brami koordiniert, der mit Burger an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zusammenarbeitet. Der junge Prähistoriker war von einigen der Ergebnisse der Studie überrascht: „Die ersten Bauern Europas scheinen von Jäger- und Sammlerpopulationen abzustammen, die vom Nahen Osten bis zum Balkan lebten. Dies war archäologisch nicht vorhersehbar.“ Joachim Burger ergänzt: „Mit diesen Ansätzen haben wir nicht nur die Ursprünge der ersten neolithischen Populationen der Welt aufgeklärt, sondern auch ein allgemeines Modell der Evolution menschlicher Populationen in Südwestasien und Europa erstellt.“

„Natürlich bleiben räumliche und zeitliche Lücken bestehen, und dies bedeutet nicht das Ende der Forschung über die demographische Entwicklung des Menschen in dieser Region“, schließt Laurent Excoffier. Der Forschungsplan des Teams steht also bereits fest: Sie wollen ihr demografisches Modell mit Genomen aus den späteren Phasen des Neolithikums und der Bronzezeit ergänzen, um ein immer detaillierteres Bild der menschlichen Evolution zu erhalten.

Text: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Publikation

Marchi, Winkelbach, Schulz, Brami et al., The genomic origins of the world’s first farmers,
Cell (2022), https://doi.org/10.1016/j.cell.2022.04.008

SNSB entwickelt neue Diagnose-App für Forschung und Sammlungen

Botanische Staatssammlung München / SNSB IT-Zentrum

Das IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns hat seine neue App ‚DiversityNaviKey‘ (DNK) vorgestellt mit der sich naturwissenschaftliche Objekte zuverlässig bestimmen lassen. Grundlage für die Bestimmungs-App sind Bestände naturwissenschaftlicher Daten aus dem etablierten Datenbanksystem der SNSB Diversity Workbench.

Die neue App DiversityNaviKey (DNK) aus dem SNSB IT-Zentrum kann zuverlässig Organismen erkennen und identifizieren und ist für jedermann nutzbar. Das Tool erschien kürzlich in einer neuen Version und stellt nun wichtige zusätzliche Funktionen der interaktiven Bestimmung und Diagnose von Organismen und naturwissenschaftlichen Sammlungsstücken bereit.

„Der große Vorteil der DiversityNaviKey Web App ist: Sie kann als Progressive Web App (PWA) direkt online mit jedem gängigen Browser auf allen denkbaren Endgeräten wie Smartphone, Tablet oder PC zur interaktiven Diagnostik und Bestimmung verwendet werden. Sie ist einfach über den Browser installierbar und offline-fähig. Derzeit können Nutzer Organismen und andere naturwissenschaftliche Objekte durch den Abgleich mit sechs Fachdatenbanken bestimmen. Dazu gehören zum Beispiel große Datensätze von Pilzen und Flechten aber auch von chemischen Inhaltsstoffen mancher Lebewesen“, erläutert Diplom-Informatikerin Ariane Grunz, die Entwicklerin von DiversityNaviKey, die Funktionsweise des Projekts.

Die Diagnose in der App funktioniert textgesteuert. Das System beantwortet Fragen wie: „Welche von mehr als 11.000 Flechten hat eine gelbe Farbe, wächst auf Rinde und hat einen als giftig bekannten Inhaltsstoff?“ Oder: „Welche der fünf beschriebenen Bakterienkulturen wächst bei über 25 °C und hat eine bestimmte molekulare Signatur?“ Oder: „Welche der rund 200 bayerischen Heilpflanzen besitzt blaue Blüten, blüht im Frühjahr und besitzt Alkaloide?“

Grundlage für die neue App sind Datenbestände naturwissenschaftlicher Sammlungen aus dem Datenbanksystem Diversity Workbench, welches ebenfalls im SNSB IT-Zentrum entwickelt wurde. „Hier besteht auch die direkte Verbindung zwischen Biodiversitätsforschung und Fachdatenquellen“, erklärt Dr. Dagmar Triebel, Leiterin des SNSB IT-Zentrums „Wir entwickeln innovative Konzepte im Bereich Biodiversitäts- und Umweltinformatik. Die frei verfügbare Diversity Workbench ist ein modulares und gut dokumentiertes Datenbanksystem für das Langzeitdatenmanagement. Normierte und langzeit-kuratierte Fachdatenbestände und digitale Sammlungen sind ein Markenzeichen der SNSB und ihrer IT-Einheit im Bereich ‚Data Science‘. Die Erfassung und Archivierung digitaler Sammlungen wissenschaftlicher Namensdaten, naturwissenschaftlicher Klassifikationen und Fachausdrücke liegen in unserer Kernkompetenz.“

Wie lassen sich neue Datenquellen erzeugen und öffentlich zur Diagnostik und Identifikation in der App verfügbar machen? In einem ersten Schritt legen Forscher eine Datenbank bestehend

aus Organismen, Mineralien oder anderen Sammlungsobjekten und deren Merkmalen an. Diagnostisch geeignet sind phänologische (mikroskopische, makroskopische oder chemische), aber auch molekulare Merkmale wie Gensequenzen. Damit solche Datenmatrizen ohne Einschränkung verwendet werden können, ist eine Datenfreigabe und -publikation unter einer Creative Common Lizenz erforderlich. Zu sämtlichen Prozessen berät das Helpdesk-Team am SNSB IT-Zentrum zusammen mit dem NFDI4Biodiversity Konsortium und GFBio e.V.

Der Forschungsgemeinschaft wurde der Prototyp von DiversityNaviKey erstmals im Herbst 2021 auf dem Workshop ‚Computer Science for Biodiversity‘ vorgestellt – eine Veranstaltung der Deutschen Fachgesellschaft für Informatik (GI), mitorganisiert von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).

Die DNK-Datenpipelines an den SNSB sind universell einsetzbar und werden zusammen mit Technologien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und frei verfügbaren Datenbeständen angeboten. Die Entwicklung der App DiversityNaviKey ist das Ergebnis innovativer Teamarbeit zwischen SNSB IT-Zentrum und der Universität Bayreuth und wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Links:
Web App: https://divnavikey.snsb.info/
Hintergrundinfo zur App: https://diversityworkbench.net/Portal/DiversityNaviKey
Derzeit verfügbare Datenquellen: https://diversityworkbench.net/Portal/DWB_DiversityNaviKey_data_sources
DiversityNayiKey auf dem CS4biodiversity Workshop:
https://www.nfdi4biodiversity.org/de/cs4biodiversity/

Publikation:
Triebel, D., Grunz, A., Seifert, S., Link, A. & Rambold, G., 2021. DiversityNaviKey, a Progressive Web Application for interactive diagnosis and identification. In: INFORMATIK 2021. Gesellschaft für Informatik, Bonn. (S. 517–538). DOI: 10.18420/informatik2021-040; https://dl.gi.de/handle/20.500.12116/37705

Kontakt:
Dipl.-Inf. Ariane Grunz und Dr. Dagmar Triebel
SNSB – Botanische Staatssammlung München – SNSB IT-Zentrum
Menzinger Str. 67, 80638 München
E-Mail: It-center@snsb.de
Tel:  089 17861 265


Mitglieder Naturkunde Netz Bayern

Aktivitäten im Naturkunde Netz Bayern

Tatort Pflanzenfalle: DNA-Spuren geben Speiseplan fleischfressender Pflanzen preis

Botanische und Zoologische Staatssammlung München

SNSB Forscher ermitteln den exakten Speiseplan fleischfressender Pflanzen aus Australien durch die Analyse der Gene ihrer Beutetiere. Sogar winzige Parasiten auf gefangenen Insekten konnten so aufgespürt werden. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Die Untersuchung des Beutespektrums von fleischfressenden Pflanzen in deren natürlichen Lebensraum ist schwierig und aufwändig. Viele Beutetiere auf und in den Fallen fleischfressender Pflanzen sind durch den Verdauungsprozess nur noch schwer zu identifizieren. Gerade kleine, weichhäutige Insekten wie Mücken und kleine Fliegen sind durch den Verdauungsprozess oft nur noch als kleine unidentifizierbare Krümmel erkennbar. Um die vielfältigen gefangenen Insektenarten sicher identifizieren zu können, benötigt man viele Spezialisten und Experten. Doch eines lässt jedes Insekt auch nach seiner Verdauung auf den Blättern der räuberischen Pflanzen zurück: DNA. Diese spürten nun Wissenschaftler der Botanischen und der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB BSM & SNSB ZSM) sowie der Curtin-Universität in Perth, Westaustralien auf. Mit der molekularbiologischen Methode des DNA-Metabarcoding analysierten die Forscher die DNA-Spuren der gefangenen Insektenarten von den Blättern des australischen Sonnentaus (Drosera). Sie konnten so die Insektenarten des Beutespektrums von Drosera zuverlässig identifizieren. Um die Ergebnisse der Genanalysen zu überprüfen, verglichen die Wissenschaftler diese anschießend mit Makro-Fotografien der gefangenen Insekten.

Koautor der Studie Thilo Krueger von der Curtin-Universität in Perth fertigte dazu im Rahmen seiner Doktorarbeit tausende von Fotos an, um jedes einzelne gefangene Beutetier auf jedem gesammelten Drosera-Blatt zu dokumentieren. „Die Ergebnisse waren erstaunlich: wir konnten jedes noch so kleine gefangene Beutetier eindeutig über seinen DNA-Barcode identifizieren“, erläutert Thilo Krueger. Aber auch genetische Spuren von Insekten, die gar nicht als Beute gefangen wurden, konnten durch den Fotovergleich erkannt und ausgeschlossen werden: so zum Beispiel einige größere Bienen und Wespen, denen es oft gelingt, sich aus den klebrigen Fallen der Sonnentau-Blätter zu befreien. Auch dabei hinterlassen sie winzige DNA-Spuren auf den Blättern. Die Methode des DNA-Metabarcodings ist so empfindlich und genau, dass auch winzigste Insekten nachgewiesen werden konnten, die nicht als Beute auf den Blättern sichtbar waren. Beispielsweise Parasiten von gefangenen Insekten, die natürlich von der Pflanze als „Beifang“ auch mitverdaut werden.

„Unsere Untersuchungen zum Beutespektrum von fleischfressenden Pflanzen mittels genetischer Fingerabdrücke der gefangenen Beutetiere ähnelte fast einer modernen kriminalistischen Tatortrekonstruktion anhand von DNA-Spuren. Nur dass unsere “Crime Scene Investigation” darin bestand, herauszufinden was die fleischfressenden Pflanzen auf dem Mittagstisch hatten“, so Insektenexperte Dr. Axel Hausmann von der Zoologischen Staatssammlung München (SBSB-ZSM).

Als Studienobjekt haben die Wissenschaftler fleischfressende Pflanzen der Gattung Sonnentau aus der Kimberley-Region im tropischen Nordaustralien (Drosera) gewählt. “Drosera-Arten sind perfekt für unsere Untersuchungen, weil deren glitzernde klebrige Blätter offene Fallensysteme darstellen, das heißt, die gefangenen Beutetiere sind leicht sichtbar und können auch gut fotografisch dokumentiert werden. Und die Insektenbeute trocknet auf diesen Blättern schnell ab, nachdem sie verdaut wurde, was wichtig für den guten Erhalt des DNA-Material darin ist. Wasser ist der größte Feind beim Erhalt von Erbmaterial in unseren Versuchen, deswegen funktioniert die Methode bei den bekannten Kannenpflanzen nicht so gut“, so Studienleiter Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Fleischfressende Pflanzen locken Insekten und andere Kleintiere an, fangen und verdauen diese, um zusätzliche Nährstoffe aus dieser tierischen Beute zu ziehen, die sie nicht aus den nährstoffarmen Böden bekommen in denen sie wachsen. Damit haben fleischfressende Pflanzen als Nährstoffspezialisten einen Weg gefunden in Lebensräumen zu wachsen, in denen andere Pflanzen kaum existieren können. Viele der 860 fleischfressenden Pflanzenarten, die wir heute kennen, sind durch Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel bedroht. Um wirksame Pläne zu ihrem Schutz zu entwickeln, ist es auch nötig ihre Biologie zu kennen und zu verstehen, so auch ihr natürliches Beutespektrum. Sehr oft findet man mehrere verschiedene fleischfressende Pflanzen im selben Lebensraum zusammen, die vielleicht unterschiedliche Beutetiere fangen, um Konkurrenz zu vermeiden. Die Beantwortung solcher Fragen kann auch helfen, die Evolution und Artbildung bei fleischfressenden Pflanzen besser zu verstehen.

Die Studie wurde unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst aus Mitteln des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation (PFI) gefördert.

Publikation:
Krueger, T.A., Cross, A.T., Hübner, J., Morinière, J., Hausmann, A. & Fleischmann, A. (2022). A novel approach for reliable qualitative and quantitative prey spectra identification of carnivorous plants combining DNA metabarcoding and macro photography. Scientific Reports 12: Article 4778. https://doi.org/10.1038/s41598-022-08580-8

Kontakt:
PD Dr. Andreas Fleischmann
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Str. 67, 80638 München
E-Mail: fleischmann@snsb.de
Tel.: 089 17861 240

Dr. Axel Hausmann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: hausmann.a@snsb.de
Tel.: 089 8107 158

NFDI4Biodiversity löst GFBio ab

Karte DFG Förderatlas
Beteiligung von Wissenschaftseinrichtungen an NFDI, darunter auch die SNSB. Quelle: Internet-Seite der Deutschen Forschungsgemeinschaft www.dfg.de

Seit 2013 verfolgte die Forschungsinitiative German Federation for Biological Data (GFBio) das Ziel biologische und ökologische Forschungsdaten dauerhaft zu sichern und zu bewahren – um diese Wissenschaftler:innen weltweit für ihre Forschungen zugänglich zu machen. Gefördert wurde der Verbund aus rund 20 naturwissenschaftlichen Partnereinrichtungen mit rund 12 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit Ablauf des vergangenen Jahres 2021 endete GFBio als Projekt, jedoch nicht die Weiterverfolgung seiner Ziele: Die Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Biodiversität (NFDI4Biodiversity) baut auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre und einer etablierten Vereinsstruktur als GFBio e.V. auf. Die etablierten Dienste und Werkzeuge werden weitergenutzt und weiterentwickelt. Das SNSB IT-Zentrum ist Teil der Initiative – als eines von sieben Datenzentren der größten naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands. Im NFDI4Biodiversity-Konsortium kooperieren Partnerinstitutionen aus den Bereichen Biodiversität, Ökologie und Umweltforschung mit dem gemeinsamen Ziel auch zukünftig Forschungsdaten dauerhaft und kompatibel aufzubewahren. Dabei gelten die Prinzipien der „FAIR Data“. In diesem Zusammenhang steht FAIR für „Findable, Accessible, Interoperable and Re-Usable”, also auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar.

Das SNSB IT-Zentrum leitet in der neuen Forschungsdateninfrastruktur die Aufgabenbereiche Langzeitmanagement und -archivierung von Forschungs- und Sammlungsdaten, Werkzeugen und Diensten sowie die Zertifizierung von Datenzentren. Technologien wie die anerkannte Datenmanagement-Software Diversity Workbench (DWB) und sammlungsnahe Dienste zur Datenarchivierung und -publikation werden am SNSB IT-Zentrum nachhaltig entwickelt und dienen auch in Zukunft als Basis für den Umgang mit wissenschaftlichen Daten. Das Münchner Datenzentrum bietet außerdem die direkte Vergabe von Digital Object Identifiers (DOIs) für Forschungsdaten an, die über GBIF, GFBio- und NFDI-Portale veröffentlicht werden.

Das Konsortium NFDI4Biodiversity wird mit bis zu 25 Millionen Euro für zunächst fünf Jahre finanziert. Beteiligt sind 49 universitäre und außeruniversitäre Partnereinrichtungen in ganz Deutschland. Die NFDI als Ganzes sieht gemäß Bund-Länder-Vereinbarung zum Ende der Bewilligungsrunde rund 30 Konsortien wie NFDI4Biodiversity vor, die am Ende der Ausbaustufe in rund 10 Jahren eine verteilte, aber ganzheitlich agierende Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) mit verlässlichem und nachhaltigem Dienste-Portfolio und mehr als 1000 professionellen Akteuren bilden soll.

Mehr Informationen:

NFDI4Biodiversity: www.nfdi4biodiversity.org

GFBio e.V.: www.gfbio.org/gfbio_ev

SNSB IT-Zentrum: www.snsb.info

Millionen für die globale Biodiversitätsforschung

Zoologische Staatssammlung München

Die SNSB-Zoologische Staatssammlung München ist als Teil eines internationalen Konsortiums an einem kanadischen Forschungsvorhaben beteiligt, das mit insgesamt 24 Millionen kanadischen Dollar (rund 16,7 Millionen Euro) gefördert wird. Das unter der Leitung des kanadischen Wissenschaftlers Paul Hebert von der University of Guelph beantragte Projekt stellt eines der weltweit größten und ehrgeizigsten Forschungsvorhaben in der Biodiversitätsforschung dar. An der Beantragung des Projekts waren über 50 Wissenschaftler aus 30 Nationen beteiligt.

Das Projekt mit dem Titel “BIOSCAN: Tracing the Patterns of Life on a Changing Planet” (deutsch: Auf den Spuren des Lebens auf einem sich verändernden Planeten) ist Teil eines bereits 2019 begonnenen internationalen Forschungsvorhabens und erhielt nun Fördermittel von der kanadischen Regierung in Höhe von 24 Millionen kanadischen Dollar (rund 16,7 Millionen Euro). BIOSCAN zielt darauf ab, innerhalb der achtjährigen Projektlaufzeit die globale Artenvielfalt zu erfassen, Arten-Interaktionen zu dokumentieren und ein globales Biodiversitäts-Monitoring zu etablieren.

In der bereits abgeschlossenen, ersten Phase der globalen DNA-Barcoding-Initiative wurden innerhalb von fünf Jahren von über 500.000 Arten genetische Kenn-Sequenzen, sogenannte DNA-Barcodes, erzeugt. Darüber hinaus ermöglicht das DNA-Barcoding die Entdeckung der Millionen von unbekannten Arten, die weltweit bisher nicht erfasst wurden. Neu entwickelte Methoden wie das Metabarcoding machen es möglich, Umweltproben mit tausenden von Arten kostengünstig und schnell zu analysieren. Damit eröffnet sich in der Biodiversitätsforschung erstmals die Möglichkeit, Artenvielfalt exakt zu bestimmen und die Dynamik artenreicher Lebensgemeinschaften quantitativ zu untersuchen. “Das BIOSCAN-Projekt wird die globale Biodiversitätsforschung nachhaltig beeinflussen”, so Dr. Axel Hausmann, einer der beteiligten Wissenschaftler:innen an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), “und wir werden auf nationaler und internationaler Ebene viel zu dem Gelingen des Projekts beitragen.”

Die Münchner Forscher arbeiten seit über 10 Jahren daran, die deutschen Tierarten durch DNA-Barcodes bestimmbar machen. Im Rahmen mehrerer, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geförderter Projekte wurden bisher rund 24.000 heimische Tierarten genetisch erfasst. Im Rahmen des aktuellen Projekts mit dem Titel “GBOL III: Dark Taxa” werden vor allem bei uns bisher unbekannte Klein-Insektenarten erforscht. Dadurch wird eine wichtige Grundlage geschaffen, um die heimische Biodiversität und die Gründe für das Insektensterben besser zu verstehen.

Mehr Info:
https://news.uoguelph.ca/2022/01/global-biodiversity-project-led-by-u-of-g-receives-federal-funding/  – University of Guelph
https://bioscan-germany.de – BIOSCAN Germany
https://barcoding-zsm.de – DNA Barcoding an der Zoologischen Staatssammlung München
https://bolgermany.de/home/gbol3/ – German Barcode of Life – GBOL III:Dark Taxa

Kontakt
Dr. Axel Haumann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: hausmann.a@snsb.de
Tel.: 089 8107 158

Integration von Forschungsdaten erklärt das globale Vorkommen von Flechten anhand der Funktion ihrer Sekundärstoffe

Botanische Staatssammlung München

Die globalen Verbreitungsmuster von Flechten-Lebensgemeinschaften aus Pilz und Alge sind nicht nur ein Effekt interner evolutionärer Prozesse. Sie sind offenbar das Ergebnis einer durch Umweltfaktoren gesteuerten Selektion über die Produktion von sogenannten Flechtenstoffen. Ein interdisziplinäres Forscherteam korrelierte mit Beteiligung des SNSB IT-Zentrums die Forschungsdaten von über 10.000 Flechtenarten aus unterschiedlichen Informationssystemen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler:innen kürzlich in der Fachzeitschrift Ecology Letters.

Flechten, die symbiontische Lebensgemeinschaften aus einer dominanten Pilz- und einer Algenart bilden, besiedeln alle Teile unserer Erde, von den Polargebieten bis zum Äquator. Der pilzliche Partner (Mykobiont), der von den Kohlenstoffverbindungen aus der Photosynthese der Alge (Photobiont) abhängig ist, schützt diese vor der schädlichen Wirkung der UV-Strahlung und anderen Umwelteinflüssen. Dazu betreibt der Pilz einen hohen metabolischen Aufwand, indem er die UV-empfindlichen Grünalgen durch UV-absorbierende Sekundärmetaboliten (so genannte “Flechtenstoffe“) schützt. Allerdings sind diese Flechtenstoffe bis zu einem gewissen Grad wasserlöslich, was in Regionen mit hohem Niederschlag und Temperaturen, wie zum Beispiel in den Tropen, ihr Auswaschen aus dem Flechtenkörper begünstigt. 

Wie sich die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Pilz und Alge in Bezug auf Wasserlöslichkeit und UV-Wirksamkeit von Flechtenstoffen auf das globale Vorkommen von Flechten auswirkt, hat ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Pflanzenökologie, Mykologie/Lichenologie, Naturstoffchemie, Phylogenetik, Bioinformatik, Ökoinformatik und nicht zuletzt Datenwissenschaften an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) sowie den Universitäten Hohenheim und Bayreuth untersucht. Dazu wurden die öffentlich zugänglichen Datenbestände der Global Biodiversity Information Facility GBIF (www.gbif.org) zum globalen Vorkommen sowie die Datenbestände des Globalen Informationssystems für Flechten LIAS (www.lias.net) am SNSB IT-Zentrum zu den ökologischen und chemischen Merkmalen von mehr als 10.000 Flechtenarten gemeinsam analysiert und mit aufwändig berechneten physiko-chemischen Eigenschaften der Flechtenstoffe in Beziehung gesetzt.

Es zeigt sich, dass UV-Strahlung sowie Temperatur und korrelierte Niederschlagsmengen die globale Verbreitung der chemischen Eigenschaften von Flechtenstoffen bestimmen. Die globalen Verbreitungsmuster der Flechten-Lebensgemeinschaften aus Pilz und Alge sind also nicht nur ein Effekt interner evolutionärer Prozesse, sondern auch – vielleicht sogar überwiegend – das Ergebnis einer durch die genannten Umweltfaktoren gesteuerten Selektion über die Produktion von Flechtenstoffen. 

Die für die rechenintensiven Analysen verwendeten Datenbestände aus dem Informationssystem LIAS werden seit mehr als 20 Jahren an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) wissenschaftlich betreut und am dortigen Datenzentrum (SNSB IT-Zentrum) informationstechnisch ausgebaut. „Die weltweit größte Datenbank für Merkmalsdaten von Flechten ermöglicht globale Analysen sowie interaktive Bestimmungen von weit mehr als der Hälfte aller bekannten Flechtenarten“, erläutert Dr. Dagmar Triebel, Leiterin des SNSB IT-Zentrums und stellvertretende Direktorin der Botanischen Staatssammlung München.

Flechtengrafik

Publikation:
Schweiger, A.H., Ullmann, G.M., Nürk, N.M., Triebel, D., Schobert, R. & Rambold, G. 2021. Chemical properties of key metabolites determine the global distribution of lichens. Ecol. Letters 2021;00:1-11: https://doi.org/10.1111/ele.13930

Links:
https://www.gbif.org/
http://www.lias.net/

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
Botanische Staatssammlung München und SNSB IT-Zentrum
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 252
Email: triebel@snsb.de

Joris Peters neuer Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns

Zum 1. Januar 2022 hat Prof. Dr. Joris Peters das Amt des Generaldirektors bei den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) übernommen. Er löst damit seinen Vorgänger Prof. Dr. Gerhard Haszprunar nach 16 Jahren Amtszeit ab.

Joris Peters
Prof. Dr. Joris Peters, neuer Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB)

Mitglied des Direktoriums ist Prof. Dr. in de Wetenschappen Dr. med. vet. habil. Joris Peters als Direktor der Abteilung Paläoanatomie der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München bereits seit 2000, seit letztem Jahr auch als stellvertretender Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB). Auf Vorschlag des Direktoriums der SNSB wurde Prof. Peters vom Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler MdL als neuer Generaldirektor für den Zeitraum von fünf Jahren (2022-2026) bestellt. Das Amt des stellvertretenden Generaldirektors übernimmt Prof. Dr. Gert Wörheide, Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.

Als neuer Generaldirektor wird Prof. Peters die unter seinem Vorgänger Prof. Haszprunar begonnene Umstrukturierung der SNSB im Hinblick auf eine zukünftige Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft fortsetzen. Auf seiner Agenda stehen vor allem der Ausbau der Sammlungsinfrastruktur einschließlich der systematischen Digitalisierung und Langzeitarchivierung von Objekt- und Forschungsdaten, die Intensivierung der Forschung zu den Themen Alpine Systeme und Biosphärenwandel mit modernsten Methoden sowie neue Wege der Kommunikation zwischen SNSB und Öffentlichkeit. „Ich möchte meine Begeisterung für das wissenschaftlich und gesellschaftlich wichtige naturhistorische Erbe mit möglichst vielen Menschen teilen. Seit zwei Jahrhunderten bewahren, vergrößern und erforschen die SNSB umfangreiche naturkundliche Sammlungen, für die ich neue Zugänge eröffnen möchte.“

Nach dem Studium der Biologie und einer Promotion über Tierreste aus archäologischen Ausgrabungen im Sudan und Ägypten an der Universität Gent wechselte der gebürtige Belgier Prof. Peters 1987 an die Veterinärmedizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er sich 1996 habilitierte. Im Frühjahr 2000 wurde Prof. Peters auf den Lehrstuhl für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin und damit auch in die Leitung der Abteilung Paläoanatomie der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München (SAPM), der heutigen Staatsammlung für Paläoanatomie München (SPM), berufen.

Prof. Peters Forschungsschwerpunkte sind die Mensch-Tier-Umweltbeziehungen in alten Kulturen Zentraleuropas, des Vorderen Orients sowie Nordost- und Südwestafrikas. Sein besonderes Interesse gilt den Prozessen der Haustierwerdung in Südwestasien und die Verbreitung von Nutztieren nach Europa und Afrika. im Laufe seiner Forschung arbeitete Prof. Peters in bedeutenden naturhistorischen Sammlungen und untersuchte Tierknochenfunde aus archäologischen Ausgrabungen in mehr als 20 Ländern Europas, Afrikas und Asiens.

Der scheidende Generaldirektor Prof. Gerhard Haszprunar bleibt den SNSB sowie ihrem Direktorium noch bis zum April 2023 als Direktor der Zoologischen Staatssammlung München erhalten. Prof. Haszprunar blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die vergangenen 16 Jahre als Generaldirektor bei den SNSB zurück. „Nach 16 Jahren ist es – nicht zuletzt aus gesundheitlichen Gründen – Zeit, die Verantwortung in neue Hände zu legen. Ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute und viel Erfolg.“

“Kungas” für die gesellschaftliche Elite und den Krieg – die ältesten Hybriden unter den Pferdeartigen enttarnt

Die Sumerer nutzten offenbar schon vor 4.500 Jahren Pferdeartige bei Ihren Kriegszügen. Erstmals konnte ein französisches Forscherteam mittels Ancient-DNA-Analysen die frühesten durch Menschen gezüchteten Hybridtiere taxonomisch zuordnen, die im 3. vorchristlichen Jahrtausend in Mesopotamien – und somit lange vor dem Auftreten von Hauspferden in der Region – in der Kriegsführung eingesetzt wurden. An der Studie beteiligt war auch Prof. Joris Peters, Direktor der Staatssammlung für Paläoanatomie München und Lehrstuhlinhaber für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin an der LMU München. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler:innen nun in der Fachzeitschrift SCIENCE ADVANCES.

Pferde spielten eine wesentliche Rolle in der Geschichte der organisierten und höher entwickelten Kriegsführung. Zur Familie der Equiden gehören neben Pferden auch verschiedene Wildesel- und Zebraarten. Während südlich des Kaukasus Hauspferde erst vor ca. 4.000 Jahren bei Kriegen eingesetzt wurden (Guimaraes et al., 2020), nutzten die Sumerer bereits mehrere hundert Jahre zuvor Eselartige für das Ziehen von Wagen mit Kriegsgerät. Eine solche Situation belegt die berühmte “Standarte von Ur”, ein ca. 4.650 Jahre altes sumerisches Mosaik aus der südmesopotamischen Stadt Ur im heutigen Irak. Die taxonomische Zuordnung der verwendeten Zugtiere und deren Verwandtschaftsbeziehungen waren Forschern allerdings bis heute ein Rätsel. Auf Keilschrifttafeln dieser Zeit wurden die Tiere als wertvolle und gesellschaftlich hoch angesehene sogenannte „Kungas“ beschrieben. Ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Eva-Maria Geigl des Institut Jacques Monod, Université de Paris, des University Museum of Archaeology and Anthropology, Philadelphia, der Johns Hopkins University hat mit Beteiligung der Staatssammlung für Paläoanatomie München das Rätsel nun gelöst.

Ein Blick in alte Gene hat gezeigt: Bei den bronzezeitlichen „Kungas“ handelt es sich offenbar um die frühesten durch Menschen gezüchtete Hybride zwischen zwei Eselarten, denn sie stellten sich als Nachkommen erster Generation aus der Kreuzung zwischen weiblichen Hauseseln (Equus asinus asinus) und männlichen Syrischen Wildeseln (Equus hemionus hemippus) heraus. Letztere starben Anfang des 20. Jahrhunderts aus.

Aufschluss gaben die sogenannte altDNA-Analysen – die Untersuchung von DNA aus alten Geweben, die in Paris durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler:innen haben für ihre Studie die DNA von Equidenknochen aus der ca. 4.500 Jahre alten Elite-Begräbnisstätte Umm el-Marra im heutigen Nordsyrien untersucht. Ihre Analysen verglichen sie mit den DNA-Signaturen in einem ca. 11.000 Jahre alten Knochen eines Syrischen Wildesels aus dem frühneolithischen Kultplatz Göbekli Tepe (Türkei), dessen Analyse und Bestimmung vom langjährigen Göbekli Tepe-Forscher und Tierknochenexperten Prof. Joris Peters, Direktor der Staatssammlung für Paläoanatomie München (SNSB-SPM) und Lehrstuhlinhaber für Paläoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin an der LMU München vorgenommen wurde. Die letzten lebenden Exemplare der syrischen Wildesel lebten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Wiener Zoo Schönbrunn. Ihre Knochen werden im Naturkundemuseum von Wien aufbewahrt. Die alten Genome der Knochenfunde von Umm el-Marra sowie deren Beisetzung in Elite-Gräbern lassen darauf schließen, dass diese Hybridequiden den „Kungas“ entsprechen, die auf bronzezeitlichen Keilschrifttafeln mehrmals erwähnt und als vergleichsweise teuer galten, zahlte man doch für ein solches Tier das Sechsfache im Vergleich zu einem Hausesel. Mit der Einführung des Pferdes im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde die wohl nicht ganz unkomplizierte Zucht von Eselhybriden bedeutungslos, da nunmehr ein Haustier zur Verfügung stand, das, im Vergleich zum Hausesel, den Kungas hinsichtlich Schnelligkeit wohl kaum nachgestanden ist.

Publikation:
Bennett, E.A., Weber, J., Bendhafer, W., Champlot, S., Peters, J., Schwartz, G., Grange, T., Geigl, E.-M. (2022) The genetic identity of the earliest human-made hybrid animals, the kungas of Syro-Mesopotamia. Science Advances. Vol.8, Issue 2. DOI: 10.1126/sciadv.abm0218

Kontakt:
Prof. Dr. Joris Peters
Staatssammlung für Paläoanatomie (SNSB-SPM)
Kaulbachstr. 37 III, 80539 München
Tel: +49 (0)89 / 2180 – 5711
E-Mail: peters@snsb.de

Licht ins Dunkel: unbekannte Insektenvielfalt in Deutschland

In Deutschland gibt es wohl viel mehr noch unentdeckte Fliegen- und Mückenarten als bisher angenommen. Dies zeigen neue Ergebnisse des nationalen DNA-Barcoding-Projekts „German Barcode of Life III“ (GBOL III), welches gezielt bisher unbekannte Arten, sogenannte “Dark Taxa”, in unserer heimischen Fauna aufgespürt. Wissenschaftler:innen der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) veröffentlichten die Resultate ihrer Studie kürzlich im Fachjournal Insects.

Wie viele noch unbekannte Tierarten gibt es in Deutschland? Dies erforschen Wissenschaftler:innen im Rahmen des DNA-Barcoding-Projekts „German Barcode of Life“ (GBOL) an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM). Die Zoolog:innen nehmen an, dass in Tiergruppen wie Insekten und Spinnentieren selbst in der heimischen Fauna noch Tausende unbekannter Arten zu entdecken sind. Eine neue genetische Studie zeigt nun, dass vor allem in der großen Insektengruppe der Zweiflügler (Diptera), zu denen Fliegen und Mücken gehören, hierzulande tausende von Arten existieren, die bisher nicht bekannt sind. In Deutschland kennt man bisher rund 9.500 Fliegen- und Mückenarten. Mindestens 1800-2200 Arten aus dieser Insektengruppe warten in Deutschland noch auf ihre Entdeckung, schätzen die Forscher:innen der ZSM. Die Wissenschaftler:innen bezeichnen diese Arten als “Dark Taxa” – gemeint sind damit Arten, die noch keinen wissenschaftlichen Namen haben.

„Der hohe Anteil unentdeckter Artenvielfalt in einem vermeintlich gut untersuchten Land hat uns überrascht. Wir kennen in Deutschland etwa 33.000 Insektenarten. Doch unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass es viel mehr Insektenarten bei uns gibt, als wir kennen. Mit „GBOL III: Dark Taxa“ schaffen wir eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, um den Rückgang der Insekten insgesamt in Deutschland besser zu verstehen“, so Dr. Stefan Schmidt, einer der Leiter der DNA-Barcoding-Projekte an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM).

Für die Studie wurden 48.000 Insekten genetisch untersucht. Die Proben wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren an verschiedenen Standorten im Bayerischen Wald, den Allgäuer Alpen, und im städtischen Bereich auf dem Gelände der Zoologischen Staatssammlung München gesammelt. Die Gensequenzierung der Insekten erfolgte im Rahmen des nationalen Verbundprojektes „GBOL III: Dark Taxa“. Die DNA-Barcoding-Methode eignet ganz besonders für die Untersuchung von artenreichen, taxonomisch schwierigen Insektengruppen. Dabei werden genetische Kennsequenzen ermittelt, anhand derer sich unbekannte Arten entdecken lassen und mit denen bekannte Arten zuverlässig und schnell bestimmt werden können. Zu den beteiligten Institutionen gehören das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn, das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart, die Universität Würzburg sowie die Entomologische Gesellschaft Krefeld. In dem Projekt sollen Methoden entwickelt werden, um die Erfassung und Identifizierung bisher unbekannter Insektenarten in der deutschen Fauna drastisch zu beschleunigen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Die Ergebnisse des Projekts werden in einer globalen Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt. Ziel der Initiative ist es, eine Datenbank zu schaffen, mit der jedes unbekannte Tier, das in Deutschland gefunden wird, anhand seiner DNA bestimmt werden kann. Bisher wurden von den Münchener Forschern genetische Kennsequenzen von weltweit etwa 50.000 Tierarten erstellt.  

Publikation:
Chimeno C, Hausmann A, Schmidt S, Raupach MJ, Doczkal D, Baranov V, Hübner J, Höcherl A, Albrecht R, Jaschhof M, Haszprunar G, Hebert PDN. Peering into the Darkness: DNA Barcoding Reveals Surprisingly High Diversity of Unknown Species of Diptera (Insecta) in Germany. Insects. 2022; 13(1):82. https://doi.org/10.3390/insects13010082

Kontakt:
Dr. Stefan Schmidt
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: schmidt.s@snsb.de
Tel.: 089 8107 159

Links:
www.barcoding-zsm.de
www.bolgermany.de
www.boldsystems.org

Mücken
Ausgewählte Familien der „Dark Taxa“, die im Rahmen der Studie untersucht wurden (von oben links nach unten rechts): Cecidomyiidae, Phoridae, Sciaridae, und Chironomidae. (Foto: C. Chimeno, SNSB – Zoologsiche Staatssammlung München)

Neue Artinventur der bayerischen Schmetterlinge

Zoologische Staatssammlung München

Vielen einheimischen Schmetterlingsarten dürfte eine unsichere Zukunft bevorstehen: Insektenforscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG) haben neueste Daten zum Artenbestand der Schmetterlinge Bayerns veröffentlicht. Zwar wurden 111 bisher verschollen geglaubte Arten in Bayern wiederentdeckt, doch insgesamt sind die Artenzahlen für Schmetterlinge unverändert rückläufig.

Schmetterlinge (Lepidoptera) bilden die viertgrößte Tiergruppe der Welt und sind wichtige Bioindikatoren. Seit Jahren sind die Artenzahlen für Schmetterlinge stark rückläufig. Eine Checkliste aus dem Jahr 2016 bestätigte rund 13% Arten-Verluste für bayerische Schmetterlinge sowie eine signifikante Abnahme von Populationsstärken vieler noch vorhandener Arten. In einer neuen Arbeit bringen die Schmetterlingsforscher Dr. Andreas Segerer, stellvertretender Direktor der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Alfred Haslberger, Vorstandsmitglied der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG) die Liste der bayerischen Schmetterlinge nun auf den neuesten Stand.

Die fortgesetzten Untersuchungen in den letzten fünfeinhalb Jahren brachten auch Überraschendes zu Tage: Die Zahl der aus Bayern bekannten Arten ist um 64 gestiegen und nunmehr auf 3307 angewachsen, was knapp 90% der deutschen Schmetterlingsfauna entspricht. Zu den großen Überraschungen zählt die Entdeckung des Kleinschmetterlings Aproaerema cinctelloides im Donautal, der bisher als Endemit der Insel Korsika galt. Auch wurden in den letzten Jahren 111 bisher verschollen geglaubte Arten in Bayern wiederentdeckt. Allerdings: „Die weit überwiegende Mehrzahl dieser Fälle ist das Resultat gezielter Nachsuchen, nicht von Bestandserholungen oder aktiver Ausbreitung“, erläutert Seniorautor Andreas Segerer. „Die Zahlen haben sich verändert, nicht aber der generelle Trend und die Ursachen der insgesamt negativen Bestandsentwicklung. Tatsächlich handelt es sich bei den meisten Wiederentdeckungen nur um Einzelfunde von Arten, deren Bestand um die Nachweisgrenze schwankt. Von 3307 bekannten Arten in Bayern sind aktuell noch 3258 nachgewiesen. Unsere Studie erlaubt den bisher schärfsten Blick auf den Artbestand bayerischer Schmetterlinge und seine Veränderungen über die vergangenen 200 Jahre.“

Als wichtigstes Reservoir der Artenvielfalt identifizierten die Autoren strukturreiche, abgelegene Regionen, die gegen den Eintrag schädlicher Chemikalien abgeschirmt sind – in erster Linie großräumige Schutzgebiete und Sonderstandorte wie Truppenübungsplätze oder Steinbrüche. Auf offener Flur sind die Artenverluste hingegen am höchsten. Im landwirtschaftlich besonders intensiv genutzten Hügelland südlich der Donau manifestierte sich das große Artensterben schon um Mitte des 20. Jahrhunderts. In den Magerrasen Nordwestbayerns beschleunigt sich der Artenrückgang in den letzten Jahrzehnten massiv, was die Autoren vor allen Dingen auf Landnutzungsänderungen, Klimaerwärmung und zunehmende Belastung durch düngewirksame Stoffe und verdriftende Pestizide zurückführen. Vergleichsweise günstig stellt sich die Situation für die Alpenschmetterlinge dar, für die es landschaftsbedingt am meisten Rückzugsräume gibt. Die Studie zeigt erneut, wie wichtig die Biodiversitätsforschung für den Artenschutz ist. Sie bildet die Datengrundlage für den Schutz ökologisch einzigartiger Lebensräume.

Publikation:
Haslberger, A. & Segerer, A.H. 2021: Fünf Jahre „Checkliste der Schmetterlinge Bayerns“: Eine Erfolgsgeschichte der bayerischen Insektenfaunistik auf neuestem Stand (Insecta: Lepidoptera). – Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 111: 5-44, 6 online-Supplemente (S5-S10; barcoding-zsm.de/bayernfauna/lepidoptera).

Kontakt:

Dr. Andreas Segerer
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Sektion Lepidoptera
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: segerer@snsb.de
Tel.: 089 8107 151 oder 0157 517 254 28

Typisch Adler? Der Haastadler bevorzugte Riesenbeute wie ein Aasgeier

Zoologische Staatssammlung München

Der ausgestorbene Haastadler (Hieraaetus moorei) ist der größte bisher bekannte Adler. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass er vermutlich riesige Landvögel jagte, die größer waren als er selbst, und sich dann wie ein Aasgeier von den inneren Organen der Kadaver ernährte. Ein internationales Wissenschaftler-Team um SNSB-Zoologin Anneke van Heteren verglich anhand von 3D Computermodellen Hirnschädel und Krallen von lebenden Raubvögeln und Aasfressern mit denen des Haastadlers. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen nun in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences.

Mit einer Flügelspannweite von drei Metern ist der bis zu 15 Kilo schwere Haastadler (Hieraaetus moorei) der größte bekannte Adler. Heute lebende Adler sind etwa halb so groß. Die bisher ältesten Fossilfunde des Riesenadlers stammen aus Neuseeland und sind rund 35.000 Jahre alt. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ist der Vogel ausgestorben. Trotz seiner Größe ist der Haastadler verwandt mit einem der kleinesten Adler der Welt, dem Australienzwergadler Hieraaetus morphnoides. Die Frage, ob der Haastadler geierähnliche Merkmale aufweist und welche Funktion sie haben könnten, ist nach wie vor umstritten.

Ein Internationales Forscher-Team um Anneke van Heteren, Leiterin der Sektion für Säugetiere an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) fand nun heraus: Der Riesenadler war vermutlich ein aktiver Jäger und jagte riesige Landvögel, die deutlich größer waren als er selbst. Danach verschlang er vorrangig die inneren Organe der Kadaver, ähnlich wie ein aasfressender Geier.

Die charakteristische Form des Hirnschädels, Schnabels und der Krallen bei Greifvögeln sind Anpassungen an ihre Ernährungsweise. Die Forscher:innen verglichen nun die äußere Form und die biomechanischen Eigenschaften des Hirnschädels und der Krallen des Haastadlers mit denen von fünf heute lebenden Raubvögeln und Aasfressern: Für ihre Vergleichsstudie, nutzten sie zunächst eine spezielle 3D-Formanalyse, die sogenannte geometrische Morphometrie. Dafür markierten sie bedeutsame Messpunkte auf Krallen und Schädeln der Greifvögel mit sogenannten digitalen „Landmarks“. Diese Analysen kombinierten die Wissenschaftler:innen mit computergestützten Simulationen, die die biomechanischen Eigenschaften des Schädels und der Krallen beim Töten und Fressen sichtbar machten.

Der Hirnschädel des Haastadlers ist geierähnlich geformt, Schnabel und Krallen dagegen gleichen eher denen eines Adlers. Die biomechanischen Simulationen der Kopfbewegungen der untersuchten Greifvögel zeigten, dass die Verformung des Schädelknochens beim Töten beim Haastadler am geringsten war. Sein Biss war somit offenbar kräftiger als der eines modernen Adlers. Gefressen hat der Riesenadler seine Beute aber eher wie ein Geier: Das zeigen typische Verformungen des Schädels beim Zurückziehen und seitlichen Schütteln des Kopfes. Diese sind beim Haastadler ähnlich wie beim Andenkondor, der hauptsächlich die Eingeweide von Kadavern verschlingt. Die Krallen von Hieraaetus moorei waren adlerähnlich: groß, gebogen und spitz zulaufend. Die simulierte Formveränderung der Haastadlerkrallen beim Zupacken war deutlich geringer als bei den anderen Greifvögeln. Sie konnten so extrem hohen Belastungen standhalten.

 „Speziell die biometrischen Analysen der Krallen und des Schädels zeigen uns, dass die Beutetiere des Haastadlers vermutlich deutlich größer waren als er selbst. Von so großen Beutetieren ernähren sich in der Regel nur Aasgeier. Adler töten und fressen eher kleine Beutetiere. Wir vermuten, dass der Haastadler seinen Kopf wie ein Geier tief in die Eingeweide seiner Beute steckte, um diese zu fressen. Wir wissen, dass auf Inseln Evolutionsprozesse oft recht schnell ablaufen. Der Haastadler unterscheidet sich sehr deutlich von seinem nächsten lebenden Verwandten dem Australienzwergadler. Die Entwicklung der Mischung aus adler- und geierähnlichen Merkmalen bei Hieraaetus moorei könnte eine Reaktion auf einen besonders hohen Selektionsdruck gewesen sein“, interpretiert Anneke van Heteren die Ergebnisse ihrer Studie.

Die Ergebnisse der Computersimulationen werden zusätzlich durch Fossilfunde aus Neuseeland untermauert: Zu den Beutetieren des Haastadlers gehörten auch Moas – ebenfalls ausgestorbene große neuseeländische Laufvögel. Der größte Moa wog rund 200 kg. Eventuell sah der Haastadler sogar einem glatzköpfigen Aasgeier recht ähnlich, wie eine auf der Südinsel Neuseelands entdeckte Maori-Felsenzeichnung zeigt.

Publikation:
van Heteren A. H., Wroe S., Tsang L. R., Mitchell D. R., Ross P., Ledogar J. A., Attard M. R. G., Sustaita D., Clausen P., Scofield R. P. and Sansalone G. 2021 New Zealand’s extinct giant raptor (Hieraaetus moorei) killed like an eagle, ate like a condor Proc. R. Soc. B. 2882021191320211913
http://doi.org/10.1098/rspb.2021.1913

Kontakt:
PD Dr. Anneke H. van Heteren
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 0151 651 617 15
E-Mail: vanHeteren@snsb.de

Die Unabhängigkeit der großen Zehe

Zoologische Staatssammlung München

Die Evolution von Händen und Füßen ist entscheidend für das Verständnis der Entwicklung des Menschen. Unsere Hände ermöglichen es uns, die Welt um uns herum zu begreifen, unsere Füße den aufrechten Gang. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der große Zeh bei seiner Entwicklung einem größeren Selektionsdruck ausgesetzt war als der Daumen. Ein deutsch-französisches Forscherteam unter der Leitung der SNSB-Zoologin Anneke van Heteren hat eine neue statistische Methode entwickelt, um die Variationsbreite von Finger- und Zehenknochen von Homo sapiens zu vergleichen. Die Forscher:innen haben ihre Ergebnisse nun in der neuen Zeitschrift American Journal of Biological Anthropology, früher bekannt als American Journal of Physical Anthropology, veröffentlicht.

Hände und Füße haben wahrscheinlich einen gemeinsamen evolutionären Ursprung, denn bei den meisten Primaten, sehen diese recht ähnlich aus. Aber beim Menschen haben sich insbesondere die Füße unterschiedlich weiterentwickelt: So liegt die große Zehe parallel neben den übrigen Zehen, anstatt gegenüberstellt. Es ist immer noch nicht vollständig geklärt, wie genau sich die abweichende Morphologie der Großzehe beim Menschen entwickelte.

Ein deutsch-französisches Forscherteam unter der Leitung von Anneke van Heteren, Leiterin der Säugetiersektion an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat nun untersucht, im welchem Maß die Form der unterschiedlichen Finger und Zehen beim Menschen variiert. Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass die Form von Großzehen und Daumen bei Homo sapiens anders variiert als bei allen übrigen Fingern. Einfach erklärt bedeutet das: hat ein Mensch robuste Finger und Zehen, so bedeutet das nicht automatisch, dass sein Daumen und großer Zeh gleichermaßen robust sind. Vor allem der große Zeh zeigt viele Formvariationen, während die übrigen Zehen in gleichem Maße eher robust oder grazil sind.

Für ihre Studie haben Anneke van Heteren und ihre Kollegen menschliche Zehen- und Fingerknochen von knapp 80 Individuen untersucht und miteinander verglichen. Die Forscher:innen entwickelten dafür eine neuartige statistische Methode zur Ermittlung dieser sogenannten Kovariation. Ihre statistischen Berechnungen basieren auf digitalen „Landmarks“, Orientierungspunkten auf dreidimensionalen Computermodellen der Knochen.

„Uns hat erstaunt, dass die Großzehe beim Menschen offenbar relativ unabhängig von den übrigen Zehen und Fingern in ihrer Form variiert. Das könnte darauf hindeuten, dass die Großzehe eine größere Entwicklungs“freiheit“ im Vergleich zu den anderen Zehen hatte und so im Laufe der Evolution einem eigenständigen Weg folgen konnte. Dies ist möglicherweise die evolutionäre Folge eines erhöhten Selektionsdrucks auf die Großzehe im Zusammenhang mit der Entwicklung der Zweibeinigkeit. Diese Anpassungen des Fußes könnten zu Anpassungen in der Hand geführt haben und somit zur Evolution des Daumens und dem damit verbundenen Präzisionsgriff“, interpretiert Anneke van Heteren die Ergebnisse der Studie.

Publikation:
van Heteren, A. H., Friess, M., Détroit, F., & Balzeau, A. (2021). Covariation of proximal finger and toe phalanges in Homo sapiens: A novel approach to assess covariation of serially corresponding structures. American Journal of Biological Anthropology, 1– 18. https://doi.org/10.1002/ajpa.24439

Kontakt:
PD Dr. Anneke H. van Heteren
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 125 oder 0151 651 617 15
E-Mail: vanHeteren@snsb.de

Neues zu Riesenammoniten der Kreidezeit

Jura-Museum Eichstätt

Bis zu 1,74 Meter misst Parapuzosia seppenradensis, der größte Ammonit der Welt im Durchmesser. Weltweit gibt es nur wenige Fossilfunde dieser bereits ausgestorbenen Kopffüßer-Art aus der späten Kreidezeit (100-66 Millionen Jahre). Paläontologin und Leiterin des Jura-Museums Eichstätt, Christina Ifrim, hat mit einem Forscher-Team der Universität Heidelberg, der Universität Portsmouth und mexikanischen Kollegen aus dem Museo del Desierto, Saltillo, Coahuila in einer neuen Studie 154 Exemplare der Riesenammoniten-Gattung Parapuzosia aus Europa und Mexiko untersucht und verglichen, um mehr über deren Verbreitung und Entwicklung herauszufinden. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichten die Wissenschaftler:innen nun in der Fachzeitschrift PLOS ONE.

Ammoniten sind eine ausgestorbene Gruppe der Kopffüßer (Cephalopoda) und mit den heutigen Tintenfischen verwandt. Riesenformen dieser Tiere, wie auch Parapuzosia seppenradensis, bewohnten die Meere vor allem in der Kreidezeit (142-65 Mio. Jahre). Am Ende der Kreide (vor 66 Mio Jahren) starben die Ammoniten gemeinsam mit den Dinosauriern aus. Das erste Exemplar des Riesenammoniten Parapuzosia seppenradensis wurde im Jahr 1895 bei Seppenrade in Westfalen entdeckt. Er ist mit einem Durchmesser von 1,74 Metern weltweit der größte Ammonit, der bisher gefunden wurde – immer noch.

Fossilien-Funde von Parapuzosia seppenradensis waren bisher äußerst selten, daher ist über ihre Entwicklungsgeschichte bisher wenig bekannt. Paläontolog:innen der Universität Heidelberg haben nun historische Fossilien sowie 102 Neufunde der Art aus England und Mexiko im Rahmen einer umfassenden Vergleichsstudie untersucht. Das Wissenschaftler-Team um PD Dr. Christina Ifrim, inzwischen Leitern des Jura-Museums Eichstätt, verglich insgesamt 154 Parapuzosia-Exemplare, die vor 85-80 Millionen Jahren den Atlantischen Ozean der Oberen Kreidezeit bewohnten. 110 davon wurden in Mexiko und England direkt im Gelände gefunden – ein Glücksfall, denn so konnte die zeitliche Abfolge nun rekonstruiert werden. Die Forscher analysierten und korrelierten dabei die exakten Gehäuse-Maße der Fossilien, ihre Wachstumsstadien und die geografische Verteilung ihrer Vorkommen über die Zeit.

Die Analysen zeigen, dass bereits die frühesten Formen von Parapuzosia seppenradensis vor 83 Millionen Jahren auf beiden Seiten des Atlantiks – in Europa und Mittelamerika – lebten. Ihre Vorfahren (Parapuzosia leptophylla) hingegen waren zunächst nur auf der europäischen Seite und erst später auch im Golf von Mexiko heimisch. Die Paläontolog:innen konnten im Laufe der Evolution von P. seppenradensis auch eine deutliche Größenzunahme des Gehäuses von einem bis zu 1,8 Metern feststellen. Kopffüßer wurden zu dieser Zeit alle größer, aber keiner so groß wie Parapuzosia. Die Forscher:innen sehen hier einen möglichen Zusammenhang mit der zeitgleichen Größenzunahme bei Mosasauriern, die an der Spitze der Nahrungskette in den kreidezeitlichen Meeren standen. Überrascht hat die Paläontolog:innen die Verteilung der Fossilien innerhalb ihrer Fundstellen: Oft fanden sich Gehäuse von ausschließlich erwachsenen Tieren konzentriert in sehr eng begrenzten Bereichen. Nahe gelegene Areale desselben Fundgebiets dagegen brachten oft keine Reste von P. seppenradensis zu Tage. „Dies könnte ein Hinweis auf eine sogenannte monozyklische Fortpflanzungsstrategie sein. Dabei pflanzt sich ein Organismus nur ein einziges Mal in seinem Leben sexuell fort, bevor er stirbt“, interpretiert Christina Ifrim, Erstautorin der Studie ihre Beobachtung.

Publikation:
Ifrim C, Stinnesbeck W, González González AH, Schorndorf N, Gale AS (2021) Ontogeny, evolution and palaeogeographic distribution of the world’s largest ammonite Parapuzosia (P.) seppenradensis (Landois, 1895). PLOS ONE 16(11): e0258510.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0258510

Kontakt:
PD Dr. Christina Ifrim
Jura-Museum Eichstätt
Tel.: 08421 602980 oder 0162 30 67 16
E-Mail: ifrim@snsb.de


Eine Frage der Tentakel? Evolution der Schnecken in neuem Licht

Zoologische Staatssammlung München

Vier statt nur zwei Tentakel am Kopf: Dieses Merkmal könnte eine der Grundlagen für die große Vielfalt an Schnecken sein. Forscher der SNSB und der University of Tokyo haben durch genetische Analysen herausgefunden, dass Schnecken vor 400 bis 300 Millionen Jahren begannen vier Tentakel anstatt zwei zu entwickeln – erdgeschichtlich kurz vor der evolutionären Explosion, nach der wiederum fast 40 Prozent aller heute lebenden Weichtierarten entstanden sind.  Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse diese Woche in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

In ihren Tentakeln sind alle Sinne versammelt: Schnecken riechen, schmecken, tasten oder sehen mit ihren Sinnesantennen. Rund die Hälfte aller Schnecken verfügen über zwei Tentakel. Die andere Hälfte, die sogenannten Euthyneura, besitzen vier. Bei ihnen sind beispielsweise Geruchs- und Geschmackssinn voneinander getrennt.

Artenforscher aus München und Tokio entdeckten nun sogenannte „Missing Links“ – fehlende Bindeglieder der Evolution – zwischen den beiden Schneckengruppen: Die Fühler am Kopf von winzigen Meeresschnecken-Arten der Gattungen Parvaplustrum und Tjaernoeia sind an deren Ende gabelartig gespalten. Die Nervenstränge in den Fühlern dieser Schnecken verlaufen an der Basis noch fast zusammen und spalten sich zum Ende hin auf.  „Diese Form der Sinnestentakel war bisher unbekannt – Schnecken hatten sonst entweder ein paar Fühler oder zwei, aber kein Mittelding,“ erläutert Bastian Brenzinger, Schneckenforscher der Zoologischen Staatssammlung München und Erstautor der Studie.

Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München und der University of Tokyo haben viele Daten zu teils winzigen Meeres- und Landschnecken analysiert, um deren Entwicklungsgeschichte aufzudecken. Manche von ihnen sind nur wenige hundert Mikrometer lang, wie beispielsweise die Meeresschnecke Tjaernoeia exquisita mit rund einem halben Millimeter Körperlänge – eine der kleinsten lebenden Schneckenarten.  Mithilfe von dreidimensionalen Rekonstruktionen machten die Schneckenforscher die Kopfanatomie sowie das zentrale Nervensystem der Tiere sichtbar.

Eine ausführliche Diagnose von genetischen Daten der Schnecken ermöglichte den Experten neue Einblicke in die Vergangenheit und die Verwandtschaftsverhältnisse. Die genetischen Analysen haben im Vergleich mit den Körperbauplänen gezeigt, dass die neu entdeckten „Gabelfühlerschnecken“ ein sehr ursprünglicher Teil der Gruppe der „Vierfühlerschnecken“ sind. Denen gegenüber stehen alle übrigen „Zweifühlerschnecken“, die entwicklungsgeschichtlich älter sind. Die Forscher vermuten, dass der Erwerb der verbesserten Kopfsensoren im Meer des Paläozoikums stattgefunden hat, also zu einer Zeit als die heutigen Kontinente noch als Superkontinent Gondwana auf der Südhalbkugel der Erde verbunden waren. Gehalten hat sich das „Vierfühler“-Merkmal bis heute erfolgreich: augenscheinlich bei so gut wie allen in Deutschland vorkommenden Landschnecken, aber auch bei einem großen Teil der Wasserschnecken, insbesondere den Meeresnacktschnecken. Über dreißigtausend Schneckenarten haben diese Kopfform.

„Eventuell sind die Veränderungen der Sensoren am Kopf ein bisher übersehenes Schlüsselereignis in der Evolutionsgeschichte der Schnecken. Sie könnte sogar mit der explosionsartigen Ausbreitung der Schnecken vor 320-220 Mio. Jahren in Zusammenhang stehen. Danach gab es eine enorme Steigerung in Vielfalt und Artenzahl“, deutet Dr. Bastian Brenzinger die Ergebnisse der Studie.

Publikation:
Brenzinger, B., Schrödl, M. & Kano, Y. Origin and significance of two pairs of head tentacles in the radiation of euthyneuran sea slugs and land snails. Sci Rep 11, 21016 (2021). https://doi.org/10.1038/s41598-021-99172-5

Kontakt
Dr. Bastian Brenzinger & Prof. Dr. Michael Schrödl
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 – 137/ -142
E-Mail: brenzinger@snsb.de, schroedl@snsb.de

Geologie im Ries macht Astronauten fit für den Mond

RiesKraterMuseum Nördlingen

Bereits zum dritten Mal besuchen diese Woche Astronaut:innen und Missionsplaner der Weltraumorganisationen ESA und NASA im Rahmen Ihrer geologische Ausbildung das Nördlinger Ries. Auch der Leiter des RiesKraterMuseums Nördlingen, Prof. Stefan Hölzl, ist u.a. mit Geländeführungen an der Schulung beteiligt.

Vom 13. – 17. September 2021 ist Nördlingen und das Ries erneut eine von insgesamt drei Stationen, an der die Europäische Raumfahrtorganisation ESA Schulungen für Teilnehmer und Planer künftiger Raumfahrtmissionen durchführt. Neben grundlegenden geologischen Themen stehen diesmal besonders Lektionen zu Themen wie der Suche nach Lebensspuren oder der kontaminationsfreien Probenahme auf dem Lehrplan. Mit dazu gehören natürlich auch Exkursionen zu Aufschlüssen und Aussichtspunkten im umliegenden Ries, wo das theoretische Wissen in Begleitung der lokalen Spezialisten erprobt und erweitert werden kann. Die ganz besonderen geologischen Gegebenheiten im Asteroidenkrater „Nördlinger Ries“ bieten hier – wie kaum sonstwo auf der Erde – die Gelegenheit, typische Impaktphänomene zu erkennen und zu studieren. In diesem Jahr sollen die Teilnehmer:innen des Ausbildungsprogramms für das Sammeln von Gesteinsproben von der Mondoberfläche geschult werden – noch mehr mit Blick auf die in naher Zukunft geplanten Artemis Missionen der NASA, bei denen erstmals nach 50 Jahren wieder Menschen auf dem Mond landen sollen.

Der Rieskrater ist diesmal die zweite Station des sogenannten PANGAEA Programms 2021 (Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts) der ESA. Der Krater mit etwa 25 km Durchmesser ist vor knapp 15 Millionen Jahren durch die Kollision eines etwa 1 km großen Asteroiden mit der Erde entstanden. Er gehört weltweit zu den besterhaltenen Kratern dieser Größenordnung. Bereits die Teilnehmer der Apollo 14 Mond-Mission absolvierten dort vor über 50 Jahren ihr Astronautentraining. Die ESA-Astronauten bekommen vor Ort Einblicke in Aufbau, Entstehung und Beschaffenheit eines Impaktkraters und seiner ganz speziellen Geologie.

Schulungsort für das Geologie-Trainingsprogramm der PANGAEA Teilnehmer ist das Zentrum für Ries-krater- und Impaktforschung Nördlingen (ZERIN), das als Forschungs-, Bildungs- und Dokumentationszentrum des RiesKraterMuseums Nördlingen dient und u.a. eine umfangreiche Sammlung an Bohrkernen und Gesteinen aus dem Ries sowie ein Labor für Radiogene Isotope beherbergt. Das Ries-KraterMuseums ist mit Geländeführungen, der Bereitstellung von Demo-Material, Labor-Demonstrationen und natürlich auch Museumführungen an der Schulung beteiligt. In diesem Jahr nehmen der ESA-Astronaut Andreas Mogensen, die NASA-Astronautin Kathleen Rubins sowie der EAC-Weltraumingenieur Robin Eccleston am Training teil.

Das aktuelle Feldtraining musste pandemiebedingt bereits mehrfach verschoben werden und stellt auch unter den derzeitigen Bedingungen logistisch eine erhebliche Herausforderung für die Organisation bei der ESA und vor Ort dar.

Der Leiter des RiesKaterMuseums Nördlingen, Prof. Stefan Hölzl, freut sich, dass das Feldtraining 2021 trotz der schwierigen Randumstände nun stattfindet und er und sein Team das Programm unterstützen und bereichern können: „Wir sind stolz, ein weiteres Mal das PANGAEA Team bei uns im RiesKraterMuseum empfangen zu dürfen und unsere Expertise zur Verfügung stellen zu können.“

Die ESA-Astronauten besuchten in der ersten Woche des Kurses die Bletterbachschlucht in den italienischen Dolomiten und werden im November die Vulkanlandschaften der Kanareninsel Lanzarote erkunden.

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Hölzl
RiesKraterMuseum Nördlingen
Eugene-Shoemaker-Platz 1, 86720 Nördlingen
Tel.: 09081 84713, E-Mail: s.h@lmu.de

Biosphärenwandel

Viele Aspekte des globalen Wandels der Biosphäre werden mithilfe von Sammlungen nachgewiesen und untersucht. Botanische, zoologische und anthropologische Sammlungen spiegeln unterschiedliche Aspekte der Entwicklung der Biosphäre wider, während paläontologische und geologische Sammlungen die Veränderungen der Geo- und Biosphäre in der Erdgeschichte beleuchten.

Geodiversität

Die mineralogische Forschung der SNSB widmet sich unter anderem Phosphat-Mineralen. Phosphat ist ein für die Pflanzenernährung strategisch wichtiger Rohstoff. Das Mineral ist in der Natur nur in wenigen vereinzelten, meist biologisch entstandenen Lagerstätten vorhanden. Eine Lagerstätte in Bayern ist der sogenannte Phosphatpegmatit von Hagendorf in der Oberpfalz. Sie weist die höchste Diversität an Phosphatmineralien weltweit auf.

Geo- und Biosphärenwandel durch Impakt am Beispiel Nördlinger Ries

Das Nördlinger Ries, der Einschlagskrater eines rund einen Kilometer großen Asteroiden im nördlichen Alpenvorland, ist weltweit einzigartig. Die Erforschung des Nördlinger Ries ist von überregionaler Bedeutung: Die Erde verdankt ihre Entstehung sogenannten Impaktprozessen, in deren Folge sich aus Weltraumstaub größere Gebilde formten.

Wissenschaftler:innen der SNSB untersuchen gemeinsam mit der LMU und weiteren Kooperationspartnern unter anderem, wie sich Materie unter extremen thermomechanischen Bedingungen in „exotische“ Zustandsformen wandelte und ob heute noch vorhandene exotische Eisenverbindungen in Gesteinen genutzt werden können, um Rückwirkungen von Einschlägen auf das Erdmagnetfeld zu rekonstruieren. Zudem wollen sie die Frage beantworten, wie sich die Biosphäre nach einem derartigen Impaktereignis regeneriert und welche Lebensformen dabei eine besondere Rolle spielen.

Biodiversität und Diversitätsdynamik

Die SNSB streben eine detaillierte Arteninventur für die gesamte bayerische Flora und Fauna an. Solche Inventuren schaffen eine unverzichtbare Datengrundlage für alle Monitoring-Aktivitäten. Dabei ist das Bio-Monitoring selbst nicht Aufgabe der SNSB, sondern vielmehr die Methodenentwicklung und der Aufbau der nötigen Infrastruktur und der zugrunde gelegten Taxonomie.

Im tropischen Bereich untersuchen die SNSB schwerpunktmäßig die afrotropische Fauna, die Fauna Südostasiens und die Fauna des neotropischen Tieflandregenwalds v.a. auf der Basis der Forschungsstation Panguana.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die molekulare Biodiversität Indo-Pazifischer Schwämme und Echinodermen, insbesondere der Tiefwasser-Crinoidea und der Dornenkronenseesterne.

Fragen der Biodiversität und Diversitätsdynamik fossiler Lebensgemeinschaften werden an den SNSB mithilfe der umfangreichen paläontologischen Sammlungen bearbeitet:
Paläontologische Forschungsthemen sind Struktur und abiotische Kontrolle von Korallen-dominierten Riffgemeinschaften aus dem Oberjura der Fränkischen Alb, Mikroorganismen und mikrobielle Interaktionen in den Fossillagerstätten Rhynie- und Windyfield-Cherts aus der Zeit des Unteren Devon, Sowie Composit-Strukturen der Biominerale und Biopolymere, aus denen Skelette, Zähne und Augen von heute lebenden und fossilen Lebewesen aufgebaut sind.

Artbildungsprozesse und Evolution

Prozesse der Artbildung bei land- und wasserlebenden Tieren werden an den SNSB derzeit besonders umfangreich vor allem bei Fischen, Amphibien und Reptilien, aber auch an einigen Insekten- und Molluskengruppen intensiv erforscht. Die SNSB beherbergen die größte Schmetterlingssammlung der Welt und die einzige große Mollusken-Forschungssammlung mit marinem Schwerpunkt in Deutschland sowie die einzige Pycnogonida-Sammlung Deutschlands. Im Rahmen etlicher Drittmittelprojekte erfolgen zudem seit Jahren integrative Analysen zur Stammes- und Evolutionsgeschichte.

Bei Pflanzen untersuchen SNSB Botaniker:innen Artbildungsprozesse und Evolution insbesondere bei den Gattungen Drosera (Droseraceae) und Utricularia (Lentibulariaceae). Bei fleischfressenden Pflanzen wird auch der Aspekt einbezogen, dass diese auf Insekten sowohl als Beute wie zur Vermehrung angewiesen sind (Bestäuber-versus-Beute-Konflikt).

Themen der Evolutionsforschung im paläontologischen Bereich an den SNSB sind z.B. die Evolution terrestrischer Wirbeltierfaunen im mittleren Mesozoikum (Jura-Unterkreide), die Bedeutung Europas als biogeographische „Drehscheibe“ terrestrischer Wirbeltierfaunen im oberen Jura und der unteren Kreide, die phylogenetische Unsicherheit und Evolutionsprozesse in raschen Radiationen, die Diversität der Mykorrhizapilze in den unter-devonischen Rhynie und Windyfield Cherts, Untersuchungen zum Ursprung und der Evolutionsgeschichte apodider Seegurken sowie Prozesse und Mechanismen der Geweihbildung.

Plattenkalkforschung

Die rund 150 Millionen Jahre alten süddeutschen Plattenkalk-Fossillagerstätten (Solnhofener Archipel; Wattendorfer und Nusplinger Plattenkalke) repräsentieren einen Zeitraum, bevor es die Alpen gab, und ehemalige Lebensräume, die auf einer gewaltigen, tropischen bis subtropischen Karbonatplattform am Nordrand des jurazeitlichen Tethys-Ozeans lagen. Übergreifendes Ziel geplanter Projekte ist es, die Faunen und Floren in den verschiedenen Plattenkalk-Wannen differenziert zu erfassen. Diese Forschungsarbeiten der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie und der SNSB Regionalmuseen in Eichstätt und Bamberg beinhalten zudem zahlreiche internationale und nationale Kooperationen.

Lebensstrategien im Wandel

Mit der naturwissenschaftlichen Untersuchung archäologischen Skelettmaterials von Mensch und Tier tragen die beiden Staatssammlungen für Anthopologie sowie Paläoanatomie München zur Aufklärung von Langzeitprozessen und Schlüsselereignissen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit bei. Im Fokus stehen kulturelle Abbrüche und Neuanfänge.

Erforscht werden ebenso bio-kulturelle Antworten auf Herausforderungen in der Vergangenheit. Im Fokus der hier angesiedelten Projekte stehen Ursachen und Folgen einschneidender Natur- und Kulturereignisse mit Blick auf die biologischen und kulturellen Antworten seitens des Menschen.

Des weiteren untersuchen die SNSB mithilfe diachroner, kulturübergreifender Analysen von Faunenresten die vielseitige und komplexe Rolle von Tieren jenseits ihrer Funktion als Nutztiere, die die alltägliche Versorgung mit Lebensmitteln und Sekundärprodukten wie z.B. Wolle und Milch sicherten.

Alpine Systeme

Das Verständnis alpiner Systeme, die Veränderung und Wechselwirkung von Bio- und Geodiversitätsdynamik in diesem Naturraum, aber auch dessen Siedlungsgeschichte und anthropogene Beeinflussung stehen im Fokus der SNSB-Forschung.

Alpine Geosysteme

Wissenschaftler:innen der Mineralogischen Staatssammlung München untersuchen Gesteine und Lagerstätten. Im Fokus stehen die Mineralbildungen beziehungsweise -vergesellschaftungen sowie die Frage nach der Provenienzanalyse von Goldartefakten (z.B. aus Spanien, Österreich, Türkei). Heute sind Goldlagerstätten wichtige Informationsquellen für die Erforschung der Geodiversität und um archäologische und historische Fragestellungen zu bearbeiten.

Weiteres Forschungsgebiet der SNSB im Bereich der alpidischen Orogenese, wie die letzte Phase der Gebirgsbildung in der Erdgeschichte genannt wird, sind die türkischen Tauriden. Untersucht werden sogenannte Ophiolithe, Gesteine, die den Boden des Meeres bildeten, das einst zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent lag.

Der Forschungsbereich „Alpine Geosysteme“ verbindet die beiden Forschungsschwerpunkte „Alpine Systeme“ und „Biosphärenwandel“ an den SNSB. Die in den Alpen aufgefalteten und damit an der Erdoberfläche zugängigen ehemaligen Meeres-Sedimente sind wichtige Archive für die Erforschung von Lebenswelten und Umweltbedingungen in der geologischen Vergangenheit.

Vergangene Lebensformen in alpinen Bereichen

Mit ihrer Forschung geben die Wissenschaftler:innen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie Antworten auf Fragen unter anderem zur Diversität der Ökosysteme im frühen Mesozoikum und zum Massenaussterben am Ende der Trias und dessen Auswirkung auf die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Es werden verschiedene längerfristige Forschungsprojekte zur Paläodiversität der obertriassischen Cassian-Formation in den italienischen Dolomiten wie auch der spättriassischen Gesteinsabfolgen in den bayerischen und österreichischen Alpen durchgeführt.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die Floren des alpinen Raums und des Germanischen Zechsteinbeckens aus der Zeit des Oberperms.

Hauptregionen bayerischer Säugetierfossilien-Funde sind das Nordalpine Vorland- und Molassebecken sowie der Schwäbisch-Fränkische Jura, die unter starkem Einfluss der alpidischen Gebirgsbildung standen. Südbayerische Säugerfossilien bilden einen substanziellen Anteil der Überlieferung mitteleuropäischer Säugetiergeschichte. Die bayerischen Fundstellen bieten einzigartige Einblicke in die Evolution.

Flora alpiner Systeme

Die Gebirgskette der Alpen schafft die geologischen und klimatischen Bedingungen für eine enorme Bandbreite an Pflanzengemeinschaften. Die Alpen beherbergen heute zusammen mit den Hoch- und Niedermooren in verschiedenen Höhenlagen geschätzt 4.500 Arten an höheren Pflanzen. Bayern hat als einziges deutsches Bundesland einen nennenswerten Anteil am Alpenraum und weist daher eine besonders artenreiche Flora auf.

Die Botanische Staatssammlung München erstellt eine neue Flora von Bayern: Dafür werden alle existierenden floristischen Daten zusammengeführt und durch das IT-Zentrum der SNSB online zugänglich gemacht. Am Botanischen Garten München-Nymphenburg wird ebenfalls schwerpunktmäßig die Flora alpidischer Gebirge, darunter der Alpen, des Himalaya und Kaukasus erforscht.

Der Alpengarten Schachen (1860m, über 1000 Pflanzenarten) als Außenstelle des Botanischen Gartens München-Nymphenburg bietet ideale Bedingungen zu phänologischen und klimatischen Studien und soll als Forschungsstandort (auch für zoologische Fragestellungen) künftig größere Bedeutung erlangen.

Fauna alpiner Systeme

Die Faunen alpiner Räume sind besonders aussagekräftig, um allgemeine Gesetzmäßigkeiten der Biodiversitätsdynamik zu ermitteln. Durch die stark schwankenden Höhengradienten und die dramatisch heterogene Geo- und Klimadynamik der vergangenen Jahrtausende dienen sie der Forschung als natürliches Experiment.

Das Großprojekt „Barcoding Fauna Bavarica“ mit circa 24.000 (von insgesamt etwa 36.000) erfassten Arten (Stand 2018) schaffte erstmals solide Bestimmungsmöglichkeiten für viele Taxa und deren Lebensstadien. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz soll die vorhandene bayerische Datenbasis gezielt für den Alpenraum erweitert werden. Durch verstärkte Digitalisierung der alpinen Sammlungsbestände erwarten wir belegbare Aussagen zur biologischen Wirkung des Klimawandels.

Siehe auch DFG Projekt zur Evolution im Hochgebirge: Evolution of a tropical high-altitude insect community in the Andes inferred from a global phylogenetic framework

Alpine Systeme als menschlicher Lebensraum

Die umfangreichen anthropologischen und archäozoologischen Sammlungen der SNSB bilden die Grundlage, um die Besiedelung alpiner Systeme durch den Menschen zu erforschen. Trotz der von den Alpen gebildeten geographischen Barriere standen die Bewohner des bayerischen Voralpenlandes stets im Austausch mit Bevölkerungsgruppen des inner- und südalpinen Lebensraums und pflegten zum Teil weitreichende Kontakte in andere Regionen.

In alpin beeinflussten Räumen traten zu allen Zeiten regionale Kulturerscheinungen auf, die dem allgemeinen Bild nicht entsprechen. Die Staatssammlung für Anthropologie München dokumentiert und interpretiert in enger Zusammenarbeit mit den archäologischen Wissenschaften und mittels naturwissenschaftlicher Analysen diese bio-kulturellen Erscheinungsformen und trägt so zur Erweiterung des Geschichts- und Kulturverständnisses bei.

Forschungsinfrastruktur

Die SNSB-Wissenschafterinnen und Wissenschaftler setzen für ihre Forschung zahlreiche Methoden und Techniken ein, wie z.B. molekulare Phylogenie und Taxonomie, DNA-Barcoding, DScan-Kastendigitalisierung, µCT und digitales Röntgen, 3D-Laserscanning, 3D-Rekonstruktion, Morphometrie, Ultrastrukturforschung, Raman-Spektroskopie und Isotopenanalyse.

Hochspezialisierte Labore wie die SNSB Core Facilities gewährleisten den Forschenden an den SNSB ein modernes Forschungsumfeld sowie Zugang zu neuester Technologie.

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

SNSB

  • 3D-Rekonstruktion (Amira, VGStudio MAX)
  • Spezialbibliotheken Paläontologie (Paläozoologie und -botanik)
  • Gesteins-, Schlämm- und Säureaufbereitungslabore (z.B. Mikropaläontologie)
  • Hochauflösende 4K-Digitalmikroskopie inkl. Fluoreszenz und 3D-Rekontruktion (Keyence VHX 5000, 7000)
  • Rasterelektronenmikroskopie (Desktop-REM Phenom XL G2; Hoch- und Niedrigvakuum) inkl. Energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX) und Sekundärelektronendetektor (SED) zur Elementanalyse; Sputter Coating zur Beschichtung
  • Hochauflösende Digitalisierung (book2net) von Archiv- und Sammlungsobjekten (A2-Größe, bis 10 cm Dicke)

LMU – Kooperation „Münchner Modell“

  • Geomikrobiologie-Labor
  • Forschungsaquarien (Meerwasser)
  • S1 Molekularlabore (130 qm, 23 Arbeitsplätze)
  • Rotor-Gene qPCR
  • Fluoreszenzmikroskope und Stereomikroskope
  • Genomics Lab
  • Illumina MiniSeq (Next Generation Sequencing)
  • High-Performance Computing Infrastructure: Linux Cluster

Botanische Staatssammlung München

SNSB

  • Diverse Lichtmikroskope und Stereomikroskope; Stacking – Mikroskop
  • Kameras/Digitalisierung: 1 HerbScan, 1 montierte Kamera (inkl. Zubehör, Beleuchtung etc.), 1 PhaseOne zur Digitalisierung von Belegen mit bis zu 2 cm Dicke
  • Das molekularbiologische Labor der BSM ist ein angemeldetes S1-Labor: Hier können also von fachkundigen Mitarbeitern gentechnisch veränderte Organismen verwendet werden. Dort befindet sich ein PCR und ein qPCR-Gerät und eine Eppendorf-Kühlzentrifuge 5810R
  • SNSB-IT Zentrum

LMU – Kooperation „Münchner Modell“

  • REM (inkl. Sputtercoater (Gold, Platin, Kohle), Niedrigvakuum-Nutzung beim REM möglich)
  • FISH-Labor, S1-Labor, Genomics Lab, Histologie Labor
  • diverse Mikroskope (inkl. Fluoreszenz-; Auflicht-, Digitalmikroskop)
  • Klimakammern und Klimaschränke
  • Spezialbibliothek

Botanischer Garten München-Nymphenburg

  • Spezialbibliothek
  • Versuchsgewächshaus
  • SiMa-Bank (Sammlung von in Silica-Gel getrockneten Pflanzen-Proben für Forschungszwecke)

Mineralogische Staatssammlung München

SNSB

  • Raman-Spektroskopie (mit lichtmikroskopischer Ortsauflösung, zerstörungsfreie Analyse organischer und anorganischer Substanzen)
  • FTIR-Spektroskopie (Infrarotspektroskopie zur Identifikation organischer oder anorganischer Substanzen, mobiles Gerät)
  • Hochauflösende Digitale Lichtmikroskopie zur 3-D Rekonstuktion (Keyence)
  • Polarisationsmikroskopie in Durchlicht und Auflicht

LMU – Kooperation „Münchner Modell“

  • Röntgendiffraktometrie (Polykristalle/Pulver in Reflexion und Transmission, Einkristalle)
  • Analytische FE-Raster-Elektronen-Mikroskopie (1 nm Bildauflösung, Elementanalyse mit EDX, Phasen- und Gefügeanalyse mit EBSD, KL, STEM)
  • Mössbauer-Spektrometrie
  • Elektronenstrahl-Mikrosonde (präzise Elementanalyse im 1 Mikrometer-Bereich)
  • weitere analytische Verfahren

Staatssammlung für Anthropologie München

SNSB

  • Labor für Probenaufbereitung stabiler Isotope (voraussichtlich 2022 fertig gestellt)
  • Über 200 Individuen umfassende osteologische Referenzserie „Winthirsammlung“

Staatssammlung für Paläoanatomie München

SNSB

  • 3D-Scanner für Klein- und Großobjekte

LMU – Kooperation „Münchner Modell“

  • Ancient-DNA-Labor
  • Spezialbibliothek Paläonanatomie

Zoologische Staatssammlung München

SNSB

  • Histologielabor
  • Röntgenanalyse und Mikro-Computer-Tomographie (3D)
  • 3D-Rekonstruktion (Amira, VGStudio MAX)
  • S1 Molekularlabore
  • Vorbereitung für Next Generation Sequencing
  • Kastendigitalisierung
  • Hochauflösende Makro- und Mikrofotographie
  • Spezialbibliothek Zoologische Systematik

LMU – Kooperation „Münchner Modell“

  • Lichtoptische und elektronenmikroskopische Oberflächen und Schnittanalyse: Hochwertige Lichtoptik, SEM, TEM
  • Next Generation Sequencing

Jura-Museum Eichstätt

SNSB

  • Spezialbibliothek Solnhofener Plattenkalke
  • Fein- und UV-Präparation
  • Stereomikroskopie
  • Digitalisierungsstation für Plattenkalkfossilien
  • Hochauflösende digitale Lichtmikroskopie (Keyence VHX 7000)

RiesKraterMuseum Nördlingen

SNSB

  • Isotopen-Analyse schwerer Elemente
  • Mikroskope/Gesteinssägen

SNSB IT-Zentrum

Logo SNSB IT-Zentrum

Website: www.snsb.info

Leitung

Dr. Dagmar Triebel

Management von Bio- und Geodiversitätsdaten

Das SNSB IT-Zentrum ist das Datenzentrum für die wissenschaftlichen Daten der naturkundlichen Sammlungen und Museen der SNSB. Seine Hauptaufgaben liegen im Management von Bio- und Geodiversitätsdaten unter Nutzung verschiedener IT Strukturen. Die Einrichtung gewährleistet eine nachhaltige Kuratierung, Speicherung, Archivierung und Bereitstellung solcher Daten.

Die Mitarbeiter:innen des IT-Zentrums forschen im Bereich der Biodiversitätsinformatik und entwickeln Technologien wie einfach zu bedienende Arbeitsumgebungen für den Umgang mit wissenschaftlichen Daten, so die anerkannte Fach-Software Diversity Workbench. Die DWB-Software Tools sind in bio.tools, einem Dienst von ELIXIR Europe, registriert.

Das IT-Zentrum der SNSB unterstützt Wissenschaftler:innen und Institutionen mit Dienstleistungen zur Verwaltung ihrer Daten: von der Dateneingabe bis hin zur dauerhaften Speicherung und Bereitstellung sowie der Bereitstellung von verifizierten Daten auf nationalen und internationalen Portalen. Der größte Teil der Daten wird über das DWB-Netzwerk und DWB-Installationen verwaltet.

Kompetenter Partner für Biodiversitätsinformatik

Basierend auf rund 20 Jahren IT-Erfahrung wurde das SNSB IT Zentrum 2006 gegründet. Es ist an die Botanische Staatssammlung München angegliedert und nutzt deren administrative und logistische Infrastruktur sowie deren wissenschaftliche und kuratorische Erfahrung.

Das Team des SNSB IT-Zentrums verwaltet ein Server-Cluster auf LINUX- und MS-Windows-Plattformen mit rund 60 TByte Storage Units. Wesentlicher Bestandteil des Speicherkonzepts sind die Back-up-Systeme und Archive des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ) in München.

Das SNSB-IT-Zentrum ist an mehreren nationalen und internationalen Initiativen im Bereich der Biodiversitätsinformatik beteiligt, z. B. als GBIF-Datenherausgeber und GFBio-Datenzentrum, betreibt ein BiNHum-Suchportal für SNSB-Sammlungen (Prototyp) und bietet eine Reihe von Dienstleistungen und Produkten an, z. B. in Verbindung mit der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI). Desweiteren hostet das IT-Zentrum Daten für universitäre und nicht-universitäre Forschungspartnerorganisationen.

Auf EU-Ebene ist das SNSB IT-Zentrum an der Entwicklung informationswissenschaftlicher und -technischer Konzepte des CETAF-Konsortiums, der Konzeption des Distributed System of Scientific Collections (DiSSCo) und dessen deutschen Part DiSSCo-D beteiligt. DiSSCo ist ein vorrangige Initiative auf der Roadmap 2018 des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) und wird einen einheitlichen Zugang zu europäischen naturwissenschaftlichen Sammlungen bieten. Die SNSB leitet eine Arbeitsgruppe der EU COST Action CA17106 – Mobilising Data, Policies and Experts in Scientific Collections (MOBILISE).

Das SNSB IT-Zentrum bietet die direkte Vergabe von Digital Object Identifiers (DOIs) für Forschungsdatensätze an, die über GFBio- und NFDI-Dienste Datenpipelines veröffentlicht werden. Hierfür nutzt es die Dienste von DataCite.

Kontakt

SNSB IT-Zentrum
Botanische Staatssammlung München
Menzinger Straße 67
80638 München
Tel: 089 17861 252
Fax: 089 17861193
Emails: it-center@snsb.de

Genomics Core Facility

Die SNSB Genomics Core Facility befindet sich derzeit im Aufbau. Ihre Aufgabe ist die Bereitstellung von Geräten, Arbeitsmitteln, Dienstleistungen und Fachkompetenz für die Konzeption und Realisierung von Next-Generation Sequenzierprojekten für alle Mitarbeiter:innen der SNSB.

Derzeit werden erste Projekte in Zusammenarbeit mit Kurator:innen der Botanischen Staatssammlung München, der Zoologischen Staatssammlung München und des Botanischen Gartens München-Nymphenburg im Zusammenhang mit dem SNSB Innovativprogramm 2021 realisiert.

Wenn Sie Interesse an unserer Arbeit haben oder nähere Informationen erhalten möchten, wenden Sie sich gerne an uns.

Kontakt

Menzinger Str. 67
80638 München
Tel.: +49-(0)89 17861 206

Ansprechpartner:innen

Dr. Agnes Scheunert
Laborleitung
E-Mail: scheunert@snsb.de

Dr. Om Kulkarni
Bioinformatik, Datenauswertung
E-Mail: kulkarni@snsb.de

Marija Ram
Technische Assistenz
E-Mail: ram@snsb.de

Kooperationsprojekte

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der SNSB Sammlungen sowie des SNSB IT-Zentrums sind in zahlreichen Kooperationsprojekten vernetzt.


Nationale Forschungsdateninfrastruktur für Biodiversität (NFDI4BioDiversity) – BSM, SNSB-IT-Zentrum
Das SNSB IT-Zentrum leitet die Aufgabenbereiche Langzeitmanagement und -archivierung von Forschungs- und Sammlungsdaten, Werkzeugen und Diensten sowie Zertifizierung von Datenzentren.


German Barcode of Life Project GBOL III: Dark Taxa – ZSM, SNSB-IT-Zentrum
Deutschlands Fauna und Flora in einer einzigartigen genetischen Bibliothek


Biodiversity Genomics Europe (BGE) – ZSM
Europäisches Gemeinschaftsprojekt zur Bekämpfung die Biodiversitätskrise mit Hilfe von DNA-Daten. Die Bündelung von molekularbiologischen Analysemethoden, welche auf genomischen Daten und DNA-Barcoding basieren, soll eine neue Grundlage schaffen, um die biologische Vielfalt sowie die Gründe für den massiven Artenschwund auf der Erde besser zu verstehen. Zur Pressemitteilung


COST Action – MOBILISE: Mobilising Data, Policies and Experts in Scientific Collections


Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Network (ITN) IGNITE: Comparative Genomics of Non-Model Invertebrates http://www.itn-ignite.eu/projects/


Deutsche Vereinigung zur Kuration biologischer Daten (GFBio) – SNSB-IT-Zentrum
Bereitstellung einer nachhaltigen, serviceorientierten, nationalen Dateninfrastruktur für Wissenschaftler als Grundlage für datenintensive Anwendungen im Bereich der Biologie und Umweltwissenschaften


Flora von Bayern – Datenfluss DWB und FIS-Natur , Kommunikationsplattform, Koodinationsstelle für Florenschutz in Bayern – BSM, SNSB-IT-Zentrum


Flora des Böhmerwaldes – Květena Šumavy – Flora Silvae Gabretae –  BSM, SNSB-IT-Zentrum
Das EU geförderte Projekt „Flora des Böhmerwaldes“ soll die grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik stärken (Ziel ETZ, INTERREG A; EU-Projektnummer 216). Ziel ist die Mobilisierung verfügbarer Daten über die Verbreitung und ökologischen Anforderungen von Gefäßpflanzen des Böhmerwalds unabhängig von Landesgrenzen; Datenerhebung mit DiversityMobile, Datentransformation, Ausbau der Interoperabilität zwischen dem Diversity Workbench-Netzwerk „Flora von Bayern“ und den tschechischen Pladias-Datenbanken. (Gemeinschaftsinitiative „Interreg“ des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE))
Pressemitteilung zum Projektabschluss (Nov. 2022)


Knoten für Wirbellose II von GBIF-Deutschland (GBIF-D Wirbellose II) – ZSM
Aufbau von Digitalisierungsstationen, Mobilisierung von Daten zu terrestrischen Gliederfüßern (Arthropoden), ausgenommen Insekten, für GBIF International


Knoten Pilze und Flechten  von GBIF Deutschland (GBIF-D Pilze & Flechten) – BSM
Aufbau von Digitalisierungsstationen, Mobilisierung von Daten zu Pilzen und Flechten für GBIF International; IT-Infrastruktur für die beiden GBIF-D Knoten an den SNSB


Transalpine Mobilität und Kulturtransfer, DFG Forschergruppe (FOR 1670)
Erstellen eines Isotopenfingerabdruckes für bioarchäologische Funde


Towards an integrative and comprehensive standard for meta-omics data of collection objects (MOD-CO) – SNSB-IT-Zentrum
Entwicklung und Publikation eines process-orientierten Begriffschemas, um meta-omics Daten aus Sammlungsobjekten und Umweltproben zu erschließen


Mobilisierung von Spinnendaten (ARAMOB) – SNSB-IT-Zentrum
Semantische Anreicherung und Mobilisierung von Daten netzbasierter Repositorien für Taxonomie und Ökologie: Auflösung eines Gordischen Knotens in der Taxonomie südamerikanischer Springspinnen und merkmalsbasierte ökologische Standortbewertung mit Spinnenzönosen; Diversity Workbench (DWB) Software-Implementierung, IT Infrastruktur


Deformierte Schädel – Spuren weiblicher Mobilität und multikultureller Gemeinschaften am Anfang Europas“ und „Deformierte Schädel – Bildliche Darstellung der Projektgegenstände und Ergebnisse“ – SAM


DFG-Einzelprojekte der SNSB-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finden Sie unter:

Informationssystem für Geförderte Projekte der DFG (GEPRIS)

DFG Portal für Forschungsinfrastrukturen: RIsources
hier zum Beispiel: Diversity Workbench – Software components for building and accessing biodiversity information (DWB) der SNSB

mehr Info unter DFG-Gute Wissenschaftliche Praxis

Bayerischer Pakt für Forschung und Innovation

Als erste Forschungseinrichtung in Bayern haben die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) bereits im Juni 2018 eine Zielvereinbarung im Rahmen des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation (BayPFI) mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geschlossen. Diese Vereinbarung garantiert den SNSB für die Jahre 2019 bis 2022 jährliche Verstärkungsmittel aus dem Landeshaushalt mit einer Steigerung von 3% des jeweiligen Vorjahreszuschusses.

Pressemitteilung des Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vom 11.06.2018:

„Gemeinsam für eine erfolgreiche Zukunft der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns“
Wissenschaftsministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle schließt Zielvereinbarung
im Rahmen des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation ab

Ziel ist die Stärkung der SNSB als führende außeruniversitäre Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Geo- und Biodiversitätsforschung.

Folgende Projekte wurden bisher aus den Mitteln des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation an den SNSB gefördert:

  • SNSB-Forschungsprogramm„SNSB innovativ zur Initiierung von drittmittelfähigen Pilotprojekten sowie zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie von Frauen in der Wissenschaft
  • Einrichtung eines Kompetenzzentrums für spezielle Rechtsfragen naturwissenschaftlicher Sammlungen insbesondere in Bezug auf das Nagoya-Protokoll und damit korrelierte Gesetzgebung
  • Entwicklung und Umsetzung eines neuen Corporate Designs inklusive neue Logos für SNSB und alle Staatssammlungen, Relaunch aller SNSB Websites sowie generelle Stärkung der wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit
  • Aufbau und Etablierung der Genomics Core Facility – einer zentralen Laboreinheit für DNA-basierte Analysemethoden für SNSB-Forschung im Bereich der Genomik. Ziel der neuen Einheit ist, das vorhandene Know-how der einzelnen Abteilungen der SNSB zusammenführen und untereinander vernetzen.

ABS – Access and Benefit Sharing

Die SNSB, als Teil des CETAF- Konsortiums nicht-kommerzieller wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen in Europa, setzen das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention of Biological Diversity, CBD) und das Nagoya Protokoll um. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der SNSB richten sich im Besonderen auf die taxonomische und systematische Forschung, die die Umsetzung der Ziele der CBD dienen. Die Forschungsaktivitäten der SNSB unterstützen das Erreichen der Ziele der Global Taxonomy Initiative der Vertragsstaatenkonferenz der CBD, der Globalen Strategie zu Erhaltung der Pflanzenvielfalt sowie der Aichi Biodiversitäts-Ziele. Zusammen mit CETAF haben Mitarbeiter der SNSB den CETAF Code of Conduct mitentwickelt, um die Vorgaben der europäischen und nationalen ABS Gesetze einzuhalten, und um einen gerechten Vorteilsausgleich mit den Herkunftsländern zu gewährleisten.


Aktuelle Rechtslage zur Umsetzung des Nagoya Protokolls in der EU und zur nationalen Umsetzung in Deutschland


Weiterführende Informationen des Bundesamts für Naturschutz (BfN)


Weiterführende Informationen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

DFG – Informationsmaterial zu Nagoya-Protokoll-relevanten Forschungsvorhaben

DFG – Erläuterungen zu Forschungs- und/oder Entwicklungsvorhaben der DFG (März 21)
Besondere Relevanz:

  • Abschnitt 1.10: Gebotene Sorgfaltspflichten
  • Abschnitt 2: Planung und Durchführung eines Forschungs- und/oder Entwicklungsvorhabens im Hinblick auf ABS-Anforderungen.

Weitere praktische Informationen rund um das Thema Nagoya & ABS


Kontakt: abs@snsb.de

SNSB Benefit Sharing

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der SNSB nehmen ihre Pflichten bezüglich Benefit Sharing an die Herkunftsländer von genetischen Ressourcen sehr ernst. Ihre Leistungen an die Herkunftsländer sind vielfältig (die Liste wird jährlich aktualisiert, Stand Dezember 2021).

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z


Ägypten

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial erfolgten Identifikationen (z. B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Afganistan

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Algerien

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Äthiopien

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Aufbau nationaler Referenzsammlungen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Argentinien

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Armenien

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Australien

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen mit der Western Australian Universtity in Perth (ZSM-Sektion Molluska)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Knowledgetransfer (Taxonomie, Morphologie, Blütenökologie, DNA-barcoding) und Betreuung eines Honours- und Master-Studenten an der Curtin-University, Perth, Australien, 2020/21 (BSM)

Bangladesh

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM)
  • Training im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen

Belgien

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

  • Gemeinsame Aktivitäten mit dem Africamuseum, Tervuren (ZSM Ichthyologie)

Bolivien

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Brasilien

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Gutachten, Kooperationsvertrag und Infomationsaustausch mit dem Zoologischen Museum Sao Paulo (ZSM-Sektion Molluska)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities)

  • Betreuung von Erasmus-Stipendiaten und Doktoranden an der ZSM (Molluskenanatomie, Histologie, 3D-Rekonstruktionen, gemeinsame Materialsammlungen, Bestimmungen, Veröffentlichungen)
  • Betreuung von Doktoranden an der ZSM (gemeinsame Materialsammlungen, Bestimmungen, Veröffentlichungen) (ZSM-Sektion Molluska)
  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen
  • Vorträge durch Wissenschaftler des BGM
  • Betreuung Doktorarbeit & Weitergabe an Fachwissen zu molekular-phylogenetischen und zygotischen Methoden (BSM)
  • Ausbildung und Mit-Betreuung von Doktoranden (ZSM, Lepidoptera)

Chile

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Projekte mit der Universidad Austral Valdivia und Universidad Católica de Valparaíso, Chile (ZSM-Sektion Molluska)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen über Decapoda und Pycnogonida; gemeinsame Projekte und Publikationen über Decapoda und Pycnogonida der chilenischen Fjorde mit der Huinay Scientific Field Station und der Universität Puerto Montt. (ZSM, Arthropoda varia)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

China

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Publikationen, Bereitstellung von Typenfotografien von Hydrozoen, Bereitstellung von CT-Scans von Hydrozoen und Brachiopoden (ZSM, Evertebrata varia)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Capacity Building im Bereich Molluskenanatomie, Histologie, 3D-Rekonstruktionen, Molekulargenetik, Genomik: Ganzjährige Betreuung einer chinesischen Doktorandin (EU-Projekt) (ZSM-Sektion Mollusca)

Costa Rica

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 2015

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Dominikanische Republik

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 2015

El Salvador

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 2015

Ecuador

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Vorträge BGM

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Elfenbeinküste

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Estland

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Frankreich

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration) und Weiterbildung (field training and capacity building):

  • Austausch von Leihmaterial
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Betreuung von Gastwissenschaftlern
  • gemeinsame Betreuung von Doktoranden mit französischen Institutionen

Gabun

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Bestimmung von neuen Aufsammlungen für Checklisten und Floren (BSM)

Georgien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Knowledge Transfer: Der Botanische Garten München-Nymphenburg unterstützt Batumi Botanic Garden (Georgien) bei der Anlage eines Alpengartens im Kleinen Kaukasus. (2016) Planungsworkshop vor Ort. Weitergabe von Fachwissen zukünftigen Leiter des Alpengartens in der Münchner Alpinensammlung.

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Griechenland

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Guatemala

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 2015

Guinea

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Großbritannien

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera

Honduras

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildung im Botanischen Garten München-Nymphenburg, 2015

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Indien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten, Doktoranden (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Indonesien

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Vorbereitung des Aufbaus nationaler Referenzsammlungen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Projekt mit Universität Manado, Indonesien; (ZSM, Mollusca)
  • Probenrepatriierung im Rahmen des INDOBIOSYS-Projekts (dabei wurden u.a. 18.000 DNA-Proben aus Kanada abgeholt und persönlich nach Indonesien überführt sowie Belegexemplare präpariert, etikettiert, verpackt und ebenfalls persönlich nach Indonesien überführt), gemeinsame Publikationen und Antragstellung (ZSM)
  • Im Rahmen laufender DNA-Barcodingprojekte wurden 12.500 Individuen aus Indonesien prozessiert und ca. 3000 präparierte Voucher-Exemplare nach Indonesien repatriiert, 2017/2018/2019 (ZSM)
  • gemeinsame Publikationen und Antragstellung, 14-tägige Sammel- und Koordinationsreise zusammen mit MZB LIPI. (ZSM, Sektion Coleoptera, 2019)
  • Alle Projektdaten des INDOBIOSYS-Projekts wurden in die globale „Barcode of Life Database“ (BOLD) hochgeladen und sind dort für die indonesischen Projektpartner einsehbar. Sämtliche Daten und Ergebnisse werden nach Projektende frei verfügbar sein.
  • Wasserkäferforschung: kuratorische Arbeiten am Museum Zoologicum Borienses (ZSM)
  • gemeinsame Publikationsaktivitäten, ZSM Sektion Coleoptera

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Betreuung eines indonesischen Doktoranden, (DAAD für INDOBIOSYS-Projekt)
  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen

Iran

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gobiiden-Forschungskooperation, University Shiraz, Iran.
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Gemeinsame Aktivitäten mit der Universität Shiraz (ZSM Ichthyologie)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • entomologisches Training und fachliche Beratung für PhD-Studentin, 2018 (ZSM, Hymenoptera)
  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Betreuuung einer PhD-Studentin (Ichneumonidae, Januar–Februar 2019), entomologisches Training und fachliche Beratung. (ZSM-Sektion Hymenoptera)
  • Übernahme von Reisekosten eines Wissenschaftlers der Univ. Shiraz, Iran, gefördert von den „Freunden der Zoologischen Staatssammlung München e.V.“.

Irland

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen mit der Queen’s University Belfast (ZSM-Sektion Molluska)

Israel

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Aufbau nationaler Referenzsammlungen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Italien

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Jamaika

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Japan

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Anfertigung und Versand umfangreicher photographischer Dokumentation von Sammlungsmaterial an Stelle von Materialverleih, vor allem Typenmaterial von Hydrozoen, Unterstützung von Forschern aus dem Herkunftsbereich des Materials (Japanisches Meer), (ZSM Evertebrata varia)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihe von botanischem Material an Wissenschaftler (BSM)

Jemen

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Nachwuchswissenschaftler im Rahmen von Forschungsaufenthalten an der ZSM.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Jordanien

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Kamerun

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Kasachstan

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Kenia

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Vorbereitung eines mehrtägigen Workshops; Information von Wissenschaftlern und Studenten über professionelles Sammlungsmnagement und ein mobiles Netzwerk mit DWB, 2015 (BSM)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Kirgisien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten in 2015 (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Kolumbien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Seminare an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá, zur Verfügungsstellung von Literatur und Labormaterial sowie Feldausrüstung (ZSM, Coleoptera)
  • Ausbildung von Studenten
  • im Rahmen einer Institutspartnerschaft (A. von Humboldt Stiftung)
  • Anleitung Postdoktoranden (ZSM, Lepidoptera)
  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen 2020 (ZSM, Hymenoptera)
  • Betreuung eines Master-Studenten (ZSM, Hymenoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • gemeinsame Publikationsaktivitäten, ZSM-Sektion Coleoptera

DR Kongo

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Ausbildung von Studenten, Doktoranden, DNA-Sequenzierung. (ZSM, Ichthyologie)
  • Betreuung und Ausbildung (Molekulargenetik) von Doktoranden der Univ. Lubumbashi
  • Durchführung und Kostenübernahme von Expeditionen zur Aufsammlung von Fischen in der Provinz Katanga im Rahmen des VW-Projekts „Exploiting the genomic record of living biota to reconstruct the landscape evolution of South Central Africa“.
  • Betreuung und Ausbildung eines Studenten der Univ. Bukavu im Rahmen des MBISA-Congo-Projekts.
  • Mehrwöchiges Training von Next Generation Sequencing-Methoden und Datenauswertung für Doktoranden aus der Demokratischen Republik Kongo aus dem MBISA Congo Projekt (2019, ZSM Ichtyologie)

Kroatien

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen über Decapoda, Pycnogonida, Mollusca und Echinodermata (Brijuni-Nationalpark und Ministerium für Umwelt und Energie); (ZSM, Arthropoda varia)
  • Projekte über marine Wirbellose mit dem Rudjer-Boskovic-Institut in Rovinj und dem Brijuni-Nationalpark und der Universität Pula (ZSM, Arthropoda varia)
  • Zusammenarbeit mit dem Naturhistorischen Museum Rijeka (ZSM, Ichthyologie)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Nachwuchswissenschaftler im Rahmen von Forschungsaufenthalten an der ZSM (Rudjer-Boskovic-Institut) (ZSM, Arthropoda varia)

Kuba

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten, Anleitung von Postdoktoranden (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Laos

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Libanon

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Liberia

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial erfolgten Identifikationen (z. B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Madagaskar

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Workshop in der ZSM zur Aktualisierung des IUCN Redlist Assessment für madagassische Amphibien (ZSM-Sektion Herpetologie)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Abgabe von 50% der gesammelten Belegexemplare an die madagassische Universitätssammlung (UADBA) (ZSM-Sektion Herpetologie)
  • Nachbestimmung von zahlreichen Reptilien in der UADBA-Sammlung (ZSM-Sektion Herpetologie)
  • Wissenschaftliche Kooperation mit madagassischen Kollegen und Studenten (ZSM-Sektion Herpetologie)
  • Mitarbeit bei der Aktualisierung der Artenlisten der madagassischen Schutzgebiete (CEPF-Projekt) (ZSM-Sektion Herpetologie)
  • Mitarbeit bei der in Vorbereitung befindlichen 2. Auflage des Buches „The Natural History of Madagascar“ (ZSM-Sektion Herpetologie)

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Mitarbeit bei Publikation von Fotoführern für madagassische Reptilien (ZSM-Sektion Herpetologie)

Malawi

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Mali

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Aufbau nationaler Referenzsammlungen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Marokko

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Mexiko

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildungen im Botanischen Garten, 2015

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Mongolei

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Myanmar

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Bestimmung von neuen Aufsammlungen für Checklisten und Floren (BSM) (BSM)

Nepal

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Nigeria

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Betreuung von Sammlungen und Arbeiten, Univ. Ile-Ife, Nigeria im Nachgang des Projektes „Inventarisierung der Fische des Jos-Plateaus“.
  • „Capacity Building“ für Studenten und angehende Wissenschaftler geleistet durch Betreuung von Praktika (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Norwegen

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

  • Aktivitäten mit Wissenschaftlern aus dem Stavanger Museum (ZSM, Ichthyologie)

Österreich

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Oman

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Panama

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Governance der Biologischen Vielfalt“, halbtägige Fortbildungen im Botanischen Garten, 2015
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Papua Neuguinea

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Ausbildung und Mit-Betreuung von Doktoranden (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Peru

Gemeinsame Publikationen (joint publications):

  • Gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen mit der Universität Cayetano Heredia, Lima (ZSM-Sektion Molluska)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bestimmungen von entomologischem Material für die peruanische Naturschutzbehörde SERFOR (mit mehreren Kollegen der ZSM)
  • Vorträge in Lima (ZSM)
  • gemeinsames Forschungsprojekt „Biodiversidad de Fauna y Flora en la Estación Biológica Panguana (ZSM)
  • Kooperationsabkommen der SNSB und Informationsaustausch mit dem Museo de Historia Natural, Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima (= „national supporting institution“ in Peru) (ZSM)
  • Barcoding-Vertrag mit der peruanischen Naturschutzbehörde (SERFOR, Ministerio de Agricultura y Riego) (ZSM)
  • Beherbergung von peruanischen Wissenschaftlern auf der biologischen Forschungsstation Panguana in 2015 (ZSM)
  • Bereitstellung von Literatur für peruanische Institutionen (ZSM)
  • Deponieren von Holo- und Paratypen im Museo de Historia Natural (UNMSM) in Lima. (ZSM, Arthropoda varia)
  • Workshop im Rahmen einer DAAD Summer School in Panguana, zwei Vorträge in Panguana und Lima, eine Podiumsdiskussion in Lima, Peru. (ZSM)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Praktische Ausbildung von peruanischen Entomologen im Rahmen gemeinsamer Feldforschung, gemeinsame Publikationen geplant (ZSM, Arthropoda varia)
  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen
  • Vermittlung der Artenvielfalt des tropischen Regenwaldes, seiner Bedeutung und Schutzwürdigkeit auf der Station Panguana an Schüler und Einwohner der umliegenden Dörfer (Yuyapichis, Pampas Verde, Tahuantinsuyo); Vermittlung von Sammel- und Präparationstechniken. (ZSM, 2019)
  • 2019 bis 2021: Weiterbildung Gastwissenschaftler über Arbeitsabläufe in verschiedenen Bereichen des Botanischen Gartens kennen. (BGM)
  • Februar bis April 2020 Leitung 2-monatiger Kurs „Ecosistemas Andino-Amazonicos Christopher Davidson y Sharon Christoph“ im Jardín Botánico de Missouri, Oxapampa für einheimische Studenten. (BGM)

Philippinen

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • 14-tägiger Kurs (DNA-Barcoding) an der Ateneo de Manila Universität, Manila.

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Polen

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Russland

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen mit den Universitäten in Moskau und Vladivostok (ZSM-Sektion Molluska)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Kurs für Doktorandin und Abteilungsleiter vom Laboratory of Lichenology and Bryology, Komarov Botanical Institute, St. Petersburg für die Einführung in die Arbeit in einem molekularbiologischen Labor, 2015 (BSM)
  • Vertiefung der molekular-phylogenetischen Kenntnisse einer russischen Doktorandin während eines viermonatigen Aufenthalts, 2018 (BSM)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Gemeinsame Aktivitäten mit Wissenschaftlern aus Yelisovw und Moskau, 2021 (ZSM, Coleooptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen
  • Betreuung einer russischen Doktorandin im Molekular-Labor, 2019 (BSM).
  • Ausbildung und Mit-Betreuung von Doktoranden, Postdoktoranden, Studenten, Praktikanten (ZSM; Lepidoptera)

Sambia

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Samoa

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Feldkurs mit Research Assistants der Division of Environment and Conservation (Apia) sowie Seminar. (ZSM, Coleoptera)

Santo Domingo

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Sao Tomé

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Saudi Arabien

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Schweden

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Schweiz

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Seychellen

Weiterbildung

  • Gemeinsame herpetologische Exkursionen mitAngestellten der NGO‘s „Seychelles Island Foundation“ (SIF) und der „Island Conservation Society“ (ICS) auf den Seychelleninseln Praslin und Silhouette. (ZSM Herpetologie)

Singapur

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Bestimmung von neuen Aufsammlungen für Checklisten und Floren (BSM)

Slowenien

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Projekte und Publikationen mit dem National Institute of Biology in Piran

Spanien

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen mit der Universität Cádiz (ZSM-Sektion Molluska)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler an der ZSM in 2020 (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • mehrmonatige Betreuung eines spanischen Gaststudenten (Erasmus), 2021 ZSM-Sektion Mollusca

Sri Lanka

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Sudan

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Kooperationen mit dem Fisheries Research Institute, Khartoum; dem Sudan Natural History Museum und der Darfur Land Commission, Government of the Sudan (Sektion Ichthyologie)
  • Projekt: “First inventory of freshwater fishes of Western Darfur, Sudan” und Diversität der Fischfauna des Nils (Sektion Ichthyologie)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Workshops: “Theoretische und praktische Bestimmung von Nilfischen” (Sektion Ichthyologie) in Khartoum in Kooperation Regierungsbeamten des Sudan im Rahmen der Projekte zur Inventarisierung der Fische des unteren Nils und der Darfur-Region
  • Sammlungsmanagement-Training und Bereitstellung von Sammlungscontainern im Rahmen der Kooperationsvereinbarung der SNSB mit dem Sudan Natural History Museum, Khartoum, Sudan.
  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen

Südafrika

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten in 2015 (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Mehrwöchiges Training von Next Generation Sequencing-Methoden und Datenauswertung für einen südafrikanischen Wissenschaftler des South African Institute for Aquatic Biodiversity, (ZSM-Sektion Ichtyologie)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Tadschikistan

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Taiwan

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Tanzania

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Thailand

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Seminare (Fachkenntnisse, Sammelmethoden) für Dozenten und Studenten an der Srinakharinwirot University, Bangkok (ZSM, Insecta varia)

Gemeinsame Publikationen (joint publications) & Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Gemeinsame Publikationsaktivität, Feldkurse, Bestimmungsübungen, Aufbau einer Vergleichssammlung (ZSM, Coleoptera)
  • Im Rahmen des Projekts „Water Beetles of Thailand“ (Erfassung der Wasserkäfer Thailands, in Kooperation mit Srinakharinwirot University, Bangkok) wurden vor Ort in
  • Bangkok ca. 500 Schwimmkäfer determiniert und in eine Datenbank aufgenommen. (ZSM, Insecta varia)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bestimmung von neuen Aufsammlungen für Checklisten und Floren (BSM)

Tschechien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Betreuung Doktoranden, Studenten, Praktikanten, Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Türkei

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Capacity Building im Bereich Molluskenanatomie, Histologie, 3D-Rekonstruktionen, Molekulargenetik, Genomik: Ganzjährige Betreuung einer türkischen Gaststudentin (ZSM Sektion Mollusca)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Turkmenistan

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Tunesien

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • „Capacity Building“ für Studenten/angehende Wissenschaftler im Rahmen von drittmittelfinanzierten Forschungsaufenthalten an der ZSM, Trainings-Praktika und Betreuung von Abschlussarbeiten (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access  Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Uganda

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Ukraine

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Training im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen (ZSM, Hymenoptera)

Ungarn

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Ausbildung und Mit-Betreuung von Doktoranden

USA

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Ausleihen von Material aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM)

Venezuela

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Training („Capacity Building“) im Rahmen drittmittelfinanzierter Forschungsaufenthalte an der ZSM in den Bereichen Präparation, Taxonomie & Systematik und kuratorische Betreuung entomologischer Sammlungen durchgeführt. (ZSM, Hymenoptera)

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Vereinigte Arabische Emirate

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Vietnam

Weiterbildung (field training and capacity builiding acitivities):

  • Durchführung entomologischen Trainings für vietnamesische Kollegen und Studenten und begleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen (ZSM, Hymenoptera)
  • April–Mai 2019 Reise nach Vietnam (Cuc Phuong-Nationalpark), mit entomologischem Training für vietnamesische Kollegen und Studenten und begleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen.
  • Im Rahmen des VietBio-Projektes wurden Wissenschaftler aus Saigon Hanoi im September 2019 nach München (SNSB–ZSM) eingeladen und betreut.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Oktober–November 2019 Sammelreise nach Vietnam (Kooperation mit Cuc Phuong NP und Bidoup NP)
  • Identifikation von Schmetterlingen per Korrespondenz und Bearbeitung von Leihmaterial (z.B. Landwirtschafts- und Forstschädlinge) (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • Koordinationsreise nach Hanoi/Vietnam, Vorbereitung gemeinsamer Anträge, 2020 (ZSM)
  • Im Rahmen laufender DNA-Barcoding-Projekte wurden 2020 mehrere tausend Individuen aus Vietnam prozessiert. Alle Projektdaten wurden in die globale „Barcode of Life Database“ (BOLD) hochgeladen und sind dort global verfügbar.
  • Auswertungen von Malaisefallenfängen mit Artenlisten und hochqualitativen Biodiversitätsdaten. (ZSM, Hymenoptera)

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)
  • gemeinsame Publikationen (ZSM, Coleoptera)

Zimbabwe

Wissenschaftliche Zusammenarbeit (scientific collaboration):

  • Generierung von Datensätzen identifizierter Schmetterlinge auf internetgestützten open access Informationssystemen (BOLD, GenBank) (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Zypern

Gemeinsame Publikationen (joint publications)

  • Bereitstellung faunistischer Informationen in Publikationen (ZSM-Sektion Lepidoptera)

Diverse Länder

  • Das online-Portal LIASlight zur interaktiven Identifikation von mehr als 10.000 Flechten weltweit besteht in 20 Sprachen. (BSM)
  • Hochauflösende Bilder und Daten von Sammlungsbelegen wurden Botanikern und Mykologen anderer Länder zur Verfügung gestellt und damit repatriiert, über web-basierte Datenbanken oder durch direkte Zusendung an auswärtige Forscher (BSM)
  • Die Webapp DiversityNaviKey ermöglicht die interaktive Identifikation von mehr als 10.000 Flechten weltweit. (BSM)
  • Aufsammlungen aus dem tropischen Afrika, sowie aus mehreren südamerikanischen Ländern für Floren und Checklisten der jeweiligen Länder bestimmt und annotiert (BSM)
  • Projektdaten in globaler „Barcode of Life Database“ (BOLD) und dort frei verfügbar (ZSM)
  • Sequenzdaten early release/open access in GenBank zur Fauna von Ländern auf allen Kontinenten generiert. (ZSM)
  • Internationale Kooperationsprojekte mit gemeinsamen Tagungsbeiträgen und Veröffentlichungen. Editorielle und gutachterliche Arbeiten für Wissenschaftlerinnen und
    Wissenschaftler aus der ganzen Welt. 2020 (ZSM)
  • Knowledge Transfer: Über das Weltwärtsprogramm, eine vom BMZ geförderte, interkulturelle Initiative, werden Freiwillige aus dem globalen Süden für ein komplettes Jahr vermittelt. (BGM)
  • Mehrere Publikationen unterstützen Botaniker anderer Länder bei der Bestimmung bzw. genetischen, phylogenetischen, zytologischen und metabolischen Untersuchung ihrer Flora (BSM)

Flora von Bayern

Ziel der Initiative „Flora von Bayern“ ist es, alle mehr als 4.000 bayerischen Blütenpflanzen und Farne einschließlich der natürlich vorkommenden, neu eingebürgerten, invasiven, aber auch der ausgestorbenen Arten zu beschreiben. Das Projekt erfasst und dokumentiert den Zustand der Pflanzenwelt in Bayern über Zeit und Raum. Die dadurch verfügbaren Informationen sind von enormer Bedeutung für Fragen des Florenveränderung durch Zuwanderung oder Verlust in ganz Deutschland und die Grundlage des Artenschutzes. Zur Verwirklichung dieses Projekts ist die Mitarbeit ehrenamtlicher Kartierer sowie zahlreicher Einzelprojekte, Gesellschaften und Vereine in allen Regionen Bayerns entscheidend. Pflanzenliebhaber und -kenner sind aufgerufen, das Vorhaben mit eigenen Beobachtungen zu unterstützen. Dazu können Sie sich zur Mitarbeit beim Bayernflora-Team anmelden.

Koordinationsstelle Bayernflora

Im Mai 2018 wurde an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) mit Unterstützung des Bayerischen Landesamts für Umwelt eine Koordinationsstelle geschaffen mit dem Ziel, ehrenamtlich arbeitende Pflanzenkenner, Behörden, Verbände, Fachgesellschaften, Universitäten und Wissenschaftler:innen in Bayern zusammenzuführen und als Daten-Drehscheibe in Fragen des Florenschutzes zwischen Wissenschaft, Ehrenamt und Behörden zu vermitteln. Es werden dabei Fragen zur Verbreitung von Arten, der Zusammensetzung der Flora sowie dem Arten- und Habitatschutz im Bayerischen Raum adressiert. Seit August 2022 setzt sie als Koordinationsstelle Bayernflora die bisherigen Aufgaben fort, führt wissenschaftliche Daten zur Flora von Bayern aus verschiedensten Quellen zusammen und prüft und kuratiert diese technisch wie vor allem auch fachlich. Zusammen mit zahlreichen Expert:innen schafft die Koordinationsstelle die Grundlagen für eine dauerhafte Dokumentation und ein Verständnis über Ausmaß und Ursachen des Wandels der heimischen Pflanzenwelt Bayerns. In den nächsten Jahren werden wir an der Veröffentlichung einer gedruckten Flora von Bayern mitarbeiten und neue Methoden der Datenanalyse einsetzen, um gesellschaftlich relevante Fragen mit Bezug zur Biodiversität besser beantworten zu können.

Flora von Bayern – Kommunikationsplattform

Seit Oktober 2013 stellt das Projekt BFL – Kommunikationsplattform eine interaktive Kommunikationsplattform für an der Flora und Vegetation in Bayern interessierte Personen bereit. Die Plattform soll sowohl die floristisch aktiven, ehrenamtlichen Kartierer:innen als auch die an Wissenschaft interessierten Bürger:innen wie auch einschlägige Hochschulinstitute und den amtlichen Naturschutz ansprechen. Es werden ehrenamtliche Datenkurator:innen und Mitarbeiter:innen unterstützt und Fragen zur Initiative „Flora von Bayern“ beantwortet. Wir ermutigen alle interessierten Bürger:innen, sich aktiv an der inhaltlichen Entwicklung der interaktiven Wiki-Kommunikationsplattform zur Flora von Bayern zu beteiligen.

AG Flora von Bayern

Die Arbeitsgemeinschaft Flora von Bayern besteht aus einer Steuerungsgruppe, die das Vorhaben organisiert, und Regionalkoordinatoren, die es ganz wesentlich inhaltlich mitbestimmen, und wird begleitet von einem Fachbeirat mit Vertretern aus Ehrenamt, Naturschutzbehörden und Wissenschaft. Die eigenständigen regionalen Florenprojekte und Vereine sind ebenfalls Teil der AG sowie alle ehrenamtlich aktiven Kartierer/innen. Weiter wird das Projekt von einer Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften, Gesellschaften und Vereinen unterstützt. Die Zusammenarbeit von allen Interessierten ist die Voraussetzung um das gemeinsame Ziel der Publikation einer neuen Flora von Bayern zu erreichen.

Anzahl der mitarbeitenden „Citizen Scientists“

Derzeit arbeiten mehr als 120 Fachexpert:innen meist ehrenamtlich in verschiedener Weise am Flora von Bayern Projekt mit. Mehr als 80 Fachexpert:innen erheben bayernweit Beobachtungsdaten, rund 30-40 editieren regelmäßig Daten in den zentralen DWB-Installationen der Bayernflora-Datenbanken. Oft sind die „Citizen Scientists“ regional z.B. in Vereinen organisiert. Seit Beginn des Bayernflora-Projekts haben sich insgesamt etwa 200 ehrenamtliche „Citizen Scientists“ an der Initiative beteiligt.

Fossilgrabungen

Forschungsgrabung in den Plattenkalken von Brunn/Oberpfalz

In Kooperation mit dem Verein Bildungs- und Dokumentationszentrum Ostbayerische Erdgeschichte e.V. (Regensburg) werden von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie München (BSPG) seit Mitte der 1990er Jahre Fossilgrabungen im ehemaligen, heute aufgelassenen Forst-Steinbruch Pielenhofen (zwischen Wischenhofen und Brunn, nordwestlich von Regensburg) durchgeführt.

Die Brunner Grabungs-Fundstelle hat seit inzwischen mehr als 25 Jahren eine reichhaltige Plattenkalk-Fauna und -Flora des Ober-Juras (Ober-Kimmerdigium; ca. 153 Millionen Jahre alt) geliefert. Dabei wurden typische Organismen der späten Jurazeit in Europa, inklusive zahlreicher neuer Arten, wie auch rein endemische (d. h. nur hier vorkommender) Formen, nachgewiesen. Dazu gehören vor allem meeresbewohnende Ammoniten, Muscheln, Krebse, Seeigel und Knochenfische, aber auch Tiere und Pflanzen ehemaliger umgebender Inseln, wie Palmfarne, Brückenechsen und Flugsaurier.

Besonders bekannt geworden sind die Plattenkalke von Brunn für ihre Fülle an ansonsten unbekannten Jungtieren verschiedener Organismen. Highlights dieser Grabungsstelle sind verschiedene Flugsaurier, Brückenechsen, Fische, Stachelhäuter und Pflanzen. In der letzten Grabungssaison gelang der vollständige Fund eines Babykrokodils der Art Crocodilaemus robustus; eines sehr seltenen Krokodils, welches bisher mit nur wenigen Exemplaren aus dem französischen Cerin (Département Ain) bekannt war.

In der jährlichen Grabungssaison arbeiten hier durchschnittlich 4-6 ehrenamtliche Grabungshelfer unter wissenschaftlicher Leitung der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.


Forschungsgrabung Ettling

Die Forschungsgrabung des Jura-Museum Eichstätt im Plattenkalksteinbruch von Ettling (Markt Pförring) erbringt vor allem fossile Fische von großer wissenschaftlicher Bedeutung (siehe Pressemitteilungen der SNSB). Zum einen ist die Erhaltung der Fische außerordentlich gut, zum anderen besitzt Ettling eine Fischfauna aus dem Mitteljura (über 150 Mio. Jahre alt) mit zahlreichen, bisher noch unbeschriebenen Arten.

Die Fundstelle gibt einen einzigartigen Einblick in die frühe Evolution der modernen Fische (Strahlenflosser, Actinopterygii). Fischspezialisten besuchen daher regelmäßig die Sammlung des Jura-Museums. Die besondere Qualität der Fossilerhaltung ermöglicht auch die Erfassung von Details und damit Untersuchung von biomechanischen und paläobiologischen Fragestellungen. Zudem bietet die Fundstelle detaillierte Einblicke in ein Ökosystem vor 150 Millionen Jahre. Die Fundstelle Ettling ist ein einzigartiges Fenster in die Erdgeschichte!

Seit 2008 arbeiten bei der Forschungsgrabung jedes Jahr 8-10 ehrenamtliche Grabungshelfer:innen. Interessierte Laien, Hobbysammler:innen und Student:innen helfen aktiv mit, Daten für die Forschung zu generieren und leisten so einen aktiven Beitrag zu aktuellen Forschungsfragen.


Fossilgrabung in den Oberjura-Plattenkalken von Wattendorf

In dem Kalk- und Dolomitbruch der Firma Andreas Schorr bei Wattendorf im Landkreis Bamberg wurden im Jahr 2000 überraschend sehr fossilreiche Plattenkalke der oberen Jura-Zeit angeschnitten, die mit den Solnhofener Plattenkalken vergleichbar sind. Seit dem Jahr 2004 führt dort ein Team des Naturkunde-Museums Bamberg wissenschaftliche Grabungen durch, durch die eine große Anzahl spektakulärer und wissenschaftlich wertvoller Wirbeltierfossilien geborgen wurde und wird. Es handelt sich um ein langfristig endliches Vorkommen, weshalb so viele Fossilien als möglich zeitnah geborgen werden sollten. Dies ist nur mit dem Einsatz versierter ehrenamtlicher Grabungsmitarbeiter zu leisten, da die personellen Ressourcen des Museums dazu zu gering sind.

Derzeit arbeiten sieben ehrenamtliche Grabungshelfer an dem Projekt mit.


Fossilgrabung Mistelgau

In der ehemaligen Tongrube von Mistelgau bei Bayreuth werden seit den 90er Jahren im Rahmen regelmäßiger wissenschaftlicher Grabungen des Urwelt-Museums Oberfranken zahlreiche Fossilien mariner Reptilien, in erster Linie Ichthyosaurier, gefunden, geborgen und präpariert. Die Funde, meist mehr oder weniger vollständige, aber oft teilweise disartikulierte Skelette von Tieren der Gattungen Stenopterygius, Eurhinosaurus und Temnodontosaurus, aber auch Teilskelette von Sauropterygiern der Gattung Plesiosaurus stellen eine einzigartige Kollektion mariner Tetrapoden, insbesondere Ichthyosaurier aus dem Obertoarcium (Unterjura) dar.


Fossilgrabung Tongrube Hammerschmiede

In Kooperation mit den SNSB führte Prof. Dr. M. Böhme, Eberhard-Karls-Universität Tübingen , in den Jahren 2020 und 2021 die Fossilgrabungen in der Tongrube Hammerschmiede im Ostallgäu durch. Berühmt wurde die Fundstelle durch den Fund der Überreste des Menschenaffenfossils Danuvius guggenmosi, genannt „Udo“, die im Jahr 2019 entdeckt wurden. Die Tongrube Hammerschmiede birgt eine reichhaltige Fauna aus der Zeit des Mittel- bis Ober-Miozäns. Die dort abgelagerten Molasse-Sedimente stammen von ehemals im Voralpenland mäandrierenden Flussläufen. Sie enthalten die fossilen Überreste von Tieren, die vor 11,6 Millionen Jahren im und am Fluss gelebt haben, darunter Fische, Schildkröten, Kröten oder Biber sowie Elefanten, Nashörner, Pandas, Hirschferkel und viele mehr. In den Jahren 2020 und 2021 unterstützte der Freistaat Bayern die Grabung mit Sondermitteln.

Einige der Hammerschmiede-Fossilien waren im Sommer 2021 in der Sonderausstellung „Molassic Park – Eine Expedition zu Bayerns Menschenaffen, Urelefanten und subtropischen Wäldern“ in München zu sehen. Die Sonderausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museum Mensch und Natur, des Botanischen Gartens München-Nymphenburg, der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, BIOTOPIA Naturkundemuseum Bayern und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. „Molassic Park“ wandert zu den SNSB Regionalmuseen und kann ab 28.10.2021 im Naturkunde-Museum Bamberg besucht werden.

Bildergalerie für Bienen, Wespen und andere Hautflügler

Wildbienen und andere Stechimmen sind hoch bedroht und wie viele andere Insekten stark vom Artenrückgang betroffen. Um diese Tiere schützen zu können, ist es wichtig, sie zuverlässig zu erkennen und weiteres Wissen über die Arten zu sammeln.  Mit einer neuen, weltweit einzigartigen Online-Bildergalerie https://snsb-zsm.pictures von Bienen, Wespen, Ameisen und anderen Hautflüglern möchte die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) zur besseren Artenkenntnis auch in der breiten Bevölkerung beitragen. Die Web-Galerie soll engagierte Naturliebhaber, aber auch Forscher ansprechen, um ihnen diese Insektengruppe näherzubringen und eine Identifizierung von Arten zu ermöglichen.

Das Projekt ist eines von mehreren wissenschaftlichen Projekten mit Bürgerbeteiligung („Citizen Science“) an der Zoologischen Staatssammlung München. Die Bildergalerie ist zudem eine wichtige Ergänzung zu den Projekten zur Erstellung einer genetischen Bibliothek des Lebens anhand genetischer Kennsequenzen. Das sogenannte „DNA-Barcoding“ wird an der Zoologischen Staatssammlung München seit über 10 Jahren im Rahmen mehrerer Großprojekte betrieben, wie dem aktuellen Projekt „GBOL III: Dark Taxa“.

Zur Pressemitteilung: Wildbienenbestimmung im Netz: Münchner Insektenforscher starten Online-Galerie für Hautflügler

Fachamateure in der Mineralogie

Erzlagerstätten der Betischen Kordillere

Fachamateure unterstützen die Mineralogische Staatssammlung München bei der Untersuchung tiefhydrothermaler Mineralbildungen in polymetallischen Erzlagerstätten der Betischen Kordillere in Südspanien. Zu ihren Tätigkeiten gehören die Probennahme in der Oxidationszone polymetallischer Lagerstätten (Gold, Silber, Blei, Antimon, Zink, Arsen) sowie die Untersuchung der tiefhydrothermalen Mineralbildungen und die Erforschung der Bildungsbedingungen. Auch die Untersuchung und Neubeschreibung bisher noch nicht bekannter Minerale und thermodynamische Berechnungen sowie die Modellierung der Paragenesenentstehung werden zum Teil von diesen hochspezialisierten „Citizen Scientists“ durchgeführt.

Insgesamt arbeiten fünf Fachamateure für das Projekt – zwei davon in Deutschland, drei in Spanien. Ihre Kenntnisse auf diesem Spezialgebiet liegen weit über denen eines durchschnittlichen Diplommineralogen. Zwei davon sind auch Ko-Autoren einiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

Fachamateure in der Paläontologie

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Tätigkeitsfeld: Geo- und Biodiversitätsforschung, Taxonomie (Erdgeschichte)
Die BSPG verfügen über umfangreiche Sammlungen von Fossilien und Gesteinen aus aller Welt, bei deren genauer Bestimmung, Dokumentation und Analyse die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort auch durch ehrenamtliche Kräfte unterstützt werden. Einige von diesen beteiligen sich darüber hinaus auch an der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen oder der öffentlichkeitswirksamen Präsentation dieser Untersuchungen, beispielsweise in Form von Ausstellungen oder Vorträgen.

Anzahl:
ca. 15 ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen (Paläontologie)


Tätigkeitsfeld: Öffentlichkeitsarbeit im Paläontologischen Museum München und dem Geologischen Museum München
Zahlreiche ehrenamtlich wirkende Personen der beiden Fördervereine der BSPG – die Freunde der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie München e.V. und der Freundeskreis der Geologischen Staatssammlung München e.V. – unterstützen seit langem intensiv die Öffentlichkeitsarbeit der BSPG, vor allem an den monatlichen Sonntagsöffnungen der beiden BSPG-Museen oder während jährlich wiederkehrender Veranstaltungen, wie der Langen Nacht Münchner Museen oder den Münchner Mineralientagen.
Darüber hinaus veranstalten beide Fördervereine regelmäßig stattfindende Vortragsreihen zu diversen geowissenschaftlichen Themen.

Anzahl:
ca. 50-60 in diesem Bereich besonders aktive, ehrenamtliche Mitarbeiter/Innen


Jura-Museum Eichstätt

Am Jura-Museum Eichstätt bzw. in der Naturkundlichen Sammlung des Eichstätter Priesterseminars arbeiten regelmäßig ehrenamtliche Fachamateure mit. Zu deren Tätigkeiten fallen beispielsweise die Betreuung des Herbariums, die Präparation von Fossilien aus der Plattenkalksammlung sowie die Anfertigung von UV-Fotografien von ausgewählten Fossilien.

Fachamateure in der Zoologie

Biodiversitätsforschung, Taxonomie (v.a. in tropischen Ländern)

Viele private Sammler investieren ein beträchtliches Maß an Zeit und Geld in ihre Forschung, vor allem für den Sammlungsaufbau sowie für Literaturstudium, Museumsbesuche, Ausstellungen, Vorträge und Veröffentlichung von Forschungsergebnissen.

Zwischen 80-100 ehrenamtliche Entomologen (mehrheitlich Fachamateure für Schmetterlinge und Käfer) und ca. 10 Weichtiersammler engagieren sich in diesem Tätigkeitsfeld, mit Einzelfällen in den übrigen Gruppen.


DNA Barcoding (ZSM-Projekte)

Die europaweit führende Stellung der ZSM beim DNA-Barcoding wäre durch die Zuarbeit der vielen privaten Sammler und Fachamateure nicht möglich gewesen. Sie halfen und helfen der ZSM bei Forschungsprojekten wie Barcoding Fauna Bavarica (BFB), German Barcode of Life (GBOL) und Intensive versus Biolandwirtschaft (HIPP) durch Aufsammlungen und Bereitstellung geeigneten Probenmaterials, so dass bereits über 50% der heimischen Fauna in der genetischen Referenzbibliothek vertreten sind.

In diesem Tätigkeitsfeld arbeiten derzeit insgesamt fast 100 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen, vor allem Entomologen.


Monitoring der Bayernfauna

Viele private Sammler sind im Monitoring der bayerischen Schmetterlings- und Käferfauna aktiv, treffen sich in verschiedenen Foren und Arbeitskreisen (z.B. Bestimmungsabende an der ZSM; Münchner Entomologische Gesellschaft; Arbeitskreis südostbayerischer Lepidopterologen). Die so gewonnenen Daten werden laufend in Fachjournalen wie z.B. im „Nachrichtenblatt der bayerischen Entomologen“ publiziert und fließen auch in die kürzlich publizierte und laufend aktualisierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns ein.

https://www.barcoding-zsm.de/bayernfauna/lepidoptera

Etwa 80 ehrenamtliche Entomologen (v.a. Schmetterlinge) sind in diesem Tätigkeitsfeld engagiert.


Aktiver Naturschutz

Viele private Sammler stellen – unterstützt durch die SNSB/ZSM – ihr Fachwissen über die ökologischen Ansprüche und Bedürfnisse einheimischer Wirbeltiere (v.a. Vögel) und Insekten zur Verfügung. Bei den Insekten werden vor allem für Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Libellen Pflegeratschläge für die den amtlichen, regionalen und kommunalen Naturschutz zur Verfügung gestellt, sowie konkrete Vorschläge für die Verbesserung bzw. Wiederherstellung der strukturellen und chemischen Integrität von Lebensräumen gemacht. Außerdem werden Erfassungsdaten an das Bayerische Landesamt für Umweltschutz in Augsburg geliefert, u.a. für die Erarbeitung von Arten- und Biotopenschutzplänen. Das allgemeine Umweltbewusstsein wird zudem durch Vorträge, Exkursionen und sonstige Aktionen an Schulen und Volkshochschulen gestärkt.

Die Ornithologische Gesellschaft Bayern, die Münchener Entomologische Gesellschaft, die Friedrich-Held-Gesellschaft für Weichtierkunde arbeiten eng mit der Zoologischen Staatssammlung München zusammen.

Insgesamt sind derzeit fast 50 ehrenamtliche Mitarbeiter:innen mit großem Engagement in diesem Bereich tätig.

Bewahrung von wissenschaftlichen Privatsammlungen

Viele Fachamateure bauen über Jahre oder Jahrzehnte hinweg hochprofessionell angelegte wissenschaftliche Privatsammlungen auf. Dabei wird meistens auf bestimmte Tier- oder Pflanzengruppen, bestimmte Regionen oder Lagerstätten hin fokussiert und spezialisiert. Es gehört zu den Kernaufgaben der SNSB-Institutionen, solche hochwertigen, ausgezeichnet präparierten und gut dokumentierten Privatsammlungen zu erwerben und dauerhaft für die Forschung verfügbar und nutzbar zu machen. Der Erwerb erfolgt dabei durch (oftmals steuerbegünstigte) Schenkungen, testamentarische Übereignung oder Ankäufe.

In der Zoologischen Staatssammlung München übersteigen diese Übernahmen sogar den Sammlungsaufbau durch Aufsammlungen der ZSM-Mitarbeiter:innen um ein Vielfaches, allein im Bereich Entomologie wurden in den letzten 10 Jahren ca. 1000 Sammlungen mit weit über 5 Millionen Exemplaren eingeworben. Moderne, digitale Fototechniken machen es heute möglich, diese Privatsammlungen in ihrem ursprünglichen Zustand zu dokumentieren, auch wenn die Objekte physisch in die entsprechenden Hauptsammlungen integriert werden.

Botanischer Garten München-Nymphenburg: Wildbienen-Projekt

Um mehr über bedrohte Wildbienen-Arten herauszufinden, führten WissenschaftlerInnen der Botanischen Staatssammlung München und der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) in den Jahren 2017 und 2018 im Botanischen Garten München-Nymphenburg ein „Mitmach-Projekt“ durch, bei dem hunderte Wildbienen mit Rückennummern versehen wurden. Durch das individuelle Markieren der ausschwärmenden Wildbienen, von denen es im Botanischen Garten über 100 Arten gibt, konnte herausgefunden werden, wie weit diese Bienen fliegen auf der Suche nach Pollen oder Nektar von bestimmten Blüten, nach Partnern, oder nach neuen Nistplätzen. Münchener Bürger:innen wurden im Frühjahr 2017 und 2018 dazu aufgerufen, die nummerierten Wildbienen zu entdecken und ihre Beobachtungen zu melden.

In beiden Jahren beteiligten sich über 200 „Citizen Scientists“ an dem Projekt und meldeten ihre Bienensichtungen.

Weiterführende Informationen zum Wildbienen-Projekt finden Sie im SNSB Jahresheft 2016/2017 und in den Pressemitteilungen.

Patagonischer Langhalssaurier neu beleuchtet

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Paläontolog:innen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) untersuchten im Rahmen einer Neubeschreibung die Überreste des Langhalssauriers Patagosaurus fariasi (175 Mio Jahre) aus Argentinien. Diese Untersuchungen haben große Bedeutung für das Verständnis der Evolution der Sauropoden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen in der wissenschaftlichen Zeitschrift Geodiversitas.

Wie der Name schon verrät: der Dinosaurier Patagosaurus fariasi stammt aus dem heutigen Patagonien, Argentinien und lebte dort vor etwa 175 Millionen Jahren. Er gehört zur Gruppe der Sauropoden (Langhalssaurier), den größten Landtieren, die je auf der Erde gelebt haben. Zu den bekanntesten Vertretern der Langhalssaurier gehören auch Tiere wie Diplodocus oder Brachiosaurus. Obwohl Patagosaurus mit seinen 14 Metern Länge nicht so spektakulär groß war wie sein jüngerer Cousin Patagotitan (mit einer Länge von bis zu 37 Metern das größte Landtier, das jemals auf der Erde gelebt hat), spielt er eine wichtige Rolle für das Verständnis der Evolution der Sauropoden.

Patagosaurus zeigt eine Mischung aus ursprünglichen Merkmalen sowie Merkmalen bereits höher entwickelter Sauropoden wie die sogenannte Pneumatisierung der Wirbelknochen: Die Landriesen entwickelten im Laufe ihrer Evolution immer leichter gebaute Knochen mit zahlreichen Hohlräumen, um ihre Knochen so leicht wie möglich zu machen. Nur so konnten sie so riesig werden, wie beispielsweise Patagotitan. Der Vergleich mit anderen ursprünglichen Sauropoden aus der gleichen Zeit aus verschiedenen Gebieten zeigte, dass auch diese bereits über pneumatisierte Knochen verfügten.

„Die Pneumatisierung wie bei Patagosaurus war offenbar schon bei vielen ursprünglichen Sauropoden weit verbreitet. Wir vermuten daher, dass Sauropoden schon vor der Mittleren Jurazeit auf der Erde weit verbreitet waren. Unsere Neubeschreibung hilft, die evolutionären Zusammenhänge in dieser Tiergruppe besser zu verstehen“, so die Erstautorin Femke Holwerda.

Der Übergang vom frühen zum mittleren Jura (von ca. 180 bis ca. 170 Millionen Jahre) war eine entscheidende Zeitspanne für die Ausbreitung und Evolution der Dinosaurier. Bereits 5-10 Millionen Jahre später, in der mittleren und späten Jurazeit, waren die Sauropoden-Dinosaurier weltweit verbreitet. Leider ist über das Zeitintervall, in dem die Sauropoden ihren großen evolutionären Wachstumsschub hatten, nicht viel bekannt. Argentinien ist einer der wenigen Orte der Erde, an dem überhaupt Sauropodenfossilien aus dieser Zeit gefunden werden, so auch Patagosaurus. Da die ältesten bekannten Langhalssaurier nicht viel älter, aber sehr viel unvollständiger sind als Patagosaurus, kommt diesen Resten eine besondere Bedeutung für unser Verständnis der Evolution dieser wichtigen Dinosauriergruppe zu.

Ursprünglich wurde das Fossil im Jahr 1979 bekannt gemacht und 1986 kurz beschrieben. Die Paläontologin Femke Holwerda hat die Fossilien im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Bayerischen
Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) und der Ludwig-Maximilians-Universität in München in Zusammenarbeit mit Oliver Rauhut, Kurator an der SNSB-BSPG und dem argentinischen Wissenschaftler Diego Pol (Museo Paleontológico Egidio Feruglio, Trelew) nun erneut untersucht und ausführlich beschrieben. Die Neubeschreibung von Patagosaurus fariasi er-schien kürzlich als Monografie in der Zeitschrift Geodiversitas und enthält neue Erkenntnisse zu seiner Entwicklungsgeschichte und seinen Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen früh- und mitteljurassischen Sauropoden.

Das umfangreiche Material, das ursprünglich unter dem Namen Patagosaurus beschrieben wurde, enthält jedoch wahrscheinlich noch Überreste mindestens einer weiteren, bisher noch unbekannten Sauropodenart. Die Forscher vermuten daher, dass es bereits kurz nach ihrem Ursprung mehrere Arten von Langhalssauriern gab, und sie eine wichtige Rolle als die größten Pflanzenfresser damaliger Ökosysteme spielten. Diese Erkenntnis deckt sich mit der kürzlich aufgestellten Hypothese, dass die Sauropoden ihren Erfolg einem raschen Klimawandel gegen Ende des unteren Jura verdankten, der zu einem markanten Wechsel in der Flora und somit dem Aussterben früherer Pflanzenfresser führte. Auch diese Hypothese, die auf Arbeiten von Diego Pol und Oliver Rauhut zurückgeht, basierte auf Resten aus Patagonien – was unterstreicht, wie wichtig diese Region für unser Verständnis der Evolution der Dinosaurier ist.

Publikation:
Holwerda F. M., Rauhut O. W. M. & Pol D. 2021. — Osteological revision of the holotype of the Mid-dle Jurassic sauropod dinosaur Patagosaurus fariasi Bonaparte, 1979 (Sauropoda: Cetiosauridae). Geodiversitas 43 (16): 575-643. http://geodiversitas.com/43/16
DOI: 10.5252/geodiversitas2021v43a16

Kontakt:
Dr. Oliver Rauhut
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel.: 089 2180 6645
E-Mail: rauhut@snsb.de

Dr. Femke Holwerda
Royal Tyrrell Museum of Palaeontology
1500 N Dinosaur Trail, Drumheller, T0J 0Y0 Alberta, Canada
Tel.: +1 403 821 2127
E-Mail: femke.holwerda@gov.ab.ca
f.m.holwerda@gmail.com

Schädel

16. Juli 2021 bis 31. Dezember 2021

Schädel sind faszinierend, grauenerregend und schön zugleich. Sie sind Symbol für Leben und Tod. Schädel sind individuell – sie drücken etwas vom Wesen des Geschöpfs aus, das einst durch sie gesehen, gehört, gerochen, gedacht und geschmeckt hat. Schädel sind ein Symbol für den Kopf – und ohne Kopf geht gar nichts!

Evolution, Wahrnehmung, Schmuck, Waffen, Ernährung, alles Aspekte, die anhand von über 130 echten riesigen, mittelgroßen und sehr kleinen Minischädeln in der Ausstellung gezeigt werden.

Urwelt-Museum Oberfranken
Kanzleistrasse 1
95349 Bayreuth
Tel.: 0921 511211
verwaltung@urwelt-museum.de
www.urwelt-museum.de

Jura-Museum Eichstätt

Logo Jura-Museum Eichstätt

Website: https://jura-museum.de

Leitung

PD Dr.Christina Ifrim

Bayernkarte

Museum

Das Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg hoch über dem Altmühltal ist eines der am schönsten gelegenen Naturkundemuseen in Deutschland. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Fossilien der Solnhofener Plattenkalke, die durch die intensive Steinbruchtätigkeit in der Region zutage gefördert worden sind.

Die Versteinerungen ermöglichen eine Zeitreise in eine rund 150 Millionen Jahre alte tropische Insel-, Riff- und Lagunenlandschaft, die von Fischsauriern und Krokodilen, Korallenfischen und Krebsen, Insekten und Flugsauriern bevölkert war. Zu den eindrucksvollsten Fossilien gehören das weltweit einzige Exemplar des Raubdinosauriers Juravenator und ein Original des berühmten Urvogels Archaeopteryx. Prächtige Schauaquarien mit Riffkorallen, farbenfrohen Korallenfischen und „Lebenden Fossilien“ lassen die bunte Vielfalt von Meeresbewohnern der Jurazeit, 150 Millionen Jahre vor heute, lebendig werden. Ein multimedialer Museumsführer, den Gäste auf ihrem eigenen Smartphone nutzen können, bietet einen Rundgang zu den wichtigsten Ausstellungsstücken. Videos und interaktive Elemente ermöglichen spannende Einblicke in die Jurazeit.

Wechselnde Sonderausstellung bieten vertiefte Einblicke zu Forschungsschwerpunkten des Museums oder zu naturkundlichen Themen. Das Jura-Museum bietet außerdem ein umfangreiches Programm an Führungen, Workshops und Vorträgen. Seine Nachbarschaft zu anderen Angeboten auf der Willibaldsburg (z.B. Ur- und Frühgeschichtliches Museum und Bastionsgarten) machen das Jura-Museum zu einem lohnenden Ausflugsziel.

Dem Jura-Museum obliegt die Kuration der Sammlung des Bischöflichen Seminars Eichstätt. Es ist die größte Sammlung von Fossilien aus den Solnhofener Plattenkalken, die zurecht weltberühmt sind für die einzigartig gute Erhaltung ihrer Fossilien. Sie stellen ein Fenster in die Welt vor 150 Millionen Jahren dar, das in seiner Qualität unerreicht ist. Forscher aus der ganzen Welt besuchen die Sammlung in Forschungsaufenthalten. Das Jura-Museum unterhält neben eigenen Forschungsprojekten auch eine eigene Forschungsgrabung. Die Grabungstermine werden auf www.jura-museum.de/Forschung veröffentlicht. Die Forschungsergebnisse werden in hochrangigen Fachzeitschriften publiziert und im Jura-Museum direkt vermittelt. Forschung zum Anfassen!

Kontakt

Burgstraße 19 (Zugang für Besucher über Mondscheinweg!)
85072 Eichstätt
Tel.: 08421 602980
Fax: 08421 6029835
info@jura-museum.de

Museum Mensch und Natur

Logo Museum Mensch und Natur

Website: mmn-muenchen.de

Leitung

Dr. Michael Apel

Museum

Das Museum Mensch und Natur wurde 1990 als zentrales Ausstellungsforum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) eröffnet und hat den Auftrag, ausgewählte Sammlungsstücke der Staatssammlungen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bio- und Geowissenschaften der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit seinen nach modernen museumspädagogischen Gesichtspunkten konzipierten Ausstellungen hat das Museum bisher mehr als fünf Millionen Besucher angelockt. Mit jährlich mehr als 200.000 Besuchern zählt es zu einem der meistbesuchten staatlichen Museen Bayerns sowie einem der besucherstärksten Naturkundemuseen Deutschlands.

Aufgrund der sehr begrenzten Flächen und schlechten Infrastruktur wird das Museum Ende 2022 schließen, um umfassend erweitert und erneuert zu werden. Mit einem völlig neuen Konzept und unter neuem Namen eröffnet „BIOTOPIA-Naturkundemuseum Bayern“ als innovatives Museum und Forum für die Lebens-und Umweltwissenschaften.

Kontakt

Schloss Nymphenburg
80638 München
Tel. 089 17 95 89 0
museum@musmn.de

Paläontologisches Museum München

Logo Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Website: https://bspg.snsb.de

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Gert Wörheide

Museum

Das Museum ist der öffentlich zugängliche Teil der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Es widmet sich der Entwicklungsgeschichte der Erde und des Lebens und zeigt Fossilien von Tieren und Pflanzen aus allen Epochen der Erdgeschichte.

Im Erdgeschoß des Lichthofes präsentiert das Paläontologische Museum als eindrucksvolle Schauobjekte Großfossilien von verschiedenen Wirbeltieren und Pflanzen, die die Evolution und ökologischen Anpassungen bei diesen  Gruppen verdeutlichen, unter anderem die ersten pflanzenfressenden Urreptilien, lebendgebärende Fischsaurier mit Embryonen, Riesenflugsaurier, Pflasterzahnsaurier, den größten bayerischen sowie den letzten Dinosaurier, Säugetiere der Eiszeit wie Mammut, Riesenhirsch und Säbelzahntiger, und im Mittelpunkt das Skelett des Mühldorfer Urelefanten. Die thematischen  Ausstellungen im zweiten Stock sind der Dokumentation aller Erdzeitalter („vom Stromatolith zum Hamster“), wichtiger Evolutionsschritte der Lebewelt („Urvogel Archaeopteryx“) und der Tierwelt Bayerns vor 16 Millionen Jahren gewidmet. Des weiteren werden hier wechselnde Sonderausstellungen präsentiert.

Kontakt

Richard-Wagner-Straße 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6630
palmuseum@snsb.de

Wo spüren wir Veränderung?

Zoologische Staatssammlung München
Checkliste der Schmetterlinge

Auch in Deutschland macht sich der Klimawandel durch den Verlust der biologischen Vielfalt bemerkbar. Forscher an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns beobachten die Veränderungen der Vielfalt und das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten in der Natur. Sie erstellen zum Beispiel umfassende Artenlisten anhand von Sammlungsmaterial und können so über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg die räumliche und zeitliche Ausbreitung von Arten vergleichen. Die Zoologische Staatssammlung München hat beispielsweise 2016 eine ausführliche Checkliste aller bayerischen Schmetterlinge erstellt. Diese basiert auf über 250 Jahren Schmetterlingsbeobachtung und mehr als 400.000 Datensätzen. Für Bayern wurden insgesamt über 3.200 Arten nachgewiesen, darunter sogar eine Neuentdeckung aus der Familie der Grasminierfalter (Elachistidae). Es mussten allerdings auch 13% Artverluste bestätigt werden, und selbst viele „Allerweltsarten“ wie Rotrandspanner (Timandra comae) oder Brauner Bär (Arctia caja) sind stark rückläufig.

Quelle: Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera)
Alfred Haslberger & Andreas H. Segerer
Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft (2016) 106 (Supplement), 1–336.

Mehr Information zur Checkliste der Schmetterlinge


Botanische Staatssammlung München
Flora von Bayern

Die Flora Bayerns wurde zuletzt 1914 in einem umfassenden Werk erfasst. Die Initiative „Flora von Bayern“ an der Botanischen Staatssammlung München (BSM) hat zum Ziel, die Flora des gesamten Freistaates zu erfassen und so deren Veränderungen durch Klimawandel und Landnutzung auszuwerten. Nur durch solche Vergleichsarbeiten von aktuellen und historischen Belegen aus der Botanischen Staatssammlung sind beispielsweise die Erstellung „Roter Listen“ gefährdeter Arten möglich.

Link zur Website Flora von Bayern


Botanische Staatssammlung München
Flora von München

Die letzte veröffentlichte Artenliste der Münchner Pflanzen ist über 100 Jahre alt. Seither hat sich die Einwohnerzahl fast verzehnfacht. In diesem Zeitraum gab es hohe Artenverluste, aber auch Einwanderungen, was der direkte Vergleich mit dem seit 2006 laufenden Kartierungsprojekt „Flora von München“ zeigt. Beispiel für einen Neuzugang ist die heute im Stadtgebiet weit verbreitete Indische Scheinerdbeere (Duchesnea indica), die hierzulande vor 100 Jahren noch gänzlich unbekannt war, sowie das Drüsische oder Indische Springkraut (Impatiens glandulifera), das einerseits einheimische Pflanzen verdrängt, andererseits aber wertvolle Bienenweide im Spätsommer darstellt.

Link zur Website Flora von München


Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Fossilien als Zeitzeugen

Fossilien sind Zeugen vergangenen Lebens auf der Erde. Umfassende Sammlungen von Fossilien aus einer speziellen geologischen Formation oder aus einer bestimmten Region geben Hinweise auf den Lebensraum oder das Klima aus längst vergangenen Zeiten. So zeigen beispielsweise die Fossilien und Gesteine aus den Solnhofener Plattenkalken, dass in Bayern vor rund 150 Millionen Jahren ein tropisches Klima herrschte. Die Landschaft zur Zeit des oberen Jura war geprägt durch ein warmes Flachmeer, gegliedert in Lagunen und Riffe. Ein Forschungsprojekt an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG) befasste sich intensiv mit der Vielfalt der Fisch-Fossilien aus den Solnhofener Plattenkalken, welche außergewöhnlich gut erhalten sind.

Link zur Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG)


Botanischer Garten München-Nymphenburg
Holzpflanzen und Klimawandel

Wie kommen heimische und nicht-heimische Holzpflanzen mit dem Klimawandel zurecht? Dieser Frage wird im Botanischen Garten München-Nymphenburg nachgegangen. Seit sechs Jahren wird der Blattaustrieb bei über 1000 Individuen aus 500 Baum- und Straucharten experimentell untersucht. Von den 500 Arten sind 85 % nicht aus Zentraleuropa, sondern aus Asien oder Nordamerika. Diese Vielfalt an nebeneinander wachsenden Arten ermöglicht es, deren genetisch bestimmte Strategien herauszufinden, denn alle sind den gleichen Bedingungen ausgesetzt. So wird ihr „Genotypus“ der Forschung zugänglich. Dieser grundlegende Forschungsansatz ist allein in Botanischen Gärten möglich und hat zu einer Reihe von unerwarteten Erkenntnissen geführt: zum Beispiel zeigte sich, dass nordamerikanische Arten erst nach einem viel längeren Winter austreiben als europäische und asiatische und dass sie ihre Blätter durchschnittlich drei Wochen kürzer präsentieren als alle anderen Arten. Da sich der Winter in München in den letzten 100 Jahren um vier Wochen verkürzt hat, haben es amerikanische Holzarten bei uns besonders schwer.


Botanischer Garten München-Nymphenburg
Wildbienen-Heimat Botanischer Garten

Der Botanische Garten München Nymphenburg ist Heimat für 107 der 571 Wildbienenarten, die in Deutschland vorkommen. Haben sich diese Zahl oder das Artenspektrum im Laufe der letzten Jahre verändert? Beide Fragen konnten durch eine Masterarbeit beantwortet werden, denn 1997 hat es schon einmal eine Erfassung der Bienenarten des Gartens gegeben, angeleitet von Wissenschaftlern der Zoologischen und der Botanischen Staatssammlung München (ZSM und BSM). Vor 20 Jahren wurden 79 Arten gefunden. Von den neu hinzugekommenen Arten sind acht wärmeliebend, während 16 Arten, die nicht mehr gefunden werden konnten, an kühle Bedingungen angepasst sind. Von vielen unserer Bienen kennt man aber die Wärme-Präferenzen für Nestbau und Futterpflanzen noch nicht. Die Forschungen werden daher in einer Doktorarbeit fortgesetzt. Eine logische Erklärungsmöglichkeit für die beobachteten Änderungen ist der Temperaturanstieg in München um 0,5°C von 1997 bis 2017, denn die Bienenvielfalt nimmt allgemein in wärmeren Gegenden zu.

Link zur Publikation: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00442-018-4110-x

Naturkunde-Museum Bamberg

Logo Natrukunde-Museum Bamberg

Website: http://naturkundemuseum-bamberg.de

Leitung

Dr. Oliver Wings

Museum

Mitten im Herzen Bambergs, in der Gebäudeanlage des ehemaligen Jesuitenkollegs, erwartet den Besucher ein ganz außergewöhnliches Ausstellungshaus. Außergewöhnlich deshalb, weil es in einzigartiger Weise Historisches mit Modernem verbindet. Die Gäste können einen der ältesten und schönsten Naturkundesäle weltweit betreten – den berühmten Bamberger Vogelsaal. Dieses „Museum im Museum“ beschert dem Besucher mit seinen Tausenden bunten Tierpräparaten und dem klassizistischen Ambiente eine Vorstellung vom Blick auf die Natur, wie er vor über 200 Jahren den Besuchern in einem Naturalienkabinett geboten wurde. Zu einer Zeit, als den Menschen ein Vogel Strauß noch wie ein Wunder aus einer unfassbaren Welt erschien.

Den Kontrast zu diesem historischen Naturalienkabinett bilden die modernen Dauerausstellungen, die sich verschiedenen naturkundlichen Themen mit regionalem Schwerpunkt widmen. Mit ständig wechselnden Sonderausstellungen bieten wir unseren Gästen die Möglichkeit, immer wieder etwas Neues über die Natur zu erfahren.

Kontakt

Fleischstr. 2
96047 Bamberg
Tel.: 0951 8631249
Fax: 0951 8631250
info@naturkundemuseum-bamberg.de

Geologisches Museum München

Logo Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Website: https://bspg.snsb.de

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Gert Wörheide

Museum

Das Geologische Museum München ist ein öffentlich zugänglicher Teil der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie. Vom Geologischen Museum führt ein Durchgang direkt in das Paläontologische Museum München.

Mit seiner Dauerausstellung „Erdkruste im Wandel“ widmet sich das Museum dem Entstehen und Vergehen unseres Planeten und beschreibt Sedimentbildung, Gebirgsbildung, Vulkanismus und Plattentektonik. Unter dem Motto „Bayerns steinige Geschichte“ können sich die Besucher auf eine Zeitreise in die Jahrmillionen alte Vergangenheit Bayerns begeben. Schubladen laden dazu ein, Gesteine selbst zu untersuchen. Die Wandzeitung „Geo-Forum“ im Museum informiert über tagesaktuelle Ereignisse aus der Geologie wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, allgemein interessierende Forschungsergebnisse und Ähnliches.

In einer Sonderausstellung werden die Themen „Islands geologische Vielfalt“, „Tektonischer Rahmen“, Heiß und Kalt“, „Asche – Fluch und Segen“, „Bomben und Lapilli“ sowie „Sande und Gerölle“ präsentiert. Ausgestellt sind vorwiegend Gesteine sowie Luft-, Gelände- und Filmaufnahmen.

Kontakt

Richard-Wagner-Straße 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6547
geomuseum@snsb.de

RiesKraterMuseum Nördlingen

Logo RiesKraterMuseum Nördlingen

Website: https://www.rieskrater-museum.de

Leitung

Prof. Dr. Stefan Hölzl

Museum

Vor etwa 15 Millionen Jahren kollidierte ein im Durchmesser ca. 1 km großer Asteroid mit der Erde. Das Resultat dieser kosmischen Begegnung ist das Nördlinger Ries, eingesenkt als markante Geländeform in die Schwäbisch-Fränkische Alb. Der etwa 25 km große, nahezu kreisrunde Einschlagskrater gehört zu den besterhaltenen Kratern dieser Größenordnung. Die Auswurfdecke des Rieskraters mit den beiden wichtigsten Gesteinsformationen wie dem Suevit und der Bunten Brekzie ist hervorragend aufgeschlossen und diente schon den Apollo-Astronauten als Trainingsgebiet für ihre Mondmissionen. Begeben auch Sie sich auf die Spuren der Astronauten!

Das RiesKraterMuseum ist ein naturwissenschaftliches Museum mit dem zentralen Thema: Entstehung und Bedeutung von Einschlagkratern und besonders des Nördlinger Rieses. In einem aufwändig sanierten mittelalterlichen Scheunengebäude aus dem Jahre 1503 wird – auf sechs Räume verteilt – das Riesereignis mit seinen planetologischen Wurzeln und seinen irdischen Auswirkungen, die bis heute fortwirken, dargestellt.

Kontakt

Eugene-Shoemaker-Platz 1
86720 Nördlingen
Tel.: 09081 84710
Fax: 09081 84720
rieskratermuseum@noerdlingen.de

Museum Mineralogia München

Website: https://msm.snsb.de

Logo Museum Mineralogia München

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Schmahl

Museum

Das Museum Mineralogia München ist der öffentlich zugängliche Teil der Mineralogischen Staatssammlung München. Es bietet dem Besucher einen didaktisch aufgebauten und ästhetischen Einblick in die Welt der Mineralien, Kristalle und Edelsteine.

In regelmäßigen Sonderausstellungen werden spezielle Themen, wie z.B. Diamant, Gestein vom Mars oder Edelsteine besonders umfassend und mit herausragenden Ausstellungsstücken dargestellt. Zahlreiche Vorträge, Lehrerfortbildungen, Schülerveranstaltungen und Führungen sollen Wissen und Information über die Schätze unseres Planeten in die breite Bevölkerung tragen.

Der Hauptteil der Vitrinen gruppiert sich um den großen Hörsaal des Institutsgebäudes. Im Westteil, im Durchgangskorridor zu den wissenschaftlichen Instituten, befinden sich Vitrinen, die der Erläuterung mineralogischer und kristallografischer Begriffe gewidmet sind.

Bewegliche Experimental-Anordnungen, die vom Besucher selbst betätigt werden können, Modelle und natürlich die dazu passenden Mineralstufen und Einkristalle erläutern Begriffe wie Kristallstruktur, Symmetrie-Elemente, Mineraloptik, Kristallwachstum, Kristallzüchtung und vieles mehr. Hier wird der Besucher behutsam in das Gebiet der Wissenschaft „Mineralogie“ eingeführt.

Kontakt

Theresienstr. 41
D-80333 München
Tel.: 089 2180 4312
Fax: 089 2180 4334
E-Mail: mineralogische.staatssammlung@snsb.de

Evolutionsforschung

Zoologische Staatssammlung München
Evolution im Hochgebirge

Das DFG Projekt “Evolution of a tropical high-altitude insect community in the Andes inferred from a global phylogenetic framework” mit Laufzeit von 2022-2025 wird erstmals für eine Gruppe wirbelloser Tiere untersuchen, von wo, wann und wie die höchsten aquatischen Lebensräume der Anden besiedelt wurden. Dabei werden nicht nur zahlreiche neue Arten entdeckt und beschrieben, sondern auch ihr evolutionärer Ursprung in einem globalen phylogenetischen Kontext erforscht, der mehr als 150 Millionen Jahre zurückreicht. Damit wird auch ein Beitrag zur Kenntnis der ikonischen Páramo und Puna Landschaften geliefert, die wichtige Servicefunktionen für Millionen Menschen haben.

Link zur ersten Publikation: https://alpineentomology.pensoft.net/article/79598/


Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Leichte Langhälse

Dass viele Dinosaurier, vor allem aus der Gruppe der Langhalssaurier, sehr imposante Tiere waren, ist allgemein bekannt. Wie sich die zum Teil riesigen Körpermaße auf den Stoffwechsel, die Bewegungsfähigkeit und die Biomechanik dieser Tiere ausgewirkt haben, untersuchen die Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (BSPG). So kann man beispielsweise an Rückenwirbeln von Sauropoden feststellen, dass die Knochen in Leichtbauweise ausgeführt sind und bei gleicher Stabilität statt massivem Knochengewebe viele luftgefüllte Hohlräume enthalten.

Publikation zum Thema: Rauhut, O.W.M. 2005a. 40 m lang und 100 t schwer – Der Gigantismus der sauropoden Dinosaurier. Fossilien 22 (4): 208-213; 5 Abb.


Zoologische Staatssammlung München
Käferevolution sichtbar gemacht

Mit der Frage, wie sich Artenvielfalt in Raum und Zeit entwickelt, befasst sich die Zoologische Staatssammlung München (ZSM). Sie nutzt hierfür moderne Methoden wie die DNA- Analyse und mikromorphologische Untersuchung sowie umfangreiche Sammlungsbestände. Für die Erforschung der Evolution von Schwimmkäfern wurden beispielsweise während mehrerer Expeditionen in Neu Guinea und Australien rund 20.000 Käfer aufgesammelt. So kann nun ein sehr genaues Bild der Käferevolution im untersuchten Gebiet gezeichnet werden.

Liste diverser Publikationen zur Erforschung der Schwimmkäfer Neu Guineas und Australiens


Zoologische Staatssammlung München
Wie Arten enstehen

Clevere Fische kreuzen sich: Die Entstehung neuer biologischer Arten ist der Kern der Evolution. Zoologische Sammlungen sind die Grundlage zur Erforschung der Entstehung neuer Arten. Neue Methoden, wie die DNA Analyse, liefern hier zum Teil überraschende Ergebnisse, wie z.B. bei der Untersuchung der Artentstehung bei Buntbarschen aus einem kleinen Kratersee in Kamerun durch ZSM Wissenschaftler. Einige der dort heimischen Arten entstanden nicht auf die übliche Weise durch Mutationen ihres Erbguts, sondern (wie bei vielen Pflanzen) durch Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Arten. Diese sogenannten Hybridarten besetzen oft außergewöhnliche ökologische Nischen, wie der Schwämme fressende Buntbarsch Pungu maclareni, der ein sehr spezielles Gebiss und eine riesige Kaumuskulatur besitzt.

Link zur Publikation: https://frontiersinzoology.biomedcentral.com/articles/10.1186/1742-9994-1-5


Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Evolution der Zähne

Zähne sind typische Merkmale der Wirbeltiere (inklusive des Menschen) und herausragende Produkte der Evolution. Jede ihrer Eigenschaften, wie z. B. Form, Funktion, Mikrostruktur und Biogeochemie, ist das Ergebnis einer über 500 Millionen Jahre anhaltenden Evolution. Abhängig von ökologischen, anatomischen und physiologischen Gegebenheiten entstanden unzählige Gebisstypen, die an die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Arten angepasst sind. Daher liefern Zähne nicht nur wichtige Informationen zu Ernährungsweise und Lebensgeschichte ihrer Träger, sondern auch zu deren Identifizierung. Weil der Zahnschmelz das härteste Biomineral der Welt ist, können sich Zähne nach dem Tod über Jahrtausende und Jahrmillionen erhalten und Einblicke in ihre Naturgeschichte geben. Von der Existenz vieler ausgestorbener Säugetiere, ihrer Verbreitung und Biologie, ein Forschungsschwerpunkt an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, wissen wir vor allem auf Grund fossiler Zähne. Aus den von Wissenschaftlern der BSPG erarbeiteten Kenntnissen über die Evolutionsgeschichte der Zähne leiten sich Zahnärzte und Zahntechniker Kriterien für eine optimale Implantattherapie bei ihren Patienten ab.

Auswahl an Publikationen zum Thema:
https://link.springer.com/article/10.1007/s10914-015-9313-xhttps://zslpublications.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/jzo.12518
https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/08912963.2018.1525366
https://epub.ub.uni-muenchen.de/40474/1/21_roessner_359_367.pdf
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1616504711000814

Neue Arten entdecken

Zoologische Staatssammlung München
Geheimnisvolles Leben auf der Erde

Wissenschaftler kennen bisher erst ca. 10% aller auf der Erde vorkommenden mehrzelligen Lebewesen. Der Großteil des Lebens auf der Erde ist also noch unbekannt! Gerade in der Gruppe der Insekten werden laufend zahlreiche neue Arten entdeckt, pro Jahr sind es insgesamt fast 20.000 neue Arten. Durch genetische Artbestimmung und den Vergleich mit der DNA bereits untersuchter Tierarten können heute auch große Mengen von Neuentdeckungen eindeutig und schnell identifiziert werden. Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) konnten so beispielsweise über 300 neue Rüsselkäferarten aus Neu Guinea und Sundaland in relativ kurzer Zeit neu erfassen. Insgesamt hat die ZSM bereits rund 16.000 Käfer genetisch erfasst.

Links zu Publikationen:


Zoologische Staatssammlung München
Artenvielfalt Neu Guineas

Die Erforschung der Artenvielfalt von Neu Guinea, der zweitgrößten Insel der Welt, ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt an der ZSM. Dabei werden nicht nur dutzende neue Arten entdeckt und beschrieben, sondern auch ein interdisziplinärer Forschungsansatz aus Geologie und Biologie verfolgt, um deren evolutionäre Geschichte zu verstehen.

Publikationen:


Zoologische Staatssammlung München
Artenvielfalt in Madagaskar

Die Erforschung der Artenvielfalt von Madagaskar, vor allem die Untersuchung von Fröschen, Echsen, Schlangen und Schildkröten, von denen die allermeisten nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen, ist ein Forschungsschwerpunkt an der ZSM. Vor allem in der Gruppe der Amphibien nahm die Zahl der Neuentdeckungen innerhalb der letzten 20 Jahre enorm zu. Leider zeigt die Erforschung der Artenvielfalt aber auch, wie bedroht viele dieser Tierarten durch die Zerstörung ihrer Lebensräume sind.

Link zur Liste diverser Publikationen zur Artenvielfalt in Madagaskar


Botanische Staatssammlung München
Neue Pflanze bei Facebook entdeckt

Erstmalig entdeckten und beschrieben Botaniker eine neue Pflanzenart anhand eines Fotos, das auf dem sozialen Netzwerk „Facebook“ gepostet wurde. Ein internationales Team von Botanikern aus Brasilien, den USA und der Botanischen Staatssammlung München (BSM) konnte die Pflanze durch den Vergleich mit bereits bekannten Sonnentau-Arten aus den Sammlungsbeständen der BSM eindeutig als neue Art identifizieren. Der Prächtige Sonnentau (Drosera magnifica) stellte sich als der größte bisher bekannte Sonnentau Amerikas heraus. Die Pflanze zeigt im Vergleich mit bereits bekannten Sonnentau-Arten neben einigen unverwechselbaren Merkmalen auch etliche Gemeinsamkeiten.

Link zur Publikation: https://biotaxa.org/Phytotaxa/article/view/phytotaxa.220.3.4

Umweltbelastungen nachweisen

Zoologische Staatssammlung München
Insekten spüren Wasserqualität

Wasserinsekten spielen eine große Rolle als Zeigerarten (Bioindikatoren) bei der Beurteilung der Wasserqualität von Bächen, Flüssen und Seen. Viele Arten speziell der Eintags-, Köcher- und Steinfliegen sind so optimal an ihre Lebensräume angepasst, dass sie äußerst sensibel auf kleinste Veränderungen ihrer Umwelt durch beispielsweise Verschmutzung oder auch Wassererwärmung reagieren. Die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) hat eine genetische Arten-Datenbank zur schnelleren und einfacheren Bestimmung dieser Insekten erstellt. Dies erleichtert Ökologen die Beurteilung der „Gesundheit“ eines Gewässers enorm.

Link zur Publikation: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1755-0998.12683


Botanische Staatssammlung München
Flechten: Anzeiger für schlechte Luft und Klimawandel

Flechten sind seit Langem bekannt als zuverlässige Anzeiger für Luftverschmutzung. Wissenschaftler der Botanischen Staatssammlung München (BSM) erforschen aber auch bestimmte Flechtenarten, die sehr sensibel auf Veränderungen von Temperatur und Niederschlag und somit des Klimas reagieren. Die Caperatflechte Flavoparmelia soredians ist solch ein typischer Klimawandelanzeiger, der erst seit einigen Jahren in Deutschland heimisch ist. Dank umfangreicher Flechtensammlungen und -datenbanken sowie moderner genetischer Bestimmungsmethoden an der BSM können inzwischen auch schwer identifizierbare Arten sicher bestimmt werden. Das hilft, Veränderungen des Klimas aufzuzeigen.

Die Flechten-Datenbank der Botanischen Staatssammlung München

Bildung und Lehre

Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Sammlungen für alle

Naturkundliche Bildung der breiten Bevölkerung ist eine Kernaufgabe der SNSB Museen und Sammlungen. Nur was der Mensch kennt, ist er bereit zu schützen und zu bewahren. Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) zeigen in zahlreichen Dauer- und Sonderausstellungen die große Vielfalt auf der Erde und machen auf Veränderungen und Gefahren aufmerksam. Objekte unserer Sammlungen und Forschung sind in unseren zahlreichen Museen ausgestellt. Zusätzlich öffnen wir unsere Sammlungsmagazine im Rahmen unserer Tage der offenen Tür und zeigen dort unsere großen Sammlungsbestände einem breiten Publikum. In zahlreichen „Citizen Science Projekten“ beziehen wir immer wieder engagierte Fachamateure und interessierte Bürger mit in unsere Forschung ein. Bei einem Wildbienenprojekt der Botanischen Staatssammlung München (BSM) beispielsweise baten wir die Münchner um Mithilfe bei der Suche nach nummerierten Wildbienen, um deren Flugradius zu erfassen. Auch beteiligen sich immer wieder viele engagierte Botanik-Interessierte beim Sammeln von Pflanzen im Rahmen des „Flora von München“ Projekts, in dem der Wandel der Großstadtflora untersucht wird.

Urwelt-Museum Oberfranken

Logo Urwelt-Museum Oberfranken

Website: http://www.urwelt-museum.de

Leitung

Dr. Joachim M. Rabold

Museum

Das Urwelt-Museum Oberfranken ist ein regionales Naturkundemuseum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Sein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der belebten und unbelebten Natur Oberfrankens. Zahlreiche Exponate (Muschelkalksaurier und andere Fossilien) führen in dieses Thema ein. Hochattraktive Ausstellungen seltener Mineralien und anderer Attraktionen (begehbarer Goldkristall 3×3 m) erlauben aber auch das direkte „Begreifen“ der unbelebten Natur. Im Urwelt-Museum Oberfranken können vor allem Kinder an teils interaktiven Installationen mit der Wissenschaft spielen.

Zahlreiche Sonderausstellungen und Sonderaktionen ergeben ein aktives Museum, welches mit viel Abwechslung spannend in die Urwelt einführt – und dies mitten in der Bayreuther Fußgängerzone.

Kontakt

Kanzleistraße 1
95444 Bayreuth
Tel.: 0921 511211
verwaltung@urwelt-museum.de

Gesundheit von Tier und Mensch

Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie
10.000 Jahre Gesundheitsgeschichte

Durch die Untersuchung menschlicher Skelette wird die Entwicklung der menschlichen Gesundheit weltweit erforscht. Wissenschaftler aus aller Welt vergleichen Informationen, die ihnen die Skelette aus über 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte liefern, bezüglich Alter, Größe, Geschlecht und Krankheiten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Sozialgeschichte von Frauen und Kindern, die in historischen Schriftquellen kaum Spuren hinterlassen haben, da sie in früherer Zeit nicht geschäftsfähig waren. Die Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie ist Projektpartner des internationalen Global History of Health Projekts.


Zoologische Staatssammlung München
Identifizierung von Parasiten

Touristen oder Geschäftsreisende schleppen zunehmend neue Parasiten nach Deutschland ein. Zudem wandern auch vermehrt neue, möglicherweise auch für den Menschen gefährliche Tierarten nach Deutschland ein. Eingewanderte Zecken oder Stechmückenarten können beispielsweise tropische Krankheiten übertragen. Durch den Abgleich mit ihrer genetischen Datenbank konnten Forscher der Zoologischen Staatssammlung München bereits in mehreren Fällen seltene Parasiten, die Menschen befallen hatten, bestimmen: Zum Beispiel die Made einer Yak-Dasselfliege (Hypoderma sinense), die sich unter der Haut einer Nepal-Touristin aus München befand.

Link zur Website DNA-Barcoding an der Zoologischen Staatssammlung München

Forschung für die Landwirtschaft

Zoologische Staatssammlung München
Einsatz und Schutz von Wildbienen

Wildbienen spielen eine bedeutende Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie spielen damit eine zentrale Rolle für die Biodiversität und sichern gleichzeitig die Erträge zahlreicher Kulturpflanzen. Vor allem im Obst- und Beerenanbau werden Wildbienen bereits gezielt gezüchtet und zur Bestäubung eingesetzt. Zudem setzen Ökologen Wildbienen vielfach beim Monitoring für Zwecke des Naturschutzes und der Landschaftsplanung ein. Durch die genetische Auswertung von über 4000 Wildbienen-Individuen konnte die Zoologische Staatssammlung München eine fast vollständige Liste der deutschen Wildbienenarten erstellen und kann so zum gezielten Einsatz, aber auch zum Schutz dieser stark bedrohten Insektengruppe beitragen. Denn zahlreiche Arten stehen auf der Roten Liste bedrohter Tierarten in Deutschland.

Link zur Publikation: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1755-0998.12363


Zoologische Staatssammlung München
Schädlinge indentifizieren – Ernte retten

In der Land- und Forstwirtschaft treten neben den bekannten Schädlingsarten zunehmend durch Tourismus oder Importe eingeschleppte Arten auf. Auch durch den Klimawandel dringen seit einiger Zeit vermehrt viele wärmeliebende Arten aus dem Mittelmeerraum zu uns ein. Manche dieser Arten sind gefürchtete Schädlinge, weil sie – im Unterschied zu den einheimischen Arten – oftmals keine natürlichen Feinde haben und sich daher schnell verbreiten können. Beispielsweise verursacht die Kirschessigfliege Drosophila suzukii in Oberitalien und Spanien bei Weintrauben oder Kirschen massive Schäden: 2011 wurde sie erstmalig auch in Deutschland beobachtet. Seit 2013 breitet sich die aus Russland stammende Sanddornfliege Rhagoletis batava in Ostdeutschland aus und bedroht dort ganz massiv den Sanddornanbau. Für Landwirte und Fachleute aus den Pflanzenschutzämtern besteht bei solchen Schädlingen häufig das Problem, dass sie die Tiere nicht richtig bestimmen können, weil nur Larven vorliegen. In beiden Fällen konnte die Zoologische Staatssammlung durch den Abgleich mit Sammlungsmaterial helfen, die Schädlinge genetisch sicher zu identifizieren.

Link zu DNA-Barcoding an der ZSM


Botanische Staatssammlung München
Eingeschleppte Schädlinge

Auch in der Botanik werden zunehmend eingeschleppte Schadorganismen beobachtet. So wurde im Jahr 1999 der Echte Mehltau (Erysiphe flexuosa) erstmals auch in Deutschland beobachtet. Dieser Pilz kommt ursprünglich aus den USA und Kanada und befällt bei uns massiv die Blätter der Rosskastanie. Wissenschaftler der Botanischen Staatssammlung München (BSM) halfen mit, den Pilz hierzulande zu identifizieren und seine Ausbreitung zu dokumentieren. Die BSM verfügt zudem über eine spezielle Mehltau-Datenbank in der inzwischen über 12.000 Mehltau-Vorkommen weltweit digital erfasst sind.

Zur Mehltau-Datenbank der Botanischen Staatssammlung MünchenBotanischen Staatssammlung München

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Logo Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Website: https://bspg.snsb.de

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Gert Wörheide

Stellvertretender Direktor: Prof. Dr. Alexander Nützel

Forschung

Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BSPG beschäftigen sich (entsprechend einer der Kernfunktionen unserer 1843 gegründeten Institution) seit mehr als 100 Jahren mit speziellen Forschungsthemen der Invertebraten– und Vertebratenpaläontologie, Paläobotanik und Mikropaläontologie sowie Geologie. Unser derzeitiges wissenschaftliches Personal setzt sich aus einer Konservatorin und sechs Konservatoren/Kuratoren zusammen, die, zusätzlich zu ihrer Arbeit für unsere Institution, auch eine Vielzahl verschiedener Forschungsthemen untersuchen. Ein Großteil dieser Forschungen konzentriert sich dabei auf Fossilien (und heutige Organismen) aus Bayern, Europa, S- und N-Amerika, Asien sowie dem Pazifischen und Atlantischen Ozean.

Die derzeitigen Forschungen an der BSPG sind verschiedenen paläontologischen, geobiologischen und zoologischen Themenfeldern zuzuordnen; die wichtigsten sind im Einzelnen:

  • Paläoökologie, Fauna & Flora, Sedimentologie sowie Genese paläozoischer, mesozoischer und känozoischer Ökosysteme und Fossillagerstätten
  • Mesozoische Moose, Farne und Gymnospermen
  • Evolution, Systematik und Taxonomie der Gastropoden
  • Paläobiologie, Systematik und Evolution freibeweglicher Stachelhäuter (Echinodermen)
  • Systematik und Paläoökologie von riffbildenden Organismen und Kalkalgen (mittl. Paläozoikum, Mesozoikum)
  • Evolution der Saurischia (Theropode (außer Vögel) und sauropodomorphe Dinosaurier)
  • Phylogenie der Hirsche und anderer ausgestorbener Wiederkäuer
  • Diversität fossiler Faunen und Floren Bayerns
  • Wissenschaftsgeschichte (speziell der Paläontologie, Geologie und Zoologie)

Die BSPG genießt aufgrund der hervorragenden Leistungen ihrer Forscher, sowie der nationalen und internationalen Bedeutung ihrer Sammlungen und Veröffentlichungen weltweit ein hohes Ansehen. Dabei ist sie sowohl räumlich als auch z. T. direktionstechnisch mit dem Department für Geo- und Umweltwissenschaften (Lehrstuhl für Paläontologie & Geobiologie) der LMU affiliiert. Mehrere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der BSPG halten daher auch Lehrveranstaltungen ab und betreuen Qualifikationsarbeiten (BSc, MSc, PhD).

Kontakt

Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel: 089 2180 6630
Fax: 089 2180 6601
Email: bspg@snsb.de

Botanische Staatssammlung München

Botanische Staatssammlung München

Website: bsm.snsb.de

Leitung

Direktorin: Prof. Dr. Gudrun Kadereit

Stellvertretende Direktorin: Dr. Dagmar Triebel

Forschung

Die Botanische Staatssammlung München (BSM) erforscht die Diversität der Pflanzen und Pilze. Außerdem stellt sie Daten zu Sammlungsmaterial online bereit und entwickelt dazu geeignete Online-Informationssysteme, mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit der Datenflüsse und Lösungen. Die SNSB sind mit 54 veröffentlichten Datenbeständen seit 2007 erfolgreicher Data Publisher im GBIF Netzwerk, und mit 3,7 Millionen georeferenzierten Daten, darunter 1 Millionen Daten zu Sammlungsobjekten (oft mit Digitalisaten), sind die SNSB nun an dritter Stelle unter den 33 Datenlieferanten aus Deutschland.

Ein laufendes Forschungsprojekt befasst sich mit den in der BSM liegenden Sammlungen von P. F. von Siebold (1796-1866), dem Pionier der botanischen Erforschung Japans. Hier gilt es Typusmaterial für die von Siebold zusammen mit dem BSM Kurator J. G. Zuccarini (1797-1848) beschriebenen Arten zu finden und zu digitalisieren. Auch die weltweit verbreitete Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiacaee) wird taxonomisch bearbeitet.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Abteilung Samenpflanzen ist die Biologie und Evolution fleischfressender Pflanzen, speziell der Droseraceae. Eine besonders spektakuläre neue Art, die in jüngster Zeit beschrieben wurde, ist Drosera magnifica die zuerst auf einem Foto im Internet entdeckt wurde. Forschungsschwerpunkt der Abteilung Flechten und Moose ist das symbiontische Zusammenleben von Pilzen mit Algen der Familie Trebouxiaceae. Molekulare Daten haben gezeigt, dass die Algen Gene aus „ihren“ Pilzen aufgenommen und stabil in ihr eigenes Genom integriert haben. Für diese Studien hat die Botanische Staatssammlung München anspruchsvolle Techniken zur Isolation und Kultur der in den Flechten lebenden Algen etabliert.

Am SNSB IT Center, einer Abteilung der Botanischen Staatssammlung, werden Forschungs- und Infrastrukturprojekte aus dem Bereich Biodiversitätsinformatik durchgeführt. Dazu wird open-source Software für die Forschung entwickelt. Neben anderen Projekten werden Daten zur Flora von Bayern erschlossen. Diese reichen von Datensammlungen aus den Raster- und Biotopkartierungen seit 1946 über Daten aus der Digitalisierung handschriftlicher alter Herbaretiketten bis zu „handgestrickten“ Datenbeständen einzelner Sammler. Das Projekt wird u.a. vom WWF Deutschland und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt gefördert.

Kontakt

Menzinger Straße 67
80638 München
Tel: 089 17861 265
Fax: 089 17861 193
Email: office.bsm@snsb.de

Mineralogische Staatssammlung München

Logo Mineralogische Staassammlung München

Website: https://msm.snsb.de

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Schmahl

Stellvertretende Direktorin: PD Dr. Melanie Kaliwoda

Forschung

Biomineralisation ist ein Forschungsschwerpunkt der Mineralogischen Staatssammlung München. Unter anderem wird die Struktur von mineralisierten Geweben und deren mechanische Eigenschaften erforscht. Dadurch können die Forscher Rückschlüsse auf die geologische oder archäologische Vergangenheit ziehen.

Mineralisierte Gewebe wie Knochen, Schalen oder Zähne spielen nicht nur eine wichtige Rolle in der Biologie und Medizin, sie sind auch die materiellen Träger des fossil record über die Entwicklung des Lebens auf der Erde und seiner Umweltbedingungen. Diese Möglichkeit der „Rekonstruktion der Vergangenheit“ durch Untersuchung materieller Objekte wie z.B. Knochen ist ebenso  wichtig in Bezug auf anthropologische, archäologische und gerichtsmedizinische Fragestellungen. In jüngster Zeit dienen Biomaterialien auch als Prototypen für die Entwicklung neuer, energieeffizienter und umweltverträglicher Leichtbauwerkstoffe. Diese Arbeitsrichtung ist ein Zweig der Biomimetik.

Ein weiterer Schwerpunkt an der MSM ist die Erforschung  von Gesteinen des Erdmantels (Ophiolithe, Mantelxenolithe) und die darin vorkommenden Rohstoffe (z.B. Platingruppen-Elemente, Chromerze). Aber auch  die Untersuchung von Meteoriten, insbesondere solcher, die vom Mars stammen, ist an der Mineralogischen Staatssammlung von besonderer Bedeutung. Ihre Erforschung  lässt Rückschlüsse über unseren Nachbarplaneten und seine Entstehung, aber auch die frühe Entwicklung unserer Erde und unseres Planetensystems zu.

Die Arbeitsgruppe der Mineralogischen Staatssammlung gehört auch zu den weltweit wenigen Forschergruppen, die von der japanischen Weltraumbehörde Material vom Asteroiden Itokawa zur Untersuchung erhielt. Daneben widmet sie  sich besonders auch den bayerischen Meteoriten,  wie Neuschwanstein, Machtenstein und Stubenberg.

Für das Feld der Materialforschung ist die Bereitstellung von natürlichen Mineralproben und deren kristallchemische Untersuchung  mittlerweile von großer Bedeutung. Schwerpunkte der Mineralogischen Staatssammlung  auf diesem Gebiet sind die Phosphate, die in der Technik als Kathodenmaterial für Lithium-Ionen-Akkus (z.B. Triphylin) oder als Speicherminerale (Alunit-Supergroup) dienen. Dabei wird die Ramanspektroskopie als zerstörungsfreie Untersuchungsmethode in der Mineralogie und Materialforschung immer wichtiger. Das Mikroramanspektrometer der Mineralogischen Staatssammlung wird sowohl für eigene Forschungen z.B. an Meteoriten, Verbindungen der Sodalith-Gruppe, Turmalinen oder Phosphatmineralen, als auch als Service für Forscher der LMU verwendet.

Kontakt

Theresienstr. 41
80333 München
Tel.: 089 2180 4312
Fax: 089 2180 4334
Email: mineralogische.staatssammlung@snsb.de

Staatssammlung für Anthropologie München

Website: https://sam.snsb.de

Logo Staatssammlung für Anthropologie München

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Joris Peters

Forschung

Die Staatssammlung für Anthropologie beschäftigt sich mit der Vor- und Frühgeschichte des Menschen. Der geographische Schwerpunkt liegt dabei hauptsächlich im bayerischen Raum, kann aber je nach Fragestellung auch andere Gebiete umfassen, während der zeitliche Horizont vom Neolithikum bis in die frühe Neuzeit reicht. Als Informationsquelle dienen dabei die in der SAM beherbergten archäologischen, menschlichen Skelettfunde, welche Auskunft über Migrationsbewegungen, Gesundheitszustand, Familienstruktur und Verhaltensanpassungen der vergangenen Menschen geben können. Methodisch stehen osteologische und isotopenchemische Untersuchungen im Vordergrund.

Kontakt

Karolinenplatz 2a
80333 München
Tel: 089 5488 438 0
Fax: 089 5488 438 17
Email: sapm@snsb.de

Staatssammlung für Paläoanatomie München

Website: https://spm.snsb.de

Logo Staatssammlung für Paläoanatomie München

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Joris Peters

Forschung

Die Staatssammlung für Paläoanatomie München erforscht die Mensch-Tier-Umwelt-Beziehungen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Die Fragestellungen sind sowohl archäologisch-kulturhistorisch als auch biologisch-tiermedizinisch ausgerichtet, sie konzentrieren sich auf die Domestikations- und Kulturgeschichte der Haustiere, den Übergang von der aneignenden Lebensweise zu Ackerbau und Viehzucht, die Romanisierung Raetiens sowie die Migration von Mensch und Tier über die Alpen.

Das Methodenspektrum umfasst morphologische und osteometrische Untersuchungen sowie Analysen von leichten stabilen Isotopen und Alt-DNA, außerdem beteiligt sich die Abteilung maßgeblich an der standardisierten Aufnahme von archäozoologischen Primärdaten in die Datenbank OssoBook. Für die Bestimmung der Tierreste verfügt die SPM über eine umfassende Vergleichssammlung rezenter Wirbeltierskelette, die zurzeit digitalisiert wird.

 Projekte:

Transalpin-Projekt, Säugetiersammlung, Fischsammlung, Göbekli Tepe, Milet

Kontakt

Abt. Paläoanatomie
Kaulbachstraße 37 III
80539 München

Sekretariat
Karolinenplatz 2a
80333 München

Tel: 089 5488 438 0
Fax: 089 5488 438 17
Email: sapm@snsb.de

Außenstelle Poing
Halle 2
Gruber Straße 64-68
85586 Poing

Zoologische Staatssammlung München

Logo Zoologische Staatssammlung München

Website: zsm.snsb.de

Leitung

Direktor: Prof. Dr. Gerhard Haszprunar

Stellvertretender Direktor: Dr. Andreas Segerer

Forschen und Sammeln

Die ZSM ist, mit fast 22 Millionen zoologischen Objekten, eine der größten naturkundlichen Forschungssammlungen der Welt. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sammeln, konservieren und bewahren seit der Gründung vor über 200 Jahren zoologische Objekte als wissenschaftliches Belegmaterial. Wissenschaftliche zoologische Sammlungen sind zugleich Grundlage zur Erforschung der globalen Biodiversität sowie von Umweltveränderungen und Evolutionsprozessen.

Ausgerichtet am wissenschaftlichen Konzept der ZSM werden die Sammlungsbestände der ZSM kontinuierlich durch Schenkungen, Erbschaften oder Ankauf wissenschaftlicher Sammlungen erweitert. Aktuelle Forschungsreisen tragen gleichfalls zum Ausbau der Sammlungen bei. Die rund 40 wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter und zahlreiche der ZSM nahestehenden Fachamateure ergänzen die Sammlungen permanent und weltweit durch neues Material, häufig noch unbekannter Tierarten.

Aktuell erstellt die Zoologische Staatssammlung München eine genetische Referenzbibliothek aller, ca. 35.000 bayerischen Tierarten, um deren eindeutige Identifikation (auch anhand von Eiern, Larven oder Gewebeproben) möglich zu machen. Das Projekt “Barcoding Fauna Bavarica eröffnet somit eine neue Ära der bayerischen Biodiversitätsforschung und Faunistik.

Kontakt

Münchhausenstr. 21
81247 München
Tel.: 089 8107 0
Fax: 089 8107 300
E-mail: zsm@snsb.de

Botanischer Garten München-Nymphenburg

Logo Botanischer Garten München-Nymphenburg

Website: https://www.botmuc.de/

Leitung

Direktorin: Prof. Dr. Gudrun Kadereit

Forschung

Im Botanischen Garten München-Nymphenburg, mit einer Fläche von 21,2 Hektar, werden rund 19.600 Arten und Unterarten kultiviert. Zusammen mit der Außenstation, dem Alpengarten am Schachen (1.860 m), ist der Botanische Garten in nationale und internationale Forschungsprojekte eingebunden, denen er wichtiges Material und Beobachtungsdaten liefert. Er hat die Aufgabe, Wild- und Kulturpflanzen aus der ganzen Welt und damit aus verschiedenen Klimagebieten nach wissenschaftlichen Kriterien zu sammeln, zu untersuchen, zu kultivieren und auszustellen. Seine Sammlung lebender Pflanzen dient auch der Forschung, wofür die Nachfrage aus der ganzen Welt stetig steigt.

An der umfangreichen Orchideensammlung des Botanischen Gartens wird die Chemie der Düfte von Orchideen erforscht. Für die technisch aufwändigen Analysen arbeitet der Botanische Garten mit Chemikern zusammen, die ihrerseits nur durch die am Garten vorhandene Expertise in der Kultur von Orchideen deren Blüten für Untersuchungen nutzen können. Düfte können nur an lebenden Blüten gewonnen werden! Es ist dies ein gutes Beispiel für die Bedeutung botanischer Gärten für Grundlagenforschung im Bereich chemische Ökologie.

Ein anderer Schwerpunkt sind Untersuchungen an Chromosomen der Papaya-Familie (Caricaceae) und der Aronstabgewächse (Araceen), wobei modernste molekular-zytogenetische Methoden eingesetzt werden. Forschungsfragen betreffen die Rolle von Chromosomenverlusten und von Sex-Chromosomen.

Ein dritter Schwerpunkt sind seit einigen Jahren laufende Experimente zur Wahrnehmung von Temperatur und Tageslicht durch Knospen im Frühling. Im Hintergrund stehen dabei Fragen nach der Auswirkung von Klimaerwärmung auf Blattaustrieb und Frostschäden im Frühling.

Kontakt

Menzinger Straße 61-65
80638 München
Tel.: 089 17 861-321 (Info), -350 (Kasse), -310 (Verwaltung)
Fax: 089 17 861-340
E-mail: botgart@snsb.de

Kriminaltechnik & Sammlungen

Zoologische Staatssammlung München
Forensische Insektenkunde

Die Kriminalpolizei macht sich die zeitlich gestaffelte Besiedelung eines Leichnams durch Käfer- und Fliegenlarven für die Todeszeitbestimmung zu Nutze. In Kooperation mit dem LKA München erstellt die Zoologische Staatssammlung München (ZSM) derzeit eine genetische Referenzdatenbank für solche „leichenliebende“ Organismen, um deren Bestimmung zukünftig zu erleichtern und zu beschleunigen.

Link zur Publikation: DNA Barcoding in Forensic Entomology


Mineralogische Staatssammlung München
Zähne speichern Herkunft

Auch die Mineralogische Staatssammlung München (MSM) konnte schon bei der Aufklärung von Tötungsdelikten behilflich sein: Durch die Untersuchung der Blei-Isotope der Zähne einer unbekannten Leiche, konnte die osteuropäische Herkunft des Toten aufgedeckt werden. Dazu wurden die Isotopen-Werte mit Mineralproben aus der MSM verglichen. Der Herkunftsort der Leiche konnte so exakt bestimmt werden, dass die dortige Polizei in der Lage war, die Person zu identifizieren und die Täter zu überführen.


Botanische Staatssammlung München
Pflanzenspuren führen zum Tatort

Die Biologen des Landeskriminalamts greifen regelmäßig auf die Expertise und den Vergleich mit Pflanzenexemplaren aus der Botanischen Staatssammlung München (BSM) zurück, um beispielsweise die Herkunft von Pflanzenfragmenten zu ermitteln. Dadurch können Rückschlüsse auf einen möglichen Tatort gezogen werden. Seit Kurzem gibt es auch verstärkt Anfragen zum Abgleich von Pflanzenmaterial aus neuartigen Drogen.

Naturschutz

Zoologische Staatssammlung München & Botanische Staatssammlung München
Forschungsstation Panguana

Wissenschaftliche Sammlungen von Tieren oder Pflanzen bilden die Datengrundlage für den Schutz ökologisch einzigartiger Lebensräume. Forscher der ZSM und BSM haben zum Beispiel in der Forschungsstation Panguana im peruanischen Regenwald – einem wahren Hotspot der Biodiversität – unterschiedlichste Tier- und Pflanzengruppen erfasst und wissenschaftlich ausgewertet. 2011 wurde das ca. 10 km² große Gebiet um Panguana vom peruanischen Umweltministerium zum Naturschutzgebiet erklärt.

Informationen zu Panguana inkl. Publikationen


Zoologische Staatssammlung München
Artenvielfalt in Madagaskar

Die Veränderung von Landschaften in Madagaskar durch den Menschen zerstört den Lebensraum vieler Lurche, Echsen, Schlangen und Schildkröten. Noch immer werden dort viele neue Arten entdeckt. Erst durch die Erforschung der Artenvielfalt ist die Gefährdungseinschätzung für viele Tiergruppen überhaupt möglich. Sie trägt wesentlich dazu bei, besonders schützenswerte Gebiete in Madagaskar zu erkennen und zu bewahren.

Link zur Liste diverser Publikationen zur Artenvielfalt in Madagaskar


Zoologische Staatssammlung München
Es wimmelt im Bayerischen Wald

Auch in Deutschland gibt es Gebiete, die sich durch ihre sehr hohe biologische Vielfalt auszeichnen – sogenannte Hotspots, wie beispielsweise der Nationalpark Bayerischer Wald. Ein Insektenfang-Projekt der ZSM zur Erforschung der dortigen Artenvielfalt lieferte überraschende Ergebnisse. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass im Bayerischen Wald weit mehr Insektenarten heimisch sind, als bisher angenommen. Während einer nur fünf Monate dauernden Fangperiode einer einzigen im Nationalpark aufgestellten Insektenfalle konnten fast 30.000 Insekten insgesamt 2.530 Arten zugeordnet werden. Eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass bisher für den gesamten Nationalpark erst 3.257 Insektenarten nachgewiesen wurden. Vermutlich gibt es daher viel mehr Arten als gedacht. Gerade im Hinblick auf das ansonsten weithin beobachtete Artensterben hat dieses Ergebnis überrascht.

Link zum Malaisefallen-Projekt

Molassic Park

02. Juli bis 05. September 2021

Eine Expedition zu Bayerns Menschenaffen, Urelefanten und subtropischen Wäldern – Unsere Ausstellung lädt Sie zu einer Expedition in die bayerische Vergangenheit ein und gibt Einblicke wie Forscherinnen und Forscher den Spuren dieser Zeit ihre Geheimnisse entlocken. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Themenpfad im Freiland des Botanischen Gartens.

Die Sonderausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museum Mensch und Natur, des Botanischen Gartens München-Nymphenburg, der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, BIOTOPIA Naturkundemuseum Bayern und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen-

Winterhalle des Botanischen Gartens München-Nymphenburg
Haupteingang Menzinger Straße 65 
80638 München
Telefon: 0 89 – 17861-321
botgart@snsb.de
www.botmuc.de

Kleiner Elefant hörte tiefe Töne

Zoologische Staatssammlung München

Der ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos besaß offenbar ein ähnliches Hörspektrum wie seine großen, heute lebenden Verwandten. Er hörte wie diese in niedrigen Frequenzbereichen. SNSB-Zoologin Anneke van Heteren konnte gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen mittels mikro-computertomographischen Analysen die Strukturen im Innenohr des Zwergelefanten abbilden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen nun in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica.

Heutige Elefanten kommunizieren in einem sehr niedrigen Frequenzbereich. Das heißt, sie erzeugen und hören so tiefe Töne, dass wir Menschen sie mit unseren Ohren nicht wahrnehmen können. Forscher:innen aus Deutschland und Griechenland haben nun gezeigt, dass der vor rund 3.500 Jahren ausgestorbene Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis von der griechischen Insel Tilos offenbar über ein sehr ähnliches Hörspektrum verfügte, wie seine heute lebenden Verwandten. Auch der kleine Tilos-Elefant nahm wohl sehr tiefe Töne wahr. Dies konnten Forscher:innen an der Form und Größe des sogenannten knöchernen Labyrinths ablesen, einem komplizierten Kanalsystem im Innenohr.

Das Innenohr eines Säugetiers beherbergt seinen Hör- und Gleichgewichtssinn und liegt gut geschützt eingebettet im sogenannten Felsenbein – dem härtesten Knochen eines Säugetierskeletts. Die Strukturen – das knöcherne Labyrinth – sind von außen nicht sichtbar und daher nur schwer zu untersuchen. Forscher:innen von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen nutzten ein hochauflösendes Mikro-Computertomographie-Gerät, um diese verborgenen Strukturen sichtbar zu machen.

Anneke van Heteren, Kuratorin für Säugtiere an der ZSM, und ihren griechischen Kolleg:innen gelang durch Mikro-CT-Scans die dreidimensionale Darstellung des knöchernen Labyrinths ohne den Felsenbeinknochen zu beschädigen. Die Analyse dieser Strukturen ermöglichte den Wissenschaftler:innen nicht nur das Hörvermögen des Tiers zu beurteilen, sondern auch sein Bewegungsvermögen, seine Fähigkeit den Kopf zu drehen sowie sein Gleichgewicht zu halten. Offensichtlich war auch die Ausprägung dieser Bewegungseigenschaften von Palaeoloxodon tiliensis vergleichbar mit der von heutigen Elefanten. Er bewegte sich eher schwerfällig und wenig agil.

Grundsätzlich ist die Form des knöchernen Labyrinths bei Säugetieren artspezifisch, das bedeutet, sie variiert von Art zu Art. Dies zeigte sich den Wissenschaftler:innen auch beim Vergleich der Innenohr-Strukturen von Palaeoloxodon tiliensis mit denen anderer Elefantenarten. „Da das knöcherne Labyrinth nur sehr schwer zugänglich ist, gibt es bisher nur wenige Daten der Innenohrstrukturen von Elefanten. Weitere Mikro-CT-Analysen könnten uns neue Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte und Verwandtschaftsbeziehungen dieser Tiere liefern“, sagt Anneke van Heteren von der ZSM.

Der hier untersuchte Zwergelefant Palaeoloxodon tiliensis gehört zur letzten europäischen Elefantenart und lebte vor 45.000 bis 3.500 Jahren vor Christus auf der griechischen Mittelmeerinsel Tilos. Sie ist eine von mehreren Zwergelefantenarten der Gattung Palaeoloxodon, die unterschiedliche Inseln im Mittelmeer besiedelten.

Publikation:
Liakopoulou, Dionysia E., Theodorou, George E., and van Heteren, Anneke H. 2021. The inner morphology of the petrosal bone of the endemic elephant of Tilos Island, Greece. Palaeontologia Electronica, 24(2):a24. https://doi.org/10.26879/1034

Kontakt:
Dr. Anneke van Heteren
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 015165161715
E-Mail: vanheteren@snsb.de

Früher Dinosaurier: Atmen wie ein Vogel

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Pelecanimimus polyodon aus der unteren Kreidezeit (125 Mio a) ist der erste Raubdinosaurier, der in Spanien gefunden wurde. Ein internationales Paläontologen-Team entdeckte nun Merkmale an dem Fossil, die für Dinosaurier, die eng mit den Vögeln verwandt sind, sowie für Vögel typisch sind. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher:innen in der renommierten britischen Zeitschrift Zoological Journal of Linnean Society.

Pelecanimimus polyodon gehört zur einer Gruppe von zweibeinigen Dinosauriern, den sogenannten Ornithomimosauria (“Vogelnachahmerechsen”), ihr Körperbau ähnelt dem moderner Strauße. Pelecanimimus ist der früheste Vertreter dieser Gruppe in Europa.

Neue Analysen an dem Pelecanimimus-Fossil zeigen nun Merkmale, die für Dinosaurier, die eng mit Vögeln verwandt sind, sowie für Vögel typisch sind: So besitzt Pelecanimimus – als einziger Ornithomimosaurier – ein verknöchertes Brustbein. Dessen Form ähnelt den Brustbeinen von nahen Verwandten der Vögel wie Velociraptoren oder Oviraptoren sowie denen primitiver Vögel. Auch ist Pelecanimimus der einzige bekannte Vertreter dieser Gruppe mit sogenannten Hakenfortsätzen. Diese kleinen, hakenförmigen Knochen sind mit den Rippen verbunden und kommen auch bei lebenden und ausgestorbenen Vögeln vor. Forscher vermuten, dass die Hakenfortsätze für die Atmung von Bedeutung sind, da dort Muskeln ansetzen, die wichtig für die Bewegung der Rippen und des Brustbeins sind.

“Dass Pelecanimimus diese Fortsätze besaß, deutet darauf hin, dass auch er einen vogelähnlichen Atemmechanismus besaß”, so Elena Cuesta, Erstautorin der Studie. “Offenbar ist der Ursprung solcher Vogel-typischen Merkmale älter und weiter verbreitet als gedacht. Die Evolutionsgeschichte sowohl des verknöcherten Brustbeins als auch der Hakenfortsätze ist allerdings noch unklar. Dennoch bestätigt ihr Nachweis bei Pelecanimimus, dass diese Elemente bei Ornithomimosauria ebenso vorhanden waren wie bei anderen Dinosauriern.”

Das spanisch-japanische Paläontologen-Team, zu dem auch Elena Cuesta, Postdoktorandin an der SNSB-Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie gehört, entdeckte außerdem besondere Merkmalen an den Händen des Fossils. So hat Pelecanimimus auffällig verlängerte Mittelhand- und Fingerknochen, ein Merkmal, das auch bei manchen späteren Ornithomimosaurierarten vorkommt. Daher haben die Autor:innen der Studie eine neue Gruppe innerhalb der Ornithomimosaurier identifiziert und benannt:  die Macrocheiriformes, was „Formen mit großen Händen“ bedeutet.

Der Dinosaurier Pelecanimimus polyodon stammt aus der unteren Kreidezeit (125 Mio a) und wurde bereits 1993 in der spanischen Fossilfundstelle Las Hoyas in Spanien entdeckt. Erhalten sind die vordere Hälfte eines zusammenhängenden Skeletts mit vollständigem Schädel sowie Weichteilen. Die neue Analyse des Fossils gibt den Forscher:innen nun neue Einblicke in die frühe Evolution der Gruppe der Ornithomimosauria. Ihre Daten zu Pelecanimimus polyodon zu verglichen sie mit weiteren Fossilfunden dieser Dinosaurier-Gruppe aus den letzten drei Jahrzehnten.

Publikation:
Elena Cuesta, Daniel Vidal, Francisco Ortega, Masateru Shibata, José L Sanz, Pelecanimimus (Theropoda: Ornithomimosauria) postcranial anatomy and the evolution of the specialized manus in Ornithomimosaurs and sternum in maniraptoriforms, Zoological Journal of the Linnean Society, 2021, https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlab013

Kontakt:
Dr. Elena Cuesta
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel.: 089 2180 6644
E-Mail: cuesta@snsb.de

Hammerfunde! Fossiliensammler und ihre Schätze

15. April bis 17. November 2021

Fossiliensuche ist spannend! Sie kann sogar ganze Lebenswege gestalten. Sammlerinnen und Sammler jeden Alters sind in den Steinbrüchen des Altmühltals aktiv und begeistert von der hervorragenden Erhaltung der Fossilien in den Solnhofener Plattenkalken. Jeder kann in den Besuchersteinbrüchen der Region mit dem Hammer auf Fossiljagd gehen. Das Finden von Fossilien ist oft eine kuriose Mischung aus Glück, Geduld und Handwerk. Die Präparation der Stücke macht echte Schätze aus den Funden, die häufig auch für die Forschung von großem Interesse sind. Mit der Zeit entstehen oft große Sammlungen – echte Schatzkammern!

Die Ausstellung bietet einzigartige Einblicke in diese Schatzkammern. Die meisten Fossilien sind sonst nie zu sehen. Lernen Sie die Sammlerinnen und Sammler der Altmühltaler Plattenkalke mit ihren Lieblingsstücken kennen und erfahren Sie mehr über die oft erstaunlichen Geschichten hinter den Funden! Manche Fossilien veränderten das Leben ihrer Finder für immer.

Kontakt

Jura-Museum Eichstätt
Burgstraße 19
85072 Eichstätt
Tel.: 08421 602980
Fax: 08421 6029835
sekretariat@jura-museum.de


SNSB erhalten idw-Preis für Wissenschaftskommunikation

München

Der Informationsdienst Wissenschaft (idw) hat die Pressestelle der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) mit dem idw-Preis für Wissenschaftskommunikation gekürt. Die SNSB belegen den 3. Platz für ihre Pressemitteilung über die Wiederentdeckung des Voeltzkow-Chamäleons in Madagaskar vom 30. Oktober 2020. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert. Die Preisverleihung fand Pandemie-bedingt virtuell am 6.5.2021 statt.

Die ausgezeichnete SNSB-Pressemitteilung „Kurzlebig und ganz schön bunt: Verschollenes Chamäleon nach mehr als 100 Jahren wiederentdeckt“ fand große Beachtung in vielen Medien – von Print über Online, bis ins Fernsehen. Sie berichtet von der Wiederentdeckung des verschollenen Chamäleons Furcifer voeltzkowi nach mehr als 100 Jahren in Madagaskar. Dr. Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat das farbenprächtige Reptil auf einer Expedition entdeckt und seine Entdeckung in der wissenschaftlichen Zeitschrift Salamandra publiziert. Jurymitglied Magdalena Schaeffer, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG und idw-Vorstandsmitglied hat die Pressemitteilung nominiert und lobt insbesondere „die handwerklich hervorragende Umsetzung des Themas“.

„Wir freuen uns sehr über diese tolle Anerkennung unserer Pressearbeit. Unsere Arbeit profitiert sehr vom guten und engen Austausch mit unseren engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Wir helfen ihnen dabei, ihre spannende Forschung in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen“, freut sich Dr. Eva-Maria Natzer, Wissenschaftliche Geschäftsführerin der SNSB, über die mit 500 Euro dotierte Auszeichnung.

Der Informationsdienst Wissenschaft (idw) zeichnet jedes Jahr drei Pressestellen mit dem idw-Preis für Wissenschaftskommunikation aus. Der Preis würdigt im idw veröffentlichte Pressemitteilungen, die „von hoher handwerklicher Professionalität sind, über einen überragenden Nachrichtenwert verfügen und wissenschaftlich relevant sind“.

Links:
SNSB Pressemitteilung „Kurzlebig und ganz schön bunt: Verschollenes Chamäleon nach mehr als 100 Jahren wiederentdeckt“: https://idw-online.de/de/news756785

idw-Preis für Wissenschaftskommunikation:
https://nachrichten.idw-online.de/2021/05/06/idw-preis-fuer-wissenschaftskommunikation-erfolge-in-serie/?groupcolor=6

https://www.youtube.com/watch?v=Vnp401U5IPg

Kontakt:
Dr. Eva-Maria Natzer, Wissenschaftliche Geschäftsführung
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB)
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 122
E-Mail: natzer@snsb.de

Artunterscheidung mithilfe Künstlicher Intelligenz: Antarktische Meeresschnecken sind vielfältiger als gedacht

Zoologische Staatssammlung München

In Kooperation mit der Harvard University und anderen internationalen Partnern haben Wissen-schaftler der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) die Artenvielfalt einer Gruppe antarktischer Meeresschnecken mithilfe von genomischen Daten und KI-Algorithmen untersucht. Zusätzlich zu den bekannten Arten der Gattung Antarctophiline fanden sie drei neue Arten. Dabei sind einige Antarctophiline-Arten nur kleinräumig, andere weit verbreitet. Wieder andere dagegen sind nach Tiefen zoniert und erreichen mit 3.700m das Abyssal. Die antarktische Fauna ist komplexer und vermutlich anfälliger für Bedrohungen wie den Klimawandel und die Ozeanversauerung als gedacht. Die Ergebnisse der neuen Studie wurden nun in der zoologischen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Die Meeresschneckenfauna der Antarktis ist trotz der kalten Wassertemperaturen erstaunlich vielfältig und viel artenreicher als bisher angenommen. Ein Forscherteam aus den USA, Australien, Italien, Spanien und München hat in einer neuen Arbeit die antarktische Schneckengattung Antarctophiline aus dem Südlichen Ozean genauer untersucht. Die Tiere dieser Gattung sind in der Antarktis weit verbreitet: von der Küste bis in abyssale Tiefen. Während mehrerer Antarktisexpeditionen wurden im Rahmen der neuen Studie Proben vom Flachwasser bis in die Tiefsee gesammelt. Im Labor wurden genomische Sequenzdaten der Schnecken erhoben und diese mithilfe von Künstlicher Intelligenz – d.h. selbstlernender Algorithmen – analysiert. Die Analysen zeigen den Forscher:innen detailliert die genetischen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Arten.

Neben den sechs bereits bekannten Arten konnten die Wissenschaftler:innen drei neue Arten identifizieren, die in einer zukünftigen Arbeit im Detail beschrieben werden. Außerdem haben die Analysen gezeigt, dass die Verbreitung der Arten von Antarctophiline deutlich komplexer ist, als bisher angenommen: Einige Arten kommen nur in sehr kleinen Gebieten vor, andere dagegen sind weit verbreitet, teils über mehrere tausend Kilometer hinweg. Die molekulare Analyse der Proben aus verschiedenen Meerestiefen – vom Flachwasser bis in Tiefseebereiche mit einer Tiefe bis zu 3.700m – hat auch eine deutliche Zonierung der Arten gezeigt. Das heißt, bestimmte Antarctophiline-Arten bewohnen nur bestimmte Tiefenzonen.

„Unsere genomischen und KI-gestützten Analysen zeichnen ein neues Bild zur Verbreitung der antarktischen Antarctophiline-Arten“, stellt der ehemalige Harvard-Forscher Dr. Juan Moles, Humboldt-Stipendiat an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) fest „Diese und andere Tiergruppen sind artenreicher und teilweise in ihrer Verbreitung und ihren Ansprüchen spezialisierter als gedacht, und damit wahrscheinlich anfälliger gegen den globalen Wandel, der insbesondere im Südlichen Ozean dramatisch voranschreitet.“

Den Artenreichtum der Antarktis erklären die Forscher:innen als so genannte antarktische „Biodiversitätspumpe“: Während verschiedener Kaltzeiten dehnte sich das antarktische Eis weit auf den umliegenden Südlichen Ozean aus und Bodentiere konnten nur in wenigen eisfreien Refugien überleben. Schmolzen die Eisschilde wieder, breitete sich die Bodenfauna wieder aus, aktiv als bewegliche Tiere oder Larven, oder passiv, etwa durch Drift mit Eisschollen. Aufgrund genetischer oder ökologischer Unterschiede, etwa andere Nahrungspräferenzen, konnten sich die Tiere nun nicht mehr oder nur noch eingeschränkt mit den ehemaligen Artgenossen anderer Refugien fortpflanzen, neue biologische Arten waren entstanden.

„Nach bisherigen Erkenntnissen schienen die meisten Arten der antarktischen Meeresbodenfauna weit um den Kontinent herum verbreitet zu sein, vom Flachwasser bis in große Tiefen vorzukommen und ökologisch wenig spezialisiert zu sein, also etwa wenig wählerisch bei der Nahrungsauswahl zu sein oder an verschiedene Umweltbedingungen angepasst. Unsere Studie relativiert diese Paradigmen“, erläutert der Artenforscher Prof. Dr. Michael Schrödl von der Zoologischen Staatssammlung München.

Die neue Studie über die antarktische Nacktschneckengattung Antarctophiline zeigt exemplarisch das Potential der Analyse genomischer Daten mittels Künstlicher Intelligenz zur Artunterscheidung und betont, wie wichtig Artenforschung ist, um Biodiversität zu verstehen und damit wirksam schützen zu können.

Publikation
Moles, J., Derkarabetian, S., Schiaparelli, S. Schrödl, M., Troncoso, J.S., Wilson, N.G. & Giribet, G. (2021) An approach using ddRADseq and machine learning for understanding speciation in Antarctic Antarctophilinidae gastropods. Scientific Reports 11: 8473.
https://doi.org/10.1038/s41598-021-87244-5

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Schrödl
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 142
E-Mail: schroedl@snsb

Trickreiche Partnerfindung: Ausstülpbare Pheromondrüse bei Gottesanbeterin entdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Gottesanbeterinnen sind bizarre, räuberische Insekten, aber viele Aspekte ihrer Biologie sind noch unerforscht. Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum und der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben nun entdeckt, dass Weibchen einer südamerikanischen Art ein ausstülpbares Organ besitzen, um Männchen mittels Pheromonen anzulocken. Unter den weltweit mehr als 2.500 Arten von Gottesanbeterinnen war eine derartige Struktur bisher unbekannt. Die Studie ist nun im Journal of Orthoptera Research erschienen.

In den Regenwäldern Amazoniens warten nicht nur unzählige neue Arten, sondern auch völlig unbekannte Verhaltensweisen auf ihre Entdeckung. Im Urwald von Peru stießen deutsche Forscher auf ein unerwartetes Phänomen bei einer bizarren Gottesanbeterin: Die Weibchen der Alien- oder Drachenmantis (Stenophylla lobivertex) stülpen nachts ein Y-förmiges Organ am hinteren Rücken aus, das offenbar spezielle Duftstoffe (Pheromone) ausströmt, um Männchen anzulocken. Doch zunächst war völlig unklar, dass es sich hier um ein Werkzeug zur Partnerfindung handelt. „Als ich im Schein der Taschenlampe die madenartigen Gebilde sah, die hinten aus dem Rücken der Gottesanbeterin herausschauten und sich dann schnell zurückzogen, dachte ich zunächst an Parasiten, die das Tier von innen her auffressen, denn das passiert bei diesen Insekten gar nicht selten“, sagt Frank Glaw, Reptilien- und Amphibienforscher von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der das ungewöhnliche Phänomen entdeckte.

Erst das Wissen von Spezialisten für diese Insektengruppe und Literaturrecherchen führten zur Lösung des Rätsels: Zwar hatten auch die Experten noch keine derartigen Strukturen bei Gottesanbeterinnen gesehen, aber es war bereits von anderen Fangschreckenarten bekannt, dass vor allem unbefruchtete Weibchen an der gleichen Körperstelle (zwischen dem 6. und 7. Tergit) Pheromone aus einer Drüse ausschütten, um Männchen anzulocken. Bei dem bis zu 6mm langen, Y-förmigen Organ handelt es sich offenbar um eine weiterentwickelte Pheromondrüse, die mit Hilfe von Hämolymphe ausgestülpt und bewegt werden kann.

„Wir vermuten, dass Stenophylla lobivertex die Pheromone mit dem ausstülpbaren Organ effizienter und gezielter verströmen kann als andere Gottesanbeterinnen“, sagt Christian J. Schwarz, Entomologe an der Ruhr-Universität Bochum. „Das kann besonders bei seltenen Arten mit geringer Populationsdichte sehr wichtig sein, damit sich die Geschlechter zuverlässig finden.“ Stenophylla lobivertex ist eine seltene Art, die versteckt in den Regenwäldern Amazoniens lebt. Das sehr bizarr anmutende und gut getarnte Tier wurde erst vor 20 Jahren entdeckt, bisher nur wenige Male gefunden und paart sich offenbar nur nachts im Schutz der Dunkelheit.

Publikation:
Schwarz, C. J. & F. Glaw (2021): The luring mantid: Protrusible pheromone glands in Stenophylla lobivertex Lombardo, 2000 (Mantodea, Acanthopidae). – Journal of Orthoptera Research 30(1): 39–41. https://doi.org/10.3897/jor.30.55274

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107114
E-Mail: glaw@snsb.de

Video:

Gefährdete Pflanzenarten in Bayern

Einzelne Erfolge und leider viele weitere Verschlechterungen

Botanische Staatssammlung München In Kooperation und mit Mitteln des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) wird derzeit von Wissenschaftlern der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), sowie ehrenamtlichen Botanikern und Kartierern aus Bayern eine neue Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen Bayerns erarbeitet. Dabei soll die Entwicklung der Bestände seltener und bedrohter Pflanzenarten vor allem in den letzten 30 Jahren berücksichtigt werden. Es gibt einzelne erfreuliche Nachrichten von Arten, die noch vor 20 Jahren am Rande des Aussterbens standen, deren Bestände sich aber dank gezielter Artenhilfsprogramme in Bayern gut erholt haben. Dem Großteil der gefährdeten Pflanzenarten Bayerns geht es unverändert schlecht, oder der Zustand hat sich seit dem Erscheinen der letzten Roten Liste Bayerns im Jahr 2003 sogar deutlich verschlechtert.

In Bayern kommen fast 5.000 verschiedene Arten von Farn- und Blütenpflanzen vor, davon 3.156 natürlich als einheimische (indigene) Arten, der Rest als sogenannte Neophyten und Adventivflora, also vom Menschen absichtlich oder unabsichtlich eingeschleppte Neubürger unserer heimischen Flora. Diese Artenzahlen sind bekannt aus der letzten Inventarisierung der bayerischen Flora, die 2014 (und aktualisiert 2018) federführend veröffentlicht wurde durch Prof. Lenz Meierott und Dr. Wolfgang Lippert und die Bayerische Botanische Gesellschaft (BBG e.V.). Allerdings sind bei vielen Arten deren aktuelle Bestandszahlen, Gefährdung und Bestandsentwicklung nur unzureichend bekannt, die letzten Daten dazu wurden im Rahmen der letzten Roten Liste der Pflanzen Bayerns 2003 erhoben. Eine neue, aktualisierte Rote Liste der natürlich in Bayern vorkommenden Farn- und Blütenpflanzen (Neophyten werden explizit ausgeschlossen) wird seit 2017 erarbeitet und soll Anfang 2022 veröffentlicht werden. Dabei wird besonderes Augenmerk auf diejenigen Pflanzenarten gelegt, die im Bestand gefährdet sind, also solche, die in Bayern als „vom Aussterben bedroht“ (Rote-Liste Kategorie 1), „kritisch gefährdet“ (RL-Kategorie 2), oder „gefährdet“ (RL-Kategorie 3) gelten.

Der Abwärtstrend vieler gefährdeter Pflanzenarten in Bayern ist wie in ganz Deutschland leider ungebremst, wie die neuen Daten belegen. So müssen z.B. viele Pflanzenarten, die 2003 noch als „kritisch gefährdet“ eingestuft wurden, nun bereits in die höchste Gefährdungskategorie „vom Aussterben bedroht“ gestellt werden, weil sich ihre Bestände weiter verkleinert haben, so dass ein Aussterben dieser Pflanzenarten in Bayern in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten wahrscheinlich wird.

„Bayern ist das botanisch artenreichste Bundesland in Deutschland – es gibt sogar einige Pflanzenarten die weltweit nur in Bayern vorkommen und sonst nirgends. Leider finden sich all diese Endemiten und botanischen Seltenheiten mittlerweile in der Roten Liste der bedrohten Arten“, so der an der Ausarbeitung der neuen Roten Liste beteiligte Wissenschaftler Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), und Erster Vorsitzender der Bayerischen Botanischen Gesellschaft. Zusammen mit sechs freiberuflichen Botanikern erarbeitet er derzeit das Inventar und den Zustand der seltenen und gefährdeten Pflanzenarten Bayerns. Und da sieht es in vielen Fällen leider nicht gut aus. „Die seltene Gelbweiße Strohblume, Pseudognaphalium luteoalbum, konnte an keinem der nur 6 bekannten Wuchsorte in Bayern noch gefunden werden, die Art ist bei uns wohl ausgestorben“, sagt Jürgen Klotz aus Regensburg, der viele der bekannten Vorkommen seltenster Pflanzenarten im Auftrag des LfU nachkartiert hat. „Auch die Sand-Binse, Juncus tenageia, eine sehr seltene Pflanzenart, die in Bayern nur im Erlanger Teichgebiet vorkommt, ist an 9 von den 10 bekannten Wuchsorten verschwunden, in der sie in den 1990er und frühen 2000er Jahren noch vorkam“, so Klotz weiter. Leider könnte er noch viele solcher Beispiele nennen. Nahezu jede zweite von ihm nachkartierte Pflanzenart, die schon 2003 in der Roten Liste Bayerns als „vom Aussterben bedroht“ gelistet wurde, hat sich im Bestand in den letzten 20 Jahren nochmals verringert.

Es gibt natürlich schon seit Jahrzehnten Bemühungen, diesem Abwärtstrend bei der Artenvielfalt entgegenzuwirken. „Eine in vielen Fällen gut wirkende Maßnahme sind die Artenhilfsprogramme“, so Marcel Ruff vom neu gegründeten Bayerischen Artenschutzzentrum des LfU. Er koordiniert die botanischen Artenschutzprogramme in ganz Bayern. „Aber in den meisten Fällen hängen die Erfolge solch gezielter Artenhilfsprogramme vom Einsatz weniger Einzelpersonen ab, die kontinuierlich und akribisch Biotoppflege und Schutzmaßnahmen betreiben. Deren Einsatz kann man für den Artenschutz in Bayern gar nicht hoch genug loben – ohne deren Engagement hätten wir schon viele botanische Kostbarkeiten komplett verloren“, so Ruff.

Ein solches Erfolgsbeispiel botanischen Artenschutzes ist die weißblühende Frühlings-Kuhschelle, Pulsatilla vernalis. Sie kommt in Deutschland nur noch in Bayern vor (in allen anderen Bundesländern ist sie bereits ausgestorben), und dort schon immer nur an wenigen Stellen mit sauren Böden – außerhalb der Alpen vor allem in lichten Sand-Kiefernwäldern in Ostbayern. Martin Scheuerer kümmert sich seit über 20 Jahren um Artenhilfsmaßnahmen zum Erhalt der außeralpinen Bestände dieser seltenen Art. Die Bestände an 6 Wuchsorten in den Sandgebieten im Landkreis Kelheim haben sich mittlerweile erfreulicherweise vergrößert, ein Überleben dieser seltenen Pflanzenart wird aber auch langfristig auf die Pflegemaßnahmen des botanischen Artenschutzes angewiesen sein.

Weiterführende Literatur:
Scheuerer, M. (2020). Artenhilfsmaßnahmen zu Pulsatilla vernalis in Bayern außerhalb der Alpen – eine Zwischenbilanz. Hoppea, Denkschriften der Regensb. Bot. Gesellschaft 81 (im Druck).

Zehm, A., Klotz, J., Horn, K., Wecker, M., von Brackel, W., Blachnik, T., von Brackel, J., Buchholz, A., Diewald, W.,Elsner, O., Feulner, M., Kohler, U., Lausser, A., Radkowitsch, A., Ruff, M., Schön, M., Wagner, A., Wagner, I. & Wimmelbücker, A. (2020). Rückgang seltenster Pflanzenarten ist ungebremst – Freilanduntersuchungen zur Bestandsentwicklung vom Aussterben bedrohter Gefäßpflanzenarten Bayerns. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 90: 5-42.

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 240
E-Mail: fleischmann@snsb.de

Den Problemen neolithischer Schafhalter auf der Spur

Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie

Die Untersuchung der Überreste ungeborener und neugeborener Lämmer zeigt Forschenden, mit welchen grundlegenden Problemen unsere Vorfahren bei der Schafhaltung während des frühen Neolithikums (vor etwa 10.000 Jahren) zu kämpfen hatten. Um Aussagen über mögliche Ursachen für die Lämmer-Sterblichkeit in der prähistorischen Nutztierhaltung treffen zu können, ist eine exakte Bestimmung des Sterbealters der Tiere notwendig. Eine Forschergruppe unter der Leitung der SNSB entwickelte nun ein statistisches Referenzmodell für eine solche Altersbestimmung bei prähistorischen Lämmern. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler:innen in der Fachzeitschrift Journal of Archaeological Science.

Schon im 8. Jahrtausend vor Christus lernten die ersten Schafhalter, dass die Haltungsbedingungen ihrer Tiere sich auf die Sterblichkeit von ungeborenen und sehr jungen Lämmern auswirken. Eine internationale Forschergruppe um Dr. Nadja Pöllath, Kuratorin an der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München (SNSB-SAPM), und Prof. Dr. Joris Peters, Direktor derselben Sammlung, untersuchten in einer Studie Knochen von noch ungeborenen und neugeborenen Lämmern. Diese waren im Fundgut der frühneolithischen Siedlung Aşıklı Höyük (Zentraltürkei, ca. 8350 und 7300 v. Chr.) ungewöhnlich zahlreich. Im Laufe der langen Besiedelung scheinen sich die Überlebenschancen von Lämmern nach ihrer Geburt verbessert zu haben, während die Sterblichkeit bei Föten in etwa gleich geblieben zu sein scheint. Dass die Sterblichkeit von Milchlämmern in Aşıklı Höyük im Lauf der Zeit abnahm, führen die Forscher:innen auf Verbesserungen in der Viehhaltung wie z.B. Weidehaltung zurück. Die frühneolithische Stätte Aşıklı Höyük ist die größte und am besten untersuchte Siedlung in Zentralanatolien und war von ca. 8350 v. Chr. bis ca. 7300 v. Chr. dauerhaft bewohnt. Aşıklı Höyük gibt wertvolle Einblicke in Architektur, Kultur, Ernährung von Mensch und Tier, Vegetation sowie in die Entwicklung von Ackerbau und Tierhaltung in der Jungsteinzeit. Während zu Beginn der Besiedlung die Jagd noch wichtig für die Fleischversorgung der Bewohner war, gewann später die Nutztierhaltung an Bedeutung, wobei Schafe die wichtigste Nutztierart waren. Der Nachweis von Aborten und dicken Dungpaketen in und zwischen den Häusern beweisen, dass die Bewohner ihre Schafe über längere Zeit innerhalb der Siedlung hielten.

Um ergründen zu können, mit welchen Problemen die neolithischen Schafhalter konfrontiert waren und welche Maßnahmen sie zu deren Beseitigung trafen, ist es entscheidend, zunächst das ge-naue Sterbealter eines Tieres festzustellen. Daraus kann dann auf die Todesursachen geschlos-sen werden. Traditionelle Methoden für die Bestimmung des Sterbealters eines Tieres basieren z.B. auf der Untersuchung von Zähnen. Für die Unterscheidung der Entwicklungsstadien bei jungen Schafen – Fötus, Neugeborenes, Jungtier – sind die meisten Methoden allerdings nicht genau genug. In der Studie haben Nadja Pöllath und ihre Kolleg:innen ein neues statistisches Modell entwickelt, um das Alter bei Eintritt des Todes von Schafsföten und Lämmern so exakt wie möglich bestimmen zu können. Für die Lebensaltersbestimmung analysierten die Forscher:innen Oberarmknochen (Humerus) von modernen Schafen bekannten Alters in Referenzsammlungen in den USA, UK, Spanien, Portugal und Deutschland. Daraus erstellten sie ein Modell, mit dessen Hilfe das Alter der prähistorischen Lammfunde aus Aşıklı Höyük präzise bestimmt werden konnten. „Unsere Analysen haben wesentlich dazu beigetragen, die Ursachen der Sterblichkeit bei fötalen und jungen Lämmern einzugrenzen. Wir können nun besser verstehen, mit welchen Schwierigkeiten die Menschen während der frühen Schafhaltung und Domestizierung in Aşıklı Höyük konfrontiert waren,“ erläutert Nadja Pöllath. Als Todesursachen für Föten und Lämmer seien in erster Linie Infektionen in Verbindung mit Unter- und Mangelernährung sowie zu enger Aufstallung verantwortlich zu machen.

Die Studie wurde mit Mitteln der DFG im Rahmen des Langfristvorhabens „Die prähistorischen Gesellschaften Obermesopotamiens und ihre Subsistenz“ durchgeführt.

Publikation:
Pöllath N, García-González R, Kevork S, Mutze U, Michaela I. Zimmermann MI, Mihriban Özbaşaran M, Peters J (2021) A non-linear prediction model for ageing foetal and neonatal sheep reveals basic issues in early Neolithic husbandry. Journal of Archaeological Science DOI:10.1016/j.jas.2021.105344
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0305440321000145

Kontakt:
Dr. Nadja Pöllath
Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München (SNSB-SAPM)
Paläoanatomie
Kaulbachstr. 37, III, 80539 München
Tel.: 08121 7089 33
E-Mail: poellath@snsb.de

„Adlerhai“ entdeckt: Bisher unbekannter Planktonfresser „flog“ vor 93 Millionen Jahren durch den Ozean

Jura-Museum Eichstätt

Ein europäisch-mexikanisches Paläontologen-Team hat einen 93 Millionen Jahre alten außergewöhnlichen Hai aus der Kreidezeit entdeckt, der in einem Steinbruch in Nordost-Mexiko gefunden wurde. Der planktonfressende “Adlerhai“ Aquilolamna milarcae besaß riesige, flügelartige Brustflossen, mit denen er ähnlich wie ein Mantarochen durch die kreidezeitlichen Meere geflogen ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler:innen nun in der renommierten Wissen-schaftszeitschrift  Science.

Der „Adlerhai“ Aquilolamna milarcae flog mit seinen langen, schmalen Brustflossen vor 93 Millionen Jahren – ähnlich wie heutige Mantarochen – durch den kreidezeitlichen Ozean. „Der Körperbau von Aquilolamna milarcae ist wirklich außergewöhnlich. Einzigartig ist, dass er zusätzlich – wie andere Haie auch – mit Schlägen seiner gegabelten Schwanzflosse schwimmen konnte. Mantarochen können dies nicht“, erklärt Prof. Dr. Eberhard Frey vom Naturkundemuseum Karlsruhe. Zu Lebzeiten hatte das Tier bei einer Körperlänge von nur 1,7 Metern eine Brustflossenspannweite von 1,9 Metern. Das breite, vermutlich mit winzigen Zähnchen bestückte Maul saß am Ende des stumpfen Kopfes. „Sehr wahrscheinlich war der „Adlerhai“ ähnlich wie heutige Walhaie oder Mantarochen ein Planktonfresser“, vermutet Prof. Dr. Wolfgang Stinnesbeck von der Universität Heidelberg.

Der außergewöhnliche Kreide-Hai gibt laut Prof. Dr. Romain Vullo, Paläontologe von der Universität Rennes in Frankreich und Erstautor der Studie, einen neuen Einblick in die Evolutionsgeschichte der Haie. Die Wissenschaftler:innen bezeichnen den bei Haien bisher unbekannten Körperbau als „unerwartetes evolutionäres Experiment mit dem Unterwasserflug“. Denn flügelartige Brustflossen in Kombination mit filtrierender Lebensweise kannte man bislang nur von Mantarochen und deren Verwandtschaft. Diese tauchten aber erst 30 Millionen Jahre später in der Erdgeschichte auf. Die Studie zeigt, dass der „Unterwasserflug“ mit den Brustflossen bei planktonfressenden Haien und Rochen, beides Plattenkiemer, im Laufe der Evolution offenbar zweimal entstanden ist, und zwar auf unterschiedliche Art und Weise aber mit dem gleichen Ergebnis – nämlich Plankton-seihend durch den offenen Ozean zu fliegen.

Das Fossil des „Adlerhais“ wurde in einem Plattenkalkbruch nahe der nordostmexikanischen Kleinstadt Vallecillo gefunden. „Diese Plattenkalke“, stellt PD Dr. Christina Ifrim, Leiterin des Jura-Museums Eichstätt (Regionalmuseum der SNSB) fest, „ähneln den berühmten Plattenkalken der Südlichen Frankenalb frappierend. Sie enthalten zahlreiche Fossilien, die eine einzigartige Momentaufnahme der Lebewelt des offenen Ozeans vor 93 Millionen Jahren liefern, darunter Meeresschildkröten, Haie, Meeressaurier und Ammoniten.“ Mit dem Hai gefundene Ammoniten halfen Dr. Ifrim auch bei der Altersbestimmung des einzigartigen geflügelten Haifischs.

Publikation:
Vullo R, Frey E, Ifrim C, González González MA, Stinnesbeck ES, Stinnesbeck W (2021) Manta-like planktivorous sharks in Late Cretaceous oceans. Science Vol. 371, Issue 6535, pp. 1253-1256. https://doi.org/10.1126/science.abc1490

Kontakt:
PD Dr. Christina Ifrim
Jura-Museum, Willibaldsburg,
85072 Eichstätt
Tel.: 08421 602980
ifrim@snsb.de

Gemeinsam für Biodiversität: „#UnitedforBiodiversity“

Mit großer Freude geben wir bekannt, dass die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) die Globale Koalition der Europäischen Kommission „#UnitedforBiodiversity“ unterstützen. Die SNSB sind somit Teil des weltweiten Bündnisses, das der bedrohten Lebewelt der Erde ihre Stimme gibt, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes der biologischen Vielfalt zu schärfen. Wissenschaftler:innen weltweit warnen, dass rund 1 Millionen Arten vom Aussterben bedroht sind. Die Gründung der Initiative jährt sich nun zum ersten Mal.

Unter dem Motto „#UnitedforBiodiversity“ (#VereintfürBiodiversität) haben sich inzwischen 205 Institutionen aus 47 Ländern und 36 Organisationen zu einem globalen Biodiversitätsbündnis zusammengeschlossen. Darunter sind auch alle 37 Mitglieder des Konsortiums europäischer taxonomischer Einrichtungen (CETAF, Consortium of European Taxonomic Facilities), zu dem auch die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) gehören. Gemeinsam wollen die Bündnispartner auf die globale Biodiversitätskrise aufmerksam machen und mit ihrer Stimme und Expertise zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen.

Vor rund einem Jahr, am 3. März 2020, hat EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius das globale Bündnis „#UnitedforBiodiversity“ in Monaco ins Leben gerufen und Forschungseinrichtungen weltweit aufgefordert sich zu beteiligen. Außerdem sind Wissenschafts- und Naturkundemuseen, Zoos, Aquarien, Nationalparks sowie Botanische Gärten weltweit aufgerufen, ihre Kräfte zu bündeln, um das Bewusstsein für die globale Krise durch den Verlust der biologischen Vielfalt zu schärfen – gerade im Hinblick auf die UN Biodiversitäts-Konferenz (CoP15), die in diesem Jahr in China stattfinden wird.

„Der Verlust von Biodiversität und der rasante Wandel der Biosphäre im Zuge globaler Veränderungen durch den Menschen zählen zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Unsere Forschung bildet die Basis für den Erhalt und den Schutz der Natur. Für die SNSB mit ihren naturkundlichen Forschungssammlungen zählen neben der Forschungs- auch die Bildungsarbeit, die unser Wissen in die breite Bevölkerung transportiert. Unsere Museen dienen als Schaufenster unserer Sammlungen und Expertise. Unser Ziel ist, die Menschen dazu zu bringen, sich eine auf wissenschaftlichen Daten basierende eigene Meinung zu bilden. Aus dieser Erkenntnis heraus sollten sich auch Verhaltensweisen verändern und bezüglich Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Erhaltung der Artenvielfalt verbessern. Die Natur braucht unsere Stimme“, so Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns.

Die SNSB untersuchen und dokumentieren Prozesse wie die Entstehung und Verbreitung von Arten und die Anpassung von Lebensgemeinschaften an veränderte Umweltbedingungen. Ihre Wissenschaftler:innen widmen sich in ihren Projekten umfassend der Erforschung der Biodiversität. In der heutigen Forschungslandschaft tragen naturkundliche Sammlungen entscheidend dazu bei, ausreichend vergleichbare Daten zur Biodiversität zu verschiedenen Zeitpunkten aus der gesamten Erdgeschichte zu liefern. Die SNSB beherbergen über 30 Millionen Sammlungsobjekte und verfügen über eine hervorragende Infrastruktur, um den Wandel der Biosphäre zu dokumentieren und zu interpretieren.

Als offizielles Mitglied der Globalen Koalition „#UnitedforBiodiversity rufen wir alle unsere Partner dazu auf, sich dieser Koalition ebenfalls anzuschließen, das gemeinsame Versprechen zu unterzeichnen und zur Verbreitung der wichtigen Botschaft über die Biodiversitätskrise beizutragen.

Weitere Informationen zur Globalen Koalition für Biodiversität der Europäischen Kommission auf der offiziellen Webseite:
https://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/coalition/index_en.htm

Kontakt:
Dr. Eva-Maria Natzer, Wissenschaftliche Geschäftsführerin
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB)
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 122
E-Mail: natzer@snsb.de

Wohnort Plastikmüll: Neue Biodiversität in der Tiefsee

Zoologische Staatssammlung München

Ein internationales Forscherteam findet einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt. An der Bestimmung der Müllbewohner war auch der SNSB-Zoologe Bernhard Ruthensteiner beteiligt. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftler*innen kürzlich in der zoologischen Fachzeitschrift Environmental Science & Technology Letters.

Plastikmüll in den Ozeanen der Erde sammelt sich auch in der Tiefsee und gefährdet die dort lebenden Organismen. Forscher berichten, dass sich Anhäufungen von größeren Plastikteilen über Jahrzehnte hinweg sogar in Tiefseegräben finden. Laut einer neuen Studie entwickelt sich in den untermeerischen Müllansammlungen allerdings ein artenreiches Ökosystem. Die Wissenschaftler*innen sprechen von einem „neuen Hotspot der Biodiversität“.

Ein internationales Forscherteam um Xikun Song von der Universität Xiamen in China, ehemaliger Gastwissenschaftler an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat nun unter anderem Plastikmüll in einem Tiefseegraben im Südchinesischen Meer mit Hilfe eines bemannten Tauchboots untersucht. In einer Tiefe von 1.700-3.200 m lagern dort rund 52.000 Plastikteile pro Quadratkilometer.

Den Forscher*innen gelang es insgesamt 33 Plastikstücke aus Tiefen bis zu 3.200 m vom Meeresboden an die Oberfläche zu befördern. Interessant für die Zoolog*innen war aber nicht der Müll an sich, sondern die insgesamt fast 1.200 Organismen, die offensichtlich auf und in den Lebensmittelverpackungen, Tüten oder Flaschen lebten.

Im Gegensatz zu bisherigen Studien zu Tiefseeplastik wurde hier eine genaue Erfassung der assoziierten Fauna vorgenommen. Zur Bestimmung wurden unter anderem modernste molekularbiologische und bildgebende Methoden herangezogen. Hierbei war auch der Münchner Zoologe Bernhard Ruthensteiner, Kurator an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), beteiligt – bestimmte Organismengruppen konnten insbesondere mit Hilfe von Mikro-Computertomographischen 3D Rekonstruktionen identifiziert werden. Insgesamt fanden die Forscher*innen 49 Arten von auf dem Meeresboden lebenden Organismen. Darunter waren etliche festsitzend lebende Tiere wie Pilze, Korallen oder Seepocken, aber auch freilebende parasitische Flachwürmer und Schnecken. Häufigste Bewohner waren die festsitzenden Polypen von Schirmquallen (Scyphozoa) sowie zumeist noch nicht ausgewachsene Armfüßer (Brachiopoden), das sind Schalentiere, die äußerlich den Muscheln ähneln. „Die Formenfülle aber auch die Individuendichte auf einzelnen Stücken hat uns überrascht. Auffallend häufig waren Reproduktionsstadien wie Schneckeneier oder die Bildungsstadien von Quallen“, erklärt Bernhard Ruthensteiner.

Die Forscher*innen vermuten, dass die Ansammlungen von Plastikmüll in der Tiefsee die Ausbreitung bestimmter Meeresorganismen fördern und damit auch zu Veränderungen in Meeresökosystemen führen können.

Publikation:
Xikun Song, Mingxin Lyu, Xiaodi Zhang, Bernhard Ruthensteiner, In-Young Ahn, Guido Pastorino, Yunan Wang, Yifan Gu, Kaiwen Ta, Jie Sun, Xi Liu, Jian Han, Caihuan Ke and Xiaotong Peng (2021) Large Plastic Debris Dumps: New Biodiversity Hot Spots Emerging on the Deep-Sea Floor. Environmental Science & Technology Letters
https://doi.org/10.1021/acs.estlett.0c00967

Kontakt:
Dr. Bernhard Ruthensteiner
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089 8107-135
E-Mail: ruthensteiner@snsb.de

Neuer alter Pfeilschwanzkrebs aus Franken

Jura-Museum Eichstätt

Ein Paläontologen-Team mit Beteiligung des Jura-Museums Eichstätt entdeckte in Franken einen neuen 197 Millionen Jahre alten Pfeilschwanzkrebs aus der Jurazeit. Überraschend für die Forscher war: Das Tier gehörte zu einer Familie von Pfeilschwanzkrebsen, die eigentlich seit Ende der Triaszeit als ausgestorben galt. Die Ergebnisse wurden nun in der paläontologischen Fachzeitschrift Geological Magazine veröffentlicht.

In der Sandgrube Pechgraben bei Neudrossenfeld (Oberfranken) werden seit langem jurazeitliche Sande der Bayreuth-Formation (Hettangium, ca. 197 Millionen Jahre alt) abgebaut. Für Paläontologen interessant sind allerdings die zwischen den Sandablagerungen liegenden Tonschichten, die zahlreiche wertvolle Pflanzenfossilien der Jurazeit enthalten. Bei einer Notgrabung durch das Paläontologische Museum Nierstein im Jahr 1999 fanden sich neben solch versteinerten Pflanzenresten auch ein etwa 5cm großer unscheinbarer Abdruck eines Pfeilschwanzkrebses, der keiner bisher bekannten Art zugeordnet werden konnte.

Die Paläontologen Russell Bicknell von der Universität Armidale, Australien, Andreas Hecker vom Jura-Museum Eichstätt (SNSB Regionalmuseum) und Alexander Heyng, Geowissenschaftlicher Dienst amh-Geo, gelang es nun den Pfeilschwanzkrebs zu rekonstruieren und wissenschaftlich zu beschreiben. Die Untersuchungen zeigten, dass das Fossil einer bisher unbekannten Gattung aus der Familie der Austrolimulidae angehört. Dies hat die drei Forscher überrascht, denn diese Pfeilschwanzkrebs-Familie galt bislang als ausgestorben – und zwar bereits seit dem großen Massenaussterben an der Trias-Jura-Grenze (vor 201 Millionen Jahren). Die Wissenschaftler gaben der neuen Art den Namen Franconiolimulus pochankei – benannt nach Hartmut Pochanke, dem Baggerfahrer der Sandgrube, der die Tonschichten für die Notgrabung freigebaggert und so für die Paläontologen erst zugänglich gemacht hat. Dass als ausgestorben geltende Tier- und Pflanzen-Gruppen in geologisch späterer Zeit wieder nachgewiesen werden, wird als Lazarus-Effekt bezeichnet.

Pfeilschwanzkrebse sind sehr eigentümliche Tiere. Anders als der Name vermuten lässt, sind sie keine Krebse, sondern mit den Spinnentieren verwandt. Pfeilschwanzkrebse sind heute noch mit vier Arten vertreten. Die bekannteste ist der bis 85cm große Amerikanische Pfeilschwanzkrebs Limulus polyphemus, der an der westlichen Atlantikküste von Mexiko bis Maine (USA) lebt. Ihre äußere Form, bestehend aus einem zweiteiligen Körper und langem spitz zulaufenden Schwanz hat sich über mehrere hundert Millionen Jahre nicht wesentlich verändert. Deshalb werden heutige Pfeilschwanzkrebse oft als „lebende Fossilien“ bezeichnet. Sämtliche heutigen Pfeilschwanzkrebs-Arten gehören zur Familie der Limulidae, die erstmals in der Mittleren Trias-Zeit, vor rund 240
Millionen Jahren auftrat.

Für die Rekonstruktion der Lebewelt von Franconiolimulus pochankei erwies sich die enge Vernetzung der SNSB Regionalmuseen, zu denen das Jura-Museum Eichstätt gehört, als besonders wertvoll: Durch weitere Funde, die unter anderem am Urweltmuseum Oberfranken in Bayreuth, ebenfalls ein SNSB Regionalmuseum, bearbeitet werden, konnte der Lebensraum von Franconiolimulus pochankei rekonstruiert werden. Vor rund 197 Millionen Jahren lebte der Pfeilschwanzkrebs in einem tropischen Flussarm, umgeben von einem dichten Urwald mit Farnbäumen, Riesenschachtelhalmen und Nadelbäumen. Funde von Tier-Fossilien aus diesem Ökosystem sind außerordentlich selten. Neben dem Pfeilschwanzkrebs sind lediglich wenige Süßwassermuscheln, einige Eier von Haien und Insekten gefunden worden. Das bedeutet aber nicht, dass die Tierwelt individuen- und artenarm gewesen wäre. Ähnlich wie heute in den tropischen Flüssen Südamerikas wurden sämtliche tierischen Überreste von Aasfressern und Bakterien vermutlich sofort zersetzt. Lediglich die schwerer abbaubaren Pflanzen erhielten sich außerordentlich gut.

Im Jura-Museum Eichstätt sind neben den jüngeren, hervorragend erhaltenen fossilen Pfeilschwanzkrebsen der Solnhofener Plattenkalke auch lebende Amerikanische Pfeilschwanzkrebse im Aquarium zu sehen. Das Urweltmuseum Bayreuth zeigt die Pflanzen der Bayreuth-Formation, sowie einige Tierfossilien in seiner Dauerausstellung. Franconiolimulus pochankei selbst ist zusammen mit Pflanzenfossilien aus derselben Fundstelle im Paläontologischen Museum Nierstein ausgestellt.

Aktuelle Informationen zu den derzeit Pandemie-bedingt geschlossenen SNSB Regionalmuseen finden Sie über die Museums-Websites: www.jura-museum.de, www.urwelt-museum.de

Publikation:
Bicknell, R., Hecker, A., & Heyng, A. (2021). New horseshoe crab fossil from Germany demonst-rates post-Triassic extinction of Austrolimulidae. Geological Magazine, 1-11. https://doi.org/10.1017/S0016756820001478

Kontakt:
Andreas Hecker
Jura-Museum Eichstätt
Burgstraße 19, 85072 Eichstätt
Tel.: 08421 60298-26
E-Mail: hecker@snsb.de

Das Nano-Chamäleon: Ein neuer Super-Winzling unter den Reptilien

Zoologische Staatssammlung München

Ein internationales Team unter Leitung der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat eine winzige neue Chamäleonart entdeckt. Das einzige bekannte, offensichtlich erwachsene Männchen hat eine Körperlänge von nur 13,5 mm und ist damit das kleinste bekannte Männchen unter den fast 11.500 bekannten Reptilienarten. Ein Vergleich mit 51 anderen Chamäleonarten ergab, dass die kleinsten Spezies relativ zur Körpergröße die größten Genitalien aufweisen. Die Arbeit erschien heute in dem wissenschaftlichen Fachjournal Scientific Reports.

Nano-Chamäleon
Mit einer Körperlänge von 13,5 mm ist dieses Nano-Chamäleon (Brookesia nana) das kleinste bekannte Männchen unter den fast 11.500 bekannten Reptilienarten. Foto: Frank Glaw (SNSB/ZSM).

Bei einer Expedition im Norden Madagaskars hat ein deutsch-madagassisches Expeditionsteam rekordverdächtig kleine Reptilien entdeckt, die nun als neue Art (Brookesia nana) beschrieben wurden. „Mit einer Körperlänge von nur 13,5 mm und einer Gesamtlänge von knapp 22 mm ist das Männchen des Nano-Chamäleons das kleinste bekannte Männchen unter allen höheren Wirbeltieren“, sagt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie. Das Weibchen ist mit 19 mm Körperlänge und 29 mm Gesamtlänge deutlich größer. Trotz großer Mühe gelang es nicht, weitere Exemplare der neuen Art zu finden.

„Mit Hilfe von Mikro-CT-Scans fanden wir zwei Eier im Körper des Weibchens und konnten so zeigen, dass es erwachsen ist“, sagt Mark D. Scherz von der Universität Potsdam. Um herauszufinden, ob auch das Männchen geschlechtsreif ist, untersuchte das Team die gut entwickelten Genitalien des Tieres, die sogenannten Hemipenes, die bei allen Echsen und Schlangen doppelt vorhanden sind und oft wichtige Merkmale aufweisen, um verwandte Arten zu unterscheiden. Dabei verglichen die Forscher auch die Länge seiner Genitalien mit 51 anderen Chamäleonarten aus Madagaskar und entdeckten die Tendenz, dass die kleinsten Chamäleonspezies im Verhältnis zur Körpergröße die größten männlichen Genitalien hatten. Beim Nano-Chamäleon betrug deren Länge 18,5% der Körperlänge und damit den fünfthöchsten Wert von allen untersuchten Chamäleonarten, bei der ebenfalls sehr kleinen Art B. tuberculata machten die Genitalien sogar fast ein Drittel der Körperlänge aus.

Eine plausible Erklärung für dieses Phänomen könnte darin bestehen, dass der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern, der sogenannte Geschlechtsdimorphismus, bei Chamäleons sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei den größten Chamäleonarten sind die Männchen meist deutlich größer als die Weibchen, bei den kleinsten Arten ist es hingegen genau umgekehrt. „Demnach bräuchten die extrem miniaturisierten Männchen verhältnismäßig größere Genitalien, um eine erfolgreiche Paarung mit ihren deutlich größeren Weibchen zu ermöglichen“, erklärt Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig.

„Auf Madagaskar leben auffällig viele extrem miniaturisierte Tiere, darunter die kleinsten Primaten und winzige Zwergfrösche, die mehrfach unabhängig voneinander entstanden sind“, sagt Andolalao Rakotoarison, von der Universität Antananarivo in Madagaskar. Aber warum das Nano-Chamäleon so winzig ist, bleibt rätselhaft. „Der Inseleffekt, wonach Arten auf kleinen Inseln kleiner werden, ist jedenfalls keine überzeugende Erklärung für diesen Gebirgsbewohner“, ergänzt ihre Kollegin Fanomezana Ratsoavina, ebenfalls von der Universität Antananarivo.

„Der nächste Verwandte des neuen Zwergchamäleons ist auch nicht das nur wenig größere Brookesia micra, sondern die fast doppelt so große Art B. karchei, die im selben Gebirge vorkommt. Das zeigt, dass die extreme Miniaturisierung konvergent entstanden ist“, meint Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Die Verbreitungsgebiete der meisten Zwergchamäleons sind erstaunlich klein und umfassen in Extremfällen eine Fläche von nur wenigen Quadratkilometern. Ein kleines Verbreitungsareal ist daher auch für Brookesia nana anzunehmen. „Der Lebensraum des Nano-Chamäleons ist leider stark von Abholzung betroffen, aber das Gebiet wurde kürzlich unter Schutz gestellt, so dass die Art hoffentlich überleben wird“, meint Oliver Hawlitschek, vom Centrum für Naturkunde in Hamburg, der an den Felduntersuchungen beteiligt war.

Publikation:
Glaw F, Köhler J, Hawlitschek O, Ratsoavina FM, Rakotoarison A, Scherz MD & Vences M (2021): Extreme miniaturization of a new amniote vertebrate and insights into the evolution of genital size in chameleons. – Sci Rep 11, 2522 DOI: 10.1038/s41598-020-80955-1 https://www.nature.com/articles/s41598-020-80955-1

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107 114
E-Mail: glaw@snsb.de

Video: https://youtu.be/CrJwAj7egpc (Timon Glaw)

Das Nano-Chamäleon: Ein neuer Super-Winzling unter den Reptilien

Zoologische Staatssammlung München

Ein internationales Team unter Leitung der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat eine winzige neue Chamäleonart entdeckt. Das einzige bekannte, offensichtlich erwachsene Männchen hat eine Körperlänge von nur 13,5 mm und ist damit das kleinste bekannte Männchen unter den fast 11.500 bekannten Reptilienarten. Ein Vergleich mit 51 anderen Chamäleonarten ergab, dass die kleinsten Spezies relativ zur Körpergröße die größten Genitalien aufweisen. Die Arbeit erschien heute in dem wissenschaftlichen Fachjournal Scientific Reports.

Bei einer Expedition im Norden Madagaskars hat ein deutsch-madagassisches Expeditionsteam rekordverdächtig kleine Reptilien entdeckt, die nun als neue Art (Brookesia nana) beschrieben wurden. „Mit einer Körperlänge von nur 13,5 mm und einer Gesamtlänge von knapp 22 mm ist das Männchen des Nano-Chamäleons das kleinste bekannte Männchen unter allen höheren Wirbeltieren“, sagt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie. Das Weibchen ist mit 19 mm Körperlänge und 29 mm Gesamtlänge deutlich größer. Trotz großer Mühe gelang es nicht, weitere Exemplare der neuen Art zu finden.

„Mit Hilfe von Mikro-CT-Scans fanden wir zwei Eier im Körper des Weibchens und konnten so zeigen, dass es erwachsen ist“, sagt Mark D. Scherz von der Universität Potsdam. Um herauszufinden, ob auch das Männchen geschlechtsreif ist, untersuchte das Team die gut entwickelten Genitalien des Tieres, die sogenannten Hemipenes, die bei allen Echsen und Schlangen doppelt vorhanden sind und oft wichtige Merkmale aufweisen, um verwandte Arten zu unterscheiden. Dabei verglichen die Forscher auch die Länge seiner Genitalien mit 51 anderen Chamäleonarten aus Madagaskar und entdeckten die Tendenz, dass die kleinsten Chamäleonspezies im Verhältnis zur Körpergröße die größten männlichen Genitalien hatten. Beim Nano-Chamäleon betrug deren Länge 18,5% der Körperlänge und damit den fünfthöchsten Wert von allen untersuchten Chamäleonarten, bei der ebenfalls sehr kleinen Art B. tuberculata machten die Genitalien sogar fast ein Drittel der Körperlänge aus.

Eine plausible Erklärung für dieses Phänomen könnte darin bestehen, dass der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern, der sogenannte Geschlechtsdimorphismus, bei Chamäleons sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei den größten Chamäleonarten sind die Männchen meist deutlich größer als die Weibchen, bei den kleinsten Arten ist es hingegen genau umgekehrt. „Demnach bräuchten die extrem miniaturisierten Männchen verhältnismäßig größere Genitalien, um eine erfolgreiche Paarung mit ihren deutlich größeren Weibchen zu ermöglichen“, erklärt Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig.

„Auf Madagaskar leben auffällig viele extrem miniaturisierte Tiere, darunter die kleinsten Primaten und winzige Zwergfrösche, die mehrfach unabhängig voneinander entstanden sind“, sagt Andolalao Rakotoarison, von der Universität Antananarivo in Madagaskar. Aber warum das Nano-Chamäleon so winzig ist, bleibt rätselhaft. „Der Inseleffekt, wonach Arten auf kleinen Inseln kleiner werden, ist jedenfalls keine überzeugende Erklärung für diesen Gebirgsbewohner“, ergänzt ihre Kollegin Fanomezana Ratsoavina, ebenfalls von der Universität Antananarivo.

„Der nächste Verwandte des neuen Zwergchamäleons ist auch nicht das nur wenig größere Brookesia micra, sondern die fast doppelt so große Art B. karchei, die im selben Gebirge vorkommt. Das zeigt, dass die extreme Miniaturisierung konvergent entstanden ist“, meint Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Die Verbreitungsgebiete der meisten Zwergchamäleons sind erstaunlich klein und umfassen in Extremfällen eine Fläche von nur wenigen Quadratkilometern. Ein kleines Verbreitungsareal ist daher auch für Brookesia nana anzunehmen. „Der Lebensraum des Nano-Chamäleons ist leider stark von Abholzung betroffen, aber das Gebiet wurde kürzlich unter Schutz gestellt, so dass die Art hoffentlich überleben wird“, meint Oliver Hawlitschek, vom Centrum für Naturkunde in Hamburg, der an den Felduntersuchungen beteiligt war.

Publikation:
Glaw F, Köhler J, Hawlitschek O, Ratsoavina FM, Rakotoarison A, Scherz MD & Vences M (2021): Extreme miniaturization of a new amniote vertebrate and insights into the evolution of genital size in chameleons. – Sci Rep 11, 2522 DOI: 10.1038/s41598-020-80955-1 https://www.nature.com/articles/s41598-020-80955-1

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107 114
E-Mail: glaw@snsb.de

Video: https://youtu.be/CrJwAj7egpc (Timon Glaw)

Neon-grünes Leuchten bei Gecko unter UV-Licht – neuer Fluoreszenzmechanismus bei Landwirbeltieren entdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Forschende der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der Ludwig-Maximilians-Universität und der Hochschule München haben entdeckt, dass der Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia unter UV-Licht stark neon-grün fluoreszierende Streifen an den Körperseiten und um die Augen zeigt. Diese sind aus der Geckoperspektive gut sichtbar und dienen vermutlich als Erkennungssignal für Artgenossen. In einer multidisziplinären Studie konnten die Wissenschaftler*innen zeigen, dass es sich hier um Fluoreszenz der Haut handelt, die durch besondere Iridophoren (Pigmentzellen mit Guaninkristallen) verursacht wird. Dieser Mechanismus und auch die erstaunliche Stärke der Fluoreszenz waren bisher bei Landwirbeltieren unbekannt. Die Arbeit erschien heute in dem wissenschaftlichen Fachjournal Scientific Reports.

Leuchtender Gecko
Die Bauchansicht zeigt einerseits die charakteristischen Füße des Wüstengeckos und andererseits die seitlich klar begrenzten fluoreszierenden Hautbereiche (unter zusätzlicher UV-Beleuchtung mit max. 365 nm Wellenlänge fotografiert). (Foto: David Prötzel, ZSM/LMU)

Biofluoreszenz ist von zahlreichen Meeresorganismen bekannt, bei Landwirbeltieren wurde dieses Phänomen jedoch erst in den letzten Jahren vermehrt beschrieben. In allen bisher bekannten Fällen wird die Fluoreszenz bei Reptilien und Amphibien entweder durch Knochen oder durch Fluoreszenz-Moleküle in der Lymphflüssigkeit unter der Haut verursacht. „Bereits auf den ersten Blick fiel auf, dass bei den Wüstengeckos ein neuer Mechanismus vorliegen musste: Die deutlich neon-grün fluoreszierenden Muster entstammen ganz klar der Haut“, konstatiert Dr. David Prötzel, Erstautor der Studie.

Histologische Untersuchungen beim Wüstengecko Pachydactylus rangei ergaben, dass in den fluoreszierenden Bereichen der Haut zahlreiche spezielle Pigmentzellen, sogenannte Iridophoren, eingelagert sind, die in den nicht-fluoreszierenden Bereichen fehlen. Iridophoren leisten durch die Reflektion von Licht einen entscheidenden Beitrag zur Färbung der Haut von Geckos und auch anderen Echsen. Nun konnte zum ersten Mal bei Landwirbeltieren gezeigt werden, dass manche Iridophoren auch fluoreszieren können. „Dieser Effekt ist wesentlich stärker als die knochenbasierte Fluoreszenz, die wir vor drei Jahren bei Chamäleons entdeckt haben und ist eines der stärksten Fluoreszenzphänomene, die bei Landwirbeltieren bisher beobachtet wurden“, erklärt Dr. Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM).

Bei ihren nächtlichen Wanderungen durch die Namib-Wüste haben die Geckos als Lichtquelle nur das Mondlicht zur Verfügung. Dessen blauer Anteil wird von den fluoreszierenden Hautbereichen aufgenommen und als heller wirkendes, neon-grünes Licht wieder abgestrahlt. Als wären ihre Flanken mit einem Textmarker hervorgehoben, besitzen die Geckos unter UV-Licht einen deutlich sichtbaren Signalstreifen.

Weshalb so viele verschiedene Tierarten unter UV- und Blaulicht fluoreszieren, ist weitestgehend unklar. „Bei einigen der bisher bekannten fluoreszierenden Wirbeltiere handelt es sich wohl um einen Zufall. Beim Wüstengecko hingegen spricht die Stärke und die Anordnung der fluoreszierenden Bereiche um die Augen und seitlich an den Flanken dafür, dass die Fluoreszenz als Signal für Artgenossen dient, das vielleicht auch aus größerer Entfernung gut wahrgenommen werden kann“, folgert Dr. Mark D. Scherz, Evolutionsbiologe an der Universität Potsdam.

Publikation:
Prötzel, D., Heß, M., Schwager, M., Glaw, F. & Scherz, M.D. (2021). Neon-green fluorescence in the desert gecko Pachydactylus rangei caused by iridophores. Sci Rep 11, 297 www.nature.com/articles/s41598-020-79706-z

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107 114
E-Mail: glaw@snsb.de

Dr. David Prötzel
Tel.: 0176/63200513
E-Mail: david.proetzel@mail.de

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Youtube Video (Dr. David Prötzel)

Evolution der Hirsche: Regelmäßiger Geweihzyklus ist älter als bisher gedacht

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Eine neue Studie gibt Einblick in die frühe Evolution des Geweihzyklus bei Hirschen (Cervidae). Aufbau und Struktur der Geweihgewebe der ältesten bekannten fossilen Hirsche (ca. 12 bis 18 Millionen Jahre alt) waren denen heute lebender Hirsche verblüffend ähnlich. Offenbar mussten Hirsche schon von Anfang an mit dem periodischen Geweihabwurf leben – obwohl die regelmäßige Neubildung die Tiere viel Energie kostet. Experten für Paläohistologie und Wiederkäuer um SNSB-Paläontologin Gertrud Rößner haben die Ergebnisse ihrer Studie nun in der naturwissenschaftlichen Fachzeitschrift The Science of Nature veröffentlicht.

Männliche Hirsche (Cervidae) besitzen ein erstaunliches Regenerationsvermögen: Regelmäßig, in den gemäßigten Breiten sogar jedes Jahr, werfen sie ihr vollständiges Geweih ab und bilden während der darauffolgenden Monate ein komplett neues Geweih. Gesteuert wird dieser Geweihzyklus durch Hormone, die wiederum unter dem Einfluss der täglichen Menge der Lichteinstrahlung stehen, d.h. auch abhängig vom geographischen Breitengrad der Lebensräume sind. Ein Geweih besteht im Wesentlichen aus Knochengewebe und wächst aus den sogenannten „Rosenstöcken“ auf der Stirn der Hirsche. Der regelmäßige Abwurf und vor allem die anschließende Neubildung von den, in vielen Arten, jährlich größer wachsenden Geweihen ist für Hirsche ein energetisch enorm aufwändiger Prozess, der nach biologischen Prinzipien nicht wirklich zu erklären war.  Daher vermuteten Wissenschaftler bisher einen selektiven Vorteil darin, wenn Hirsche zeitweise Geweih-frei sind bevor unter hohem Energieaufwand das nächste Geweih für die Brunft regeneriert werden muss. Die Ergebnisse der neuen Studie deuten jedoch darauf hin, dass die Hirsche von Anfang an mit dem periodischen Geweihabwurf leben mussten und ihre Evolutionsgeschichte ständig dem Dilemma von einerseits physiologischen Kosten und andererseits Fortpflanzungserfolg unterworfen war.

Ein deutsch-schweizerisches Paläontologen-Team um PD Dr. Gertrud Rößner, Kuratorin für fossile Säugetiere an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG), hat in einer umfassenden Vergleichsstudie die frühe Evolutionsgeschichte des Geweihzyklus bei Hirschen erforscht. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen hat die Paläontologen überrascht: Prozesse und Mechanismen von Abwurf und Neubildung im Geweihzyklus verliefen offenbar schon bei den frühesten Hirscharten vor 18 Millionen Jahren genauso wie bei heutigen Arten.

„Unsere Vergleiche geben einen detaillierten Einblick in die frühe Evolution der Geweihbildung. Aufbau und Struktur der fossilen Geweihgewebe waren denen heute lebender Hirsche verblüffend ähnlich. Bisher sind wir davon ausgegangen, dass sich der Geweihzyklus, wie wir ihn von heutigen Hirschen kennen, in einem allmählichen Evolutionsprozess ausgehend von ursprünglich nicht abwerfbaren Geweihen und mit Übergangsstadien von ausnahmsweisen bis gelegentlichen Abwürfen entwickelt hat. Unsere Ergebnisse zeigen nun aber das Bild, eines Mechanismus, der seit Evoluti-onsursprung der Hirsche grundlegend ist,“ erklärt Gertrud Rößner von der BSPG.

Um die Entstehung dieses Kreislaufs besser zu verstehen, analysierten die Wissenschaftler*innen die Geweihe von 34 fossilen Hirschen aus dem frühen und mittleren Miozän von Europa (ca. 12 bis 18 Millionen Jahre alt), wovon viele aus Bayern stammen und an der BSPG in München aufbewahrt und wissenschaftlich untersucht werden. Unter den Fossilien befanden sich auch die bisher ältesten bekannten Geweihe aus dem frühen Miozän von Procervulus praelucidus (Bayern, Deutschland), Ligeromeryx praestans (Loir-et-Cher, Frankreich) und Acteocemas infans (Loiret, Frankreich). Die Forscher untersuchten hierfür viele Details des Knochengewebes wie z.B. Wachstumsmuster, Umbauprozesse und Auflösungserscheinungen mittels Mikro-Computertomographie und Dünnschliffmikroskopie. Anschließend verglichen Gertrud Rößner und ihre Kollegen die gewonnenen Daten mit Geweihgeweben moderner Hirsche.

Publikation:
Gertrud E. Rössner, Loïc Costeur, Torsten M. Scheyer (2020) Antiquity and fundamental process-es of the antler cycle in Cervidae (Mammalia). The Science of Nature 108, 3 (2021). https://doi.org/10.1007/s00114-020-01713-x

Kontakt:
PD Dr. Gertrud Rößner
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel.: 089 2180 6609
E-Mail: roessner@snsb.de
Website: bspg.palmuc.org

Landung der Japanischen Weltraumsonde Hayabusa2: Wissenschaftler warten gespannt auf Asteroidenstaub

Mineralogische Staatssammlung München

Nach knapp 6-jähiger Mission kehrt am 6. Dezember (ACDT) bzw. am 5. Dezember (CET) die japanische Raumsonde Hayabusa2 – mit Gesteinspartikeln vom Asteroiden Ryugu im Gepäck – aus dem Weltraum auf die Erde zurück. Auch die SNSB-Mineralogen um PD Dr. Melanie Kaliwoda werden die Landung mit Spannung erwarten und freuen sich schon jetzt auf die Raman-spektroskopischen Messungen an dem mitgebrachten extraterrestrischen Material.

Melanie Kaliwoda am Raman Spektroskop
PD Dr. Melanie Kaliwoda, stellvertretende Direktorin an der MSM, wird in ihrem Raman-Labor die spektroskopische Untersuchung der Gesteinsproben von Ryugu mitverantworten. (Foto: Kaliwoda, SNSB-MSM)

Wie bereits bei der ersten Mission (Hayabusa1) und der Landung auf dem Asteroiden Itokawa sind auch bei der Nachfolgemission Hayabusa2 die Mineralog:innen der Mineralogischen Staatssammlung München (SNSB-MSM) an den Messungen der Asteroidenfragmente beteiligt. Sie arbeiten hier zusammen mit einem internationalen wissenschaftlichen Konsortium [1]. Hayabusa2 wird am 6. Dezember 2020 in Woomera, Australien landen. In Deutschland (CET) kann der Touchdown bereits am Abend des 5. Dezembers 2020 gegen 19 Uhr in einem Livestream verfolgt werden. (http://www.hayabusa2.jaxa.jp/en/).

Die Sonde der japanischen Weltraumagentur JAXA war fast auf den Tag genau 6 Jahre im All. Die Reise startete am 3. Dezember 2014. Ab 2018 nahmen zwei Rover die Untersuchung des Asteroiden auf, die u. a. eine Probennahme im Jahr 2019 vorgesehen hatte. Im November 2019 wurde schließlich die Rückkehr zur Erde eingeleitet.
Bisher verlief die Mission planmäßig und es wird mit Spannung erwartet, welche Geheimnisse der Asteroid in sich birgt. Im Vergleich zur ersten Mission wird erwartet, dass der Asteroid Ryugu ein sehr „primitiv“ zusammengesetzter kohlenstoffreicher Asteroid ist, der uns wichtige Informationen über die Ursprünge unseres Sonnensystems geben kann.

Mithilfe der Raman-Spektroskopie, d. h. der Messung mit Laserlicht, ist es möglich, die in den Gesteinspartikeln enthaltenen Minerale näher zu charakterisieren, um somit Rückschlüsse auf mögliche Temperatur- und Druckbedingen auf ihrem Mutterkörper zu ziehen. Die Raman-Spektrallinien gleichen dabei einem „Fingerabdruck“ und sind spezifisch für die jeweils untersuchte Mineralphase. Durch die Raman-Spektroskopie wird es sogar möglich, in Mineralen eingeschlossene Fluide und Gasphasen zu analysieren.

Als Mineralphasen können hier Olivine, Plagioklase und Chromite erwartet werden. Somit gleichen die Zusammensetzungen der Asteroidenpartikel denen von Gesteinen, die auf der Erde in großen Tiefen, d. h. im Erdmantel vorkommen und gelegentlich bei Vulkanausbrüchen oder Gebirgsauffaltungen an die Erdoberfläche gelangen. Der Vergleich von Erdgesteinen mit extraterrestrischem Material eröffnet der Wissenschaft interessante Rückschlüsse auf geologische Prozesse, wie sie auf der Erde vor Milliarden Jahren abgelaufen sind.

PD Dr. Melanie Kaliwoda, stellvertretende Direktorin an der MSM, wird in ihrem Raman-Labor die spektroskopische Untersuchung der Gesteinsproben von Ryugu mitverantworten und ist somit einer der weltweiten Messpartner. „Eine großartige Auszeichnung für Dr. Melanie Kaliwoda“, sagt Prof. Wolfgang Schmahl, Direktor der Mineralogischen Staatssammlung München. Die Untersuchung von Meteoriten und extraterrestrischem Material hat in der Mineralogischen Staatssammlung eine langjährige Tradition. Hier wurden bereits andere Meteorite, u. a. auch von Mond und Mars spektroskopisch untersucht. Als vergleichendes Material spielen hier auch Impaktgesteine, d.h. Gesteine die beim Einschlag eines Meteoriten entstanden sind, immer eine wichtige Rolle. Daher findet auch eine enge Zusammenarbeit mit Prof. Stefan Hölzl, dem Leiter des RiesKraterMuseums in Nördlingen statt.

[1]
Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin (Technische Universität München/Helmholtz-Zentrum München, pre-investigation-team), Dr. Takashi Mikoushi (Tokio University pre-investigation-team), Dr. Michael E. Zolensky (Nasa, JSC, pre-investigation-team), PD Dr. Viktor Hoffmann (Department für Geo- und Umweltwissenschaften, LMU) et al.

Kontakt:
PD Dr. Melanie Kaliwoda
Mineralogische Staatssammlung München (SNSB-MSM)
Theresienstr. 4, 80333 München
Tel.: 089 2180 4306
E-Mail: kaliwoda@snsb.de

Manche mögen‘s heiß: Globale Erwärmung als Motor für Evolution der Langhalssaurier

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Ein internationales Paläontologen-Team, zu dem auch SNSB-Forscher Oliver Rauhut gehört, findet Belege für einen raschen Klimawandel vor 180 Millionen Jahren als Ursache für die Ausbreitung der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden). Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift „Proceedings of the Royal Society of London“.

Das Wort „Dinosaurier“ verbinden die meisten Menschen mit der Vorstellung von riesigen Tieren mit massigen Körpern, langen Hälsen und Schwänzen und winzigen Köpfen. Diese Langhalssaurier (Sauropoden) sind somit für viele der „Urtyp“ eines Dinosauriers. Zu den Sauropoden gehören die größten bekannten landlebenden Tiere überhaupt, mit einer Körperlänge von bis zu 40m und einem Gewicht von 70 Tonnen oder mehr.

Diese Riesen tauchten jedoch nicht direkt zu Beginn der Ära der Dinosaurier vor ca. 230 Millionen Jahren auf. In den ersten fünfzig Millionen Jahren ihrer Evolutionsgeschichte waren die Sauropodomorpha – die Dinosauriergruppe, zu der die Sauropoden gehören – durch mehrere Entwicklungslinien vertreten. Obwohl einige von ihnen bereits Körpergrößen von etwa zehn Metern Länge und einigen Tonnen Gewicht erreichten, umfassten diese Gruppen auch kleinere und leicht gebaute Tiere, einige nicht größer als eine Ziege. Darüber hinaus hatten alle frühen Sauropodomorpha ziemlich schmale, wenig robuste Zähne:  Ein Hinweis darauf, dass sich diese pflanzenfressenden Tiere von einer eher weichen und üppigen Vegetation ernährten. Gegen Ende des frühen Jura, vor etwa 180 Millionen Jahren, verschwanden jedoch plötzlich alle diese Gruppen, und nur eine Linie überlebte und gedieh – die Sauropoden. Was diese Veränderung der Fauna während des frühen Jura verursachte, war den Paläontologen bis heute ein Rätsel.

Ein internationales Forscherteam veröffentlichte nun in der angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift „Proceedings of the Royal Society of London“ neue Erkenntnisse, was diese Veränderungen verursacht haben könnte. An der Studie ist auch der Münchner Dinosaurierexperte Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt. In der Provinz Chubut im argentinischen Patagonien entdeckten die Forscher nicht nur die fossilen Überreste einer der ältesten bekannten großen Sauropoden, Bagualia alba, sondern sie konnten ihren Fund auch sehr genau in seinen zeitlichen und ökologischen Kontext einordnen. Die Gesteinsschichten, aus denen der neue Sauropode stammt, konnten genau auf 179 Millionen Jahre datiert werden. In den umgebenden Gesteinen fanden sich Pflanzenfossilien aus der Zeit, in der und bevor Bagualia alba lebte – diese Funde geben wertvolle Hinweise auf das damalige Klima und Ökosystem.

Die Art und Verteilung der Pflanzenfossilien deuten darauf hin, dass es vor etwa 180 Millionen Jahren einen raschen Klimawandel gab: von einem gemäßigten warmen und feuchten Klima, in dem eine vielfältige, üppige Vegetation verbreitet war, zu einem stark jahreszeitlich geprägten, sehr heißen und trockenen Klima, das durch eine weniger vielfältige Flora gekennzeichnet ist. In den jüngeren Gesteinsschichten dominierten somit Pflanzen, die speziell an heiße Klimazonen angepasst sind, wie z.B. bestimmte Nadelbäume. Als Grund für diese Umweltveränderungen vermuten die Forscher einen globalen Treibhauseffekt. Vor 180 Millionen Jahren gab es zunehmend große Vulkanausbrüche, die große Mengen der Treibhausgase CO2 und Methan freigesetzt haben. Beweise für diese Vulkanausbrüche finden sich auf vielen südlichen Kontinenten, wie z.B. den Drakensbergen im südlichen Afrika.

Mit ihren schmalen, länglichen Zähnen waren die meisten Gruppen der Sauropodomorphen an die eher weiche Vegetation angepasst, die vor dem globalen Erwärmungsereignis die Erde bedeckte. Als diese Flora durch die viel zähere, an Trockenheit angepasste Vegetation ersetzt wurde, starben diese Tiere aus. Die Sauropoden waren die einzige Gruppe unter den Sauropodomorphen, die ein viel robusteres Gebiss hatten. Sie waren damit viel besser an die zähe Pflanzennahrung angepasst und wurden zur dominierenden Gruppe der pflanzenfressenden Dinosaurier zu dieser Zeit. Die Forscher vermuten, dass die Spezialisierung auf die zähe Nahrung auch einer der Gründe war, warum diese Tiere ihre gigantischen Ausmaße erreichten: Um mit dieser Nahrung fertig zu werden, wurden große Verdauungskammern benötigt.

Publikation:
Pol D, Ramezani J, Gomez K, Carballido JL, Carabajal AP, Rauhut OWM, Escapa IH, Cúneo NR. 2020 Extinction of herbivorous dinosaurs linked to Early Jurassic global warming event. Proc. R. Soc. B 20202310. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.2020.2310

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Rauhut
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel.: Tel.: 089 6645
E-Mail: rauhut@snsb.de

Evolution live: Neues für die Käfer-Bibliothek

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben in einer aktuellen Studie genetische Kennsequenzen von rund 600 Laufkäfern (Carabidae) analysiert. Die Studie ist Teil des im Juli 2020 gestarteten nationalen DNA-Barcoding-Projekts „German Barcode of Life III“ (GBOLIII: Dark Taxa) an der ZSM.

Ein Forschungsteam um Michael Raupach und Lars Hendrich von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) spürt mit Hilfe genetischer Kennsequenzen („DNA-Barcodes“) gezielt bisher schwer zu identifizierende Arten in unserer heimischen Fauna auf. In einer neuen Studie analysierten die Wissenschaftler mit Hilfe von z.T. 40 Jahre altem Sammlungsmaterial aus der ZSM DNA-Barcodes von über 600 Exemplaren der Laufkäfergattung Pterostichus (Grabkäfer) und einiger eng verwandter Arten. Die neu gewonnen Daten sind ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Erstellung einer umfassenden genetischen Referenz-Bibliothek für alle Laufkäfer Deutschlands und Mitteleuropas. Der stetige Aufbau von DNA-Barcode-Bibliotheken ist die Basis für die molekulare Biodiversitätsforschung und Artbestimmung.

Für insgesamt 86% der untersuchten Käfer gab es ein eindeutiges Ergebnis: Den Wissenschaftlern gelang es, die Exemplare dieser Gruppe 44 verschiedenen Arten zuzuordnen. Bei den restlichen Exemplaren war das nicht so einfach: Bei manchen Tieren waren die untersuchten DNA-Abschnitte so ähnlich, dass eine exakte Artabgrenzung nicht möglich war. Bei anderen Pterostichus-Arten offenbarte die Analyse wiederum sehr große genetische Unterschiede innerhalb derselben Art.

Den Käferexperten Lars Hendrich von der ZSM überrascht das Ergebnis nicht: „Die Methode des DNA-Barcoding zur molekularen Identifizierung von Grabkäfer-Arten ist hochwirksam. Was wir hier sehen, ist Evolution. Die schwankende genetische Variationsbreite zeigt uns, dass die Entstehung und Entwicklung von Arten ein laufender Prozess ist, der sich zu jeder Zeit und an jedem Ort kontinuierlich abspielt.“ Die Ergebnisse der Studie wurden vor Kurzem in der Fachzeitschrift ZooKeys veröffentlicht.

Die Gruppe der Laufkäfer (Carabidae) ist sehr artenreich und wird schon seit Jahrzehnten in vielen bodenkundlich ausgerichteten Biodiversitätsstudien untersucht. Weltweit sind über 40.000 Laufkäferarten bekannt, in Deutschland etwas weniger als 600. Für Ökologen sind Laufkäfer sehr wertvolle „Störungsmelder“ (Bioindikatoren). Viele Arten sind so optimal an ihre Lebensräume wie Wälder, Wiesen, Flussufer oder Moore angepasst, dass sie äußerst sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt reagieren. Die beschleunigte Bestimmung der Käfer und vor allem ihrer noch weniger bekannten Larven durch das DNA-Barcoding eröffnet auch für Artenschutz und Biodiversitätserfassung neue Möglichkeiten.

Die dritte Projektphase „GBOLIII: Dark Taxa“ des nationalen DNA-Barcoding-Projekts „German Barcode of Life“ (GBOL) an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Publikation:
Raupach, M.J., Hannig, K., Morinière, J. & L. Hendrich (2020b): A DNA barcode library for ground beetles of Germany: the genus Pterostichus Bonelli, 1810 and allied taxa (Insecta: Coleoptera: Carabidae).- ZooKeys 980: 93–117
https://doi.org/10.3897/zookeys.980.55979

Kontakt:
Dr. Lars Hendrich
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: Tel.: 089 8107 149
E-Mail: hendrich@snsb.de

www.zsm.mwn.de – Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
barcoding-zsm.de – DNA-Barcoding an der Zoologische Staatssammlung München

Wildbienenbestimmung im Netz: Münchner Insektenforscher starten Online-Galerie für Hautflügler

Zoologische Staatssammlung München

Wildbienen und andere Stechimmen sind hoch bedroht und wie viele andere Insekten stark vom Artenrückgang betroffen. Um diese Tiere schützen zu können, ist es wichtig, sie zuverlässig zu erkennen und weiteres Wissen über die Arten zu sammeln.  Mit einer neuen, weltweit einzigartigen Online-Bildergalerie von Bienen, Wespen, Ameisen und anderen Hautflüglern möchte die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) zur besseren Artenkenntnis auch in der breiten Bevölkerung beitragen. Die Web-Galerie soll engagierte Naturliebhaber, aber auch Forscher ansprechen, um ihnen diese Insektengruppe näherzubringen und eine Identifizierung von Arten zu ermöglichen.

Die Bildergalerie speziell für Bienen, Wespen und andere Hautflügler (https://snsb-zsm.pictures) basiert auf einem neuartigen Konzept, bei dem Insektenfotografen aus dem In- und Ausland qualitativ hochwertige Digitalfotos von lebenden Insekten einreichen. Diese werden von Experten der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) bestimmt und verifiziert und dienen künftig als Referenzfotos. Gleichzeitig stellen die Experten auch Bilder präparierter Exemplare aus ihren eigenen Sammlungen zur Verfügung. Ziel ist der Aufbau einer digitalen Referenzsammlung. Um die Daten auch für weitere Forschungen wie beispielsweise zum Artensterben oder Klimawandel nutzen zu können, sollen auch Funddaten miterfasst werden.

Die Website bietet damit zuverlässige Informationen zu den dargestellten Arten und erlaubt einen einzigartigen Einblick in das Leben der Bienen und Wespen anhand von Fotos. Die Galerie wächst ständig: Schon jetzt zeigt sie mehr als 3.000 Fotos von mehr als 800 Arten. In Deutschland leben insgesamt etwa 600 Bienen- und 500 andere Stechimmen-Arten. Weitere 10.000 Arten zählen zu den parasitoiden Wespen (z.B. Schlupf- und Erzwespen). Die Datenbank soll zunächst deutschlandweit, später weltweit ausgebaut werden.

Das Projekt ist eines von mehreren wissenschaftlichen Projekten mit Bürgerbeteiligung („Citizen Science“) an der Zoologischen Staatssammlung München. Die Bildergalerie ist zudem eine wichtige Ergänzung zu den Projekten zur Erstellung einer genetischen Bibliothek des Lebens anhand genetischer Kennsequenzen. Das sogenannte „DNA-Barcoding“ wird an der Zoologischen Staatssammlung München seit über 10 Jahren im Rahmen mehrerer Großprojekte betrieben, wie dem aktuellen Projekt „GBOL III: Dark Taxa“.

Kontakt:
Dr. Stefan Schmidt
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel. 089 – 8107 159
E-Mail: stefan.schmidt@snsb.de

Mehr Info:
www.zsm.mwn.de – Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
http://barcoding-zsm.de – DNA-Barcoding an der Zoologische Staatssammlung München

Kurzlebig und ganz schön bunt: Verschollenes Chamäleon nach mehr als 100 Jahren wiederentdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Die Bedrohung der globalen Biodiversität ist eine große Herausforderung für die Menschheit, aber über den konkreten Gefährdungszustand vieler Arten wissen wir bis heute nur sehr wenig. Eine Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) führte nun zur Wiederentdeckung des Voeltzkow-Chamäleons in Madagaskar, das seit mehr als 100 Jahren verschollen war. Die farbenprächtigen Reptilien leben wahrscheinlich nur wenige Monate lang während der Regenzeit. Die Studie ist heute in der Fachzeitschrift Salamandra erschienen.

Bei einer internationalen Expedition unter Leitung der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) ist es gelungen, das seltene Voeltzkow-Chamäleon (Furcifer voeltzkowi) in Nordwest-Madagaskar aufzuspüren – nachdem es über 100 Jahre verschollen war.

Genetische Untersuchungen ergaben, dass die Art am nächsten mit Labord’s Chamäleon (Furcifer labordi) verwandt ist, das als eines der Wirbeltiere mit der kürzesten individuellen Lebensdauer gilt und nur wenige Monate während der Regenzeit lebt. Nach dem Schlupf aus dem Ei wachsen die Tiere im Rekordtempo heran, paaren sich, kämpfen mit Artgenossen und legen ihre Eier ab, bevor sie erschöpft am Ende der Regenzeit sterben. Die Forscher vermuten, dass der Lebenszyklus beim Voeltzkow-Chamäleon ähnlich abläuft.

„Diese Tiere sind quasi die Eintagsfliegen unter den Wirbeltieren“ sagt Dr. Frank Glaw, Kurator für Reptilien und Amphibien an der ZSM, „daher muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um diese Chamäleons nachweisen zu können. Und das ist während der Regenzeit gar nicht so einfach, da viele Straßen dann nicht befahrbar sind. Dies ist vermutlich auch ein Grund dafür, warum das farbenfrohe Reptil so lange übersehen wurde.“

Auf ihrer Expedition entdeckten die Forscher auch die bisher noch völlig unbekannten Weibchen, die insbesondere bei Trächtigkeit, Begegnungen mit Männchen und anderem „Stress“ eine äußerst prächtige Färbung auflegen.

„Nach allem was wir wissen, ist das Voeltzkow-Chamäleon zum Glück nicht akut vom Aussterben bedroht“, sagt Dr. David Prötzel, ebenfalls Mitglied im Expeditionsteam, „da sein Verbreitungsgebiet vermutlich noch relativ groß ist“. Jedoch sind viele Trockenwälder bereits abgeholzt und der natürliche Lebensraum der Art wird immer kleiner.

Verschollene Arten gibt es nicht nur in Madagaskar, sondern überall auf der Welt. Um mehr über ihren Gefährdungszustand herauszufinden und sie vor dem Aussterben zu bewahren, hat die Naturschutzorganisation Global Wildlife Conservation im Jahr 2017 eine weltweite Initiative gestartet mit dem Ziel „25 most wanted lost species“ aufzuspüren. Mit dem Voeltz-kow-Chamäleon wurde nun die sechste Art im Rahmen dieses Programms wiederentdeckt.

Publikation:
Glaw, F., D. Prötzel, F. Eckhardt, N. A. Raharinoro, R. N. Ravelojaona, T. Glaw, K. Glaw, J. Forster & M. Vences (2020): Rediscovery, conservation status and genetic relationships of the Madagascan chameleon Furcifer voeltzkowi. – Salamandra 56 (4): 342-354
http://www.salamandra-journal.com/index.php/home/contents/2020-vol-56/1996-glaw-f-d-proetzel-f-eckhardt-n-a-raharinoro-r-n-ravelojaona-t-glaw-k-glaw-j-forster-m-vences

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 114
E-Mail: glaw@snsb.de

Videos:
https://youtu.be/Exen2NIb_bw (Video von Frank Glaw & David Prötzel)
https://youtu.be/OrNIF4CKjOk (Video von Timon Glaw, Endangerex Film, deutsch)
https://youtu.be/Cetd7lhT-bo (Video von Timon Glaw, Endangerex Film, englisch)

Botanische Fallensteller in Gefahr: ein Viertel aller fleischfressenden Pflanzen weltweit bedroht

Botanische Staatssammlung München

Ein internationales Forscherteam um SNSB-Botaniker Andreas Fleischmann hat den Rote-Liste-Naturschutzstatus und die Bedrohungen für alle bekannten 860 Arten von fleischfressenden Pflanzen im 21. Jahrhundert ermittelt. Diese Pflanzen reagieren besonders empfindlich auf menschengemachte Einflüsse wie Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung. Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Forscher nun in der Fachzeitschrift ‚Global Ecology and Conservation‘ veröffentlicht.

Um die weltweite Bedrohung von fleischfressenden Pflanzen in ihren Lebensräumen beurteilen zu können, hat ein internationales Forscherteam aus Australien, Brasilien und Deutschland alle bekannten 860 Arten von fleischfressenden Pflanzen nach den Rote-Liste-Kategorien der Internationalen Artenschutzkommission (IUCN) für bedrohte Arten klassifiziert. Im Rahmen der Arbeit wurden auch die Verbreitungsgebiete und Lebensräume der Pflanzen flächenmäßig erfasst, sowie Bedrohungen und Aussterberisiken für jede Art ermittelt.

„Durch unsere Arbeit konnten wir 100% aller weltweit bekannten fleischfressenden Pflanzen zu-sammen mit ihrem Rote-Liste-Naturschutzstatus erfassen“, so Seniorautor der Studie, Dr. Andreas Fleischmann, Botaniker an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) sowie dem GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Experte für diese Pflanzengruppe. „Diese Quote ist besonders erfreulich, da wir den Gefährdungsstatus bei den weltweit bekannten ca. 300.000 Blütenpflanzen nur von etwa 10% kennen.“

„Unsere Studie hat gezeigt, dass etwa 25% aller bekannten fleischfressenden Pflanzen heute ein erhöhtes Aussterberisiko haben“, so Dr. Adam Cross von der Curtin Universität in Westaustralien und Erstautor der Studie. „Nach Ländern geordnet finden sich heute die meisten vom Aussterben bedrohten fleischfressenden Pflanzen in Brasilien, gefolgt von Indonesien, den Philippinen, Kuba, Thailand und Australien. Diese Länder tragen eine besondere Verantwortung für den Erhalt der globalen Artenvielfalt von fleischfressenden Pflanzen. Hier handelt es sich vor allem um Arten, die meist nur in einem kleinen Gebiet in diesen jeweiligen Ländern vorkommen“, so Cross weiter.

Fleischfressende Pflanzen können mit ihren umgewandelten Blättern Insekten und andere Klein-tiere anlocken, fangen und verdauen. Die so gewonnenen Nährstoffe verwenden sie für ihr Wachstum. Da fleischfressende Pflanzen natürlicherweise auf sehr nährstoffarmen Böden wachsen, dient ihnen die fleischliche Beikost als Zusatznahrung. Sie sind für ihr Überleben auf solche nährstoffarmen, sauberen und zumeist nassen Standorte angewiesen. Typische Lebensräume sind Moore, sauberen Quellbäche, nährstoffarme Gewässer, tropische Regenwälder oder auch nasse Felsen. Diese Spezialisierung ist für diese Pflanzen allerdings durch menschenge-machte Einflüsse wie Klimawandel, Lebensraumzerstörung und Umweltverschmutzung zum Problem geworden.

Global gesehen stellen Flächenverbrauch durch intensive landwirtschaftliche Nutzung und Bauvorhaben die größte Bedrohung dar. Langfristig gesehen, vermuten die Forscher, werden Um-weltveränderungen durch den Klimawandel zum Aussterben vieler fleischfressender Pflanzenarten führen. Ausgeprägte Hitze- und Dürreperioden machen diesen Pflanzen, die auf feuchte Böden und regelmäßige Wasserversorgung angewiesen sind, zu schaffen. Aber auch Umweltverschmutzung und der erhöhte Nährstoffeintrag in die nährstoffarmen Lebensräume der fleischfressenden Pflanzen, und die damit verbundene Überdüngung (Eutrophierung) ist ein kritischer Faktor.

„Fleischfressende Pflanzen können nur auf nährstoffarmen Böden wachsen. Werden diese gedüngt, zum Beispiel mit Stickstoff, sterben diese Nährstoffspezialisten dort aus. Ein Problem ist die flächenweite Überdüngung der Landschaft mit Stickstoff aus der Luft, wie er aus Stäuben von Industrie, Verkehr und Landwirtschaft stammt. Es gibt Orte in Deutschland, in denen regnet jedes Jahr fast 10 Kilogramm Stickstoff pro Hektar auf den Boden – auch in abgelegenen Moor-standorten. Noch in den 1920er Jahren galt diese Menge an Stickstoff als jährliche Volldüngung für landwirtschaftliche Intensivflächen. Heute bekommen auch abgelegene Lebensräume diese Menge flächig ab. Dies wird vor allem für sensitive Spezialisten zum Problem“, so Andreas Fleischmann. “Unsere Studie bildet eine wichtige Grundlage, um die Vielfalt dieser Pflanzengruppe erhalten und schützen zu können.“

Publikation:
Cross, A.T., Krueger, T.A., Gonella, P.M., Robinson, A.S. & Fleischmann, A. (2020). Conservation of carnivorous plants in the age of extinction. Global Ecology and Conservation: e01272. https://doi.org/10.1016/j.gecco.2020.e01272

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel: 089 17861 240
E-Mail: fleischmann@snsb.de

Nach 65 Jahren kommen die Ziervasen zurück auf das Dach des Botanischen Instituts

Botanischer Garten München Nymphenburg

Vom 9. bis 11. September werden mit einem Mobilkran acht große Dachziervasen auf den nördlichen und südlichen Balustraden des Hauptgebäudes des Botanischen Gartens installiert. Es handelt sich dabei um die historisch rekonstruierten Ziervasen, die bis 1956 dort standen.

Der Botanische Garten München-Nymphenburg mit seinem Hauptgebäude gehört zu den bedeutendsten Werken des Jugendstils in München. Im Mai 1914 eröffnet, sind Gebäude und Garten ein Werk des Architekten Ludwig Ullmann (1872–1943) und des Garteningenieurs Peter Holfelder (1878 –1936). Bis heute präsentieren sich Garten und Institut als großartige Einheit. Genutzt wird das Gebäude seit 1914 für Lehre und Forschung von internationaler Strahlkraft.

Frau Prof. Dr. Renner, Direktorin des Botanischen Gartens und des Botanischen Instituts, engagierte sich für die Rekonstruktion der Vasen und fand Stiftungen und Privatpersonen, die die Realisierung des Projektes ermöglichen.

Zur ursprünglichen Architektur des Gebäudes gehörten acht je 1,80m hohe Dachziervasen, vier auf der Südseite zum Schmuckhof des Gartens hin und vier auf der Nordseite zur Menzinger Straße hin. Die Vasen wurden speziell für das Gebäude geschaffen und greifen dem Jugendstil entsprechend Blumenmotive auf. 1956 wurden sie wegen Materialschäden entfernt. Durch eine Bürgerinitiative und die Mooseder Stiftung, die treuhänderische Baudenkmal-Stiftung München der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und andere Unterstützer wurden die nötigen Gelder eingeworben, um die Vasen zu erneuern. Bei der Erforschung der Baugeschichte wurde auch bisher unbekannte Jugendstil-Wandbemalung im Foyer freigelegt.

Damit wird dem Botanischen Garten, einem Kleinod Münchens, ein stilprägendes Gestaltungselement zurückgegeben. Dies wurde möglich durch den Einsatz von interessierten Bürgern, unterstützt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Trotz schwieriger Zeiten ein großartiger Erfolg zur Stärkung der Symbiose von Ästhetik und Zweckbestimmung, von Wissenschaft und Natur, die der Botanische Garten darstellt.

Ansprechpartnerin:
Prof. Susanne Renner
E-Mail: renner@lmu.de
Tel. 089 – 1786 1250

Neu sortiert – Weichtiere der Meere Europas im Überblick

Zoologische Staatssammlung München

Muscheln, Schnecken und andere Mollusken begeistern viele Strandurlauber, Hobbysammler und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen. Weichtier-Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) veröffentlichten kürzlich eine neue Übersicht der Meeresmollusken Europas. Diese basiert auf einer durch die Autoren neu mitentwickelten Systematik. Daneben gibt das Werk aktuelle Informationen zum Vorkommen, Lebensraum und zu ähnlichen Arten samt ihren Verwandtschaftsbeziehungen.

Was sind Mollusken überhaupt? Welche Rolle spielen sie für den Menschen, für Nahrungsnetze und Ökosysteme? Was hat es mit der oft wunderschönen Schale auf sich? Wo findet man sie und wie erkennt und bestimmt man die Arten? Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) stellen nun in einem kürzlich erschienenen Buch über 1400 Arten von Weichtieren aus den Meeren Europas samt ihren Variationen, Verbreitungen und Ökologie vor. Darin präsentieren die Forscher die verschiedenen Untergruppen der Muscheln und Schnecken nach neuestem Erkenntnisstand ihrer Verwandtschaftsbeziehungen. Die Münchner Mollusken-Experten haben diese neue Weichtier-Systematik im Rahmen ihrer Forschungen in weiten Teilen mitentwickelt.

„Unsere Zusammenstellung der europäischen Meeresmollusken ist durch ihren taxonomischen Umfang und ihre fachliche Tiefe nicht nur für Molluskenliebhaber interessant. Sie ist auch als neues Standardwerk für die durch uns grundlegend überarbeitete Systematik der Mollusken zu verstehen“, so Prof. Gerhard Haszprunar, Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns und Direktor der Zoologischen Staatssammlung München.

Die Autoren zeigen die meisten der an der Küste häufigen Arten, und geben einen Überblick über die Vielzahl der Gruppen von Muscheln, Schnecken und anderen Weichtieren. Also die kleinen, versteckt oder im tieferen Wasser lebenden Tiere, die man bei entsprechender Suche finden könnte – noch, denn die Bestände gehen vielfach zurück. Hauptgrund ist das Verschwinden artenreicher Lebensräume (z.B. Seegraswiesen, Kalkalgenriffe oder Maerlgründe) und die Umweltbelastung etwa durch nährstoffreiche oder gar giftige Abwässer. „Um bedrohte Tierarten zu schützen, muss man sie wertschätzen – und dazu sollte man sie zunächst erkennen. Erst die genaue Kenntnis unserer Lebewelt kann helfen, die bedrohte Natur europäischer Küsten zu erhalten“, so Prof. Michael Schrödl, Kurator für Weichtiere an der Zoologischen Staatssammlung München.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Schrödl
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 142
E-Mail: schroedl@snsb.de

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 104
E-Mail: haszprunar@snsb.de

Publikation:
Alf, A., Brenzinger, B., Haszprunar, G., Schrödl, M. & Schwabe, E. A Guide to Marine Molluscs of Europe. Conchbooks, Hackenheim. 803pp.
https://www.conchbooks.de/?t=53&u=47232

Dem Vergessen entrissen – 57 Jura-Muschelarten in fränkischer Tongrube entdeckt

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Paläontologen der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) in München und der Universität Erlangen untersuchten 7.000 Muschelfossilien aus einer Tongrube in Buttenheim, Franken. Allein aus dieser Fundstelle konnten die Forscher 57 verschiedene Muschelarten aus der Unteren Jura-Zeit (185 Mio. Jahre) bestimmen. Bei zwei dieser Muschelarten handelt es sich sogar um bisher unbekannte, neue Arten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der angesehenen Fachzeitschrift Palaeontographica.

Die Schwäbisch-Fränkische Alb besteht aus Gesteinen der Jurazeit (ca. 200-145 Mio. Jahre), die durch ihren Reichtum an Fossilien weltberühmt geworden sind. Im Abbau befindliche Tongruben und Steinbrüche sind dort für Paläontologen die wichtigsten Lieferanten von Fossilien. Sie sammeln dort regelmäßig, um diese Schätze zu bergen, bevor sie zu Schotter, Zement, oder – wie in der Tongrube Buttenheim in Oberfranken – zu Blähtonkügelchen verarbeitet werden. Ein Paläontologen-Team um Prof. Alexander Nützel, Kurator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) hat nun die etwa 185 Millionen Jahre (Unterer Jura) alte, artenreiche Muschelfauna aus der Tongrube Buttenheim analysiert. Ihre detaillierte Beschreibung der Fossilien veröffentlichten die Forscher nun in der Fachzeitschrift Palaeontographica. Mit 57 Arten von Meeresmuscheln aus einer einzigen Fundstelle gehört diese Fauna zu den artenreichsten, die aus der Zeit des Unteren Jura weltweit bekannt sind. Die Wissenschaftler untersuchten rund 7.000 Muschelexemplare, die hauptsächlich von einem Hobbysammler über viele Jahre hinweg zusammengetragen wurden und nun an der SNSB-BSPG ein Zuhause fanden. Die Firma Liapor betreibt die Tongrube bei Buttenheim und ermöglicht durch Sammelgenehmigungen die optimale Zusammenarbeit von Bürgern, Wirtschaft und Wissenschaftlern.

Muscheln aus dem Fränkischen Jura sind an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie seit langem gut untersucht. So beherbergt die BSPG die historische Sammlung fränkischer Jura-Fossilien des Grafen zu Münster aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Trotz der umfangreichen Kenntnis der fränkischen Jura-Muscheln an der BSPG entdeckte der Erstautor der Studie, Baran Karapunar, im Rahmen seiner Master-Arbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München überraschend Neues: Unter den Muschelfossilien aus der Buttenheimer Tongrube konnten zwei neue Gattungen (Paracuspidaria, Eothyasira) und zwei neue Arten (Rollieria franconica sp. nov., Nicaniella schoberti sp. nov.) identifiziert werden. Außerdem ließen sich aufgrund der hervorragenden Erhaltung der Fossilien nun einige Arten viel detaillierter beschreiben sowie stammesgeschichtlich und ökologisch exakter einordnen. Zusammen mit weiteren Fossilien aus der Tongrube Buttenheim, wie etwa Schnecken und Seelilien, zeichnet sich nun ein immer lebendigeres Bild der Lebensverhältnisse im fränkischen Jurameer vor 185 Millionen Jahren ab. Die Muscheln lebten in und auf dem schlammigen Meeresboden. Sie filterten Nahrung aus dem Meerwasser oder pipettierten die nahrungsreiche Oberfläche des Meeresbodens ab. Einige lebten auch in Symbiose mit Bakterien, um sauerstoffarme Phasen im Meeresboden zu überstehen. Eine Art wurde regelmäßig von einem noch unbekannten Räuber angebohrt, was zu jener Zeit noch eine Seltenheit darstellte.

Kontakt
Prof. Dr. Alexander Nützel
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10, 80333 München
Tel.: 089 2180 6611
E-Mail: nuetzel@snsb.de

Publikation
Karapunar, B., Werner, W., Fürsich, F. T. & Nützel, A. (2020): Taxonomy and palaeoecology of the Early Jurassic (Pliensbachian) bivalves from Buttenheim, Franconia (Southern Germany). Palaeontographica Abteilung A 318: 1–127. DOI: 10.1127/pala/2020/0098

Münchner Botaniker entdeckt neue fleischfressende Pflanzenart aus Madagaskar

Botanische Staatssammlung München

Ein internationales Team von Botanikern aus Madagaskar, Brasilien, Frankreich und der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) hat eine neue fleischfressende Pflanze aus der Gattung Drosera (Sonnentau) entdeckt und beschrieben. Die neue Art Drosera arachnoides kommt nur auf Madagaskar vor. Eine genaue Beschreibung der neuen Pflanzenart veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der wissenschaftlichen Zeitschrift Plant Ecology and Evolution.

Die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist einzigartig und ein wahrer Hotspot der Artenvielfalt. Forscher entdecken dort immer wieder neue Tier- und Pflanzenarten – so auch der Botaniker Dr. Andreas Fleischmann, Kurator an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM). Gemeinsam mit madagassischen Botanikern des Missouri Botanical Garden, die die Pflanze in einem entlegenen Gebiet im Osten Madagaskars in den Jahren 2010 und 2016 gesammelt haben, hat der Münchner Drosera-Experte die detaillierte wissenschaftliche Beschreibung der neuentdeckten Art nun in der botanischen Fachzeitschrift Plant Ecology and Evolution veröffentlicht. Fleischmann stieß auf Herbarscans, die auf den Seiten des Herbariums des Missouri Botanical Garden, USA online gestellt wurden, sowie auf Fotos der Herbarbelege in der Sammlung des Naturhistorischen Museums Paris. Die genaue persönliche Untersuchung der gesammelten Herbarbelege brachte dann eindeutig Klarheit. Er stellte fest, dass es sich um eine neue madagassische Sonnentau-Art handelt. Das „spinnenartige“ Aussehen der Pflanze, mit länglichen, dünnen, behaarten Blättern führte zum wissenschaftlichen Namen der neuen Art: Drosera arachnoides – der „spinnenartige Sonnentau“. Die Pflanze ist nur ca. 2,5 – 6cm groß und wächst in Madagaskar an feuchten Felsen eines Wasserfalls im tropischen Tieflandregenwald in der Provinz Toamasina im Osten der Insel. Bei Drosera arachnoides handelt es sich um einen sogenannten Endemiten – die Pflanze kommt nur auf Madagaskar vor. Bisher kannte man fünf Sonnentau-Arten von dort. „Es handelt sich um die erste neubeschriebene fleischfressende Pflanze von der Insel seit über 40 Jahren“, erklärt Andreas Fleischmann. Leider ist auch diese, wie so viele Pflanzen und Tiere Madagaskars, durch Lebensraumzerstörung bedroht und wurde daher in der Liste der Internationalen Naturschutzkommission (IUCN) bereits als gefährdet eingestuft.

Die Gattung Drosera, Sonnentau, stellt weltweit die größte Gruppe von fleischfressenden Pflanzen dar und umfasst etwas mehr als 250 Arten. Die meisten davon kommen auf der Südhalbkugel vor, insbesondere in Australien, Südafrika und Brasilien. Sonnentau-Pflanzen haben Blätter, die dicht mit karnivoren Drüsen, sogenannten Tentakeln, besetzt sind, die klebrige Schleimtröpfchen ausscheiden. Diese glitzernden Tröpfchen auf den meist leuchtend roten Tentakeln sind wirkungsvolle, attraktive und doch tödliche Lockfallen für kleine Tiere, insbesondere fliegende Insekten. Bei vielen Sonnentau-Arten sind die Tentakel und sogar die Blätter zu Bewegungen fähig, und krümmen sich um die gefangene Beute, die dadurch mit immer mehr des klebrigen Schleims in Berührung kommt, und schließlich erstickt. Die Beute wird anschließend von Enzymen verdaut, die die Pflanze produziert. Die Nährstoffe, die die Pflanzen von dieser tierischen Mahlzeit erhalten, kompensieren die Nährstoffarmut der Böden, auf denen die allermeisten fleischfressenden Pflanzen vorkommen.

„Bei dem kleinen neuen Sonnentau Drosera arachnoides handelt es sich zwar nicht um den sagenumwobenen „Menschenfressenden Baum Ya-te-veo“ den es laut Mythen aus dem 19. Jahrhundert im Landesinneren von Madagaskar geben soll, und dem die Ureinwohner dort Menschenopfer dargebracht haben sollen. Unsere neue Sonnentau-Art ist 100 Mal kleiner als die erfundene Pflanze dieser Geschichten. Aber für Insekten stellt sie durchaus eine tödliche Falle dar“, so Andreas Fleischmann.

Publikation:
Fleischmann, A., Rakotoarivelo, N.H., Roccia, A., Gonella, P.M., Andriamiarisoa, L.R., Razanatsima, A. & Rakotoarivony, F. (2020). A new and endemic species of Drosera (Droseraceae) from Madagascar. Plant Ecology and Evolution 153(2): 283-291.
https://doi.org/10.5091/plecevo.2020.1705

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 178 61 240
fleischmann@snsb.de

Neues DNA-Barcoding Projekt „GBOL III: Dark Taxa” illuminiert die dunklen Winkel mitteleuropäischer Biodiversität

Zoologische Staatssammlung München

Das nationale DNA-Barcoding-Projekt „German Barcode of Life“ (GBOL) an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) geht nun in seine dritte Laufzeit (GBOL III: Dark Taxa). Am 1. Juli 2020 hat „GBOL III: Dark Taxa“ begonnen. Die ZSM kooperiert hierbei mit Forschungsmuseen aus Bonn und Stuttgart, sowie der Universität Würzburg und der Entomologischen Gesellschaft Krefeld. Mithilfe von genetischen Kennsequenzen (DNA-Barcodes) sollen nun gezielt bisher unbekannte Arten, sogenannte “Dark Taxa”, in unserer heimischen Fauna aufgespürt werden. Gefördert wird das dreijährige Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als 5,3 Millionen Euro.

Wissenschaftler nehmen an, dass in Tiergruppen wie Insekten und Spinnentieren selbst in der heimischen Fauna noch Tausende unbekannter Arten zu entdecken sind. Besonders viele unbekannte Arten werden in der Gruppe der Zweiflügler (Fliegen und Mücken) und Hautflügler (z.B. Bienen, Wespen, Ameisen und parasitoide Wespen) vermutet. Zwei- und Hautflügler stellen mit jeweils etwa 10.000 bekannten Arten nahezu zwei Drittel der in Deutschland bekannten Insektenarten. Damit wird deutlich, welche Bedeutung allein diese beiden Insektenordnungen für die heimische Artenvielfalt haben.

“Im Gegensatz zu den Tropen gilt die mitteleuropäische Fauna eigentlich als sehr gut erforscht. Trotzdem sind viele Zwei- und Hautflügler bisher wenig erfasst. Artenkenner haben sich vor allem auf weniger artenreiche und leichter zu studierende Insekten konzentriert. Die artenreichen, taxonomisch oft schwierigen Insektengruppen wurden bisher weitgehend außer Acht gelassen”, so Dr. Stefan Schmidt, Koordinator der DNA-Barcoding-Projekte an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM).

Im Rahmen von „GBOL III: Dark Taxa“ wollen die Forscher nun hauptsächlich diese Tiergruppen untersuchen. 12 Doktoranden werden über drei Jahre an der Zoologischen Staatssammlung München, dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn sowie dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart daran arbeiten, bisher wenig oder sogar unbekannte Arten der deutschen Fauna genetisch zu erfassen und für wissenschaftliche Zwecke verfügbar zu machen. Weitere Projektpartner sind die Universität Würzburg sowie die Entomologische Gesellschaft Krefeld. Im Projekt „GBOL III: Dark Taxa“ sollen umfangreiche Methoden entwickelt werden, um die Erfassung und Identifizierung bisher unbekannter Arten in der deutschen Fauna drastisch zu beschleunigen und auch ältere Proben aus wissenschaftlichen Sammlungen für Vergleichsstudien zu nutzen. Dadurch wird eine wichtige wissenschaftliche Grundlage geschaffen, um den Rückgang der Insekten in Deutschland besser zu verstehen.

Kontakt:
Dr. Stefan Schmidt
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel. 089  8107 159
E-Mail: stefan.schmidt@snsb.de

Dr. Axel Hausmann
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 158
E-Mail: hausmann.a@snsb.de

Ein früher Gigant aus der Schweiz

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Auf dem Gebiet der heutigen Schweiz lebten schon vor rund 225 Mio. Jahren Vorfahren der weithin bekannten Langhalssaurier (Sauropoden). Ein Paläontologen-Team um SNSB-Forscher Oliver Rauhut konnte einen neuen Urahn der Langhalssaurier aus der Nähe von Schaffhausen identifizieren und gab ihm den Namen Schleitheimia schutzi. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler nun in der Fachzeitschrift Swiss Journal of Geoscience.

Bei dem Wort „Dinosaurier“ denken die meisten Menschen vermutlich sofort an Tiere mit riesigen Körpern, langen Schwänzen und Hälsen und einem winzigen Kopf. Diese Langhalssaurier (wissenschaftlicher Name: Sauropoda) sind somit für die meisten von uns der „Urtyp“ eines Dinosauriers, obwohl sie nur eine von vielen Gruppen der Dinosaurier sind. Zu den Langhalssauriern gehören mit bis zu 40m langen Skeletten die größten Landwirbeltiere aller Zeiten.

Solche Giganten wie Brontosaurus, Diplodocus oder auch Brachiosaurus sind uns aus Büchern, Filmen oder auch von einem Museumsbesuch vertraut, stellen aber bereits hoch entwickelte Vertreter der Sauropoden dar. Die Frage, wie sich aus den eher kleinen Ur-Dinosauriern solche Riesen entwickeln konnten und wann und wie die Evolution dieser Gruppe ablief, ist immer noch Thema intensiver Forschung. Hierbei sind natürlich Funde von frühen Vertretern der Sauropoden von besonderer Bedeutung.

Die frühesten Vertreter der Großgruppe der Sauropodomorpha, zu denen die Sauropoden gehören, tauchen in der Zeit der oberen Trias (vor ca. 225 Millionen Jahren) im Fossilbericht auf und verbreiteten sich offenbar rasch. Zu dieser Gruppe gehört unter anderem die Gattung Plateosaurus, die aus zahlreichen Fundstellen Mitteleuropas bekannt ist und in Deutschland auch unter dem Namen „schwäbischer oder fränkischer Lindwurm“ bekannt ist. Die ersten echten Sauropoden kennt man erst aus der Zeit des späten unteren Jura (vor ca. 190 Millionen Jahren), bis dahin waren offenbar Tiere wie Plateosaurus die typischen großen Pflanzenfresser unter den Dinosauriern.

Die Gattung Plateosaurus ist auch aus der oberen Trias der Schweiz bekannt. Bei der Untersuchung einiger unvollständiger Reste aus dem Kanton Schaffhausen in der Sammlung der Universität Zürich, die ursprünglich als Plateosaurus identifiziert worden waren, erlebte der Münchener Paläontologe Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie und der Ludwig-Maximilians-Universität jedoch eine Überraschung: Diese Reste stammten nicht von Plateosaurus, sondern repräsentieren eine bisher unbekannte Art der Sauropodomorphen, die den Sauropoden evolutiv bereits sehr nahe steht. Diese Art wurde nun von Rauhut und seiner Kollegin Femke Holwerda vom Royal Tyrrell Museum in Drumheller (Kanada) sowie Heinz Furrer von der Universität Zürich in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Swiss Journal of Geosciences“ unter dem Namen Schleitheimia schutzi beschrieben. Der Name leitet sich dabei von der kleinen Ortschaft Schleitheim, in deren Nähe die Reste bereits 1954 gefunden wurden, sowie dem Namen des Finders, dem Privatsammler Emil Schutz (1916–1974) aus Neunkirch bei Schaffhausen, ab.

Obwohl Schleitheimia dem bekannten Plateosaurus vermutlich noch recht ähnlich sah, ist dieses Tier mit geschätzten 9–10m Körperlänge bereits deutlich größer als letzterer, auch wenn es bei weitem noch nicht die Maße seiner späteren Verwandten erreichte. Auch war die neue Art offenbar sehr robust gebaut und bewegte sich, wie seine gigantischen Nachfahren, vermutlich auf allen Vieren fort, während Plateosaurus meist auf den Hinterbeinen ging. Die Analyse der Verwandtschaftsverhältnisse der neuen Gattung, die die Forscher durchführten, zeigt, dass Schleitheimia offenbar der nächste bekannte Verwandte der echten Sauropoden ist, was darauf hinweist, dass auch jene Gruppe ihren Ursprung bereits in der oberen Trias gehabt haben muss.

Eine neue Ausgrabung in der direkten Nähe der ursprünglichen Fundstelle, die 2016 unter der Leitung von Heinz Furrer stattfand, brachte weitere Reste von Sauropodomorphen zu Tage, die unter anderem zeigten, dass auch Plateosaurus hier vorkam. Zudem deuten weitere alte Funde von Emil Schutz aus einer benachbarten Fundstelle auch noch das Vorhandensein einer dritten, bisher noch nicht bestimmbaren Art früher Sauropodomorphen an. Aus den fossilen Knochen, den ermittelten Verwandtschaftsverhältnissen und dem bisher bekannten Fossilbericht der Sauropodomorphen schlossen Rauhut und seine Kollegen, dass die frühen Sauropoden offenbar über mehr als 20 Millionen Jahren neben ihren primitiveren Verwandten gelebt haben. Erst nach deren Aussterben gegen Ende des unteren Jura begann ihre Erfolgsgeschichte, die sie zu den größten und in vielen Ökosystemen wichtigsten Pflanzenfressern des Erdmittelalters machen sollte. „Wie man sieht, muss man nicht immer in exotische fremde Länder reisen, um neue Dinosaurier zu entdecken und neue Erkenntnisse zu ihrer Evolution zu gewinnen – manchmal reicht auch ein Besuch im benachbarten Museum oder eine Grabung vor der Haustür“, freut sich der Münchener Forscher mit einem Augenzwinkern.

Publikation:
Rauhut OWM, Holwerda F, Furrer H (2020) A derived sauropodiform dinosaur and other sauropodomorph material from the LateTriassic of Canton Schaffhausen, Switzerland. Swiss Journal of Geoscience

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver W.M. Rauhut
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6645
E-Mail: rauhut@snsb.de

DFG fördert Biodiversitäts-Konsortium: Münchner SNSB IT-Zentrum ist Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI)

SNSB IT-Zentrum

In der neuen Nationalen Forschungsdateninfrastruktur für Biodiversität (NFDI4BioDiversity) sind die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) mit ihrem SNSB IT-Zentrum eine von 13 gleichberechtigten Partnerinstitutionen. NFDI4BioDiversity ist eines von insgesamt neun NFDI-Konsortien, die auf Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden. Diesen Beschluss hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz vergangene Woche bekannt gegeben. Das Konsortium NFDI4BioDiversity wird federführend am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen koordiniert. Das SNSB IT-Zentrum leitet die Aufgabenbereiche Langzeitmanagement und -archivierung von Forschungs- und Sammlungsdaten, Werkzeugen und Diensten sowie Zertifizierung von Datenzentren.

Wissenschaft basiert auf Daten. Diese Forschungsdatensätze werden immer umfangreicher und komplexer. Weil sich Methoden und Herangehensweisen mit der Zeit ändern und weiterentwickelt werden, können neue Analysen auch neue Erkenntnisse aus alten Datensätzen fördern. Grundlage dafür ist allerdings, dass qualitätskontrollierte Daten gut aufbewahrt und kuratiert werden sowie nach Bedarf auch schnell gefunden werden. Mit wachsenden Datensätzen muss also auch die Dateninfrastruktur weiterentwickelt werden.

„Unsere Rolle in NFDI4BioDiversity ist für Datenerzeuger und Datenzentren unterschiedlicher Schwerpunkte von großer Bedeutung. Wir wollen bestehende deutsche Infrastrukturen und Da-tenpipelines unterstützen und ausbauen, um eine langfristige Bewahrung, Archivierung und Ver-öffentlichung von Daten zu gewährleisten“, so Dr. Dagmar Triebel, Leiterin des IT-Zentrums an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB). „Ziel ist eine Professionalisierung von fachspezifischen Datenrepositorien um u.a.  durch deren Zertifizierung nach internationalen Standards zur nachhaltigen Qualitätssicherung von Datensammlungen und technischen Diensten am Forschungsstandort Deutschland beizutragen.“

2016 hat der Rat für Informationsinfrastrukturen empfohlen, eine Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) einzurichten – als Basis des Forschungsdatenmanagements in Deutschland. Ziel ist es, ein dynamisches, wachsendes Kooperationsnetzwerk zu schaffen, das aus verschiedenen spezialisierten Knotenpunkten, den einzelnen Konsortien, besteht. Jedes einzelne thematische Konsortium kümmert sich darum, dass die Daten konsistent und kompatibel aufbewahrt werden. Dabei gelten die Prinzipien des „FAIR Data“. In diesem Zusammenhang steht FAIR für „Findable, Accessible, Interoperable and Re-usable”, also auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar. Dies sei besonders wichtig, betont der Koordinator des Konsortiums NFDI4BioDiversity Prof. Frank Oliver Glöckner vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, da die meisten Forschungsdaten aus öffentlich finanzierter Forschung erhoben würden. Dass sie dann auch von allen genutzt werden könnten, sei daher selbstverständlich.

Im NFDI4BioDiversity-Konsortium kooperieren Partnereinrichtungen aus den Bereichen Biodiversität, Ökologie und Umweltdaten. Hinter Biodiversität verbirgt sich allerdings mehr als „nur“ die Vielfalt der Arten. Biodiversität umfasst hier auch die genetische Vielfalt, die funktionelle Vielfalt, die Interaktionen und die Vielfalt ganzer Ökosysteme. „Wir beobachten im Globalen wie im Regionalen langfristige Änderungen der Umwelt und der Artenvielfalt. Daher ist der Zugang zu umfangreichen, qualitätsgesicherten Datensammlungen aus der Grundlagenforschung, von Bürgerwissenschaftlern in biologischen Fachgesellschaften, aus dem amtlichen Naturschutz wie auch aus naturhistorischen Sammlungen gleichermaßen entscheidend für die jetzt anstehenden Entscheidungen in Politik und Gesellschaft“, sagt Dr. Dagmar Triebel.

Die DFG fördert bereits seit 2013 das Projekt GFBio (German Federation for Biological Data). GFBio umfasst technische, organisatorische, finanzielle und wissenschaftliche Aspekte, um das Bewusstsein für das Forschungsdatenmanagement in der Biodiversitätsforschung und den Umweltwissenschaften zu schärfen. Auf diesen Erfahrungen baut die NFDI4BioDiversity ebenso auf wie auf der Gemeinschaft der Nutzerinnen und Nutzer. GFBio umfasst bereits Datenzentren für Nukleotid- und Umweltdaten sowie die sieben etablierten Datenzentren der größten naturwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen Deutschlands, zu denen auch die SNSB mit ihrem IT-Zentrum gehören, Museen und die weltweit vielfältigste mikrobiologische Ressourcensammlung. Das Netzwerk wird nun um das Netz der Botanischen Gärten und die größten Sammlungen von Nutzpflanzen und deren wilden Verwandten erweitert.

Das Konsortium NFDI4BioDiversity wird ab Herbst 2020 mit bis zu 25 Millionen Euro für zunächst fünf Jahre gefördert. Beteiligt sind 49 universitäre und außeruniversitäre Partnereinrichtungen in ganz Deutschland.

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
SNSB IT Zentrum und Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Straße 67
80638 München
Tel.: 089-17861-252
Email: triebel@snsb.de

Mehr Informationen:
SNSB IT-Zentrum: www.snsb.info
Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) – Konsortium für Biodiversität: www.nfdi4biodiversity.org
Pressemitteilung der Gemeinsame Wissenschaftskonferenz

Wie weit fliegen Wildbienen auf Nahrungssuche? Ergebnisse von Markierungsexperimenten im Botanischen Garten München

Botanische Staatssammlung München

Wie weit fliegen Bienen auf ihrer Futtersuche? Vor allem dann, wenn sie bereits ein Nest mit Proviant versorgen müssen, also an einen festen Ort gebunden sind, zu dem sie immer wieder zurückkehren? Dieser Frage gingen Botanikerinnen und Botaniker der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) und der LMU München nach, indem sie über 2600 Wildbienen im Botanischen Garten München-Nymphenburg markierten. Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Forscherteam nun in der wissenschaftlichen Zeitschrift Journal of Hymenoptera Research.

Von Honigbienen weiß man durch Markierung, unter anderem mit Hilfe von Funksendern, wie weit die Arbeiterinnen vom Stock ausfliegen, um Nektar und Pollen zu sammeln. Allerdings sind die Ergebnisse der staatenbildenden Honigbienen, die dazu durchaus mehrere Kilometer weit fliegen können, nicht auf die solitären Wildbienen übertragbar. Eine ausfliegende Honigbienen-Arbeiterin muss sich wenig „Gedanken“ darüber machen, wie lange sie vom Stock fernbleibt, um Nahrung heranzuschaffen, denn im Stock verbleiben immer tausende ihrer Geschwister, die das Nest und den Nachwuchs bewachen und versorgen. Die allermeisten der ca. 580 heimischen Wildbienen hingegen sind Solitärbienen, das heißt ein einzelnes Weibchen versorgt ganz alleine ihren Nachwuchs: vom Nestbau zur Futtersuche, Pollensammeln, Verproviantierung und Eierlegen – bei den meisten Wildbienenarten ist dies ein „One-Women-Business“. Hier muss die Wildbiene streng abwägen: je länger sie ihr Nest unbewacht lassen muss, desto größer die Gefahr, dass das Nest durch Fressfeinde, Nesträuber oder Parasiten befallen wird. Wissenschaftler haben ebenso bemerkt, dass die Zahl der aufgezogenen Larven umso geringer ist, je weiter ein Wildbienenweibchen fliegen muss, um die nötige Menge an Pollen und Nektar (und gegebenenfalls auch noch Nistmaterial) für ihre Brutzellen heranzuschaffen.

Die Plätze, an denen Wildbienen ihre Nester bauen, liegen oft nicht in direkter Nachbarschaft zu ihren Nahrungsgründen – wie weit entfernt diese auseinanderliegen dürfen, damit sie für die Bienen noch erreichbar sind, war bisher noch nicht bekannt. In den Fällen, in denen die Nester und die Nahrungspflanzen sich in völlig verschiedenen Lebensräumen befinden (wenn die Wildbiene z.B. an Steilwänden in einen Steinbruch nistet, die Nahrungspflanzen aber nur in Wiesen wachsen), waren die Flugdistanzen leicht zu ermitteln indem man die Abstände zwischen den Lebensräumen ermittelte. Auch wurden bereits vor mehr als 100 Jahren Experimente durchgeführt, bei denen Wildbienen an ihrem Nest gefangen, markiert und dann in verschiedener Entfernung vom Nest wieder freigelassen wurden – man beobachtete, aus welcher Entfernung die Biene noch zurück zu ihrem Nest findet, und ermittelte so die maximalen Flugdistanzen. Diese sind für jede Bienenart unterschiedlich, aber generell fliegen große Bienenart weiter als kleine. Allerdings lieferten solche Experimente immer Maximaldistanzen, sprich Entfernungen, ab derer eine bestimmte Wildbienenart nicht mehr in ihr Nest zurückfindet. Um aber festzustellen, wie weit Wildbienen im natürlichen Verhalten vom Nest ausfliegen, um Nahrung zu sammeln war eine andere Methode nötig.

In der aktuellen Studie markierten die Forscherinnen und Forscher Wildbienen direkt an ihrem Nest, und zwar so, dass sie in ihrem natürlichen Sammelverhalten nicht beeinträchtig werden. Nur so kann man sehen, in welcher Entfernung vom Nest Bienen natürlicherweise Pollen sammeln. Die Markierungsversuche wurden von Studenten und Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) durchgeführt: im Botanischen Garten München-Nymphenburg wurden in den Jahren 2017 und 2018 an zwei großen Insektennisthilfen Wildbienen individuell markiert, um diese dann im Botanischen Garten auf den Blüten wiederzufinden. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Susanne Renner vom Institut für Systematische Botanik der LMU und Botaniker und Wildbienenkenner Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München wurden von Doktorandin Michaela Hofmann zusammen mit Bachelor-Studenten der LMU in den beiden Jahren insgesamt 2689 Wildbienen-Individuen markiert. Dazu wurde jedem Tier mit ungiftigem Schelllackkleber ein farbiges, nummeriertes Plastikplättchen auf ihren Rücken geklebt. Mit dieser Methode markieren Imker normalerweise ihre Bienenkönigin. Kleinere Wildbienenarten wurden mit individuellen Farbcodes aus ungiftigem Farblack auf ihrem Rücken markiert. Es wurden sechs Wildbienen-Arten untersucht – größere und kleinere, solche die im Frühjahr fliegen und typische Sommerarten, Arten mit breitem Nahrungsspektrum und Nahrungsspezialisten, die Pollen für ihre Larven nur an einer einzigen oder ganz wenigen Pflanzen sammeln (sogenannte oligolektische Arten). Die markierten Bienen wurden dann während ihrer Flugperiode täglich im Garten an möglichen Futterquellen gesucht. Darüber hinaus konnten auch Besucher des Botanischen Gartens beobachtete markierte Wildbienen melden und mit einem (Handy)Foto dokumentieren – die Daten aus diesem von den Besuchern sehr gut angenommen Citizen-Science-Projekt flossen ebenfalls in die Studie mit ein, insgesamt gab es 203 Rückmeldungen von gesichteten markierten Wildbienen durch Gartenbesucher.

Von den 2689 markierten Bienen wurden insgesamt 450 wiedergefunden, und die daraus resultierenden Entfernungen vom Nest berechnet. „Die sechs untersuchten Bienenarten haben eine Körperlänge von 6 mm bis 1,5 cm. Insgesamt betrugen die mittleren Flugdistanzen der Weibchen auf Futtersuche zwischen 73 und 121 m – die kleineren Bienenarten flogen dabei wie erwartet weniger weit, als die größeren“, so Prof. Susanne Renner.

Die Ergebnisse der Studie sind besonders relevant für den praktischen Umweltschutz. „Wildbienen brauchen in ihrem Lebensraum zum einen Nistplätze, etwa Totholz oder offene Bodenstellen, zum anderen die passenden Nahrungspflanzen, an denen sie Pollen und Nektar für sich und ihre Nachkommen sammeln können. Beides wird leider in unserer aus- und aufgeräumten Landschaft immer weniger“, so der SNSB-Botaniker und Vorsitzende der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, Dr. Andreas Fleischmann. Natürliche, artenreiche Blumenwiesen, Streuobstwiesen, Hecken, Ackerränder, Waldsäume und Gewässerrandstreifen verschwinden durch landwirtschaftliche Intensivnutzung oder aber übertriebenen menschlichen Ordnungssinn zunehmend in unserer Landschaft. „Dabei sind dies für Wildbienen und viele andere Insekten- und auch Pflanzenarten die wichtigsten Lebensräume“, so Fleischmann. „Man kann diese nicht einfach durch die Aussaat von Blühstreifen ersetzen“. Man müsse die noch vorhandenen, intakten Lebensräume schützen und pflegen, und vor allem wieder miteinander vernetzen. Dafür kann auch die Anlage von naturnahen Flächen mit heimischen Pflanzen hilfreich sein, ebenso wie die Anlage von Nisthabitaten für Insekten. Mit der vorliegenden Studie ist nun auch eine Daumenregel gegeben, wie weit Nistlebensräume für Wildbienen von deren Nahrungsplätzen, sprich artenreichen, blühenden Flächen, entfernt sein dürfen. Für kleinere Wildbienenarten sind dies nur ein paar hundert Meter- idealerweise sollte sich also in nicht mehr als ca. 150 m Entfernung einer Insektennisthilfe eine Fläche mit den passenden heimischen Wildpflanzen befinden.

Kontakt:  
Prof. Dr. Susanne S. Renner
LMU München
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM) und Botanischer Garten München-Nymphenburg
Menzinger Str. 67, 80638 München
E-Mail: renner@lmu.de

Dr. Andreas FleischmannBotanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
Menzinger Str. 67, 80638 München
Telefon: 089 17861 240
E-Mail: fleischmann@snsb.de

Publikation:
Hofmann, M.M., Fleischmann, A. & Renner, S.S. 2020. Foraging distances in six species of solitary bees with body lengths of 6 to 15 mm, inferred from individual tagging, suggest 150 m-rule-of-thumb for flower strip distances. Journal of Hymenoptera Research Research 77: 105-117. https://doi.org/10.3897/jhr.77.51182

Zoologische Staatssammlung München aktiv im Wildbienenschutz

Zoologische Staatssammlung München

Seit 2018 heißt es in Bayerns Hauptstadt „München floriert!“. In dem Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung gehört die SNSB-Zoologische Staatssammlung München zu den Kooperationspartnern der ersten Stunde. Mit zahlreichen weiteren Partnern in München werden Wildblumenwiesen angelegt, Niststrukturen gefördert und Menschen in Vorträgen für die Welt der Wildbienen begeistert.

In der ZSM wurden schon vor dem eigentlichen Projektstart die Ärmel hochgekrempelt: Im Rahmen einer vorangegangenen Machbarkeitsstudie wurden bereits 2017 praktische Maßnahmen auf dem Außengelände der ZSM umgesetzt. Hier wurde stellenweise der Oberboden abgeschoben, um offene Stellen für im Boden nistende Wildbienenarten zu fördern.

Doch dabei sollte es nicht bleiben: So wurde direkt neben dem Haupteingang auf einer Fläche von 600 m² eine Wildblumenwiese angelegt. Bereits im Frühjahr 2019 wurde der Boden erstmalig gefräst. Schließlich konnte im Herbst dann das Saatgut ausgebracht werden. Hierzu wurde, wie bei allen Maßnahmen im Rahmen von „München floriert!“, eine autochthone, also gebietsheimische Saatgutmischung verwendet. Nun wachsen hier 32 Pflanzenarten ihrem großen Auftritt entgegen.

Um den Besuchern der ZSM die Bedeutung von Wildblumenwiesen als Nahrungsquelle (nicht nur) für Wildbienen zu verdeutlichen, wurde im Mai 2020 eine Infotafel zum Thema „Lebensraum Wildblumenweise“ direkt vor der Fläche ausgestellt.
Neben den praktischen Maßnahmen spielt die ZSM eine besondere Rolle in dem Projekt, denn die umfangreiche Sammlung von Wildbienen und die technische Ausstattung der ZSM bilden eine ideale Grundlage für die Vermittlung von Artenkenntnis. Die ZSM führt zudem wissenschaftliche Begleituntersuchungen durch. Ziel ist die Entwicklung von Methoden, um die Zusammensetzung von Wildbienen-Lebensgemeinschaften anhand genetischer Kennsequenzen (DNA-Barcodes) zu bestimmen. Dadurch sollen die Maßnahmen auf Ihren Erfolg hin überprüft und Entscheidungsgrundlagen für das Biotop-Management geschaffen werden.

Mehr Info:
www.zsm.mwn.de
www.barcoding-zsm.de

Kontakt:
Dr. Stefan Schmidt
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel. 089 – 8107 159 E-Mail: stefan.schmidt@snsb.de

Kristin Böhm
Deutsche Wildtier Stiftung c/o SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21 81247 München
Tel. 089 – 8107 127, E-Mail: k.boehm@dewist.de

Im Kopf des Dinosauriers

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

SNSB-Paläontologe Oliver Rauhut konnte zusammen mit Kollegen der Universität Greifswald und der Université de Fribourg zeigen, dass sich Spinosaurier wohl vorwiegend von kleinen Beutetieren wie Fischen ernährten. Auf diese Ernährungsweise deuten die inneren Strukturen eines Spinosaurier-Schädels hin. Mittels computertomographischer Analysen gelang es, die Form des Gehirns sowie die Bogengänge des Innenohrs zu rekonstruieren. Die Ergebnisse der neuen Studie veröffentlichten die Paläontologen nun in der wissenschaftlichen Zeitschrift Scientific Reports.

Die Spinosaurier sind eine Gruppe von großen bis gigantischen Raubdinosauriern, die in der Kreidezeit (von vor etwa 145 bis vor etwa 66 Mio. Jahren) insbesondere auf der Südhalbkugel weit verbreitet waren. Obwohl die größten Formen, wie etwa der bekannte Spinosaurus, mit bis zu 18 Metern Länge selbst den berühmten Tyrannosaurus (der etwa 12 m erreichte) noch klein aussehen lassen, entsprechen die Spinosaurier nicht so ganz unserem typischen Bild eines Raubdinosauriers. Im Gegensatz zu den mächtigen, kräftig gebauten Schädeln eines Tyrannosaurus oder eines Allosaurus war ihr Schädel eher niedrig und langgestreckt, und es wird seit einiger Zeit vermutet, dass diese Tiere sich hauptsächlich von Fischen und ähnlicher, eher kleiner Beute ernährt haben.

Einen wichtigen Einblick in die Lebensweise eines Tieres können die Sinnesorgane und die Hirnstruktur geben. Bei Tyrannosaurus hat man durch solche Studien zum Beispiel herausfinden können, dass diese Tiere einen hervorragenden Geruchsinn hatten, was für ein großes Raubtier mit Sicherheit ein großer Vorteil war. Leider sind jedoch von Spinosauriern bisher wenige Schädelreste bekannt, und viele Aspekte der Schädelanatomie dieser Tiere sind daher noch unklar.

Eine erste Untersuchung des Hirnraumes und der damit assoziierten Sinnesorgane eines Spinosauriers haben nun Marco Schade von der Universität Greifswald zusammen mit Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München (SNSB-BSPG) und Serjoscha Evers von der Université de Fribourg durchgeführt. Dafür untersuchten sie den Schädel des mittelgroßen Spinosauriers Irritator aus der unteren Kreide (vor ca. 115 Mio. Jahren) von Brasilien. Um die inneren Strukturen des Schädels, wie etwa den Hirnraum und das Innenohr, sichtbar zu machen, wurde der versteinerte Schädel am Deutschen Herzzentrum München und bei Zeiss Messtechnik in Essingen mit hochauflösenden Computertomographen durchleuchtet. Die so gewonnenen Daten erlaubten es, die Form des Gehirns und seiner umgebenden Gewebe sowie die Bogengänge des Innenohrs zu rekonstruieren, die für die Balance und Bewegung eines Tieres eine große Rolle spielen.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Form des Gehirns bei Spinosauriern durchaus der anderer großer Raubdinosaurier entsprach. Interessant waren jedoch die Befunde am Innenohr und einer assoziierten Gehirnregion, dem sogenannten Flocculus. Letzterer ist bei heutigen Tieren hauptsächlich für die Fixierung der Augen bei Bewegungen wichtig und war bei Irritator deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen großen Raubdinosauriern. Zusammen mit der Struktur des Innenohres deutet dies darauf hin, dass dieses Tier schnelle, sehr präzise Bewegungen mit dem Schädel durchführen konnte, ohne dabei eine potentielle Beute aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig zeigt die Struktur des Innenohres, dass der Schädel normalerweise wohl mit relativ stark nach unten gerichteter Schnauze gehalten wurde, ähnlich wie bei Störchen. Dadurch wurde das Sichtfeld über der Schnauze frei, was dem Tier eine bessere Fixierung von möglichen Beutetieren erlaubte. Diese Eigenschaften waren für ein Tier, das sich darauf spezialisiert hat, kleinere Beutetiere mit schnellen Bewegungen des Kopfes zu packen sicherlich von großem Vorteil und unterstützen somit die Interpretation der Spinosaurier als Raubtiere, die eher auf die Ergreifung kleinerer Beutetiere, wie eben Fische, spezialisiert waren.

Publikation:
Schade M, Rauhut OMW, Evers SW (2020) Neuroanatomy of the spinosaurid Irritator challengeri (Dinosauria: Theropoda) indicates potential adaptations for piscivory. Scientific Reports www.nature.com/articles/s41598-020-66261-w

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver W.M. Rauhut
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6645
E-Mail:  rauhut@snsb.de

SNSB TV
3D-Animation des Schädels von Irritator challengeri auf SNSB TV (youtube).
Video credits | Marco Schade, Christoph Kettler

Ein seltener Blick in die Vergangenheit des Milzbrand-Erregers Bacillus anthracis

Botanische Staatssammlung München

Im Rahmen einer Bestandsaufnahme hat eine Wissenschaftlerin der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) eine überraschende Entdeckung gemacht: Einen 142 Jahre alten Objektträger mit einer Blutprobe, die von einer mit dem Milzbrand-Erreger Bacillus anthracis infizierten Kuh stammte. Wissenschaftler des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) konnten aus dieser Probe das älteste dokumentierte Genom von B. anthracis entschlüsseln. Sie publizierten ihre Ergebnisse kürzlich in der mikrobiologischen Fachzeitschrift „Microorganisms“.

Über die historische genetische Entwicklung und geografische Verbreitung des Milzbrand-Erregers (auch als Anthrax-Erreger bekannt) ist bisher – anders als bei anderen Krankheitserregern wie Yersinia pestis (Pest) oder Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose) – nur wenig bekannt. Umso erstaunter war Dr. Dagmar Triebel, Kuratorin für Pilze und Algen an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), als sie bei einer Bestandsaufnahme in der Pilzsammlung auf einen Sammlungsumschlag mit der Beschriftung „Bacillus anthracis, Chemnitz, 1878“ stieß. Der Umschlag enthielt einen historischen Objektträger, auf dem mutmaßlich ein Tropfen Blut eines mit dem Milzbrand-Erreger infizierten sächsischen Rindes aufgebracht und eingetrocknet war. Die Blutprobe stammt damit annähernd aus dem gleichen Zeitraum, in dem es dem deutschen Arzt und Mikrobiologen Robert Koch in seinen bahnbrechenden Studien gelang, den Lebenszyklus des Bakteriums aufzudecken (1876).

Unschlüssig, wie sie mit der womöglich noch immer infektiösen Probe umgehen sollte, wandte sich die Mykologin an Wissenschaftler des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB). Der Leiter des Anthrax-Fachlabors am IMB, Dr. Gregor Grass, gab Entwarnung: „Das über 140 Jahre alte Material ist längst inaktiv und daher ungefährlich. Doch dieses historische Bakterium ist eine wertvolle Ressource für die Rekonstruktion der vergangenen genetischen Entwicklungsgeschichte und historischen Verbreitung des Anthrax-Erregers. Im Falle einer Bestätigung könnte es sich bei dem hier entdeckten Asservat um das älteste dokumentierte B. anthracis-Exemplar handeln, das wir bisher kennen.“

Im Labor konnte diese Vermutung dann tatsächlich bestätigt werden. Aus dem biologisch inaktiven Material konnte das Genom des historischen B. anthracis erfolgreich entschlüsselt werden. Dies gelang dem Mikrobiologen-Team durch eine speziell angepasste Isolierungsmethode, die das Erbmaterial (DNA) des Erregers lieferte. „Wir waren von der Qualität und der Menge der gewonnenen DNA in dieser alten Probe überrascht.“ Die Wissenschaftler konnten aus der Probe die genetische Verwandtschaft des untersuchten abgestorbenen Bakteriums klären: Sein engster Verwandter aus Proben der heutigen Zeit stammt aus der Nähe von Stuttgart. „Die Studie zeigt einmal mehr die Bedeutung von naturwissenschaftlichen Sammlungen als historische Quelle für aktuelle Forschungsfragen gerade in Zeiten, in denen Fragen der Erforschung von Krankheiten und Epidemien an Bedeutung gewinnen“, betont Dagmar Triebel.

Publikation:
Braun, P, Knüpfer, M, Antwerpen, M, Triebel, D & Grass, G 2020. A Rare Glimpse into the Past of the Anthrax Pathogen Bacillus anthracis. Microorganisms 2020, 8(2), 298. [1-7].
https://www.mdpi.com/2076-2607/8/2/298

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
SNSB Botanische Staatssammlung München
Menzinger Straße 67
80638 München
Tel.: 089 178 61-252
E-mail: triebel@snsb.de

PD Dr. Gregor Grass
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Abt. Bakteriologie und Toxinologie
Neuherbergstr.11
80937 München
Tel.: 089 99 26 92 39 81
E-Mail: GregorGrass@bundeswehr.org

Mehr Vielfalt: Öko-Landwirtschaft bietet Heimat für 60% mehr Schmetterlingsarten

Zoologische Staatssammlung München

Begriffe wie „Artenschwund“ und „Insektensterben“ sind derzeit in der Gesellschaft angekommen. Breit angelegte wissenschaftliche Untersuchungen und Langzeitmessungen zur Auswirkung der Landnutzung auf Insektendiversität fehlen jedoch bisher. Mit freundlicher Unterstützung der Fa. HIPP und des Bayerischen Pakts für Forschung und Innovation („SNSB-innovativ“) haben Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) die Insektenvorkommen auf ökologisch sowie konventionell bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen untersucht und verglichen. Die Ergebnisse einer Pilotstudie wurden nun in der Fachzeitschrift Ecology and Evolution veröffentlicht.

Für die Vergleichsstudie installierten die Forscher Insektenfallen auf einem ökologisch und einem konventionell betriebenen Hof. Die Ergebnisse sind eindeutig: In Bezug auf Biomasse, Artenvielfalt, Vorkommen stark gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Arten bietet die ökologisch bewirtschaftete Fläche klare Vorteile für die Insektenfauna.
Insgesamt konnten in beiden Untersuchungsgebieten knapp 4.000 Arthropoden-Arten und 604 Schmetterlingsarten nachgewiesen werden. Allein bei den Schmetterlingen enthielten die Fallen des Öko-Bauernhofes circa 60% mehr Arten als die des Vergleichs-Hofes. Zudem fand sich auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen mit 30 Arten die doppelte Menge an gefährdeten Schmetterlingsarten der Roten Liste wieder. Der Vergleich der insgesamt gesammelten Biomasse auf beiden Höfen ergab für den Ökohof die 2,6-fache Menge.

Möglich wurde die schnelle und alle Arten umfassende Durchführung des Projekts durch die Anwendung moderner genetischer Artbestimmungs-Methoden an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM). ZSM-Forscher erstellen bereits seit vielen Jahren eine DNA-Referenz-Bibliothek (www.barcoding-zsm.de) aller bayerischen Insekten, durch die eine schnelle und zuverlässige Bestimmung von Insektenarten möglich ist. In kurzer Zeit lassen sich damit große Insektenbestände charakterisieren, wobei auch diejenigen Artengruppen erfasst werden, für die bisher keine Experten zur Verfügung standen und die daher vernachlässigt werden mussten. „Wir konnten somit die Auswirkungen verschiedener Landnutzungsformen auf den Insektenbestand erstmals auf breiter Basis untersuchen“, erklärt Axel Hausmann, Leiter der Sektion für Schmetterlinge an der Zoologischen Staatssammlung München.

Eine Fortsetzung und Ausweitung des Projekts mit der Firma HIPP läuft derzeit im Rahmen eines auf 5 Jahre angelegten Forschungsprogramms. Bereits jetzt stützt diese Untersuchung die Vermutung, dass ökologischer Anbau dazu beiträgt, den Artenverlust in landwirtschaftlich geprägten Gegenden zu verringern.

Publikation:
Hausmann A, Segerer AH, Greifenstein T, Knubben J, Morinière J, Bozicevic V, Doczkal D, Günter A, Ulrich W & JC Habel (2020) Towards a standardized quantitative and qualitative insect monitoring scheme. Ecology and Evolution
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ece3.6166

Kontakt:
Dr. Axel Hausmann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 0171 525 88 64
E-Mail: hausmann.a@snsb.de

www.zsm.mwn.de – Zoologische Staatssammlung München

Botanische Detektivarbeit: Fleischfressende Pflanze aus Hamburg nach 220 Jahren im Herbarium München wiederentdeckt

Botanische Staatssammlung München

SNSB-Botaniker Andreas Fleischmann findet den bisher unbekannten originalen Herbarbeleg aus der Beschreibung des Mittleren Sonnentaus (Drosera intermedia) aus dem Jahr 1798 wieder – aufgrund der Übereinstimmung der getrockneten Pflanze mit der Illustration aus der Originalpublikation und daran anknüpfenden Recherchen. Seine Ergebnisse veröffentliche Fleischmann zusammen mit einem Kollegen nun in der botanischen Fachzeitschrift Taxon.

Der Mittlere Sonnentau (Drosera intermedia) ist eine weit verbreitete fleischfressende Pflanze, bekannt aus Süd- und Nordamerika und Europa sowie den angrenzenden Teilen Asiens. Die Art ist unter Botanikern bestens bekannt und untersucht. Erste Abbildungen dieser Pflanze finden sich in mittelalterlichen Kräuterbüchern schon 1583. Die Art wurde 1798 durch den deutschen Botaniker Friedrich Gottlob Hayne im „Botanischen Bilderbuch“ erstmals wissenschaftlich beschrieben. Umso erstaunlicher war der Umstand, dass es bisher zu der Pflanze zwar die originale Beschreibung durch ihren Entdecker aus dem Jahre 1798 gab, jedoch keinen Originalbeleg der Pflanze selbst, also ein getrocknetes Belegexemplar, das Hayne als Grundlage für seine Beschreibung diente. In der Botanik ist es (wie auch in der Zoologie) üblich, dass jede neu entdeckte Art von den Beschreibern anhand eines sogenannten „Typus-Exemplars“ belegt wird. Allerdings wurden in frühen Artbeschreibungen zwar durchaus diese Belege verwendet, jedoch meist nicht erwähnt, die Typus-Methode existiert in der Botanik verbindlich erst seit 1935. Seither müssen solche namensgebenden Pflanzen-Individuen (Typen) getrocknet und in botanischen Sammlungen (Herbarien) aufbewahrt werden. So werden sie der Forschung für immer zugänglich gemacht. Den wissenschaftlichen Namen erhielt Drosera intermedia 1798 von Botaniker Hayne in der oben erwähnten Publikation, als „Typus-Exemplar“ überliefert ist allerdings nur eine vom Botaniker selbst gefertigte Illustration. Von der Vorlage für die Zeichnung, der zugehörigen Pflanze und somit dem Originalbeleg für diese Art fehlte bislang jede Spur.

Auf der Suche nach dem Verbleib des Originalbelegs des Mittleren Sonnentaus (also des Typus des Artnamens Drosera intermedia) begaben sich der Botaniker Andreas Fleischmann, Experte für fleischfressende Pflanzen an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) und sein Kollege Paulo Gonella vom Instituto Nacional da Mata Atlântica, Santa Teresa, Brasilien auf eine detektivische Zeitreise.

Aus der Originalpublikation von Haynes geht zwar hervor, dass die Pflanze, die der Zeichnung zu Grunde liegt, in der Nähe von Hamburg aufgesammelt wurde, jedoch gilt Haynes wissenschaftliche Pflanzensammlung (sein Herbar) größtenteils als unbekannt oder verschollen. Die Recherchen der beiden Wissenschaftler umfassten sämtliche großen Herbarien in Europa, aber auch weltweit wurde nach dem Beleg gefahndet – ohne Erfolg.

Völlig überraschend lieferte schließlich ein Herbarbogen aus der Botanischen Staatssammlung München den ausschlaggebenden Hinweis: Das dort aufgeklebte Exemplar des Mittleren Sonnentaus sah der Zeichnung aus der Publikation Haynes verblüffend ähnlich – und zwar bis ins kleinste Detail! Aber wie kam dieser Herbarbeleg aus Hamburg nach München?

Der Herbarbogen stammt aus der historischen Sammlung des Botanikers Johann Christian Daniel von Schreber (1739-1810). Die Übernahme seines Herbars im Jahr 1813 gilt als die formelle Gründung des „Herbarium Regium Monacense“ (Königliches Münchner Herbar) – des heutigen „Münchner Herbars“. Allerdings sind auf dem Münchner Herbarbogen des Sonnentaus keine handschriftlichen Vermerke Haynes zu finden. Es gibt ausschließlich Etiketten und Notizen Schrebers sowie seines Zeitgenossen, des Botanikers Albrecht Wilhelm Roth, wie durch Schriftvergleich und historische Notizen herausgefunden werden konnte. Unter anderem hatte Roth auf dem Bogen vermerkt, dass „die eingekrümmten Blätter tote Insekten“ enthalten. Historische Briefe und Publikationen belegen, dass es zwischen Schreber und Roth einen Disput über fleischfressende Pflanzen gab. Roth hatte bereits 1782 (und damit fast 100 Jahre vor Charles Darwins Grundlagenwerk zu karnivoren Pflanzen!) die These aufgestellt, dass manche Pflanzen Insekten fangen, um daraus Nährstoffe zu beziehen. Schreber lehnte diese Behauptung als „unglaublich“ ab. Aus den Publikationen ging auch hervor, dass Roth von seinem Kollegen Haynes persönlich Herbarbelege von Drosera aus Hamburg zugeschickt bekommen hatte – darunter wohl auch derjenige Beleg von Drosera intermedia, der vor 1798 gesammelt wurde. Und genau diesen schickte Roth seinem „uneinsichtigen“ Botaniker-Kollegen Schreber – vermutlich, um diesen von seinen Überlegungen zu fleischfressenden Pflanzen zu überzeugen.
„Wir haben mit unserer Detektivarbeit einen absoluten Volltreffer gelandet! Die Ähnlichkeit zwischen dem Münchner Herbarbeleg und Haynes Zeichnung ist unverkennbar. Physische Herbarbelege sind für die moderne Forschung und biologische Namensgebung unerlässlich – denn in einem Herbarbeleg, und wenn er noch so alt ist, sind nicht nur die morphologischen Merkmale, also das Aussehen der Pflanze, konserviert, sondern auch viele mikroskopische Details, Inhaltsstoffe, bis hin zum Erbgut (DNA).  Deswegen haben wir den Münchner Herbarbeleg, nachweislich Originalmaterial das Hayne gesehen hat, um seine Beschreibung der Art zu erstellen, nun nachträglich zum Referenzbeleg (sogenannter Lectotypus) für die Art Drosera intermedia gemacht. Im Eppendorfer Moor in Hamburg ist der Mittlere Sonnentau inzwischen durch menschliche Einflüsse ausgestorben – der Herbarbeleg dazu hat jedoch als einmaliges Zeitdokument die letzten 220 Jahre überdauert, und dokumentiert, dass diese Pflanze früher einmal dort vorkam“, erläutert Fleischmann.

Publikation:
Fleischmann, A. & Gonella, P.M. (2020). Typification and authorship of Drosera intermedia (Droseraceae). Taxon 68
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/tax.12158

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 240
fleischmann@snsb.de

Vier neue Chamäleonarten aus Madagaskar – Revision des „Nasenchamäleons“

Zoologische Staatssammlung München

Madagaskar ist die Heimat von beinahe der Hälfte aller bekannten 217 Chamäleonarten. Jedoch ist ihr Lebensraum auch auf unvergleichliche Weise bedroht und der weitaus größte Teil des Primärregenwaldes ist bereits zerstört. Forscher aus Deutschland und Madagaskar haben nun drei neue Arten entdeckt und eine weitere Art revalidiert. Die Arbeit erschien diese Woche in dem zoologischen Fachjournal Vertebrate Zoology (open access).

Madagaskar ist ein Paradies für Naturliebhaber, gibt es doch die meisten der dort vorkommenden Landwirbeltierarten nur auf dieser großen Insel vor der ostafrikanischen Küste. Besonderes Interesse ziehen die endemischen Lemuren und Chamäleons auf sich und auch von Biologen werden diese Tiergruppen seit dem 19. Jahrhundert verstärkt untersucht. Dennoch ist die Taxonomie (Klassifizierung) vieler Arten noch ungeklärt, wie auch bei dem Chamäleon Calumma nasutum, das bereits im Jahre 1836 beschrieben worden war. Intensive Feldforschung über die letzten 15 Jahre in teils entlegenen Waldgebieten von Nord- bis Südmadagaskar ergab, dass diese kleinen Chamäleons mit dem namensgebenden „Nasenfortsatz“ in Wirklichkeit einen Komplex aus vielen verschiedenen Arten darstellen. Mithilfe moderner Methoden, wie der Untersuchung von Schädel-knochen und der bizarren Geschlechtsorgane (Hemipenes) durch Micro-Computertomografie und der Analyse von DNA-Sequenzen konnten schließlich drei neue Arten entdeckt werden: Calumma emelinae von der Ostküste Madagaskars, C. tjiasmantoi aus dem Südosten und C. ratnasariae aus dem Norden. Außerdem wurde eine weitere Art, C. radamanus, revalidiert. „Ohne den Einsatz der unterschiedlichen Methoden und die intensive Freilandarbeit hätte man diesen Artkomplex sicherlich nicht aufklären können. Erst die Zusammenführung der unterschiedlichen Datensätze hat zu einem erheblich besseren Verständnis dieser Chamäleongruppe geführt“, sagt Dr. Frank Glaw, Kurator für Amphibien und Reptilien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM).

Die neue Publikation stellt den vorläufigen Abschluss der Revision der Calumma nasutum-Gruppe dar, deren Artenzahl sich seit Beginn der Arbeiten im Jahr 2014 von sieben auf nun 16 erhöht hat. Für die gesamte Familie der Chamäleons (Chamaeleonidae) bedeutet dies einen Artenzuwachs von über 4%. „Durch die Überarbeitung der Taxonomie der gesamten Calumma nasutum-Gruppe muss nicht nur der Schutzstatus der neuen Arten, sondern auch der der bereits bekannten Arten neu evaluiert werden,“ sagt Dr. David Prötzel, Erstautor der Studie und ehemaliger Doktorand an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Zoologischen Staatssammlung München, „zahlreiche Arten sind vermutlich vom Aussterben bedroht und auf den Schutz ihrer Lebensräume angewiesen.“

Publikation
Prötzel, D., Scherz, M.D., Ratsoavina, F.M., Vences, M., Glaw, F. (2019). Untangling the trees: Revision of the Calumma nasutum complex (Squamata: Chamaeleonidae). Vertebrate Zoology, 70(1): 23-59. https://doi.org/10.26049/VZ70-1-2020-3

Kontakt
Dr. David Prötzel
Tel.: 0176 63200513
E-Mail: david.proetzel@mail.de

Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 114
E-Mail: glaw@snsb.de

Der Speiseplan tropischer Raupen

Zoologische Staatssammlung München

Eine aktuelle Studie von SNSB-Zoologen untersucht die Nahrung der Raupen tropischer Schmetterlinge – durch die genetische Analyse ihres Darminhaltes. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift PLOS ONE.

Studien über die Beziehungen von Schmetterlingslarven zu ihren Futterpflanzen in den Tropen gibt es bisher kaum, denn die Erforschung des Fressverhaltens von Raupen ist äußerst schwierig. Das hat vor allem praktische Gründe: So sind gerade Baumkronen, der natürliche Lebensraum vieler Raupen, meist sehr schwer zugänglich – vor allem die Suche nach nachtaktiven Arten ist für Forscher nahezu unmöglich. Häufig bleibt unklar, ob es sich bei einem Raupenfund auf einer bestimmten Pflanze nur um einen Rastplatz oder um einen echten Fraßnachweis handelt. Von den meisten Schmetterlingslarven weiß man daher bislang nicht, von welchen Pflanzen sie sich ernähren, so dürfte bei weniger als 10% der tropischen Schmetterlingsarten bekannt sein, auf welche Futterpflanzen sie spezialisiert sind.

In einer Pilotstudie haben Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) nun die Beziehungen südamerikanischer Schmetterlinge zu ihren Futterpflanzen untersucht – und zwar anhand der genetischen Analyse ihres Darminhaltes.

Für die Studie wurden Raupen von fast 50 Bäumen rund um die Panguana-Forschungsstation im Regenwald von Peru untersucht. Ihre Proben erhielten die Forscher durch sogenanntes gezieltes „Fogging“ (Benebeln) von ausgesuchten Baumkronen mit natürlichem Pyrethrum. Die so gefangenen Raupen, der Inhalt ihres Darms sowie die gefoggte Baumart wurden später im Labor genetisch analysiert und identifiziert. Mit einem überraschenden Ergebnis: Entgegen der bisherigen Annahme scheinen sich nur 20% der untersuchten Larven direkt von der Pflanze ernährt zu haben, auf der sie gefunden wurden. Im Darm der überwiegenden Mehrheit der Tiere fanden sich verdaute Reste von Lianen und Moosen oder von benachbarten Bäumen.

„Die molekulare Identifizierung der Larven und Wirtsbäume in Korrelation mit der Analyse der Darminhalte gibt uns wichtige Einblicke in die Ernährungsbiologie der Schmetterlingsraupen. Wir wollen die Methodik nun in größerem Maßstab anwenden. Weitere Projekte wurden bereits in Angriff genommen“, berichtet Axel Hausmann, Kurator für Schmetterlinge an der ZSM und Leiter der Studie.

Publikation:
DNA barcoding of fogged caterpillars in Peru: A novel approach for unveiling host-plant relationships of tropical moths (Insecta, Lepidoptera) Hausmann A, Diller J, Moriniere J, Höcherl A, Floren A, et al. (2020) DNA barcoding of fogged caterpillars in Peru: A novel approach for unveiling host-plant relationships of tropical moths (Insecta, Lepidoptera). PLOS ONE 15(1): e0224188. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0224188

Kontakt:
Dr. Axel Hausmann
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 158
E-Mail: hausmann.a@snsb.de

Weichtier-Chaos aufgeräumt? – die frühe Evolution der Mollusken

Zoologische Staatssammlung München

Weichtiere (Mollusken) sind stammesgeschichtlich älter als gedacht – und Muscheln und Schnecken doch nicht so nahe miteinander verwandt. Dies gehört zu den wichtigsten Ergebnissen einer soeben in Scientific Reports erschienenen Studie unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM).

Im Zentrum der Untersuchung von Kocot et al. (2020) standen neue genetische Daten sehr seltener Tiefsee-Einschaler (Monoplacophora), die sich in umfassenden Analysen als ältester Seitenzweig schalentragender Weichtiere entpuppten.

Als eines der letzten großen Rätsel der Evolutionsgeschichte – oder einfach als „Mollusken-Chaos“ – wurden die Verwandtschaftsbeziehungen der Schnecken, Muscheln, Tintenfische und anderer Weichtiere bisher angesehen. Generationen von Forschern mühten sich an morphologischen Datensätzen und Fossilien, doch keiner ihrer Stammbäume glich den ebenfalls widersprüchlichen Ergebnissen moderner genetischer Ansätze. Die soeben erschienene Publikation mit Beteiligung von Forschern aus der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) bringt Morphologie und Genetik wieder näher zusammen und damit auch Licht in die uralte Vergangenheit.

Der Ursprung aller Weichtiere liegt der genetischen Datierung nach weit zurück im Präkambrium, in Zeiten planetarischer Vereisung des „Schneeballs Erde“. Spät präkambrische Kimberella-Fossilien – in 555 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten mit die ältesten und umstrittensten tierischen Funde der Wissenschaft – erinnern entfernt an Käferschnecken und könnten somit eine ausgestorbene Seitenlinie der gemeinsamen Vorfahren heutiger Weichtiere sein.

Die aktuellen bioinformatischen Analysen Hunderter Gene zeigen die äußerst artenreiche Klasse der Schnecken (Gastropoda) als Schwestergruppe der Kahnfüßer (Scaphopoda), einer artenarmen, rein marinen Gruppe Stoßzahn-ähnlicher Schalentiere. Zudem erscheinen die Vorfahren heutiger Schnecken nicht im frühesten Kambrium auf der Bildfläche der Evolution, sondern wohl erst im Ordovizium, fast 70 Millionen Jahre später als gemeinhin angenommen.
Schnecken und Kahnfüßer bilden zusammen mit Muscheln und Kopffüßern eine Evolutionslinie, als deren Schwestergruppe erstmals die ursprünglichen Einschaler (Monoplacophora) auftauchen. Alle zusammen bilden die Großgruppe der Schalenträger (Conchifera). Bereits im frühen Kambrium trennten sie sich von den Stachelweichtieren (Aculifera), einer artenarmen und rein marinen Gruppe (Käferschnecken und Wurmmollusken).

„Das mühevolle Sammeln der seltenen Monoplacophora in der Antarktis hat sich gelohnt. Und wir haben brauchbare Daten aus dem Genom eines winzigen Tiefseetieres herausbekommen. Wie üblich bei phylogenetischen Analysen der frühen Tierevolution gibt es noch Unsicherheiten. Nach insgesamt 10 Jahren Forschungsarbeit aber könnte unser deutsch-amerikanisches Forscherteam der Klärung der Molluskenverwandtschaft ein großes Stück nähergekommen sein. Die Zoologischen Lehrbücher werden wohl umgeschrieben werden“, meint Prof. Dr. Michael Schrödl (SNSB-ZSM), der Initiator des internationalen, u.a. von der DFG unterstützten Forschungsprojektes.

Aktuelle Publikation:
Kocot, K.M., Poustka, A.J., Stöger, I., Halanych, K.M. & Schrödl, M. New data from Monoplacophora and a carefully-curated dataset resolve molluscan relationships. Sci Rep 10, 101 (2020) https://doi.org/10.1038/s41598-019-56728-w

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Schrödl
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 142
E-Mail: schroedl@snsb.de

Archaeopteryx zum „Fossil des Jahres“ 2020 ernannt

Der Urvogel Archaeopteryx gehört zu den bekanntesten Fossilien der Welt. Die Paläontologische Gesellschaft hat ihn nun zum „Fossil des Jahres“ 2020 ernannt. Vertreten wird die Gattung Archaeopteryx durch das Eichstätter Exemplar, das am 9. Januar 2020 im Jura-Museum Eichstätt im Rahmen eines Festakts gewürdigt wurde.

Die Paläontologische Gesellschaft wählt jedes Jahr ein besonderes Fossil zum „Fossil des Jahres“. Die 2008 ins Leben gerufene Auszeichnung soll zu einer verstärkten Wahrnehmung der Paläontologie in der Öffentlichkeit beitragen und die zentrale Rolle von Fossilien für die Erforschung des Lebens auf der Erde veranschaulichen. 

Die große Bedeutung von Archaeopteryx für die Evolutionsforschung wurde schon früh erkannt: Das Tier vereinigt Reptil- und Vogelmerkmale und belegt so die stammesgeschichtliche Herkunft der Vögel, deren direkte Vorfahren Raub-Dinosaurier des Erdmittelalters waren. Die Federn des Urvogels waren asymmetrisch und schon genauso konstruiert wie die Schwungfedern moderner Vögel. Ähnlich wie manche heutige Greifvögel hatte Archaeopteryx Federhosen, also gefiederte Beine, wie sich erst kürzlich herausgestellt hat. Flügel, Federn und Gabelbein machen Archaeopteryx zum Vogel, während Zähne, der lange verknöcherte Schwanz, Bauchrippen und die Krallen an den Flügeln auf seine Sauriernatur verweisen.

In den vergangenen 160 Jahren wurden 13 Fossilien von Urvögeln gefunden, von denen sich die meisten Archaeopteryx zuordnen lassen. Alle stammen aus den etwa 150 Millionen Jahre alten Plattenkalken des Oberen Jura der Fränkischen Alb in der weiteren Umgebung Eichstätts (den „Solnhofener Plattenkalken“). Jedes der 13 bekannten Exemplare trug zum Wissen über die Gattung Archaeopteryx bei. Der Eichstätter Archaeopteryx war ein Jungtier. Das Exemplar ist daher das kleinste bisher bekannte. Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes hat es wichtige Erkenntnisse über die Schädelanatomie erbracht. Das Exemplar wurde 1951 gefunden und ist seit der Eröffnung des Jura-Museums in Eichstätt im Jahre 1976 eines der Highlights der dortigen Ausstellung. Seit dem 10. Januar 2020 ist das Museum nach der vorübergehenden Schließung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Jura-Museum Eichstätt
Das Jura-Museum Eichstätt ist eines der bedeutendsten paläontologischen Museen in Deutschland. Auf der Willibaldsburg über der Stadt Eichstätt gelegen, beherbergt es eine weltberühmte Sammlung mit Schwerpunkt auf den Fossilien der „Solnhofener Plattenkalke“. Die naturkundliche Sammlung wird stetig erweitert und wissenschaftlich bearbeitet. Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat zum Juli vergangenen Jahres die Trägerschaft für das Museum übernommen, die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) betreuen weiterhin die Sammlung. Das Jura-Museum Eichstätt ist eines von vier Regionalmuseen der SNSB. Seit dem 10. Januar 2020 ist das Museum nach der vorübergehenden Schließung wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Informationen sind unter www.jura-museum.de zu finden.

Kontakt:
Stephanie Armer
Jura-Museum, Willibaldsburg,
85072 Eichstätt
Tel.: 08421 6029827
E-Mail: Stephanie.Armer@ku.de
Web: www.jura-museum.de

Privatdozentin Dr. Christina Ifrim übernimmt wissenschaftliche Leitung des Jura-Museums

Privatdozentin Dr. Christina Ifrim übernimmt zum 1. Februar 2020 die wissenschaftliche Leitung des Eichstätter Jura-Museums. Als studierte Geologin war sie zuvor Mitarbeiterin der Forschungsgruppe „Biostratigraphie und Paläoökologie“ am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg. Sie verfügt über eine breite Expertise unter anderem in Paläontologie, Sedimentologie, Altersdatierung und Geochemie. Zudem war sie über mehrere Jahre hinweg für das Naturkundemuseum Karlsruhe tätig. Einen Forschungsschwerpunkt Ifrims bilden Plattenkalke als Fossillagerstätten, die sie unter anderem in von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekten in Mexiko untersucht hat. Sie ist Mitglied in zahlreichen Fachgesellschaften.

„Die Plattenkalke und ihre fantastischen Fossilien bieten viele interessante Forschungsansätze. Gleichzeitig möchte ich, dass das Museum zu einer Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird. Ich empfinde es als große Ehre und Aufgabe, dieses wundervolle Museum für die Eichstätter leiten zu dürfen, und ich kann es kaum erwarten, damit anzufangen“, erklärt Ifrim.

„Dr. Ifrim wird an die langjährige Tradition des Jura-Museums anknüpfen und gleichzeitig innovative Konzepte auf den Weg bringen, um die Bestände einem breiten Publikum näher zu bringen“, betont die Präsidentin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Prof. Dr. Gabriele Gien. Zudem sei Frau Ifrim als Forscherin international vernetzt und habe die Anschlussfähigkeit des Museums an die Universität im Blick. „Dank des Engagements des kommissarischen Leiters Prof. Dr. Alexander Nützel wird sie gute Grundlagen für ihre Arbeit vorfinden“, so Gien weiter.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler gratuliert zu dieser Besetzung: „Das Juramuseum Eichstätt bleibt auf Kurs zu einer erfolgreichen Zukunft! Mit Dr. Ifrim gewinnt das international geschätzte Forschungsmuseum eine erfahrene Wissenschaftlerin als Leiterin. Nachdem der Freistaat und die KU Eichstätt-Ingolstadt vergangenen Sommer gemeinsam eine gute Lösung für die Frage der Trägerschaft finden konnten, ist nun ein weiterer wichtiger Schritt für das Museum auf der Willibaldsburg getan! Ich wünsche Dr. Ifrim einen guten Start und viel Erfolg bei ihrer neuen Aufgabe.“ Ihrem Vorgänger Prof. Dr. Alexander Nützel von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns dankte Minister Sibler für die engagierte und umsichtige kommissarische Leitung des Juramuseums in der Übergangszeit. Der Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayern Prof. Dr. Gerhard Haszprunar schließt sich diesem Dank an und ergänzt: „Ich freue mich auf den Beginn einer neuen Ära des Juramuseums und die Zusammenarbeit mit der KU Eichstätt!“

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt hat zum Juli vergangenen Jahres die Trägerschaft für die Einrichtung übernommen, die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns betreuen weiterhin die Sammlung, die größtenteils vom Eichstätter Priesterseminar Collegium Willibaldinum zur Verfügung gestellt wird. Außerdem unterstützen die Stadt Eichstätt und der Landkreis das Projekt finanziell.

Im Jura-Museum sind insbesondere Fossilien der Solnhofener Plattenkalke zu sehen, die in den Steinbrüchen der Region zutage gefördert worden sind. Zu den eindrucksvollen Versteinerungen aus der Jura-Zeit vor 150 Millionen Jahren gehören das weltweit einzige Exemplar des Raubdinosauriers Juravenator und ein Original des berühmten Urvogels Archaeopteryx.

Kontakt:
Dr. Eva-Maria Natzer
Wissenschaftliche Geschäftsführung
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
Menzinger Str. 67
80638 München
Tel.: 089 17861 -122
E-Mail: natzer@snsb.de
Web: www.snsb.de

Experimente der Evolution: Neuer Raubdinosaurier aus Patagonien

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Der SNSB-Paläontologe Oliver Rauhut hat in Patagonien einen bisher unbekannten Raubdinosaurier (Asfaltovenator vialidadi) aus der mittleren Jurazeit (ca. 172 Mio Jahre) entdeckt, der ein neues Licht auf die Evolutionsgeschichte dieser Tiergruppe wirft. Die Neuentdeckung veröffentlichte der Forscher gemeinsam mit einem Kollegen kürzlich in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Der in Patagonien neu gefundene Raubdinosaurier, Asfaltovenator vialidadi, gehört zur Großgruppe der Tetanuren, der wichtigsten Gruppe der zweibeinigen Raubdinosaurier. Zu dieser Gruppe gehören so bekannte ausgestorbene Tiere wie Allosaurus, Tyrannosaurus oder Velociraptor, aber auch die heutigen Vögel. Bei dem neuen Fossil handelt es sich um das vollständigste Raubdinosaurierskelett, das aus der frühen mittleren Jurazeit (vor ca. 174-168 Mio. Jahre) weltweit bekannt ist. Erhalten sind ein fast vollständiger Schädel, die gesamte Wirbelsäule bis zum Becken, vollständige Arme sowie Teile der Beine. Das Tier war insgesamt etwa 8m lang.

„Wir fanden bei dem Fossil eine sehr ungewöhnliche Kombination von Skelettmerkmalen, die die bisher angenommenen Verwandtschaften zwischen den großen Gruppen der Tetanuren – Megalosaurier, Allosaurier und Coelurosaurier – in Frage stellt“, zeigen sich Oliver Rauhut, Oberkonservator an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) und Koautor Diego Pol vom Museo Paleontológico Egidio Feruglio, Trelew, Argentinien von den Untersuchungsergebnissen überrascht. Asfaltovenator vialidadi zeigt diverse Skelettmerkmale, die ansonsten nur von unterschiedlichen anderen Raubsaurierarten bekannt waren.

Aufgrund der ungewöhnlichen Merkmalskombination von A. vialidadi wurden die Forscher neugierig und untersuchten und verglichen andere Tetanuren-Arten. Dabei fiel auf, dass zur Zeit der raschen Ausbreitung dieser Raubsaurier-Gruppe viele unterschiedliche Arten gleichzeitig sehr ähnliche Skelettmerkmale entwickelten.

Die fast explosionsartige Evolution der Gruppe bringt Rauhut mit einem großen Massenaussterben im späten unteren Jura (vor ca. 180 Mio. Jahre) in Verbindung. Die Forscher deuten die Parallelentwicklungen von äußeren Merkmalen als „Experimentieren“ der Evolution während der raschen Ausbreitung der Tetanuren. Durch das Aussterben von möglichen Konkurrenten standen den überlebenden Gruppen, wie es die Tetanuren hier offenbar waren, deutlich mehr Lebensräume zur Verfügung, die sie besiedeln konnten.

„Dieses Muster beobachten wir auch bei anderen Tiergruppen, die sich nach Aussterbeereignissen oft rasend schnell entfalten, wie etwa bei den Säugetieren oder den Vögeln nach dem Aussterben der Dinosaurier am Ende der Kreide-Zeit vor 66 Mio. Jahren“, so Rauhut. Dies kann erklären, warum Verwandtschaftsverhältnisse am Ursprung vieler Tiergruppen oft so schwer entschlüsselt werden können.

Publikation
Rauhut OWM & Pol D. Probable basal allosauroid from the early Middle Jurassic Cañadón Asfalto Formation of Argentina highlights phylogenetic uncertainty in tetanuran theropod dinosaurs. Scientific Reports
DOI: 10.1038/s41598-019-53672-7

Kontakt
Prof. Dr. Oliver W.M. Rauhut
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6645
E-Mail: rauhut@snsb.de

Alle Zeit der Welt – Vom Urknall zur Uhrzeit

6. Dezember 2019 bis 30. September 2021

In der Ausstellung „Alle Zeit der Welt“ widmet sich das Museum Mensch und Natur diesem facettenreichen Thema und hat den bekannten Astrophysiker und Wissenschaftsjournalisten Harald Lesch gewinnen können, unsere Besucherinnen und Besucher auf Ihrer Reise durch Zeit und Raum zu begleiten. Zahlreiche Exponate, spektakuläre Bilder und Inszenierungen sowie nicht zuletzt Mitmachobjekte und spezielle Kinderstationen machen die Ausstellung zu einem Erlebnis für Groß und Klein.

Museum Mensch und Natur
Schloss Nymphenburg
80638 München
Telefon: 089 17  95 89 0
Fax: 089 17 95 89 100
museum@musmn.de
https://www.mmn-muenchen.de/

Erste Großschmetterlings-Raupe im Baltischen Bernstein entdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Ein Forscherteam mit SNSB-Beteiligung hat die erste Raupe eines Großschmetterlings in Baltischem Bernstein entdeckt und identifiziert. Bei dem 44 Millionen Jahre alten Fossil handelt es sich um eine Larve aus der Gruppe der Spannerfalter (Geometridae). Ihre Untersuchungsergebnisse veröffentlichten die Forscher nun in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Sie sieht aus, als wolle sie fliehen – als sie vor 44 Millionen Jahren im Harz eines Baumes stecken blieb. Für die Wissenschaft jedoch ein Glückfall: Der Harztropfen wurde zu Bernstein und hat die eingeschlossene Raupe perfekt konserviert. Bei dem untersuchten Raupen-Fossil handelt es sich um das erste und älteste Exemplar einer Großschmetterlingsfamilie, welches in Baltischem Bernstein entdeckt und identifiziert wurde. Die Larve wurde als neue Art und neue Gattung, Eogeometer vadens, beschrieben, und innerhalb der großen Familie der Spanner (Geometridae) den sogenannten „Rindenspannern“ (Boarmiini) zugeordnet. Heute gehören Spannerfalter mit über 23.000 bekannten Arten zu den drei größten Schmetterlingsfamilien.

Axel Hausmann, Kurator für Schmetterlinge an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) bestimmte die Raupe zusammen mit seinen Kollegen anhand typischer Merkmale genau. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schmetterlingen besitzen Spannerraupen zusätzlich zu Brust- und Hinterleibsbeinen nur ein einziges Bauchfußpaar (anstatt vier). Dies ermöglichte der Raupe die Spanner-typische Art der Fortbewegung, bei der das Tier seine Hinterbeine direkt bis hinter die Bauchbeine schiebt. Ihr Körper bildet dabei eine Art Schleife.

Das hohe Alter des Raupen-Fossils von ca. 44 Mio. Jahren hat die Forscher überrascht. Die molekulare Datierung des Stammbaums („Molekulare Uhr“) ergab für die Rindenspanner (Boarmiini) bisher ein jüngeres Alter von 35-38 Mio. Jahren.

„Raupen-Funde im Bernstein sind in jedem Fall Seltenheiten, im Baltischen Bernstein ist dies überhaupt das erste derartige Großschmetterlings-Fossil. Dies liegt möglicherweise an der nächtlichen Aktivität der meisten Schmetterlingsraupen. Denn Harz war wohl hauptsächlich bei höheren Tagestemperaturen und direktem Sonnenlicht flüssig“, deutet Axel Hausmann den Fossilbefund.

Thilo Fischer, Experte für fossile Schmetterlinge und Pflanzen und Erstautor der Studie hofft auf möglichst weitere Funde aus dem Baltischen Bernstein: „Jedes Schmetterlingsfossil gibt uns Einblick in Evolutionsprozesse während der Zeit des Eozän (vor etwa 34-56 Mio. Jahren), in der die Ausbreitung von Blütenpflanzen, wie wir sie heute kennen, und mit denen Schmetterlinge in vielfältiger Wechselwirkung stehen, schon weitgehend abgeschlossen war.“

Publikation
Fischer, T.C., Michalski, A. & Hausmann, A. Geometrid caterpillar in Eocene Baltic amber (Lepidoptera, Geometridae). Sci Rep 9, 17201 (2019) doi:10.1038/s41598-019-53734-w

Kontakt
Dr. Axel Hausmann, Dr. Habil. Thilo Fischer

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Auf den Zahn gefühlt: Fossile Zähne belegen neue asiatische Hirschferkel-Art

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

SNSB-Paläontologin Gertrud Rößner identifiziert eine bisher unerkannte ausgestorbene Hirschferkel-Art aus Pakistan durch die morphometrische Vermessung von fossilen Zähnen. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichte sie kürzlich gemeinsam mit einem Kollegen in der paläontologischen Fachzeitschrift Historical Biology.

Hirschferkel (Tragulidae) gehören zur großen Gruppe der Wiederkäuer (Ruminantia). Sie sind Paarhufer und entfernt verwandt mit Hirschen oder Giraffen. Jedoch haben die Tiere nur eine Schulterhöhe von 20 bis 35 cm und tragen keinerlei Kopfschmuck. Eines der vielen besonderen Merkmale der Hirschferkel sind die verlängerten oberen Eckzähne der Männchen. Heute leben Hirschferkel nur noch in Reliktarealen in Zentralafrika und Südost-Asien. Zur Zeit des Miozän (23-5 Mio. Jahre) gab es die Tiere auch in Europa.

Gertrud Rößner, Konservatorin für fossile Säugetiere an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG), hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Jonathan Guzmán-Sandoval, von der Universidad de Concepión, Chile, Fossilien der von 14 bis 6 Mio. Jahren in Pakistan lebenden Hirschferkel neu untersucht und bewertet – und zwar anhand ihrer Zähne. Die Ergebnisse der Studie überraschte das Wissenschaftlerteam: Die beiden entdeckten mit Dorcatherium dehmi sp. nov. eine völlig neue Hirschferkel-Art. Außerdem konnten die Paläontologen zwei Hirschferkel-Arten, Dorcatherium naui und Dorcatherium guntianum, identifizieren, die bislang nur aus Europa bekannt waren.

„Wir konnten nun erstmals nachweisen, dass es Hirschferkel-Arten gab, die zeitgleich sowohl in Europa als auch in Asien beheimatet waren“, erläutert Gertrud Rößner. „Dies deutet auf Wanderbewegungen der Tiere zwischen Europa und Asien zur Zeit des Miozän hin.“

In ihrer Studie haben die beiden Paläontologen über 200 Zahnfossilien aus der BSPG analysiert. Diese stammen aus den Siwaliks, einer Vorgebirgskette des südlichen Himalaya in Pakistan, die aus im Miozän gebildeten Gesteinen besteht und reich an Säugetierfossilien ist. Aufgesammelt wurden die Fossilien schon 1955/56 während einer Expedition, die der damalige Direktor der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie, Prof. Richard Dehm, durchführte. Das Material ergänzt bisherige Untersuchungen an pakistanischen Hirschferkeln substanziell. Die angewendete Methodik berücksichtigt nicht nur wie in früheren Studien Länge und Breite der Zähne zur Unterscheidung der Arten, sondern erstmals auch die Zahnkronenhöhe und damit in Zusammenhang stehende Formelemente der Zahnkrone. Damit konnten bisher übersehene Arten erkannt werden.

Die Forscher erhoffen sich, durch zukünftige Entdeckungen in den fossilienreichen Siwaliks ihr Wissen über die Vielfalt sowie die zeitliche und räumliche Verbreitung von Hirschferkeln im Miozän erweitern zu können.


Publikation:
Jonathan A. Guzmán-Sandoval & Gertrud E. Rössner (2019) Miocene chevrotains (Mammalia, Artiodactyla, Tragulidae) from Pakistan, Historical Biology, DOI: 10.1080/08912963.2019.1661405

Ansprechpartner:
PD Dr. Gertrud Rößner
Konservatorin für fossile Säugetiere
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel.: 089 2180 6609
E-Mail: roessner@snsb.de

Flotte Flosse – Morphometrie bei den Pachycormidae

Zoologische Staatssammlung München

Ein Wissenschaftlerteam unter Beteiligung von SNSB-Forscherin Anneke van Heteren hat gezeigt, dass eine Gruppe von Fischen aus dem Zeitalter der Dinosaurier, die ausgestorbenen Pachycormidae, bereits sehr effizient durch die Ozeane der Jura- und Kreidezeit „flogen“ – dank der speziellen Form ihrer Brustflossen. Die Ergebnisse der neuen Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift PeerJ veröffentlicht.

Pachycormidae sind eine ausgestorbene Familie mariner Knochenfische aus der Jura- und Kreidezeit. Viele von ihnen wurden weniger als einen Meter lang und ernährten sich von Tintenfischen, einige Gattungen wie z.B. Leedsichthys lebten als riesige filtrierende Planktonfresser und hatten eine Länge von bis zu 16 Metern. Besonderes Merkmal der Pachycormidae sind ihre langen sensenförmigen Brustflossen.

Ein internationales Forscherteam aus Deutschland, Schottland, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und Luxemburg hat nun die wissenschaftlich bisher kaum beachteten Brustflossen dieser Fischgruppe an rund 100 Fossilien genauer untersucht und verglichen.

Jeff Liston, Leiter der Studie, beschreibt die Herausforderung: „Bisher wurden die Brustflossen der Pachycormiden einfach als sensenförmig beschrieben. Mit morphometrischen Methoden können wir nun genauere Aussagen über die Lebensweise dieser Fische treffen.“

Um die Unterschiede in der Form und Funktion der Brustflossen bei den Pachycormidae aufzudecken, haben die Forscher diese mit sogenannten „Landmarks“, biologisch bedeutsamen und wiedererkennbaren Messpunkten, versehen und diese digitalisiert. Die Messergebnisse wurden mittels einer statistischen Methode, der sogenannten geometrischen Morphometrie, ausgewertet.

Was bisher stets als „einfache sensenförmige Brustflosse“ beschrieben wurde, konnte nun drei verschiedenen „Typen“ an Brustflossen zugeordnet werden: sensen-, klingen- und sichelförmig. Den Wissenschaftlern zufolge deuten die unterschiedlichen Flossenformen auf unterschiedliche Lebensweisen bei den Pachycormidae hin. Beispielsweise hatten alle Planktonfresser wie die Gattung Leedsichthys – egal wie viele Millionen Jahre auseinander – eine Brustflossenform, die bei niedrigen Geschwindigkeiten maximalen Auftrieb auf Kosten der hohen Manövrierfähigkeit brachte. Das bedeutete, dass sie groß werden konnten, während sie ihre Position in der Wassersäule mit minimalem Aufwand beibehielten.

Wie Anneke van Heteren, Kuratorin an der SNSB-Zoologischen Staatssammlung München bemerkte: „Einer der entscheidenden Faktoren für den Gigantismus bei Planktonfressern ist die Erzeugung von genügend Auftrieb, so dass sich die Tiere durch das Wasser bewegen und effizient fressen können. Durch die Entwicklung einer klingenförmigen Brustflosse wurde Leedsichthys zum größten Fisch mit Strahlflossen, den die Wissenschaft kennt.“

Das Forscherteam erhofft sich nun, durch die weitere Analyse der Brustflossenformen auch neue Erkenntnisse zu Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Familie der Pachycormidae zu erhalten.


Publikation
Liston JL, Maltese AE, Lambers PH, Delsate D, Harcourt-Smith WEH and van Hetern AH. Scythes, sickles and other blades: defining the diversity of pectoral fin morphotypes in Pachycormiformes. PeerJ. DOI 10.7717/peerj.7675

Kontakt
Dr. Anneke H. van Heteren
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 125
E-Mail: vanHeteren@snsb.de

Flechten: Teamwork macht den Unterschied

Botanische Staatssammlung München

Überall, doch scheinbar unscheinbar – Flechten besiedeln weltweit Bäume oder Felsen. Diese Lebewesen leisten im Verborgenen jedoch Erstaunliches: Sie produzieren unter anderem Stoffe, die für die Pharmazie von großem Interesse sind. Forscher der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) sowie der TU München konnten erstmalig einen Stoffwechselprozess in intakten, lebenden Bartflechten darstellen, der zur Produktion solcher sogenannten sekundären Flechtenstoffe führt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler vor Kurzem in der wissenschaftlichen Zeitschrift New Phytologist.

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften zwischen Pilzen und Photosynthese betreibenden Grünalgen oder Cyanobakterien. Der Stoffwechsel dieser Symbiose-Einheiten unterscheidet sich deutlich vom Stoffwechsel einzeln lebender Symbiosepartner. So werden z.B. viele sekundäre Flechtenstoffe nur in der Symbiose gebildet. Ziel der aktuellen Studie war es, die Stoffwechselvorgänge innerhalb der Flechten zu analysieren – und zwar unter möglichst lebensnahen Bedingungen an intakten Organismen.

Wissenschaftlern der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) und der Technischen Universität München (TUM) gelang nun erstmalig, den kompletten Stoffwechselprozess zur Produktion des Flechtenstoffes Usninsäure aufzudecken. Dies gelang durch die sogenannte 13C-Methode: Die Forscher sprühten dabei  eine isotopisch markierte Zuckerlösung ([U-13C]Glukose) auf die intakte Flechte der Art Usnea dasopoga und analysierten anschließend Extrakte dieser Flechte mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR). Diese Analysenmethode nutzt ein statisches, homogenes Magnetfeld, um die Wechselwirkung von Atomkernen zu bestimmen. Dieses Prinzip wird auch bei der Kernspintomographie in der Medizin genutzt. „Es hat sich gezeigt, dass die 13C-Methode hervorragend geeignet ist, um die Biosynthese von Usninsäure in dem komplexen biologischen System einer Flechte zu beleuchten“, freut sich Prof. Wolfgang Eisenreich von der TUM.

Die untersuchte Flechte Usnea dasopoga ist in den Alpen weit verbreitet und gehört zur Gruppe der Bartflechten, die meist von Bäumen herabhängend wachsen. Als eine Besonderheit von Flechten der Gattung Usnea wird Usninsäure gebildet, eine komplex aufgebaute Flechtensäure. Diese Verbindung ist sehr vielseitig einsetzbar: Sie wirkt sowohl antiviral als auch antibakteriell und wird bereits erfolgreich in Therapien gegen Influenza, Hepatitis C und diverse bakteriell-entzündliche Erkrankungen eingesetzt. Bemerkenswert ist auch die UV-Licht-absorbierende Wirkung der Usninsäure sowie ihr Einsatz im Lifestyle-Bereich als Nahrungsergänzungsmittel zur Gewichtsreduktion. Allerdings sollten mögliche Leberschädigende Effekte beachtet werden.

„Wenn man die Wege und Mechanismen ihrer Herstellung im Inneren der Flechte kennt, kann man die Flechtenstoffe und ihre potentiellepharmazeutische oder weitere biotechnologische Verwendung besser verstehen“, erläutert Dr. Andreas Beck, Flechten-Experte der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM). „In der Grundlagenforschung wollen wir die Methode nun nutzen, um den Stoffaustausch zwischen den Symbiosepartnern noch eingehender zu untersuchen.“

Publikation:
Kuhn, V. , Geisberger, T. , Huber, C. , Beck, A. and Eisenreich, W. (2019), A facile in vivo procedure to analyze metabolic pathways in intact lichens. New Phytol. doi:10.1111/nph.15968

Kontakt:
Dr. Andreas Beck
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 266
E-Mail: beck@snsb.de

Grenzüberschreitende Kooperation: Neues Projekt erfasst die „Flora des Böhmerwaldes“

SNSB IT-Zentrum & Botanische Staatssammlung München

Über die Artenvielfalt der Pflanzen des Böhmerwalds ist bisher wenig bekannt. Das nun gestartete Forschungsprojekt „Flora des Böhmerwaldes“ soll die Pflanzenvielfalt in diesem biologisch einzigartigen Gebiet umfassend erforschen. Kooperationspartner des Projekts sind die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) mit dem SNSB IT-Zentrum und der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), der Lehrstuhl für Botanik der Südböhmischen Universität Budweis sowie die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava.

„Trotz langer Tradition der floristischen Erforschung dieser Region in beiden Ländern lag bisher noch keine grenzüberschreitende Gesamterfassung vor“, erklärt Cornelia Straubinger, zuständig für das Projekt beim Nationalpark Bayerischer Wald. Der Böhmerwald erstreckt sich über die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava hinaus, vom Gebiet des Großen Arbers bis in das österreichische Mühlviertel. Das deutsch-tschechische Wissenschaftlerteam hat es sich zum Ziel gemacht, gemeinsam sowohl historische floristische Daten der Region zusammenzuführen und aufzuarbeiten, als auch die aktuelle Pflanzenvielfalt durch neue Kartierungen zu ergänzen. „Wir wollen grenzüberschreitend einheitliche Methoden zur Bestandsaufnahme der Pflanzen verwenden und etablieren“, so Straubinger.
Die gesammelten Daten über die aktuelle und historische Verbreitung sowie Häufigkeit der Gefäßpflanzenarten des Böhmerwaldes werden nach Auswertung durch Experten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – auf einem gemeinsamen Onlineportal in tschechischer und deutscher Sprache. Die Zusammenführung sämtlicher Informationen ist von großer Bedeutung, um passende Maßnahmen für den Arten- und Ökosystemschutz auf beiden Seiten der Grenze entwickeln zu können. Dazu gehört auch die Überwachung der Bestandsentwicklung von seltenen und bedrohten Arten. Eine große Anzahl der Pflanzen im Nationalpark sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht wie die „Vielteilige Mondraute“ (Botrychium multifidum) und der „Böhmische Enzian“ (Gentianella bohemica Skalický).

„Moderne Untersuchungsmethoden erbringen neue Erkenntnisse zur Entwicklung und Ökologie gefährdeter Arten. Wir hoffen so, die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für deren Erhalt in der Öffentlichkeit zu steigern“, sagt Wolfgang Diewald, Projektmitarbeiter an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM).
Für die Verwaltung und Weiterverarbeitung der Daten ist das IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) verantwortlich. Es bildet die Schnittstelle zwischen den deutschen und tschechischen Datenbanksystemen. Für die GPS-genaue Erhebung der Beobachtungsdaten ist im Böhmerwald-Projekt die vom SNSB IT-Zentrum entwickelte DiversityMobile App routinemäßig im Einsatz. „Unsere App bildet eine wichtige Komponente des Datenflusses“, freut sich Dagmar Triebel, Leiterin des IT-Zentrums und Projektkoordinatorin an den SNSB.

Das Projekt „Flora des Böhmerwaldes“ ist eine Maßnahme zur grenzübergreifenden Zusammenar-beit zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik und wird im Rahmen der EU-Initiative Interreg gefördert. Auf bayerischer Seite wird das Programm durch die Regierung von Niederbayern verwaltet. Sämtliche Daten stehen auch dem Langzeitmonitoringprojekt „Flora von Bayern“ zur Verfügung.

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
Botanische Staatssammlung München und SNSB IT-Zentrum
Menzinger Straße 67
80638 München
Tel.: 089-17861-252
Email: triebel@snsb.de

Weitere Information im Bayernflora Wiki:
https://wiki.bayernflora.de/web/Flora des Böhmerwaldes – Květena Šumavy – Flora Silvae Gabretae

Nach 25 Jahren abgeschlossen: Die Inventur europäischer Spannerfalter

Zoologische Staatssammlung München

Ein internationales Forscherteam hat in den letzten 25 Jahren die wissenschaftlichen Grundlagen der europäischen Spannerfalter, der zweitgrößten Familie der Schmetterlinge, erforscht und in einem sechsbändigen Werk “The Geometrid Moths of Europe“ veröffentlicht. Der sechste und letzte Band wurde Anfang Juni auf dem europäischen Kongress für Lepidopterologie im süditalienischen Campobasso vorgestellt.

Die nachtaktiven Spannerfalter sind mit knapp 1000 Arten in Europa, von denen über 430 Arten auch in Deutschland vorkommen, die zweitgrößte Familie unter den Schmetterlingen. Bekannt vor allem als Schädlinge (z.B. Frostspanner), spielen die Spanner auch eine nicht zu unterschätzende Rolle als Teil der Nahrungskette. Sie bilden die unverzichtbare Lebensgrundlage vieler Vögel und Fledermäuse. Dennoch war diese Tiergruppe in Europa bisher nur unzureichend erforscht.

Diese Lücke wurde nun geschlossen: Ein internationales Forscherteam hat während der letzten 25 Jahre die wissenschaftlichen Grundlagen wie z.B. Morphologie, Verwandtschaftsbeziehungen, Verbreitung, Ökologie und Lebensweise dieser Insektengruppe erforscht. Es hat seine Ergebnisse in einem nun sechsbändigen Werk “The Geometrid Moths of Europe“ in den Verlagen Apollo Books und Brill publiziert. Der abschließende Band konnte kürzlich auf dem europäischen Kongress für Lepidopterologie im süditalienischen Campobasso vorgestellt werden. Neben Kollegen aus Dänemark, Finnland, Estland und Russland waren vier deutsche Forscher als Autoren beteiligt: Dr. Axel Hausmann aus der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), Dr. Hossein Rajaei aus dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, Sven Erlacher vom Naturkundemuseum Chemnitz sowie Dr. Bernd Müller aus Berlin.

Mit einem Gesamtumfang von 3.652 Seiten, 119 Farbtafeln und Tausenden von Detailabbildungen wird diese Buchreihe sicherlich für lange Zeit als Standardwerk gelten können. Modernste Methoden flossen hierbei mit ein, wie zum Beispiel das „DNA Barcoding“, eine genetische Typisierung aller Tierarten ähnlich dem Fingerprinting in der Forensik. Bisher konnten schon für 99% aller europäischen Spannerfalterarten derartige „DNA Barcodes“ erstellt werden. Die Erforschung der Artenvielfalt, auch „Biodiversität“ genannt, spielt eine wesentliche Rolle für ein Verständnis unserer Umwelt, ohne welches jede Bemühung um deren Schutz ins Leere läuft. Schon der Kirchenlehrer Augustinus lehrte uns: Was man nicht kennt, wird man nicht lieben. Und wenn man die Natur nicht liebt, wird man sie nicht schützen.

Publikationen der 6 Bände der Buchreihe:

  • Hausmann, A. (2001): Introduction. Archiearinae, Orthostixinae, Desmobathrinae, Alsophilinae, Geometrinae. In A. Hausmann (ed.): The Geometrid Moths of Europe 1: 1–282. Apollo Books, Stenstrup.
  • Mironov, V. (2003): Larentinae II. In Hausmann, A. (ed.): The Geometrid Moths of Europe 4: 1–464. Apollo Books, Stenstrup.
  • Hausmann, A. (2004): Sterrhinae. In A. Hausmann (ed.): The Geometrid Moths of Europe 2: 1–600. Apollo Books, Stenstrup.
  • Hausmann, A. & J. Viidalepp (2012): Larentiinae I. In Hausmann, A. (ed.): The Geometrid Moths of Europe 3: 1–743. Apollo Books, Vester Skerninge.
  • Skou, P. & P. Sihvonen (2015): Ennominae I. In Hausmann, A. (ed.): Geometrid Moths of Europe, vol. 5, pp. 1–657. Brill, Leiden.
  • Müller, B., Erlacher, S., Hausmann, A., Rajaei, H., Sihvonen, P. & P. Skou (2019): Ennominae II. – In A. Hausmann, P. Sihvonen & H. Rajaei (eds): The Geometrid Moths of Europe 6: 1–906. Brill, Leiden


Kontakt:
Dr. Axel Hausmann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: hausmann.a@snsb.de
Tel.: 089 8107 158

Buntbarsche im Riftvalley: Neues Licht auf Cichliden-Evolution in Afrika

Department für Geo- und Umweltwissenschaften, LMU und Zoologische Staatssammlung München

Ein interdisziplinäres Team unter dem Dach des GeoBio-Centers der LMU entwickelt einen integrativen Ansatz, um fossile Buntbarsche zu klassifizieren.

Buntbarsche (Cichlidae) sind weltweit verbreitete tropische Süßwasserfische. Sie weisen vielfältige Spezialisierungen auf, wie zum Beispiel Brutpflege der Eier und Larven, manche betreiben zum Schutz des Nachwuchses sogar Maulbrutpflege. Als „Tilapia“ sind einige Arten auch als Delikatesse bekannt und von großer ökonomischer Bedeutung. In Afrika haben Buntbarsche ihre größte Artenvielfalt entwickelt, mit mindestens 1.100 Spezies. Die meisten der Arten sind in den großen Seen im Ostafrikanischen Grabenbruch (Riftvalley) beheimatet.

„Wann und wie die afrikanischen Buntbarsche ihre Vielfalt entwickelt haben, ist ein zentrales Thema der Evolutionsbiologie und Paläobiologie“, sagt Bettina Reichenbacher, Professorin für Paläontologie an der LMU und Mitglied des GeoBio-Centers der LMU. Denn fossile Buntbarsche sind der einzige direkte Nachweis, wie sich Linien entwickelt haben; sie sind für die Wissenschaft die unmittelbaren Zeugen der Evolutionsgeschichte. Allerdings gestaltet sich die Suche nach derartigen Fossilien als schwierig und extrem aufwendig. In Afrika wurden bisher nur etwa 20 fossile Buntbarsch-Arten entdeckt – eine verschwindend kleine Zahl gemessen an der Artenvielfalt der heutigen afrikanischen Buntbarsche.

In einer Studie, die aktuell im Fachjournal Scientific Reports erscheint, stellt ein Team um Bettina Reichenbacher den fossilen Buntbarsch Oreochromimos erstmals vor. Sein Name weist auf seine Ähnlichkeit mit den heute in ganz Afrika verbreiteten Oreochromini hin. „Bei der Bearbeitung war die Frage, ob die Fossilien einer der heutigen Buntbarsch-Linien zugeordnet werden können, eine besondere Herausforderung“, sagt Stefanie Penk, Erstautorin der Studie und Doktorandin in der Arbeitsgruppe von Bettina Reichenbacher. Das liegt zum einen an der heutigen Vielfalt der Buntbarsche, zum anderen an der großen Ähnlichkeit zwischen auch nicht näher verwandten Arten. „Die Architektur des Knochengerüstes von Buntbarschen ist ziemlich konservativ. Sie haben alle ein ähnliches Grundgerüst, das sich auch bei der Entstehung neuer Arten kaum ändert“, erläutert Bettina Reichenbacher. Gemeinsam mit Dr. Ulrich K. Schliewen, Ko-Autor der Studie und Kurator für Fische an der Zoologischen Staatssammlung in München (SNSB-ZSM) sowie ebenfalls Mitglied des GeoBio-Centers der LMU, entwickelte die Arbeitsgruppe daher den „best fit“ approach. „Dieser bedeutet, dass das Fossil mit allen heutigen Linien verglichen wird – ein Ansatz, der unmöglich erscheint angesichts der heutigen Vielfalt dieser Fische –, jedoch durch die Zusammenarbeit mit Ulrich Schliewen gelang. Denn in der von ihm betreuten Sammlung befindet sich eine unglaubliche Fülle afrikanischer Buntbarscharten, und damit das notwendige Vergleichsmaterial für unsere Studie“, sagt Stefanie Penk.

Einzigartiges Fenster in die Vergangenheit

Oreochromimos wurde in Zentral-Kenia entdeckt. Dort, inmitten des Ostafrikanischen Grabenbruchs, befindet sich die Gebirgskette der Tugen Hills. Diese bietet ein einzigartiges Fenster in die Vergangenheit: Vulkan- und Sedimentgesteine, die vor etwa fünf bis 20 Millionen Jahren abgelagert und anschließend tief versenkt wurden, wurden später durch geologische Aktivitäten wieder angehoben, bis auf 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Dadurch sind in den Tugen Hills fossilienführende Gesteine zugänglich, die in anderen Regionen Afrikas nicht vorhanden oder nicht zugänglich sind. Die aus den Gesteinen der Tugen Hills geborgenen Fossilien sind einzigartig, auch der im Jahr 2000 gefundene etwa sechs Millionen Jahre alte „Ur-Mensch aus den Tugen Hills“, Orrorin tugenensis, stammt von dort.

Zu den einzigartigen Funden aus den Gesteinsformationen der Tugen Hills zählen auch die fossilen Buntbarsche. Sie sind seit 2011 Gegenstand des „Kenia-Projektes“ von Bettina Reichenbacher und ihrer Arbeitsgruppe. Zunächst in Kenia ausgegraben, danach in Kooperation mit der Egerton Universität in Kenia als Leihgabe an das Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU transportiert, werden sie dort seither wissenschaftlich ausgewertet.

Oreochromimos ist mit 12,5 Millionen Jahren der älteste Vertreter der Oreochromini. Zudem ist er der älteste fossile Nachweis der Gruppe der Haplotilapiinen Buntbarsche und damit der Linie, aus der der Löwenanteil der heutigen Vielfalt der afrikanischen Buntbarsche hervorgegangen ist. Mit dem innovativen und vergleichenden Ansatz hat das Team außerdem eine Grundlage für künftige Bestimmungen von Buntbarsch-Fossilien erarbeitet. „Mit diesem Datensatz wird es in Zukunft möglich sein, fossile Buntbarsche weitaus genauer zu klassifizieren als bisher und so ihre Evolutionsgeschichte weiter zu erhellen“, sagt Bettina Reichenbacher.

(Text: LMU)

Publikation:
Stefanie B. R. Penk, Melanie Altner, Alexander F. Cerwenka, Ulrich K. Schliewen, Bettina Reichenbacher: New fossil cichlid from the middle Miocene of East Africa revealed as oldest known member of the Oreochromini. In: Scientific Reports 2019
https://rdcu.be/bKqXr

Kontakt
Professor Bettina Reichenbacher
Department für Geo- und Umweltwissenschaften
Paläontologie & Geobiologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Tel.: +49 (0) 89/2180- 6603
E-Mail: b.reichenbacher@lrz.uni-muenchen.de

Klimawandel – Flechten, die ersten Siedler nach der großen Schmelze

Flechten gehören zu den ersten Organismen, die Felsen oder steinige Böden nach der Gletscherschmelze neu besiedeln. Forscher u.a. der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) untersuchten die Flechtenvegetation nach dem Abschmelzen von Eismassen in der Antarktis. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler Anfang Mai in der wissenschaftlichen Zeitschrift Symbiosis.

Der Klimawandel hat großen Einfluss auf die Entwicklung der Ökosysteme auf der Erde. Besonders bemerkbar macht sich die Veränderung des Klimas in der Antarktis: So hat beispielsweise King George Island, eine Insel der Südlichen Shetlandinseln der Antarktis, mit 3,0°C den weltweit höchsten Temperaturanstieg während der vergangenen 60 Jahre erfahren. Wissenschaftler erwarten eine Zunahme der eisfreien Gebiete der Antarktis um ein Viertel bis zum Ende des Jahrhunderts. Dies wird sich auch in den Ökosystemen widerspiegeln.

Flechten sind symbiontische Lebensgemeinschaften zwischen Pilzen und Photosynthese betreibenden Grünalgen oder Cyanobakterien. Sie sind besonders gut an extreme Standorte angepasst und bilden häufig die Pioniervegetation auf durch Eisschmelze freiwerdenden Flächen. Daher sind die eisfreien Lebensräume der Antarktis weitestgehend von Flechten dominiert. Die Besiedelung ändert sich stetig mit zunehmendem „Alter“ des Geländes: Je länger ein Gebiet eisfrei ist, desto artenreicher sind auch die Flechtengemeinschaften. Ein Grund dafür ist, dass den Organismen mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen.

Eine Arbeitsgruppe um Andreas Beck, Kurator an der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), untersuchte in Kooperation mit einer Forscherin aus Temuco (Chile) nun Flechtengemeinschaften der Gattung Placopsis von den Südlichen Shetlandinseln (maritime Antarktis) und ihre Grünalgensymbionten. Erforscht wurden die Flechtengemeinschaften von diversen Standorten unterschiedlicher Enteisungsphasen. Die Krustenflechte Placopsis kommt weltweit mit etwa 60 Arten vor. Ihre größte Vielfalt hat sie auf der Südhalbkugel. Über ihre Grünalgensymbionten war bislang wenig bekannt.

Zunächst haben DNA Analysen gezeigt, dass es sich bei den Pionierflechten Placopsis antarctica und Placopsis contortuplicata um genetisch eng verwandte Schwesternarten handelt. Für beide Arten konnten die gleichen Grünalgensymbionten identifiziert werden: die ebenso eng verwandten Stichococcus antarcticus und Stichococcus allas. Arten dieser Grünalgengattung waren den Wissenschaftlern bisher weltweit fast nur als freilebende Formen bekannt. Bemerkenswert ist die Verwandtschaft der antarktischen Stichococcus-Arten: Ihre genetisch nächsten Verwandten finden sich in den Böden der Schweizer und Österreichischen Alpen – ebenfalls in Gletschernähe. Aufgrund ihrer geringen Größe, wäre der Transport durch Winde zwar möglich, aber aufgrund der vorherrschenden Windrichtung auch sehr schwierig, so Andreas Beck, Erstautor der Studie. Doch ihre Lebensräume sind – trotz der großen Distanz – recht ähnlich: kahl und vom Rückzug der Gletscher betroffen.

Besonders überrascht hat die Forscher, dass die genetische Variabilität der Grünalgen mit der Länge der Eisfreiheit der Fläche, auf der sie siedeln, zunimmt. Einige genetische Varianten sind auf die am längsten eisfreien Gebiete beschränkt. Somit steigt nicht nur der Artenreichtum der Flechtengemeinschaften, sondern auch die genetische Variabilität der Symbiosepartner. „Die unterschiedlichen Oberflächenalter der Böden sind vermutlich nicht die Ursache für diese genetische Variation der Grünalgen.  Verantwortlich könnten Variablen wie Temperaturunterschiede, die Länge der Schneebedeckung oder die Entfernung zur Küste sein. Um das zu klären sind weitere Studien notwendig,“ erläutert Andreas Beck.

Publikation:
Beck, A., Bechteler, J., Casanova-Katny, A., Dzhilyanova, I. 2019 The pioneer lichen Placopsis in maritime Antarctica: Genetic diversity of their mycobionts and green algal symbionts, and their correlation with deglaciation time. Symbiosis https://doi.org/10.1007/s13199-019-00624-4

Kontakt:
Dr. Andreas Beck
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: 089 17861 266
E-Mail: beck@snsb.de

BIOSCAN: Internationale Forschungsinitiative startet Programm zur globalen Erfassung der Artenvielfalt

Zoologische Staatssammlung München

Die internationale Forschungsinitiative „International Barcode of Life“ (iBOL), an dem Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen aus über 30 Ländern beteiligt sind, zielt darauf ab, das vielzellige Leben auf der Erde innerhalb von 25 Jahren zu inventarisieren. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) leistet als weltweit drittgrößter Probenlieferant dazu einen wertvollen Beitrag.

Laut Weltbiodiversitätsrat IPBES sind aktuell rund eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Von den Arten, die auf der Erde vorkommen, ist der größte Teil allerdings noch unbekannt und unerforscht. Die internationale Forschungsinitiative „International Barcode of Life“ (iBOL), an dem Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen aus über 30 Ländern beteiligt sind, zielt darauf ab, das vielzellige Leben auf der Erde innerhalb von 25 Jahren zu inventarisieren. Herzstück des Projekts ist der Aufbau einer DNA-Datenbank, in der artspezifische DNA-Kennsequenzen abgelegt werden. In dieser Datenbank befinden sich bereits DNA-Barcodes von 600.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Nun geht die Forschungsinitiative iBOL in die nächste Phase: In Trondheim wurde vergangene Woche während der 8. Internationalen Barcode of Life-Konferenz das Programm BIOSCAN vorgestellt: Mit BIOSCAN möchte das Forschungskonsortium innerhalb der nächsten sieben Jahre weitere 2 Millionen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten genetisch erfassen. Hierzu sollen 10 Millionen einzelne Lebewesen aus Süßwasser, Meeren und terrestrischen Ökosystemen gesammelt und analysiert werden. Besonderer Fokus von BIOSCAN liegt auf der Untersuchung von Wechselbeziehungen zwischen Organismen, um die Zusammenhänge biologischer Gemeinschaften aufzudecken. Interaktionen zwischen Arten sind oft sehr komplex und noch weitgehend unbekannt.

BIOSCAN will zudem die Grundlage für ein – ähnlich dem Wetterbeobachtungssystem – globales Beobachtungssystem für Biodiversität der Erde schaffen. Mit Hilfe des sogenannten „DNA-Metabarcoding“ sollen Massenproben analysiert werden. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, Veränderungen von Lebensgemeinschaften in Raum und Zeit in bestimmten Ökosystemen zu untersuchen und zu dokumentieren. Hierzu sollen Tier- und Pflanzenproben von strategisch ausgewählten Untersuchungsflächen weltweit analysiert werden.

Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) ist bereits seit über 10 Jahren Projektpartner von iBOL und für DNA-Barcoding Projekte in Deutschland bzw. Bayern führend verantwortlich (www.barcoding-zsm.de). „Das weltweite Artensterben macht auch vor unserer Haustür nicht Halt. Es besteht die Gefahr, dass viele Arten unwiederbringlich verschwinden, bevor wir sie überhaupt entdeckt haben. Schützen und erhalten können wir nur, was wir auch kennen“, erklärt Axel Hausmann, Koordinator der DNA-Barcoding Projekte an der ZSM und Vertreter Deutschlands im iBOL-Steering-Komitee. Die Münchner Forschungssammlung ist der weltweit drittgrößte Probenlieferant für das iBOL-Projekt. Rund 260.000 Proben von Tieren haben die Münchner Zoologen iBOL bisher zur Verfügung gestellt. Bisher wurden von den ZSM-Wissenschaftlern DNA-Barcodes von etwa 55.000 Tierarten aus aller Welt erstellt. Ermöglicht wurden die deutschen bzw. bayerischen DNA-Barcode-Projekte durch umfangreiche Fördermittel vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (Projekt German Barcode of Life) sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (Projekt Barcoding Fauna Bavarica).

Auch an der ZSM sollen die DNA-Barcoding-Projekte als Teil von BIOSCAN weitergeführt werden. „Wir wollen durch unsere Forschung auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und Schutz der Artenvielfalt leisten“, so Hausmann.

Links
www.barcoding-zsm.de – DNA-Barcoding an der Zoologischen Staatssammlung München
www.bolgermany.de  – German Barcode of Life
www.ibol.org – International Barcode of Life

Kontakt:
Dr. Axel Hausmann
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
E-Mail: hausmann.a@snsb.de
Tel.: 089 8107 158

Genomforschung: Die Pest kam in mehreren Wellen in das frühmittelalterliche Bayern

Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

Ein internationales Forschungsteam hat menschliche Überreste von 21 archäologischen Fundorten untersucht, um mehr über Auswirkung und Evolution des Pesterregers Yersinia pestis während der ersten Pestpandemie (541-750 n. Chr.) zu erfahren. In einer Studie, die nun in der Fachzeitschrift PNAS publiziert wurde, gelang es dem Team, das gesamte Erbgut aus Überresten verschiedener, über 1300 Jahre alter Pestbakterien aus Deutschland und erstmals auch darüber hinaus aus Großbritannien, Frankreich und Spanien zu rekonstruieren. So konnte eine bisher unbekannte Vielfalt an Pesterregern aufgedeckt werden, die unter anderem neue Erkenntnisse über die Pest im frühmittelalterlichen Bayern liefert.

Im Jahr 541 begann im Byzantinischen Reich eine verheerende Seuche, die sog. „Justinianische Pest“, benannt nach dem damals regierenden Kaiser Justinian I. In der Folge suchte die Krankheit für nahezu 200 Jahre in mehreren Wellen Europa und den Mittelmeerraum heim. Zeitzeugen hinterließen Berichte über das Ausmaß der Pandemie, die Schätzungen zufolge bis zu 25% der Bevölkerung des Mittelmeerraumes ausgelöscht hatte. Paläogenetische Studien an baiuvarischen Gräbern aus Aschheim (Lkr. München) und Altenerding (Lkr. Erding) in Bayern konnten in den letzten Jahren nachweisen, dass tatsächlich der Pest-Erreger, das Bakterium Yersinia pestis, für die Pandemie verantwortlich war. Bisher war nur diese eine Variante des Pestbakteriums aus dem frühmittelalterlichen Bayern bekannt, nun konnten weitere, bisher unbekannte Peststämme identifiziert werden, die vom sechsten bis ins achte Jahrhundert Europa heimsuchten. Die Untersuchung ihrer Verwandtschaft gibt Aufschluss über die Ausbreitung der Pest. 

Neue Nachweise der Pest in Bayern und erstmals auch in Großbritannien, Frankreich und Spanien
In der neuen Studie analysierte ein internationales Forschungsteam unter Führung von Johannes Krause, Direktor am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte, menschliche Überreste aus Mehrfachbestattungen von 21 archäologischen Fundorten in fünf Ländern. Angestoßen wurde die Studie unter anderem durch die Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München (SNSB-SAPM). In Zusammenarbeit mit der Archäologischen Staatssammlung, sowie Archäologen der LMU München und des Landesamts für Denkmalpflege wurden systematisch frühmittelalterli-che Mehrfachbestattungen aus Bayern auf den Pesterreger hin untersucht. Dabei wurden mehr als achtzig Proben von 16 Gräberfeldern bearbeitet. Die DNA des Pesterregers Yersinia pestis wurde in zwölf Individuen nachgewiesen, die in frühmittelalterlichen Gräberfeldern in Dittenheim (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen), Unterthürheim (Lkr. Dillingen/Donau), Petting und Waging (beide Lkr. Traunstein) bestattet wurden.

Für Dittenheim, Unterthürheim und Petting konnten sogar ganze Y.-pestis-Genome rekonstruiert werden. Außerdem gelang es dem Team zum ersten Mal frühmittelalterliche Y.-pestis-Genome außerhalb Bayerns, nämlich aus Großbritannien, Frankreich und Spanien zu sequenzieren. Während historische Berichte eindeutig von frühmittelalterlichen Epidemien in den Mittelmeerländern wie Frankreich und Spanien berichten, galt es bislang als fraglich ob es die Justinianische Pest auch bis nach Großbritannien geschafft hatte. Mit dem nun vorliegenden Nachweis des Pesterregers in einem angelsächsischen Gräberfeld in England (Edix Hill) dürften die langjährigen Spekulationen darum beendet sein.

Vielfalt von Yersinia-pestis-Stämmen während der ersten Pestpandemie
Die acht im Rahmen der Studie neu rekonstruierten Genome offenbarten eine bislang unbekannte Vielfalt von Pesterreger-Stämmen im Europa des 6. bis 8. Jahrhunderts. “Trotz der Vielfalt haben die Genome allerdings nur eine einzige gemeinsame Abstammungslinie. Dies deutet darauf hin, dass die Pest wohl nur einmal in den Mittelmeerraum bzw. nach Europa eingetragen wurde“, erklärt Marcel Keller, einer der Hauptautoren, der für die Studie als Doktorand am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte sowie an der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie tätig war. „Sie hatte sich vermutlich in Nagetierpopulationen in Europa oder dem Nahen Osten festgesetzt und wurde von dort auch immer wieder auf den Menschen übertragen, wodurch es wiederholt zu Epidemien kam.“

Mindestens zwei Pestwellen in Bayern
Auch in Bayern brach die Pest wohl öfter aus: „Während die Genome aus Unterthürheim und Dittenheim identisch mit den ersten Genomen aus Aschheim und Altenerding sind, haben wir in Petting einen zweiten, unabhängigen, wenn auch nah verwandten Peststamm gefunden“, erklärt Koautorin Michaela Harbeck von der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München. „Dies deutet darauf hin, dass Bayern von mindestens zwei Pestwellen betroffen war.“

„Diese Entdeckung ist sehr bedeutsam, da wir im Gegensatz zu den anderen Regionen für die Pest im frühmittelalterlichen Bayern keinerlei schriftliche Belege haben. Anhand der nun insgesamt sechs bayerischen Fundorte mit Pestnachweis können wir sehen, wie umfassend die Region damals von der Seuche betroffen war. Ohne die paläogenetischen Nachweise wäre uns das heute völlig unbekannt“, führt Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung aus.

Publikation:
Keller M, Spyrou MA, Scheib CL, Neumann GU, Kröpelin A, Haas-Gebhard B, Päffgen B, Jochen Ha-berstroh J, i Lacomba AR, Raynaud C, Cessford C, Durand R, Stadler P, Nägele N, Bates JS, Tra-utmann B, Inskip S, Peters J, Robb JE, Kivisild T, Castex D, McCormick M, Bos KI, Harbeck M, Herbig A, Krause J (2019) Ancient Yersinia pestis genomes from across Western Europe reveal early diversi-fication during the First Pandemic (541–750). Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America
https://doi.org/10.1073/pnas.1820447116

Kontakt:
Marcel Keller
derzeit tätig an der Universität Tartu
Telefon: +49 151 23057263
E-Mail: marcel.keller@ut.ee

Dr. Michaela Harbeck
SNSB – Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München
Telefon: 089 5488 438 13
E-Mail: harbeck@snsb.de

Dr. Brigitte Haas-Gebhard
Archäologische Staatssammlung München
Telefon: 089 12599691-23
E-Mail: brigitte.haas-gebhard@extern.lrz-muenchen.de

Neue Fischgattungen aus den Solnhofener Plattenkalken

Jura-Museum Eichstätt

Die jurazeitlichen Kalkschichten rund um Eichstätt bringen immer wieder Überraschendes zu Tage: Wissenschaftler des Jura-Museums Eichstätt beschrieben nun gleich zwei 150 Millionen Jahre alte Fischfossilien aus den Solnhofener Plattenkalken, die beide jeweils einer neuen Gattung zugeordnet werden konnten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie diese Woche in der Fachzeitschrift Journal of Vertebrate Paleontology.

Die beiden neuen Fische Zandtfuro tischlingeri EBERT, 2019 und Schernfeldfuro uweelleri EBERT, 2019, benannt nach ihren Fundorten Zandt und Schernfeld im Landkreis Eichstätt, sind kleine Raubfische mit relativ großen Zähnen aus der Gruppe der Halecomorphi.

Vor 150 Millionen Jahren lag Bayern in den Tropen: Im Bereich des heutigen Altmühltals erstreckte sich eine ausgedehnte Karbonatplattform vergleichbar mit den heutigen Bahama Banks, mit Inseln, Riffen und freien Wasserflächen. Dort schwammen etliche Arten dieser Fischgruppe durch die Wannen des Solnhofener Archipels. Die Fossillagerstätten um Eichstätt und Solnhofen stellen heute ein einmaliges „Fenster der Erdgeschichte“ dar. Aufgrund ihrer hervorragend erhaltenen Fossilien geben sie detaillierte Einblicke in die damalige Tier- und Pflanzenwelt. Berühmtestes Fossil der süddeutschen Plattenkalke ist sicherlich der Urvogel Archaeopteryx. Bemerkenswert ist allerdings auch die außergewöhnlich gute Erhaltung ihrer Fischfossilien.

Die Halecomorphi waren zur Zeit des Oberjura weit verbreitet. Heute ist aus dieser Gruppe nur noch eine einzige Art bekannt, der nordamerikanische Kahlhecht oder Schlammfisch (Amia calva). Es scheint so, dass die Halecomorphi trotz ihrer ehemaligen Artenfülle von den „echten Knochenfischen“ (Teleostei) verdrängt wurden. Das liegt möglicherweise an den verknöcherten Schuppen vieler Halecomorphi, die einerseits das Tier schützten, andererseits durch ihr Gewicht und ihre Unflexibilität die Bewegung und Geschwindigkeit einschränkten. Martin Ebert, der die Fische aus der Sammlung des Jura-Museums Eichstätt wissenschaftlich bearbeitet, erwartet nun, durch die Beschreibung dieser und weiterer neuer Fischarten der Plattenkalke fundierte Aussagen über die Verwandtschaft der Oberjurassischen Fische und die Ökologie der Plattenkalkwannen treffen zu können.

Zandtfuro tischlingeri EBERT, 2019 ist mit neun bekannten Exemplaren relativ häufig. Die meisten Exemplare stammen aus den Plattenkalken von Zandt bei Denkendorf. Es gibt jedoch auch Exemplare aus der Eichstätter Plattenkalkwanne. Von Schernfeldfuro uweelleri EBERT, 2019 ist bisher nur ein einzelnes Exemplar aus den Oberjurassischen Plattenkalken von Schernfeld bei Eichstätt bekannt.

Jura-Museum Eichstätt
Das Jura-Museum Eichstätt ist eines der bedeutendsten paläontologischen Museen in Deutschland. Auf der Willibaldsburg über der Stadt Eichstätt gelegen, beherbergt es eine weltberühmte Sammlung mit Schwerpunkt auf den Fossilien der „Solnhofener Plattenkalke“.
Die naturkundliche Sammlung wird stetig erweitert und wissenschaftlich bearbeitet. Mit den wissenschaftlichen Grabungen in Schamhaupten und Ettling sowie zahlreichen weiteren Forschungsprojekten ist das Jura-Museum ein fester Bestandteil der weltweiten aktuellen geowissenschaftlichen Forschung.
Das Jura-Museum Eichstätt ist ein Regionalmuseum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (www.snsb.de). Die Schauräume sind derzeit für Besucher vorübergehend geschlossen. Weitere Informationen sind unter www.jura-museum.de zu finden.

Publikation
Ebert M 2019. Zandtfuro and Schernfeldfuro, new genera of Halecomorphi (Actinopterygii) from the Upper Jurassic Solnhofen-Archipelago. Journal of Vertebrate Paleontology
https://doi.org/10.1080/02724634.2019.1592759

Kontakt
PD Dr. Martina Kölbl-Ebert
Jura-Museum Eichstätt
Willibaldsburg
85072 Eichstätt
Telefon: 08421/60298-25
Email: koelbl-ebert@jura-museum.de
Web-Adresse: www.jura-museum.de

Europäische Kommission erkennt „CETAF Code of Conduct and Best Practices“ für Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechten Vorteilsausgleich (ABS) an

DNFS und CETAF Pressemitteilung

CETAF-Verhaltenskodex für den Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechtem Vorteilsausgleich (CETAF Code of Conduct for Access and Benefit Sharing, ABS) von der Europäischen Kommission offiziell als erstes Bewährtes Verfahren für ABS anerkannt.

Der CETAF Code of Conduct wurde der Europäischen Kommission offiziell zur Anerkennung als Best Practicte gemäß Artikel 8 der ABS-Veordnung Nr. 511/2014 eingereicht. Nach einem lang andauernden Prozess, in dem die Europäische Kommission, die Mitgliedsstaten sowie andere Akteure an der Verbesserung des Dokuments mitwirkten, erkannte die Kommission am 10. Mai 2019 mit der Entscheidung C(2019)3380/F1 den Kodex offiziell an und stellte ihn in das Register für Best Practices als erstes und bislang einziges Dokument.

Seit 2012 arbeitet CETAF, beraten durch eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen europäischen Ländern, darunter maßgebliche Beiträge aus Deutschland (DNFS, SNSB, MfN) an der Entwicklung von Leitlinien für Nutzer genetischer Ressourcen, um die gesetzlichen Vorgaben in der Praxis für Wissenschaftler/innen leichter umsetzbar zu machen.

Nach der Veröffentlichung der EU-ABS-Verordnung und als Reaktion auf Artikel 20 des Nagoya-Protokolls zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) hatte CETAF einen “ABS Code of Conduct and Best Practices“ für den Zugang zu genetischen Resourcen und gerechtem Vorteilsausgleich erstellt, der 2015 von der CETAF Gemeinschaft von Naturkundemuseen und Botanischen Gärten angenommen wurde. Damit haben die Institutionen, als Halter naturwissenschaftlicher Sammlungen, eine Leitlinie an der Hand, um auch künftig ihre Arbeit als nichtkommerzielle Forschungseinrichtungen im Bereich der Biodiversitätsforschung zu gewährleisten.

Der „CETAF Code of Conduct and Best Practices“ bietet einen allgemeinen Rahmen, um Wissenschaftler und Techniker bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen. Die Anerkennung durch die Europäische Kommission als „best practice“ würdigt die entwickelten Verfahren, Mechanismen und etablierten Arbeitsabläufe. Darüber hinaus liefert der Kodex Biodiversitätsforschern die geeigneten Instrumente, um die Verpflichtungen der EU-ABS-Verordnung wie den gerechten Vorteilsausgleich mit den Herkunftsländern, den das Nagoya Protokoll schaffen soll, einzuhalten.  
Die CETAF-Mitgliedsinstitutionen freuen sich, dadurch faire Forschungspartnerschaften weltweit bei der Umsetzung des Nagoya-Protokolls zu fördern.

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Websites: 
https://cetaf.org/services/natural-science-collections-and-access-and-benefit-sharing

Für Presseanfragen oder nähere Informationen zum CETAF Code of Conduct wenden Sie sich bitte an:
Ana Casino ana.casino@cetaf.org (english), Excecutive Director CETAF
Dirk Neumann neumann@snsb.de (deutsch), SNSB (www.snsb.de, www.zsm.mwn.de)

Namenlose Fliegen

Zoologische Staatssammlung München

Unsere heimischen Fliegen und Mücken zählen mit knapp 10.000 bekannten Arten zu einer der vielfältigsten Insektengruppen in Deutschland. Von 5.200 nun genetisch erfassten Arten dieser Gruppe konnte für über die Hälfte noch kein wissenschaftlicher Name zugeordnet werden. Die Ergebnisse ihrer Studie haben Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), des Museum Alexander Koenig in Bonn (ZFMK) und der University of Guelph, Kanada in der biologischen Fachzeitschrift Molecular Ecology Resources veröffentlicht.

Im Rahmen ihrer rund 10 Jahre andauernden Studie analysierten die Wissenschaftler insgesamt 45.000 sogenannte Zweiflügler (Diptera) aus Deutschland, zu denen Fliegen und Mücken gehören – mit einem überraschenden Ergebnis! Insgesamt wurden aus den Proben mittels DNA-Barcoding 5.200 verschiedene genetische Linien (sogenannte DNA Barcodes) ermittelt. Rund 2.500 davon konnten als bereits bekannte Arten identifiziert werden. Jedoch konnte für circa die Hälfte der genetischen Kennsequenzen kein wissenschaftlicher Artname zugeordnet werden. Die Wissenschaftler sprechen von sogenannten „Dark Taxa“ – Arten, die entweder noch keinen Namen haben oder deren Identifikation extrem schwierig ist.

Grundsätzlich ist die Gruppe der Diptera unter den Insekten die artenreichste Ordnung in Deutschland. Die meisten Arten sind allerdings sehr klein und unscheinbar und selbst für Experten anhand ihrer äußeren Merkmale nur sehr schwer zu bestimmen. „Uns fehlen weltweit die Fachleute für diese Insektengruppe,“ erklärt Jérôme Morinière, von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Erstautor der Studie, „Wir hoffen nun, genug Diptera-Experten zu finden, die diese vielen unbekannten Arten bestimmen oder neu beschreiben können.“

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte „Barcoding Fauna Bavarica“ und „German Barcode of Life“ (www.barcoding-zsm.de). In diesen Projekten ermitteln die Münchner Forscher genetische Kennsequenzen (DNA-Barcodes) aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten und stellen sie in einer Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Ziel der Initiativen ist es, eine Datenbank zu schaffen, mit der jedes unbekannte Tier, das in Deutschland gefunden wird, an Hand seiner DNA bestimmt werden kann. Bisher wurden von den ZSM-Wissenschaftlern DNA-Barcodes von etwa 23.000 deutschen Tierarten erstellt.

Bis die noch unerforschten „Dark Taxa“ einen wissenschaftlichen Namen erhalten, vergeben die Forscher vorläufige Zwischenbezeichnungen, die auf der genetischen Abgrenzung der Arten basieren. Gerade besonders artenreiche Gruppen wurden bisher in der Biodiversitätsforschung, im Naturschutz und in der ökologischen Forschung aufgrund ihrer schwer zu entschlüsselnden Verwandtschaftsverhältnisse oft vernachlässigt. Die nun publizierte Studie zeigt: Auch die umfassende Sammlung der „genetischen Arten ohne Namen“ erweist sich als effektive Referenz-Bibliothek für die Untersuchung solcher Gruppen.

Publikation
Morinière, J., Balke, M., Doczkal, D., Geiger, M. F., Hardulak, L. A., Haszprunar, G., Hausmann, A., Hendrich, L., Regalado, L., Rulik, B., Schmidt, S., Wägele, J. and Hebert, P. D. (2019), A DNA barcode library for 5,200 German flies and midges (Insecta: Diptera) and its implications for metabarcoding‐based biomonitoring. Mol Ecol Resour. https://doi.org/10.1111/1755-0998.13022

Kontakt
Dieter Doczkal
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 146
E-Mail: doczkal@snsb.de

Jérôme Morinière
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 121
E-Mail: moriniere@snsb.de

Urvögel: Archaeopteryx bekommt Gesellschaft

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Forscher der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) sowie der LMU München beschreiben einen bislang unbekannten Vogel aus dem oberen Jura – es ist erst der zweite bekannte flugfähige Vogel aus dieser Periode überhaupt, neben dem berühmten Archaeopteryx.

Der Thron des Archaeopteryx wackelt. Seit im Jahr 1861 das erste Fossil des Urvogels gefunden wurde, gilt er als einziger Vogel aus der erdgeschichtlichen Periode des Jura. Er belegt als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln, dass die heutigen Vögel direkte Nachfahren von Raubdinosauriern sind. Alle bislang von ihm gefundenen Exemplare stammen aus dem Gebiet des Solnhofer Archipels, das sich im Jura im Bereich des heutigen Altmühltals erstreckte, in der Gegend zwischen Pappenheim und Regensburg. Hier lebte Archaeopteryx vor etwa 150 Millionen Jahren in einer Riff-Insel-Landschaft. Nun hat ein Team um Prof. Oliver Rauhut einen bislang unbekannten Vogel aus der Gegend taxonomisch beschrieben, es ist der zweite bekannte flugfähige Vogel aus dieser Periode überhaupt: Alcmonavis poeschli. „Das weist darauf hin, dass die Diversität der Vogelwelt im oberen Jura größer war als bislang bekannt“, sagt Rauhut, Paläontologe am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU sowie an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.

Von Alcmonavis poeschli wurde nur ein Flügel entdeckt. „Wir hatten erst angenommen, dass auch dieses Exemplar ein Archaeopteryx ist, und haben es uns bei der Untersuchung nicht leicht gemacht. Es sind Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste lassen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handelt“. Wie die taxonomische Studie, die aktuell im Fachmagazin eLife veröffentlicht ist, zeigt, war Alcmonavis poeschli nicht nur etwas größer als Archaeopteryx. Er konnte offenbar auch besser fliegen: „Muskelansatzstellen am Flügel deuten auf ein verbessertes Flugvermögen hin“, sagt Rauhut. Alcmonavis poeschli weist mehrere Merkmale auf, die Archaeopteryx nicht hat, stammesgeschichtlich jüngere Vögel aber schon. Diese deuten auf eine bessere Anpassung an den aktiven Flatterflug hin.

Damit bringt Alcmonavis poeschli neuen Schwung in die Debatte, ob der Vogelflug über den Gleitflug entstanden ist. „Seine Anpassungen zeigen, dass die Evolution des Fluges relativ schnell vorangeschritten sein muss“, sagt Dr. Christian Foth von der Université de Fribourg (Schweiz), einer der Koautoren der Studie.

Seinen Namen verdankt der nun erstmals beschriebene Vogel dem alten keltsichen Namen der Altmühl, Alcmona, und seinem Entdecker Roland Pöschl, der die Ausgrabungen im Steinbruch am Schaudiberg bei Mörnsheim leitet. In denselben Plattenkalkablagerungen wurde auch ein weiteres Fossil eines Archaeopteryx entdeckt. Die beiden Urvögel haben also offenbar parallel in der damals subtropischen Lagunenlandschaft Süddeutschlands gelebt.Publikation
Rauhut, OMW., Tischlinger, H, Foth, C (2019) A non-archaeopterygid avialan theropod from the Late Jurassic of southern Germany. – eLife
https://doi.org/10.7554/eLife.43789.001

Kontakt
Prof. Dr. Oliver Rauhut
SNSB – Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie und
Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU
Tel.: +49 (0) 89/2180-6645
E-Mail: rauhut@snsb.de

Ausgestorben oder nicht? Auf den Spuren des größten Schwimmkäfers der Welt

Zoologische Staatssammlung München

Der größte bekannte Schwimmkäfer, Megadytes ducalis Sharp, 1882, misst fast 48 Millimeter Körperlänge und gilt als eines der seltensten Insekten der Welt. Bisher galt er als ausgestorben, doch Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und der Universität Sorbonne, Paris haben in den Insektensammlungen des Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris Hinweise entdeckt, mit denen lebende Exemplare in der Natur aufgespürt werden könnten. Die Arbeit wurde in der internationalen Fachzeitschrift Zootaxa publiziert.

Von dem größten Schwimmkäfer der Welt, Megadytes ducalis Sharp, 1882, kannte man bisher nur das Typusexemplar, welches sich im Museum of Natural History in London befindet und von dem man lediglich wusste, dass es irgendwann um 1880 in Brasilien gesammelt wurde – Gerüchten zufolge in einem mit Wasser gefüllten Kanu im Amazonasgebiet. Die Art wird heute in den Listen des IUCN als ausgestorbene bzw. verschollene Tierart geführt.

Völlig unerwartet haben deutsche und französische Wissenschaftler in bisher unbearbeiteten Teilen der Pariser zoologischen Sammlungen nun weitere 10 Exemplare des Schwimmkäfers entdeckt. Den Forschern gelang es, die über 100 Jahre alten, historischen Ortsbezeichnungen der konservierten Käfer in heutige Standortdaten zu übersetzen. Diese weisen auf Santo Antônio da Barra (heutiger Name Condeúba) im südlichen Teil von Bahia, Brasilien, hin. Vermutlich ist die Art in den feuchteren Teilen der brasilianischen Savanne oder Cerrado verbreitet. Dadurch sind jetzt gezielte Expeditionen planbar, um diesen Riesenschwimmkäfer lebend wiederzuentdecken.

Nach Europa gebracht wurden die historischen Exemplare von dem französischen Entomologen und Naturforscher Pierre-Émile Gounelle (1850-1914), der von 1884 bis 1914 sieben selbstfinanzierte wissenschaftliche Expeditionen in den Osten und Nordosten Brasiliens unternahm. Dort sammelte er viele Insekten, Spinnen und Pflanzen, die später im Muséum National d’Histoire Naturelle in die Sammlungen aufgenommen wurden.

Lars Hendrich und Michael Balke von der Zoologischen Staatssammlung München: „Es wird nun zum ersten Mal für unsere brasilianischen Kollegen möglich sein, gezielt nach dieser Art zu suchen. Diese Entdeckung unterstreicht einmal mehr den Wert von historisch gewachsenen naturkundlichen Sammlungen für die globale Biodiversitätsforschung und den Artenschutz.“

Publikation:
Hendrich, L., Manuel, M. & M. Balke (2019): The return of the Duke – first locality data for Megadytes ducalis Sharp, 1882, the largest diving beetle of the world, with notes on related species (Coleoptera: Dytiscidae).- Zootaxa 4586 (3): 517-535.  https://doi.org/10.11646/zootaxa.4586.3.8

Kontakt:
Lars Hendrich
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
E-Mail: hendrich@snsb.de
Tel: 089 8107149

Michael Balke
SNSB-Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
E-Mail: balke.m@snsb.de

Knallbunt: Neue Riesenstabschrecken in Madagaskar entdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und der Universität Göttingen haben zwei neue Riesenstabschrecken entdeckt, die mit über 20 Zentimeter Körperlänge zu den größten Insekten Madagaskars gehören. Im Unterschied zu den meisten anderen Stabschrecken tarnen sich die erwachsenen Männchen dieser Phasmiden nicht als unscheinbare Äste und präsentieren sich in üppiger Farbenpracht. Warum sich die Männchen diese Extravaganz leisten können, bleibt vorerst ein spannendes Rätsel für die Evolutionsforschung. Die Arbeit wurde heute in der Fachzeitschrift Frontiers in Ecology and Evolution veröffentlicht.

Achrioptera manga ist ein echtes Juwel unter den Stabschrecken, riesengroß und mit knallbunten Männchen. Die wichtigste Überlebensregel für Stabschrecken ist eigentlich, sich für Fressfeinde unsichtbar zu machen, aber die farbenprächtigen Achrioptera-Männchen haben sich einfach darüber hinweggesetzt – und trotzdem überlebt. Wofür diese Extravaganz nützlich ist und warum die auffälligen Männchen nicht schnell von Vögeln und anderen Tieren gefressen werden, bleibt vorerst ein Rätsel.

„Möglicherweise nehmen sie mit ihrer Blätternahrung Pflanzengifte auf, die sie in ihrem Körper einlagern und signalisieren mit ihrer Farbenpracht, dass sie nicht genießbar sind“ sagt Frank Glaw, Kurator an der Zoologischen Staatssammlung München. Für die Weibchen könnte die Tarnung trotzdem vorteilhafter sein als die Abschreckung von Fressfeinden. „Wenn im Tierreich besonders bunte Männchen auftreten, dann liegt das oft daran, dass die Weibchen solche Männchen für die Paarung bevorzugen, aber ob diese Erklärung bei den hauptsächlich nachtaktiven Tieren zutrifft, wissen wir nicht.“ ergänzt sein Kollege und Heuschreckenexperte der ZSM Oliver Hawlitschek. Auffällig ist jedenfalls, dass die Männchen ihre Farbenpracht erst entwickeln, nachdem sie erwachsen geworden sind. Bis zu ihrer letzten Larvenhäutung sehen sie aus wie ein brauner Zweig und sind tagsüber fast unsichtbar. Erst danach erfolgt innerhalb weniger Tage die erstaunliche Umfärbung zum farbenprächtigen Insekt.

Die Weibchen bleiben hingegen wie die meisten Stab- und Gespenstschrecken zeitlebens gut getarnt. „Mit dieser Strategie hat die Insektenordnung der Phasmiden seit Jahrmillionen überlebt, mehr als 3.000 Arten hervorgebracht und alle wärmeren Regionen der Erde besiedelt.“ erklärt Sven Bradler, Stabschreckenforscher an der Universität Göttingen. „Unsere Daten lassen vermuten, dass es noch viele weitere neue und äußerlich ähnliche Arten gibt, die sich erst mit Hilfe der Genetik zuverlässig identifizieren lassen,“ ergänzt seine Kollegin Julia Goldberg.

Bisher wurde A. manga der äußerlich sehr ähnlichen Art Achrioptera fallax zugeordnet, die schon vor fast 160 Jahren beschrieben wurde. Aber erst vor ein paar Jahren entdeckten Forscher der Zoologischen Staatssammlung München grüne Stabschrecken, die der Erstbeschreibung von A. fallax genau entsprechen. Zusammen mit Kollegen der Universität Göttingen verglichen sie nun die grüne und blaue Form und fanden unter anderem deutliche genetische Unterschiede, die ihre artliche Verschiedenheit belegen. Ähnlich verlief auch die Entdeckung der zweiten neuen Riesenstabschrecke Achrioptera maroloko, die bis zu 24 cm Körperlänge erreicht und bisher für A. spinosissima gehalten wurde. Beide Arten zeigen jedoch ebenfalls deutliche Unterschiede in der Männchenfärbung (gelb versus blau) und der Genetik.

Publikation:
Glaw, F., O. Hawlitschek, A. Dunz, J. Goldberg & S. Bradler (2019): When giant stick insects play with colors: Molecular phylogeny of the Achriopterini and description of two new splendid species (Phasmatodea: Achrioptera) from Madagascar. – Frontiers in Ecology and Evolution
https://doi.org/10.3389/fevo.2019.00105

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 0026-134 469 1632
E-Mail: glaw@snsb.de

5 Zwerge: Neue Mini-Frösche in Madagaskar entdeckt

Zoologische Staatssammlung München

Ein internationales Forscherteam hat auf der Insel Madagaskar fünf neue Zwergfroscharten entdeckt. Der größte von ihnen könnte bequem auf einem Daumennagel Platz nehmen, der kleinste ist kaum länger als ein Reiskorn. Die Studie wurde heute in der Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht.
An der Arbeit sind u.a. Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), der LMU München, der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Antananarivo beteiligt.

Madagaskar hat eine einzigartige Tierwelt und ist ein Hotspot der Artenvielfalt. Auf der Insel sind aktuell mehr als 350 Froscharten bekannt, aber diese Zahl steigt stetig und viele der Neuentdeckungen sind sehr klein. Die fünf neuen Arten gehören zur Gruppe der Engmaulfrösche, eine sehr artenreiche Familie, die auf allen Kontinenten außer der Antarktis und Europa zu finden ist.

Drei der neuen Zwergfrösche gehören zu einer neuen Froschgattung und passend zu ihrer geringen Körpergröße gaben die Autoren dieser neuen Gattung den Namen Mini. Erwachsene Exemplare der zwei kleinsten Arten Mini mum und Mini scule sind nur 8–11 mm groß und gehören damit zu den kleinsten Amphibien der Welt. Aber sogar das mit 15 mm Körperlänge größte Mitglied der neuen Gattung Mini ature passt bequem auf einen Daumennagel. Die beiden weiteren Neuentdeckungen Rhombophryne proportionalis und Anodonthyla eximia sind ebenfalls nur 11 bis 12 mm groß und damit viel kleiner als ihre nächsten Verwandten.

„Die extreme Miniaturisierung lässt die Frösche sehr ähnlich aussehen. Daher wird leicht unterschätzt, wie vielfältig sie wirklich sind“, sagt Mark D. Scherz, Doktorand an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Technischen Universität Braunschweig und Erstautor der Studie.

Die winzigen Frösche leben in der Laubstreu des Regenwaldes und sind nur schwer zu finden. „Die Balzrufe der Männchen verstummen bereits bei der kleinsten Störung“, sagt Frank Glaw, Leiter der Sektion für Amphibien und Reptilien der Zoologischen Staatssammlung München „Die kleinen Tiere zu finden, erfordert viel Geduld.“

Tropische Wirbelstürme an der Ostküste Madagaskars erschwerten die Arbeitsbedingungen für die Forscher auf ihrer Suche nach den Minifröschen zusätzlich. Doch für Miguel Vences, Leiter der Abteilung für Evolutionsbiologie der Technischen Universität Braunschweig war die Suche direkt nach einem solchen Sturm erfolgreich. „Ich fand Anodonthyla eximia am frühen Morgen nachdem ein Wirbelsturm, der den größten Teil unseres Lagers wegfegte. Schlimme Bedingungen für Biologen können großartige Bedingungen für Frösche schaffen.“

Publikation:
Scherz MD, Hutter CR, Rakotoarison A, Riemann JC, Rödel M-O, Ndriantsoa SH, Glos J, Hyde Roberts S, Crottini A, Vences M, Glaw F (in press) Morphological and ecological convergence at the lower size limit for vertebrates highlighted by five new miniaturised microhylid frog species from three different Madagascan genera. PLoS One doi:10.1371/journal.pone.0213314
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0213314

Kontakt:
Mark D. Scherz, MSc
LMU München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107 112
E-Mail: mark.scherz@gmail.com

Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
E-Mail: glaw@snsb.de

Eine „neue“ Schlangenart in Bayern – die Alpen-Barrenringelnatter

Zoologische Staatssammlung München

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) haben in der Alpenregion Bayerns eine bisher übersehene Schlangenart entdeckt. Es handelt sich um eine besondere Form der Barrenringelnatter (Natrix helvetica), die bisher nur aus den Südalpen bekannt war und offensichtlich auch im westlichen Österreich (Tirol) weit verbreitet ist. Eine Population dieser genetischen Linie hat nach der letzten Eiszeit anscheinend die Alpen durchquert und bestätigt so einmal mehr, dass dieses Gebirgsmassiv für viele Arten keine unüberwindliche Barriere war. Wie weit die Barrenringelnatter in Bayern verbreitet ist und ob sie als gefährdet eingestuft werden muss, müssen zukünftige Untersuchungen zeigen.

Konkrete Hinweise auf die Existenz der Barrenringelnatter (Natrix helvetica) in Bayern ergaben sich bereits im Zuge von Kartierungen des Bayerischen Landesamts für Umwelt, aber erst als Forscher der Zoologischen Staatssammlung München die vorhandenen Indizien gezielt überprüften und Proben für genetische Untersuchungen sammelten, gelang der sichere Nachweis. Anhand mitochondrialer DNA-Sequenzen belegten sie die Existenz der Barrenringelnatter im deutsch-österreichischen Grenzgebiet bei Garmisch-Partenkirchen, an der Isar bei Mittenwald, im Inntal und bei Sachrang. Allerdings fanden sie nicht die im westlichen Deutschland weit verbreitete westliche Barrenringelnatter (Natrix helvetica helvetica), sondern eine bisher nur aus den Südalpen (Norditalien und Südschweiz) bekannte Form, die offensichtlich auch im westlichen Österreich (Tirol) vorkommt. Da die mitochondrialen DNA-Sequenzen der Schlangen vom südlichen und nördlichen Alpenrand fast identisch sind, dürften diese aus Norditalien über Brenner oder Reschenpass und das Inntal bis nach Bayern eingewandert sein.

Die Barrenringelnatter wurde erst 2017 aufgrund von genetischen Untersuchungen als eigenständige Art erkannt. Sie unterscheidet sich von der „normalen“ Ringelnatter oft durch eine dunkle Barrenzeichnung an den Körperseiten und eine andere Kopfzeichnung, bei der die hellen halbmondförmigen Nackenflecken nur schwach ausgeprägt sind oder ganz fehlen. Beide Arten variieren allerdings sehr stark, so dass ihre Eigenständigkeit lange Zeit nicht bemerkt wurde. Alle Ringel-nattern sind übrigens völlig ungiftig und beißen fast nie, geben bei Gefahr aber ein stark stinkendes Sekret ab.

„Es ist erstaunlich, dass diese große Schlange so lange übersehen wurde. Wahrscheinlich sind noch weitere Arten unbemerkt über die Alpen bis nach Bayern eingewandert. Genau solche Arten möchten wir nun gezielt suchen“ sagt Frank Glaw, Leiter der Sektion für Amphibien und Reptilien an der Zoologischen Staatssammlung München. Es wartet also noch viel Arbeit auf die Forscher. „Wahrscheinlich ist auch, dass in Bayern weitere, noch unbekannte Vorkommen der Barrenringelnatter existieren. Insbesondere im Allgäu und in Unterfranken ist mit der westlichen Barrenringelnatter (Natrix helvetica helvetica) zu rechnen, die Bayern von Westen über Rhein und Main erreicht haben könnte“, ergänzt ZSM-Mitarbeiter und Ko-Autor Michael Franzen.

Publikation:
Glaw, F., M. Franzen, M. Oefele, G. Hansbauer & C. Kindler (2019): Genetischer Erstnachweis, Verbreitung und südalpine Herkunft der Barrenringelnatter (Natrix helvetica spp.) in Bayern. – Zeitschrift für Feldherpetologie 26: 1-20

Förderung: Die Arbeit wurde von der PSD Bank München finanziell unterstützt.

Kontakt:
Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 089/8107114
E-Mail: glaw@snsb.de

Sonderheft: Der Höhlenbär im Fokus

Zoologische Staatssammlung München

Der Höhlenbär (Ursus spelaeus) bewohnte die eiszeitlichen Lebensräume Eurasiens. Ein internationales Expertenteam hat dem Höhlenbären nun einen ganzen Sonderband der Fachzeitschrift Historical Biology gewidmet. Sie stellen dort in mehreren Artikeln die neuesten Forschungen zur Biologie der inzwischen ausgestorbenen Tierart vor.

Die beteiligten Wissenschaftler präsentieren im Sonderheft ihre neuesten Erkenntnisse bei der Erforschung von Lebensweise, Ernährung, Winterschlafverhalten und Aussterben der Höhlenbären. Sie setzen hierfür verschiedenste, moderne Forschungstechniken ein, wie DNA-Analysen, digitale 3D-Analysen, biogeochemische Untersuchungen oder moderne Datierungsmessungen mit Hilfe von Kohlenstoffisotopen.

Einige Forschergruppen nähern sich allein der Frage, was der Höhlenbär vorwiegend gefressen hat, durch diverse, grundsätzlich unterschiedliche Methoden: So lassen sowohl die chemische Analyse bestimmter Bestandteile (stabile Isotope) der Knochen oder die Untersuchung der Zahnabnutzung als auch geometrische 3D-Analysen der Form von Schädel- und Unterkieferknochen Rückschlüsse auf die Ernährung der Höhlenbären zu.

Anneke van Heteren, Leiterin der Säugetiersektion an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), hat für das Sonderheft die Ergebnisse ihrer Forschung zur Ernährungsweise der Höhlenbären zur Verfügung gestellt (Pressemeldung: Vegetarische Höhlenbären): Mit einer statistischen Methode, der sogenannten geometrischen Morphometrie, verglichen sie und ein Kollege an Hand von biologisch bedeutsamen und wiedererkennbaren Messpunkten („Landmarks“) die dreidimensionale Form der Unterkiefer des Höhlenbären mit der von modernen Bärenarten. Die Ergebnisse machen eine hauptsächlich vegetarische Ernährung des Höhlenbären wahrscheinlich.

„Das Sonderheft bietet einen tiefen Einblick in den aktuellsten Stand der Höhlenbär-Forschung. Wir hoffen, durch seinen disziplinübergreifenden Charakter ein möglichst breites Publikum anzusprechen“, erklärt Anneke van Heteren, Ko-Autorin der Höhlenbär-Sonderausgabe.

Publikation:
https://www.tandfonline.com/toc/ghbi20/31/4

Kontakt:
Dr. Anneke H. van Heteren
SNSB – Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 125
E-Mail: vanHeteren@snsb.de

14 Millionen Nachweise von über 4.000 bayerischen Pflanzenarten zentral erfasst

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Botanische Staatssammlung München & SNSB-IT-Zentrum

Mit rund 14 Millionen Nachweisen von über 4.000 in Bayern vorkommenden Pflanzenarten ist das neue Pflanzen-Portal zur größten botanischen Datenbank Bayerns angewachsen. Daraus soll in den kommenden Jahren ein umfangreicher Pflanzenatlas „Flora von Bayern“ entstehen. Das betonte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber heute in München: „Vor uns liegt die erste digitale Botanik-Landkarte Bayerns. Zum ersten Mal seit über 100 Jahren wurde der komplette Bestand von Pflanzen in Bayern systematisch erfasst und beschrieben. Jeder Bürger kann nun von zu Hause aus die Naturschätze des Freistaats digital erleben. Und jeder kann bei der Kartierung helfen. So wird Botanik zur Bürgersache. Das Online-Portal macht die historische und aktuelle Verbreitung aller bayerischen Pflanzenarten der Öffentlichkeit zugänglich. Diese Daten sind für den Naturschutz elementar: Sie helfen, die Gefährdung einzelner Arten zu erkennen und zu klären, wie sie geschützt werden können. Auch Artenhilfsprogramme können auf diesem Fundament aufbauen. Unser klares Ziel ist es, den Artenschutz in Bayern mit innovativen Projekten auf Spitzenniveau zu heben. Ich danke den vielen ehrenamtlich arbeitenden Pflanzenkennern, Wissenschaftlern, Verbänden und Behörden für ihren unverzichtbaren Einsatz bei diesem Großprojekt.“

Mehr als 4.000 verschiedene Blütenpflanzen und Farne gibt es in Bayern. Der Freistaat ist damit eines der artenreichsten Bundesländer. Mehr als 85 Prozent der in Deutschland vorkommenden Pflanzen sind in Bayern zu finden. Die Erfassung der genauen Daten zur Verbreitung und Häufigkeit einzelner Arten ist Gegenstand des Gemeinschaftsprojekts „Flora von Bayern“. Um die Informationen zu bündeln und eine einheitliche Qualität zu gewährleisten, wurde vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Kooperation mit der Botanischen Staatssammlung eine Koordinationsstelle „Florenschutz in Bayern“ eingerichtet. Sie dient der dauerhaften Dokumentation der heimischen Pflanzenwelt Bayerns und dem Verständnis ihrer Entwicklung. „Insbesondere der Klimawandel trägt aktuell zu einer Veränderung der heimischen Pflanzenwelt bei, aber auch andere Einflüsse können auf Basis dieser umfassenden Daten jetzt neu analysiert und bewertet werden“, erläutert Dagmar Triebel, Leiterin des Datenzentrums an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).

Die Arbeitsgemeinschaft „Flora von Bayern“, gegründet von meist ehrenamtlich arbeitenden Pflanzenkennern, optimiert und erweitert die vorhandene Datensammlung kontinuierlich. Die Koordinationsstelle ist an der Botanischen Staatssammlung München angesiedelt, einer Einrichtung der SNSB, und nutzt die IT-Infrastruktur des Datenzentrums dort. Sie wird vom Bayerischen Umweltministerium jährlich mit rund 150.000 Euro unterstützt.

Die letzte landesweite Erhebung mit Veröffentlichung einer bayerischen Flora stammt aus dem Jahr 1914 von Franz Vollmann.

(Quelle: Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz)
Link zur Pressemitteilung

Links:

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
SNSB – Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM) & SNSB-IT-Zentrum
Menzinger Str. 67, 80638 München
Tel.: +49 89 17861 252
E-Mail: triebel@snsb.de

DNA-Bibliothek der Grabwespen veröffentlicht

Zoologische Staatssammlung München

Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat einen weiteren großen Erfolg zu verzeichnen: 661 Arten von Grabwespen, nahe Verwandte der Bienen, wurden durch DNA-Barcoding genetisch erfasst. Zusammen mit Kollegen aus der Tschechischen Republik, Bulgarien und Kanada haben ZSM-Wissenschaftler die Ergebnisse eines internationalen Projektes zur Erstellung einer genetischen Bibliothek der Grabwespen in der sehr renommierten Fachzeitschrift Molecular Ecology Resources veröffentlicht. Von den 661 untersuchten Grabwespen-Arten kommen 578 Arten in Europa, 240 Arten auch in Deutschland vor. Mit der aktuellen DNA-Barcoding Studie liegen nun von knapp 90% der heimischen Grabwespen-Arten genetische Kennsequenzen vor. „Dies ist die weltweit erste umfassende genetische Katalogisierung dieser Tiergruppe. Sie sind nahe mit den Wildbienen verwandt und sind im Naturhaushalt als natürliche Gegenspieler von Schadinsekten von großer Bedeutung“ erläutert Dr. Christian Schmid-Egger, verantwortlich für die Grabwespenstudie. „Viele Grabwespen ernähren ihre Larven mit Blattläusen, Wanzen oder anderen Schadorganismen“, sagt der Forscher. Untersuchungen an weiteren Wespengruppen werden folgen und in Kürze werden sich alle in Deutschland heimischen Bienen und Wespen durch die Methode des DNA-Barcoding einfach und sicher bestimmen lassen. Für die Studie wurden fast 4.000 Exemplare von den Wissenschaftlern ausgewertet. „Durch derartige Untersuchungen des heimischen Artenbestandes erfassen wir erstmals auch die vielen unscheinbaren, wenig bekannten Arten und entdecken und charakterisieren in Deutschland tausende neuer Tierarten“, sagt Dr. Stefan Schmidt, Projektleiter im DNA-Barcoding-Projekt der ZSM.

Die Gensequenzierung erfolgte im Rahmen der Projekte „Barcoding Fauna Bavarica“ und „German Barcode of Life“. In diesen Projekten ermitteln die Münchner Forscher genetische Kennsequenzen aller bayerischen, beziehungsweise deutschen Tierarten und stellen sie in einer Online-Bibliothek Fachleuten und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung. Das Projekt ist Teil des „International Barcode of Life“ Projektes mit Sitz in Kanada. Es verfolgt das ehrgeizige Ziel, alle Tierarten weltweit genetisch zu erfassen.

Bisher wurden von den Münchener Forschern Kennsequenzen von weltweit etwa 50.000 Tierarten erstellt. Die Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM) hat mit rund einer Viertelmillion Proben zu dem internationalen Projekt beigetragen und ist damit in Europa führend. Bei den Hautflüglern (Bienen, Wespen und Ameisen) liegt die ZSM sogar weltweit ganz weit vorne. “Bisher konnten wir genetische Kennsequenzen von rund der Hälfte der heimischen Hautflügler gewinnen” erklärt Stefan Schmidt und ergänzt: “Die Möglichkeit, Arten durch genetische Kennsequenzen einfach, schnell und zuverlässig bestimmen zu können wird bei zukünftigen Forschungs-Projekten zum Insektensterben von entscheidender Bedeutung sein.”

Die Zoologische Staatssammlung München beherbergt über 22 Millionen zoologische Objekte und gehört, als Teil der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns, weltweit zu den größten naturkundlichen Sammlungen. Die DNA-Barcoding-Projekte der ZSM werden finanziell unterstützt durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Publikation
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/1755-0998.12963

Kontakt
Dr. Stefan Schmidt
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21
81247 München
Telefon: 089/8107 159
E-Mail: stefan.schmidt@snsb.de

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Zoologische Staatssammlung München

Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort vorkamen – sogenannte eingeschleppte Arten oder Neozoen. Nun ist ein weiterer „bayerischer Neubürger“ identifiziert worden: Der „Gelbe Drachenwels“ (Tachysurus fulvidraco). Um welche Fischart es sich handelt, blieb solange unklar, bis sich ein Fischer, ein Amateurbiologe und ein Wissenschaftler der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen (SNSB-ZSM) zusammentaten und einen kurzen wissenschaftlichen Artikel in der aktuellen Ausgabe der zoologischen Fachzeitschrift „Spixiana“ veröffentlichten.

Schon seit den 1980er Jahren dringen verschiedene Arten sogenannter Schwarzmeergrundeln als blinde Passagiere der Flussschifffahrt in den bayerischen Donauraum ein. Seither gilt die Ökologie der bayerischen Donau als komplett umgekrempelt. Der nun entdeckte Neuzugang ist erstmals im Mai 2018 in einem etwa 30 km langen Donauabschnitt zwischen Regensburg und Straubing aufgetaucht. Seitdem fingen ortsansässige Fischer hunderte Exemplare dieses Fisches. Der Körperbau und genetische Merkmale eines nun in der Forschungssammlung der Zoologischen Staatssammlung München hinterlegten Exemplars von 30 cm Länge belegen, dass es sich um Tachysurus fulvidraco, eine Art aus der Familie der Stachelwelse (Bagridae) handelt.  Der wissenschaftliche Artname fulvidraco bedeutet übersetzt „Gelber Drachen“, weshalb die Autoren als deutschen Namen „Gelber Drachenwels“ vorschlagen.

„Ob die Art, die sich in ihrer Heimat von Insektenlarven, Weichtieren und kleinen Fischen ernährt, auf Dauer eine Gefahr für die einheimische Fauna darstellt, kann derzeit nicht abgeschätzt werden,“ sagt Ulrich Schliewen, Kurator für Fische an der ZSM, „Aus anderen europäischen Ländern ist eine Verschleppung nicht bekannt, weshalb uns keine Erfahrungswerte vorliegen.“ Auch sei nicht klar, wie die Art in die Donau gelangte: Handelt es sich um Nachkommen von Zierfischen aus Teichen, die beim letzten Donauhochwasser überschwemmt wurden? Oder wurden sie unabsichtlich durch den kontaminierten Besatz mit anderen wirtschaftlich interessanten Fischen in den Fluss gesetzt? Eines ist wohl sicher: die Art ist gekommen, um zu bleiben. Unter den vielen hundert gefangenen Fischen fanden sich sowohl geschlechtsreife erwachsene Tiere als auch Jungtiere.

Der Gelbe Drachenwels ist in seiner ostasiatischen Heimat, vor allem in China, eine kommerziell wichtige Fischart, die in Teichen gezüchtet wird. Zu Beginn der Laichzeit im April oder Mai legen die Männchen Gruben im Flachwasser stiller Altarme an. Dort laichen sie mit den Weibchen ab und betreiben die Brutpflege der Eier und geschlüpften Larven. Vorsicht ist beim Umgang mit Fischen dieser Art geboten, denn die gezähnten Flossenstrahlen können schmerzhafte Wunden verursachen.

Publikation:
Härtl M, Höllein M, Schliewen UK (2018). First record of the East Asian Yellow Catfish Tachysurus fulvidraco (Richardson, 1846) in Germany (Teleostei, Bagridae). Spixiana 41 (2): 167-168

Kontakt:
Dr. Ulrich Schliewen
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21
81247 München
Telefon: 089/8107 110
E-Mail: schliewen@snsb.de

Vegetarische Höhlenbären

Zoologische Staatssammlung München

Im Spätpleistozän (vor 125.000 bis 12.000 Jahren) lebten zwei Bärenarten in Europa: der Braunbär (Ursus arctos) und der heute ausgestorbene Höhlenbär (Ursus spelaeus s.l.). Es wird angenommen, dass frühere Braunbären sich ähnlich ernährten wie moderne Braunbären, aber die Ernährungsweise der Höhlenbären ist noch unklar. Seit seiner Entdeckung wird diskutiert, in welchem Ausmaß der Höhlenbär vegetarisch lebte. Eine neue Veröffentlichung in der Zeitschrift Historical Biology wirft ein neues Licht auf das Thema. Zwei Forscher aus Deutsch-land und Spanien haben nun anhand von Unterkiefermerkmalen entdeckt, dass die Ernährung des Höhlenbären wahrscheinlich hauptsächlich vegetarisch war.

Die charakteristische Form des Schädels, Unterkiefers und der Zähne des Höhlenbären sind Anpassungen an seine Ernährung. Um die Ernährung des Höhlenbären zu verstehen, haben die Forscher die Unterkiefer von Höhlenbären sowie von modernen Bären mit sogenannten „Landmarks“, biologisch bedeutsamen und wiedererkennbaren Messpunkten, versehen und diese digitalisiert. Mit einer statistischen Methode, der sogenannten geometrischen Morphometrie, verglichen die Forscher an Hand dieser „Landmarks“ die dreidimensionale Form der Unterkiefer des Höhlenbären mit der von modernen Bärenarten. „Die Analysen zeigten, dass die Entwicklung des Unterkiefers des Höhlenbären in die gleiche Richtung ging wie bei Riesenpandas. Die Ergebnisse wurden nun in der Zeitschrift Historical Biology publiziert. „Dies gibt uns den Hinweis, dass Höhlenbären an eine ähnliche Ernährung angepasst und primär vegetarisch waren.“, erklärt Anneke van Heteren, Leiterin der Säugetiersektion an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Hauptautorin des Artikels.

„In dieser Studie haben wir neueste statistische Methoden benutzt, welche auch die Größe des Tieres und deren Verwandtschaft in Bezug nehmen“, sagt Borja Figueirido, Juniorprofessor in der Paläontologiegruppe der Abteilung für Ökologie und Geologie an der Universität Málaga (Spanien) und Ko-Autor der Veröffentlichung.

Für die weitere Erforschung des Höhlenbären wollen die Wissenschaftler noch zusätzliche Untersuchungen vornehmen: Geplant ist die Analyse morphologischer Unterschiede der Schädel verschiedener Unterarten der Höhlenbären, um auch Rückschlüsse auf deren Ernährungsweise zu ziehen. Außerdem soll die dreidimensionale Computersimulation – die sogenannte Finite Element Analyse – der Schädel und Unterkiefer Aufschluss ge-ben über die Bisskraft der ausgestorbenen Höhlenbären.

Publikation:
van Heteren AH, Figueirido B. 2018. Diet reconstruction in cave bears from craniodental morphology: past evi-dences, new results and future directions. Historical Biology. DOI: 10.1080/08912963.2018.1547901,
https://doi.org/10.1080/08912963.2018.1547901

Kontakt:
Dr. Anneke H. van Heteren
SNSB – Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 125
E-Mail: vanHeteren@snsb.de

Zähne wie ein Piranha: Ältester fleischreißender Knochenfisch entdeckt

Jura-Museum Eichstätt

In der Fachzeitschrift Current Biology stellt heute ein Forscherteam des Jura-Museums Eichstätt, der australischen James Cook University und der Universität Erlangen die Beschreibung einer erstaunlichen neuen Fischart vor, die vor rund 150 Millionen Jahren, zur Zeit der Dinosaurier, das süddeutsche Jurameer bewohnte. Die neue Knochenfischart besaß Zähne wie ein Piranha.

Mikroskopische Untersuchung und CT-Scans der Kiefer des Fossils von Piranhamesodon pinnatomus zeigen lange, spitze Zähne entlang der Außenseite des Vomer (ein Knochen, der das Gaumendach bildet) und an der Spitze von Unter- und Oberkiefer. Die Präartikularknochen, die entlang der Seiten des Unterkiefers liegen, tragen dreieckige Zähne mit gezähnelten Schneidekanten.

Zahnmuster und Zahnform, Kiefermorphologie und Kiefermechanik deuten auf ein Maul hin, das, wie das internationale Forscherteam berichtet, ausgerüstet war, um Fleisch oder Flossen zu schneiden. Indizien deuten auf die Möglichkeit hin, dass sich diese frühen, Piranha-ähnlichen Fische der aggressiven Mimikry bedienten, sich also hinter einem scheinbar harmlosen Äußeren tarnten, um dann umso effektiver anzugreifen; eine erstaunliche Parallele zum Fressverhalten moderner Piranhas.

„Wir waren völlig verblüfft, dass dieser Fisch Piranha-ähnliche Zähne hatte“, sagt Martina Kölbl-Ebert, Leiterin des Jura-Museums Eichstätt. „Er gehört zu einer ausgestorbenen Fischgruppe (den Pycnodontiformes), die für ihre pflasterartigen Knackzähne bekannt sind. Es ist, als würde man auf ein Schaf mit den Reißzähnen eines Wolfes treffen. Was aber noch bemerkenswerter ist: der Fisch stammt aus der Jurazeit. Für Knochenfische ist diese Ernährungsweise damals mehr als ungewöhnlich. Die Fleischfresser unter ihnen knackten normalerweise schalentragende Wirbellose oder schlucken ihre Beute – meist andere Fische – am Stück. Fleischstücke oder Flossen herausbeißen, das ist etwas, das viel später kam.“ – Zumindest schien das bisher so.

„Der neue Fund stellt die älteste Überlieferung eines Knochenfisches dar, der in der Lage war, Stücke aus anderen Fischen herauszubeißen. Und noch etwas ist ungewöhnlich: er tat dies im Meer,“ erläutert David Bellwood von der James Cook University, Australien, und merkt an, dass heutige Piranhas – die allerdings mit der neuen, fossilen Art nicht verwandt sind – alle im Süßwasser leben.

Als weiteres Indiz für den ungewöhnlichen Nahrungserwerb, fanden die Forscher auch die Opfer von Piranhamesodon in denselben Kalksteinablagerungen, im Steinbruch von Ettling (Markt Pförring, Bayern); und zwar andere Fische derselben Lokalität, deren Flossen angebissen wurden.

„Dies ist eine erstaunliche Parallele zu modernen Piranhas, die sich überwiegend nicht vom Fleisch, sondern von den Flossen anderer Fische ernähren. Das ist eine schlaue Sache, denn Flossen wachsen nach; sie sind eine praktische, erneuerbare Nahrungsquelle. Beiß einen Fisch in den Bauch und er ist tot; knabbere an seinen Flossen und du hast auch in Zukunft noch was zu fressen“, erklärt David Bellwood.

Der neubeschriebene Fisch ist seit heute im Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg zu sehen. Er stammt aus denselben Kalksteinablagerungen – den jurazeitlichen Plattenkalken des Solnhofener Archipels – aus denen man auch den berühmten Urvogel Archaeopteryx kennt.

Publikation:
Kölbl-Ebert, Martina; Ebert, Martin; Bellwood, David R. & Schulbert, Christian (2018): A Piranha-like Pycno-dontiform Fish from the Late Jurassic.- Current Biology https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.09.013

Autorenkontakt:
PD Dr. Martina Kölbl-Ebert
Jura-Museum Eichstätt
Koelbl-Ebert@jura-museum.de
Telefon: +49-8421-6029825

Dipl.-Geol. Martin Ebert
Jura-Museum Eichstätt
martin.ebert@jura-museum.de
Telefon: +49-8421-6029827

GBIF wächst: Im internationalen Datennetzwerk liegen jetzt eine Milliarde Einzelnachweise zum Vorkommen von Arten digital vor

SNSB IT Zentrum

GBIF.org als größtes weltweit agierendes Netzwerk für Biodiversitätsdaten hat am 04. Juli 2018 die 1-Milliarde-Grenze der digitalen Nachweise zur Verbreitung Arten überschritten. Dieser Meilenstein symbolisiert die große kollektive Leistung, die die „Biodiversity Information Facility“ (GBIF), eine aufgrund einer OECD Empfehlung 1999 gegründete und derzeit von den Regierungen aus 123 Ländern geförderte Initiative mit 1.200 öffentlichen und privaten Organisationen, erbringt.

Durch die globale Aufstellung von GBIF und seine wissenschaftliche Infrastruktur hat jeder Interessierte überall auf der Welt und zu jedem Zeitpunkt kostenlosen und unbegrenzten Zugriff auf Informationen zum Vorkommen verschiedenster Tier-, Pflanzen- und Pilzarten zu verschiedensten Zeiten. Vertrauenswürdige und qualitätsgesicherte Daten sind die Grundlage für die empirisch arbeitenden Wissenschaften im Zeitalter von Big Data, und GBIF ist inzwischen für Wissenschaftler wie auch Öffentlichkeit und Politik eine weltweit anerkannte Datenquelle, deren gut dokumentierte Daten für verschiedenste Typen von Analysen genutzt werden.

Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB, www.snsb.de), einer der 39 deutschen Datenherausgeber, ist derzeit (Stand September 2018) mit fast 6,5 Millionen Datensätzen am deutschen Beitrag beteiligt – und damit einer der deutschlandweit größten Datenlieferanten an GBIF. Die SNSB liefern qualitätsgeprüfte Einzeldaten zu Sammlungsobjekten, aber auch zu Einzelbeobachtungen aus Monitoringprojekten, z.B. Flora von Bayern (www.bayernflora.de).

Der Großteil (6 Millionen von 6,5 Millionen) der SNSB-Daten werden mit Geo-Koordinaten ausgeliefert. „Dies macht die Daten für die globale Biodiversitätsforschung besonders wertvoll, denn durch ihre exakte geografische Zuordnung sind sie ideal nutzbar,“ sagt Frau Dr. Dagmar Triebel, Leiterin des SNSB IT Center und verantwortlich für die GBIF-Dienste. Unter den von den SNSB veröffentlichten Daten sind Datenpakete der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, der Botanischen Staatssammlung München, des Jura-Museums Eichstätt, der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie sowie der Zoologischen Staatssammlung München.

Um die GBIF-Datenbestände nach den Vorstellungen verschiedener Taxonomen und Experten für einzelne Artengruppen kategorisieren zu können, sind regionalisierte taxonomische Listen, kuratorisch betreut durch Spezialisten in den einzelnen Regionen, hilfreich. Die SNSB unterstützen GBIF dabei, in dem sie derartige Checklisten und Rote Listen publizieren. Derzeit liefern sie rund 30 Checklisten zu verschiedensten Tier- und Pflanzengruppen in Deutschland, neben der taxonomischen Klassifikation und dem deutschen Namen der Sippe auch Informationen zum Rote-Liste-Status wie Gefährdungsgrad einzelner Arten in Deutschland.

Weitere Informationen:
https://www.gbif.org/news/5BesWzmwqQ4U84suqWyOQy/big-data-for-biodiversity-gbiforg-surpasses-1-billion-species-occurrences
https://www.gbif.org/country/DE/summary

https://www.gbif.org/publisher/0674aea0-a7e1-11d8-9534-b8a03c50a862

Kontakt:
Dr. Dagmar Triebel
Botanische Staatssammlung München und SNSB IT Center
Menzinger Straße 67
80638 München
Tel.: 089-17861-252
Email: triebel@snsb.de

Kosmischer Besuch im Ries

RiesKraterMuseum

Astronautentraining im Nördlinger Ries: Diese Woche besuchen Astronauten der Europäischen Weltraumorganisation ESA für ihre geologische Ausbildung das Nördlinger Ries. Bereits 1970 absolvierten Teilnehmer der Apollo 14 Mond-Mission ein Astronautentraining im etwa 15 Millionen Jahre alten Ries-Meteoritenkrater.

Vom 1.-7. September 2018 findet in Nördlingen der Auftakt einer Reihe von geologischen Exkursionen der ESA statt. Zur Vorbereitung auf zukünftige Weltraummissionen erkundet eine Gruppe von Astronauten und Weltraumingenieuren zusammen mit erfahrenen Geologen spezielle geologische Strukturen, die sich auch auf dem Mars oder dem Mond wiederfinden könnten. Erste Station des sogenannten PANGAEA Projekts 2018 (Planetary Analogue Geological and Astrobiogical Exercise for Astronauts) der ESA ist der Rieskrater um Nördlingen – das Resultat eines kosmischen Ereignisses. Der Krater mit etwa 25 km Durchmesser ist vor knapp 15 Millionen Jahren durch die Kollision eines etwa 1 km großen Asteroiden mit der Erde entstanden. Er gehört weltweit zu den besterhaltenen Kratern dieser Größenordnung. Die ESA-Astronauten bekommen vor Ort Einblicke in Aufbau, Entstehung und Beschaffenheit eines Impaktkraters und seiner ganz speziellen Geologie.

Schulungsort für das Geologie-Trainingsprogramm der PANGAEA Teilnehmer ist das Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen (ZERIN), das als Forschungs-, Bildungs- und Dokumentationszentrum des RiesKraterMuseums Nördlingen dient und u.a. eine umfangreiche Sammlung an Bohrkernen aus dem Ries und ein Labor für Radiogene Isotope beherbergt. Die Mitarbeiter des RiesKraterMuseums sind mit Geländeführungen, der Bereitstellung von Demo-Material, Labor-Demonstrationen und Lektionen im Museum an der Schulung beteiligt. Unter den rund 15 Trainingsteilnehmern sind der ESA-Astronaut Thomas Reiter, der Kosmonaut Sergei Kud-Sverchkov und Aidan Cowley, wissenschaftlicher Berater der ESA. „Wir sind stolz, dem PANGAEA Team unsere Expertise zum Thema Impaktforschung zu Verfügung stellen zu können,“ sagt Prof. Stefan Hölzl, Leiter der RiesKaterMuseums Nördlingen.

Weitere Stationen der ESA-Astronauten werden die italienischen Dolomiten sowie die Kanareninsel Lanzarote sein.

Mehr Informationen:
RiesKraterMuseum und ZERIN: www.rieskrater-museum.de
PANGAEA: https://www.esa.int/Our_Activities/Human_Spaceflight/Caves/What_is_Pangaea

Kontakt:
RiesKraterMuseum Nördlingen
Prof. Dr. Stefan Hölzl, Museumsleiter
Eugene-Shoemaker-Platz 1, 86720 Nördlingen
Tel.: 09081 84710, E-Mail: s.h@lmu.de

Vegetarische Vorfahren – Neue Einsichten zur Evolution des Höhlenbären

Zoologische Staatssammlung München

Im Spätpleistozän (vor 125.000 bis vor 12.000 Jahren) lebten zwei Bärenarten in Europa: der allesfressende Braunbär (Ursus arctos) und der heute ausgestorbene, vegetarisch lebende Höhlenbär (Ursus spelaeus s.l.). Durch die unterschiedliche Ernährung besetzten die beiden Bärenarten vermutlich unterschiedliche ökologische Nischen, dadurch konnten sie im gleichen Lebensraum koexistieren. Über den Vorläufer des Höhlenbären, den Deninger Bären (Ursus deningeri), dessen Fossilien extrem selten sind, ist bisher wenig bekannt.

Eine Forschergruppe aus Deutschland und Spanien um Anneke van Heteren von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), hat nun anhand von Schädelmerkmalen entdeckt, dass die Ernährung des Deninger Bären der des Höhlenbären bereits sehr ähnlich war. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Historical Biology publiziert. Bis jetzt war nicht viel bekannt über die Evolution des Höhlenbären und darüber, wie er Vegetarier wurde. „Fossilien der Vorfahren des Höhlenbären sind so selten, dass es sehr schwierig ist, sie zu erforschen“, sagt Elena Santos, Koautorin und Forscherin an den Universitäten von Burgos und Madrid. Die einzige heute noch lebende rein vegetarische Bärenart ist der bekannte Riesenpanda, der sich ausschließlich von Bambus ernährt.

Die charakteristische Form des Schädels, Unterkiefers und der Zähne des Höhlenbären weist auf seine vegetarische Ernährung hin. Um die Evolution des Höhlenbären zu verstehen, haben die Forscher die seltenen Fossilien von Ursus deningeri in einem CT-Gerät gescannt und nachträglich digital das Sediment „entfernt“, ohne das Risiko eingehen zu müssen, die seltenen Fossilien zu beschädigen. Mit einer statistischen Methode, die sogenannte geometrische Morphometrie, verglichen die Forscher an Hand von Messpunkten die dreidimensionale Form von Unterkiefern und Schädeln des Deninger Bären mit denen des Höhlenbären und der modernen Bärenarten. „Die Analysen zeigten, dass Unterkiefer und Schädel des Deninger Bären denen des Höhlenbären sehr ähnelten. Dies gibt uns den Hinweis, dass sie an die gleiche Ernährung angepasst und primär vegetarisch waren.“, erklärt Anneke van Heteren, Leiterin der Säugetiersektion an der ZSM und Hauptautorin des Artikels.

„In welchem Ausmaß der Höhlenbär vegetarisch war, wird noch immer diskutiert. Gerade deshalb ist diese neue Information über die Ernährung seines direkten Vorfahren sehr bedeutend und lehrt uns, dass der Unterschied zwischen der Ernährung von Höhlen- und Braunbären schon vor mindestens 500.000 Jahren etabliert war, wahrscheinlich sogar noch früher“, sagt Mikel Arlegi, Doktorand an den Universitäten von Baskenland und Bordeaux.

Die Studie zeigt auch morphologische Unterschiede zwischen den Deninger Bären der Iberischen Halbinsel und denen des übrigen Europas. Diese Formunterschiede betreffen den Unterkiefer, sind aber wahrscheinlich nicht mit der Ernährung verbunden. Die Forscher haben hierfür drei mögliche Erklärungsversuche parat: 1) die Iberischen Bären sind chronologisch jünger als die anderen, 2) die Pyrenäen haben als natürliche Barriere zu einer genetischen Differenzierung der Iberischen Bären und der europäischen Bären geführt, 3) es gab mehrere Abstammungslinien, von welchen entweder nur eine zu den Höhlenbären geführt hat, oder jede Abstammungslinie führte zu einer eigenen Gruppe von Höhlenbären. “Um diese drei Hypothesen zu überprüfen, benötigen wir allerdings mehr Fossilien“, erklärt Asier Gómez-Olivencia, Ikerbasque-Forscher an der Universität von Baskenland.

Publikation:
van Heteren AH, Arlegi M, Santos E, Arsuaga J-L, Gómez-Olivencia A. 2018. Cranial and mandibular morphology of Middle Pleistocene cave bears (Ursus deningeri): implications for diet and evolution. Historical Biology. DOI: 10.1080/08912963.2018.1487965
https://doi.org/10.1080/08912963.2018.1487965

Kontakt:
Dr. Anneke H. van Heteren
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 125
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Wettbewerb „100 Heimatschätze“: Der Archaeopteryx des Jura-Museums Eichstätt ist unter den Gewinnern

Jura-Museum Eichstätt

Im April rief das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat und das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst zum Wettbewerb „100 Heimatschätze“ auf. Gesucht wurden 100 Sammlungsstücke nichtstaatlicher Museen, die „mit besonderen Bezügen zur bayerischen Heimat verbunden sind“. Angesprochen wurden Museen jedweder Richtung, also kunst- und kulturwissenschaftliche Museen, Technische Ausstellungen, Freilichtmuseen, aber auch naturkundliche Einrichtungen wie das Jura-Museum Eichstätt.

Das Eichstätter Exemplar von Archaeopteryx lithographica ist eines der 100 Heimatschätze. Am Freitag, den 13. Juli 2018 wird der Urvogel von Finanzminister Albert Füracker und Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 1000€ prämiert.

Archaeopteryx ist das bedeutendste fossile Lebewesen überhaupt. Bereits 1859 veröffentlichte der berühmte Biologe Charles Darwin seine Evolutionstheorie. Darin sagte er zahlreiche fossile Übergangsformen voraus, Tiere und Pflanzen, deren Merkmale zwischen zwei Tier- bzw. Pflanzengruppen vermitteln. Diese könnten nur unter den Fossilien gefunden werden. Bereits zwei Jahre darauf wurde in den Bayerischen Plattenkalken ein erstes, teilweise zerfallenes Skelett von Archaeopteryx gefunden, welches sich heute im British Museum of Natural History befindet. Das Tier besaß sowohl eindeutige Reptilienmerkmale (Zähne, langer Schwanz, Fingerkrallen) als auch Vogelmerkmale (Gabelbein, Flügel mit asymmetrischen Schwungfedern). Seither ist Archaeopteryx ein Schlüsselindiz für die Evolution, zeigt das Tier doch deutlich die Abstammung einer ganzen Tierklasse, d.h. der Vögel aus den Reptilien. Der Urvogel gilt als bedeutendstes Fossil überhaupt und ist bis heute Gegenstand der internationalen Forschung. Ebenso sind die Ökosysteme und deren Biodiversität in denen Archaeopteryx lebte, also die oberjurassischen Plattenkalke des Altmühltals die wissenschaftlich bedeutendste Fossilien-Fundschicht weltweit.

Bisher wurden 12 unterschiedlich gut erhaltene Skelette und eine Feder von Archaeopteryx ausschließlich in Bayern entdeckt. Das Eichstätter Exemplar wurde 1951 in einem Steinbruch bei Eichstätt gefunden. Es ist besonders gut erhalten und zeigt ein nahezu vollständiges und zusammenhängendes Tier mit kompletter Befiederung. Seit Eröffnung des Jura-Museum Eichstätt 1976 ist der Eichstätter Archaeopteryx das zentrale Objekt der Ausstellung. In seiner Bedeutung für die Wissenschaft kann es nicht überschätzt werden.

WELLNHOFER P (2008): Archaeopteryx – Der Urvogel von Solnhofen. – Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München.

DARWIN C (1859): On the Origin of Species by Means of Natural Selection: or the Preservation of Favoured Races in the Struggle of Life. – John Murray, London.

MEYER, H V (1862): Archaeopteryx lithographica aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen. – Palaeontographica 10: 53–56.

Mehr Info
Pressemeldung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat und des Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

Nachruf auf die Strand-Schmiele

Botanische Staatssammlung München und SNSB IT Zentrum

Die Strand-Schmiele (Deschampsia rhenana) kommt weltweit nur am Bodensee vor – leider womöglich nicht mehr lange. Denn die Süßgras-Art ist inzwischen stark vom Aussterben bedroht.

Bis etwa 2000 gab es auch noch am bayerischen Bodenseeufer große Bestände der Art, dann nahmen diese deutlich ab und verschwanden ab 2005 völlig. 2016 wurden die letzten zwei Exemplare am bayerischen Bodenseeufer gefunden, 2017 waren auch diese verschwunden. Zum einen sind die Ursachen wohl in den massiven Treibholzanlandungen zu suchen, zum anderen in der durch den Klimawandel be-dingten Veränderung der Überschwemmungsdynamik. In den wärmeren Wintern wird nicht genügend Niederschlag als Schnee gebunden, so dass das winterliche Trockenfallen des Ufers ausbleibt und die sommerliche Überschwemmung geringer ausfällt.

Die Strand-Schmiele wächst in sogenannten Strandrasen im Bereich der Überschwemmungszone und ist optimal an die natürlichen Wasserstandsschwankungen des Bodensees angepasst. Einzigartig macht diese Pflanze ihre Fähigkeit scheinbar „lebend zu gebären“ (Pseudoviviparie) – sie bildet anstatt Samen direkt junge Graspflänzchen auf ihren Blüten.
Derzeit wird in einem Projekt versucht, die Art am bayerischen Bodenseeufer wieder auszuwildern. Hierzu werden Erhaltungskulturen der Strandschmiele, auch aus ehemaligen bayerischen Herkunftsgebieten, an verschiedenen Standorten ausgebracht und deren Entwicklung untersucht.

Um den Zustand der bayerischen Pflanzenwelt, wie bei der Strand-Schmiele, über Zeit und Raum zu erfassen und zu dokumentieren, wurde 2011 die Initiative „Flora von Bayern“ gegründet. Ziel des Projekts ist es, alle natürlich vorkommenden Gefäßpflanzen einschließlich der neu eingebürgerten, invasiven, aber auch der ausgestorbenen Arten zu beschreiben, analog vorliegende Informationen digital zu sichern und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitsgemeinschaft „Flora von Bayern“, gegründet von meist ehrenamtlich arbeitenden Pflanzenkennern, mobilisiert, optimiert und erweitert ihre Datensammlungen kontinuierlich, um in den nächsten Jahren einen umfangreichen Pflanzenatlas „Flora von Bayern“ zu veröffentlichen.

Neben den vielen engagierten, ehrenamtlichen Kartierern wird das Projekt „Flora von Bayern“ mitgetragen von der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM), der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft und dem World Wildlife Fund Deutschland (WWF D).

Die Archivierung und Publikation der umfangreichen Datenbestände erfolgt zentral am IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB IT Center). „Die uns derzeit vorliegenden rund 14 Millionen historischen und aktuellen Verbreitungsdaten aus Bayern ermöglichen es Rückschlüsse auf die Dynamik von Rückgang und Ausbreitung von Pflanzen zu ziehen. Dies ist wichtig, um den Gefährdungsgrad einzelner Sippen genauer zu beurteilen und Ereignissen wie dem Aussterben der Strand-Schmiele in Bayern frühzeitig entgegenzuwirken“, erläutert Dr. Dagmar Triebel, fachliche Leiterin im Bereich Biodiversitätsinformatik, SNSB-BSM.

Links:
Flora von Bayern: www.bayernflora.de
SNSB IT Zentrum: http://www.snsb.info
Strand-Schmielen-Projekt: http://www.bodensee-ufer.de/Projekte/Strand-Schmiele_2016ff/strand-schmiele_2016ff.html

Ansprechpartner:
Marcel Ruff
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
SNSB IT Center
Koordinationsstelle zum Florenschutz in Bayern
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel.: 089-17861-304
E-Mail: ruff@snsb.de

Dr. Dagmar Triebel
Botanische Staatssammlung München (SNSB-BSM)
SNSB IT Center
Menzinger Straße 67, 80638 München
Tel.: 089-17861-252
E-Mail: triebel@snsb.de

„Gemeinsam für eine erfolgreiche Zukunft der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns“

Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst

Wissenschaftsministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle schließt Zielvereinbarung im Rahmen des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation mit den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns

MÜNCHEN. Als erste Einrichtung im Freistaat Bayern schließen heute die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) eine Zielvereinbarung im Rahmen des Bayerischen Paktes für Forschung und Innovation (BayPFI) mit dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Diese Vereinbarung garantiert den SNSB für die Jahre 2019 bis 2022 Verstärkungsmittel aus dem Landeshaushalt in Höhe von jährlich mindestens 213.480 Euro. Eine Steigerung von 3% des jeweiligen Vorjahreszuschusses per anno wird (vorbehaltlich der Entscheidung des Haushaltsgesetzgebers) angestrebt.

Die Mittel sind ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche Zukunft der SNSB. „Mit dieser Förderung möchten wir unterstreichen, welch hohe Bedeutung die Sammlungen für das Wissenschaftsland Bayern haben“ sagte Wissenschaftsministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle. Die SNSB (mit über 35 Millionen Sammlungsobjekten) zählen schon heute zu den national und international führenden naturkundlich orientierten Forschungssammlungen. Die Mittel aus dem BayPFI dienen dazu, das Profil der Einrichtung zu schärfen und ihre Forschungs- und Innovationskapazität noch zu verbessern. So werden die SNSB zugleich ein noch stärkerer Partner für die Zusammenarbeit mit anderen naturkundlichen Sammlungen und Museen. Davon wird auch der Aufbau des Museums BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern, das derzeit am Standort Nymphenburg entsteht und bereits jetzt mit einem für naturkundliche Museen vollkommen neuartigen und hochattraktiven Konzept zu beeindrucken weiß, maßgeblich profitieren können. Ähnliches gilt für die bayernweite Vernetzung der naturkundlichen Museen und Sammlungen im Rahmen des Naturkundenetz Bayern. „Nachdem sich die SNSB mit dem Thema Biodiversität einer der zentralen Herausforderungen für Wissenschaft und Politik widmen, hat die Vereinbarung zudem erhebliche gesellschaftliche Relevanz“ betonte die Wissenschaftsministerin.

Quelle:
http://www.stmwk.bayern.de/pressemitteilung/11300/nr-043-vom-11-06-2018.html

Invasion giftiger Kröten bedroht Madagaskars Tierwelt

Zoologische Staatssammlung München

Die Einschleppung der asiatischen Schwarznarbenkröte nach Madagaskar lässt befürchten, dass die giftige Amphibie verheerende Auswirkungen auf die bereits stark bedrohte Tierwelt der Insel haben könnte. Jetzt berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift Current Biology über genetische Befunde, die zeigen, dass diese Ängste begründet sind: Fast alle in Madagaskar heimischen potentiellen Fressfeinde sind empfindlich für das Krötengift. Wenn sie die Kröten fressen, könnte das für sie tödlich sein. An der Studie sind u.a. Forscher der Zoologischen Staatssammlung München, des Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart und der Technischen Universität Braunschweig beteiligt.

„In Australien hat die Einschleppung von Agakröten zu einer tiefgreifenden Störung vieler Ökosysteme geführt, indem wichtige Räuber durch die Krötengifte aus lokalen Nahrungsnetzen entfernt wurden“, sagt Wolfgang Wüster von der Universität Bangor, Vereinigtes Königreich. „Ähnliche Auswirkungen werden wahrscheinlich auch in Madagaskar auftreten, wo Kröten ebenfalls niemals vorkamen. Fressfeinde, die häufiger Kröten erbeuten und nicht schnell lernen, sie zu vermeiden, werden wahrscheinlich seltener oder könnten sogar aussterben.“

Kröten können giftige Substanzen (Bufadienolide) absondern, die viele Arten von Räubern töten, indem sie die Natrium-Kalium-Pumpe (Na + / K + -ATPase), eine essentielle Komponente tierischer Zellmembranen, hemmen. Es ist jedoch bekannt, dass einige Spezies eine Resistenz gegen diese Toxine entwickelt haben, die sich an spezifischen Punktmutationen im Gen für dieses Enzym erkennen lässt. Die Ankunft der giftigen und invasiven Schwarznarbenkröten (Duttaphrynus melanostictus) in Madagaskar führte zu heftigen Diskussionen über ihre wahrscheinlichen Auswirkungen und die Maßnahmen, die ergriffen werden sollten, um sie zu kontrollieren oder auszurotten.

„Bisher war völlig unklar, ob in Madagaskar heimische Räuber tatsächlich empfindlich für das Krötengift sind. Dies wurde zwar von Naturschützern generell angenommen, aber konkrete Beweise gab es dafür nicht“, sagt Co-Autorin Andolalao Rakotoarison, Biologin an der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Antananarivo.

Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten die Forscher Sequenzen des Na + / K + -ATPase-Gens von 77 madagassischen Arten, die sich möglicherweise von Kröten ernähren, darunter 27 Schlangen, zwei Echsen, 12 Frösche, acht Säugetiere und 28 Vögel. Ihre Studien zeigten, dass nur eine einheimische Art, ein Nagetier, Anzeichen einer Resistenz gegen das neue Toxin zeigte.

„Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die invasiven Kröten wahrscheinlich große Auswirkungen auf viele ende-mische Arten in Madagaskar haben werden, was die bestehenden Naturschutzprobleme des Landes weiter verschärft und möglicherweise viele bekannte Arten wie zum Beispiel Tenrecs und Fossas gefährdet „, sagt Co-Autorin Friederike Woog vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Es ist daher von großer Wichtig-keit, die Verbreitung dieser gebietsfremden Art zu kontrollieren, um eine größere Biodiversitätskrise zu verhindern.

Co-Autor Frank Glaw, Spezialist für madagassische Amphibien an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), weist darauf hin, dass die giftigen Kaulquappen der Kröte auch endemische Fische und wirbellose Räuber wie Wasserkäfer, Libellenlarven und Krebstiere gefährden könnten. Eine ähnliche Studie wird daher benötigt, um die Anfälligkeit der aquatischen Prädatoren Madagaskars zu bewerten.

„Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Arten, die von einem Teil der Welt in einen anderen eingeführt wer-den, natürliche Ökosysteme stören können“, sagt Ben Marshall, Master-Student an der Universität Bangor und Erstautor der neuen Studie. „Die Verhinderung von Einschleppungen invasiver Arten muss für die Erhaltung der biologischen Vielfalt oberste Priorität haben.“

Publikation
Marshall, B. M., N. R. Casewell, M. Vences, F. Glaw, F. Andreone, A. Rakotoarison, G. Zancolli, F. Woog & W. Wüster (2018): Widespread vulnerability of Malagasy predators to the toxins of an introduced toad. Current Biology 28, R654–R655. https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30452-4

Kontakt
Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.:  089 8107 114
E-Mail: frank.glaw@zsm.mwn.de

Dr. Friederike Woog
Ornithologie, Staatliches Museum für Naturkunde
Rosenstein 1, 70191 Stuttgart
Tel. 0711 8936 253
Fax 0711 8936 260
E-Mail: friederike.woog@smns-bw.de

DFG fördert die nationale Anlaufstelle für wissenschaftliches Datenmanagement bis 2021

SNSB IT-Zentrum

Die Deutsche Föderation für Biologische Daten unterstützt Wissenschaftler beim Forschungsdatenmanagement. Daten sind die Grundlage empirischer Wissenschaften. Auch in den Bio-, Geo- und Umweltwissenschaften werden Datensätze immer umfangreicher und komplexer. Gleichzeitig bieten sie aber auch immer neue Möglichkeiten – zum Beispiel, wenn ältere Datensätze mit neuen Analysemöglichkeiten kombiniert werden. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt Deutsche Föderation für Biologische Daten (GFBio) soll das Management von Forschungsdaten verbessern und den Austausch unter Forschenden stärken. Ab August fördert die DFG das Projekt in seiner dritten Phase mit rund 4,3 Millionen Euro. Die Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns sind mit ihrem anerkannten Zentrum für Forschungs- und Sammlungsdaten wieder mit dabei.

„GFBio hilft, ein zentrales Problem der aktuellen Forschung zu lösen: Forschungsdaten auf Dauer nutzbar zu machen und bessere Wissenschaft zu ermöglichen“, sagt Dr. Michael Diepenbroek, Manager des Datenzentrums PANGAEA, an dem das Projekt GFBio koordiniert wird. GFBio bringt Biodiversitäts-, Genom-, Sammlungs- und Umweltdaten zusammen. Daraus entsteht ein großes Potential für die Wissenschaft. So stehen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bereits jetzt fast 5,5 Millionen Dateneinträge aus den acht angeschlossen GFBio-Datenzentren über die Suche des Portals und somit für die Nachnutzung in der Forschung zur Verfügung.

Daten aus öffentlich finanzierter Forschung sollten breit und frei zugänglich sein, und zwar sowohl Rohdaten, die im Forschungsprozess selbst entstehen, wie auch Metadaten, die beschreiben, unter welchen Bedingungen und mit welchen Verfahren die Forschungsdaten zustande gekommen sind. Hier setzt das Projekt GFBio an. 19 Partner aus ganz Deutschland sind beteiligt, darunter Universitäten, Museen und molekularbiologische Archive. Die Teilnehmenden an dem Projekt haben sich den Prinzipien des „FAIR Data“ verschrieben. In diesem Zusammenhang steht FAIR für „Findable, Accessible, Interoperable and Re-usable”, also auffindbar, zugänglich, integrierbar und wiederverwendbar.

GFBio dient dabei als nationale Anlauf-, Vermittlungs- und Beratungsstelle für alle Fragen der Standardisierung und des Managements von biologischen Forschungsdaten während des gesamten Lebenszyklus der Daten, also von der Erhebung über die Archivierung bis hin zur Publikation. In der Konzeptions- und Implementationsphase des Projektes ist unter anderem das Datenportal www.gfbio.org entstanden. In der ab Sommer beginnenden dritten Phase geht es vor allem darum, das Serviceangebot gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verbessern sowie eine nachhaltige Forschungsdateninfrastruktur aufzubauen. Um dieser eine rechtliche Struktur zu geben, wurde der gemeinnützige Verein GFBio e.V. gegründet.

Insgesamt beträgt das Fördervolumen für die kommenden drei Jahre 4.370.000 Euro. Das IT-Zentrum der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (www.snsb.info) ist bereits seit Beginn der ersten Förderphase 2013 maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Es koordiniert die beteiligten Forschungs- und Sammlungsdatenzentren bei der Standardisierung von Datenarchivierung und Publikation von Biodiversitätsdaten. Das SNSB IT-Zentrum selbst hat in diesem Zeitraum rund 4,6 Millionen Datensätze in dem GFBio-Portal (www.gfbio.org) veröffentlicht und verfügt über eine langjährige Expertise sowohl als Datenrepositorium als auch im Bereich Biodiversitätsinformatik. Seit 20 Jahren entwickelt die Einrichtung Software zum Management von Forschungsdaten (Diversity Workbench Software; www.diversityworkbench.net), die sowohl von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als auch von GFBio empfohlen wird.

Weitere Informationen:
www.gfbio.org
https://twitter.com/GFBio_Project


Kontakt:
Dr. Michael Diepenbroek
GFBio-Koordinator
Telefon: 0421 218 65590
E-Mail: mdiepenbroek@pangaea.de

Dr. Dagmar Triebel
Leiterin des SNSB IT-Zentrums
Telefon: +49 89 17861252
E-Mail: triebel@bsm.mwn.de

Tanja Weibulat
GFBio-Mitarbeiterin am SNSB IT-Zentrum
Telefon: +49 89 17861304
E-Mail: weibulat@bsm.mwn.de

Die „German Federation for Biological Data” (GFBio) ist ein seit 2013 durch die Deutsche Forschungsge-meinschaft gefördertes Projekt mit aktuell 19 wissenschaftlichen Partnerinnen und Partnern. Als Infrastruktur adressiert GFBio die Anforderungen im Forschungsdatenmanagement im Bereich biologischer und Umweltdaten von Forschungsinstituten, einzelnen Forschenden, deutschen Naturkundemuseen, Entwicklern wissenschaftlicher Software, sowie von großen Forschungsprojekten, -gruppen und -netzwerken. Die von GFBio angebotenen Dienste decken den kompletten Datenlebenszyklus von der Erfassung der Rohdaten bis zur Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel und Datensammlungen ab. Unter anderem werden Forscherinnen und Forscher bei der Vorbereitung von Datenmanagementplänen unterstützt, die inzwischen in vielen Bereichen zum obligatorischen Teil von Forschungsanträgen gewor-den sind. GFBio agiert dabei als zentrale Ansprechstelle für die langfristige Datenarchivierung von biologi-schen und Umweltdaten. Die über GFBio abgegebenen Datensätze werden in einem oder mehreren der acht Datenzentren gemanagt und archiviert. Die Publikation von Datenpaketen erfolgt unter Vergabe von persistenten Identifiern (zum Beispiel DOIs – „Digital Object Identifier“). Um die Aufgaben über den Projektzeitraum hinaus sicher zu stellen, wurde 2016 der gemeinnützige, eingetragene Verein GFBio e.V. als rechtliche Einheit und zentraler Ansprechpartner gegründet.

Tiefsee-Schnecke in Top Ten gewählt

Zoologische Staatssammlung München

Sie zählt zu den faszinierendsten Arten, die in den vergangenen Jahren entdeckt wurden: eine kleine Nacktschnecke, die SNSB- und LMU-Forscher 2016 erstmals beschrieben haben.

Hübscher Tiefsee-Eroberer: Während ihre bucklige Verwandtschaft am Strand oder an Land lebt, hat sich die kleine Nacktschnecke Bathyhedyle boucheti erfolgreich an das Leben im Tiefwasser angepasst. Sie wurde molekulargenetisch und mikroanatomisch als einzige Art einer neuen Tierfamilie erstmals im Jahr 2016 von einem Wissenschaftlerteam um die LMU-Biologin Dr. Timea Neusser und Prof. Michael Schrödl, Leiter der Molluskensektion der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) und Mitglied des GeoBio-Center der LMU, beschrieben. Die Experten der Datenbank World Register of Marine Species (WoRMS) haben sie nun in die Top Ten der faszinierendsten neu entdeckten marinen Arten der letzten Dekade gewählt.

Die Online-Datenbank WoRMS ist ein globales Informationssystem für Meeres-Arten, das von einer internationalen Gruppe von Experten geführt wird. Die 2007 gegründete Datenbank ist frei zugänglich und umfasst heute mehr als 240.000 gültige Artnamen. Zum zehnjährigen Jubiläum wurden sowohl die zehn interessantesten marinen Arten aus dem Jahr 2017 veröffentlicht, als auch die Top Ten der faszinierendsten marinen Arten der letzten Dekade gekürt.

Die Nacktschnecke Bathyhedyle boucheti wurde von Tiefseeforschern in der Straße von Mozambik entdeckt. Die Untersuchungen unter der Leitung von Timea Neusser entlarvten die Schnecken als Vertreter der Acochlidia (Gastropoda: Heterobranchia). Diese sind eigentlich winzige Bewohner der marinen Sandlückenfauna, aber einige Arten kolonialisierten darüber hinaus das Süßwasser. Die kleinen neu entdeckten Schnecken repräsentieren nicht nur die neue Art Bathyhedyle boucheti, sondern auch eine neue Gattung und sogar eine bis dato unbekannte Familie.

Mehr zur Nacktschnecke
ZSM Blog: Tiefseemonsterschnecken: Neue Art, neue Gattung, neue Familie!
http://zsmblog.de/2017/tiefseemonsterschnecken-neue-art-neue-gattung-neue-familie/

Publikation
The unique deep sea—land connection: interactive 3D visualization and molecular phylogeny of Bathyhedyle boucheti , in: PeerJ 2017
(https://peerj.com/articles/2738/)

WoRMS: Liste der faszinierendsten Meeres-Arten
(http://www.lifewatch.be/en/2018.04.23-WoRMS-LifeWatch-press-release)

Kontakt
Prof. Dr. Michael Schrödl
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Tel.: 089 8107 142
E-Mail: michael.schroedl@zsm.mwn.de

Die kleine Nacktschnecke Bathyhedyle boucheti  wurde in die Top Ten der faszinierendsten neu entdeckten marinen Arten der letzten Dekade gewählt. (Foto: Ellen Strong)

In den Farben des Regenbogens

Zoologische Staatssammlung München

Madagaskar ist ein Paradies für Chamäleons. Mehr als 40% der 206 bekannten Arten leben ausschließlich auf dieser Insel. Münchner und madagassische Forscher haben nun drei neue Arten entdeckt, darunter das prächtig gefärbte Regenbogenchamäleon und eine Art mit einem Loch im Schädel. Die drei Neuentdeckungen sind nur aus sehr kleinen Verbreitungsgebieten bekannt und vermutlich stark gefährdet. Die Arbeit wurde heute in der Zeitschrift Zoological Journal of the Linnean Society publiziert.

Die Artenvielfalt Madagaskars ist einzigartig. Mehr als 420 verschiedene Reptilienarten sind von der großen Insel vor der ostafrikanischen Küste bereits bekannt, doch die Regenwälder bergen noch so manche Überraschung: Bei einer Expedition der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) in ein abgelegenes Waldgebiet in Nord-Madagaskar entdeckten die Forscher das spektakulär gefärbte Regenbogenchamäleon Calumma uetzi. Seine volle Farbenpracht, die sich von der aller anderen Chamäleonarten sehr deutlich unterscheidet, entfaltet sich aber erst, wenn beide Geschlechter aufeinandertreffen. Dann versucht das Männchen dem Weibchen mit einem knalligen Muster aus gelb, violett und rot zu imponieren. Doch die bunten Farben allein garantieren noch keinen Erfolg. Ist das Weibchen nicht paarungswillig, droht es dem Männchen mit aufgerissenem Maul und „ärgert“ sich fast schwarz.

Eine weitere Chamäleonart fanden die Forscher nahe einer stark befahrenen Nationalstraße im Osten des Landes. In einem völlig isolierten Waldfragment mit einer Fläche von nicht einmal 15 ha lebt Calumma juliae. „Wir hoffen, dass das Gebiet so schnell wie möglich unter Schutz gestellt wird, da der Waldrest seit der Entdeckung vor zwei Jahren rasch kleiner wird, wie man auch auf Google Earth-Bildern sehen kann,“ sagt David Prötzel, Erstautor der Studie und Doktorand an der LMU. Bisher sind von dieser Art trotz intensiver Suche nur weibliche Tiere bekannt: „Wir sind sehr gespannt, wie die Männchen von Calumma juliae aussehen und wo oder in welcher Jahreszeit sie zu finden sind.“

Nur ein einzelnes Männchen wurde von der dritten neuen Art, Calumma lefona, entdeckt. Bei röntgentomografischen Untersuchungen (Mikro-CT-Scans) fiel den Forschern ein großes Loch im Schädeldach auf, das ausgerechnet direkt über dem Gehirn liegt. Ein solches Schädelloch zeigte sich nicht nur bei dieser neuen Spezies, sondern auch bei sechs weiteren Calumma-Arten, die alle in den Bergen in Höhen von mindestens 1000 m über dem Meeresspiegel leben. Der biologische Sinn dieser Schädelfenster ist noch ein Rätsel, vielleicht helfen sie den Chamäleons bei der Thermoregulation.

„Nach aktuellem Wissensstand haben alle drei neuen Chamäleonarten nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und leben in Regenwäldern, die stark von Abholzung betroffen sind“, sagt Dr. Frank Glaw, Reptilienforscher an der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM), „aber derzeit werden in Madagaskar viele neue Schutzgebiete eingerichtet, die sicherlich helfen werden, Madagaskars einzigartige Artenvielfalt zu erhalten.“

Publikation:
Prötzel, D., Vences, M., Scherz, M.D., Hawlitschek, O., Ratsoavina, F. & Glaw, F. (2018). Endangered beauties: Micro-CT osteology, molecular genetics and external morphology reveal three new species of chameleons in the Calumma boettgeri complex (Squamata: Chamaeleonidae). – Zoological Journal of the Linnean Society.

Kontakt:
David Prötzel
LMU München
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 0176/63200513
E-Mail: david.proetzel@mail.de

Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: +49 89 8107 114
E-Mail: frank.glaw@zsm.mwn.de

Diese und weitere Fotos in guter Auflösung sind hier zum Download bereitgestellt:
http://www.markscherz.com/publicfiles/3newCalummas.zip

Die Bienensuche geht in die nächste Runde

Botanische Staatssammlung München & Botanischer Garten München-Nymphenburg

Wie im letzten Jahr fliegen seit ein paar Tagen auch heuer wieder farbig markierte Bienen durch den Botanischen Garten. Wildbienen wurden dieses Jahr mit nummerierten Plättchen in blau, gelb, weiß, rot oder grün markiert. Damit versuchen Studenten der LMU München unter Leitung von Prof. Renner, Direktorin des Botanischen Gartens und Inhaberin des Lehrstuhls für Systematische Botanik und Mykologie, sowie Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) herauszufinden, wie weit Wildbienen normalerweise fliegen, um Nahrung zu sammeln und neue Nistplätze zu finden. Das ist wichtig, weil man daraus wiederum ableiten kann, wie weit einzelne nutzbare Flächen voneinander entfernt sein können, so dass Wildbienen sie noch nutzen können. Sind blütenreiche Flächen und Orte, an denen Wildbienen nisten zu weit voneinander entfernt, wirkt sich das negativ auf den Nachwuchs der Biene aus. Denn die Sammelflüge dauern so länger, das Bienenweibchen bekommt weniger Nachwuchs, dieser ist häufig in einer schlechteren Kondition und auch das Risiko, dass Parasiten die Brut befallen, steigt. Gerade in einer zersiedelten Landschaft ist es wichtig, die einzelnen nutzbaren Lebensräume der Bienen zum Beispiel durch blühende Grünstreifen zu vernetzen und so gleichzeitig auch noch zusätzliche Nahrungsquellen zu schaffen.

Um möglichst viele der markierten Bienen wiederzufinden, sind die Besucher des Botanischen Gartens, aber auch alle aufmerksamen Münchner nun wie schon letztes Jahr (siehe PM München sucht nummerierte Wildbienen) aufgerufen, die Augen offen zu halten und markierte Bienen und den genauen Standort der Sichtung zu melden, entweder über die im Botanischen Garten verfügbaren Flyer oder über die E-Mail-Adresse wildbienen@bio.lmu.de.

Die Wildbienensuche kann beginnen!

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Straße 67, 80638 München
E-mail: fleischmann@bsm.mwn.de, Tel. (+49) 089/17861-240

MSc. Michaela Hofmann
Ludwig-Maximilians-Universität München
Systematische Botanik und Mykologie, Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renner
E-mail: wildbienen@bio.lmu.de

Mehr Wildbienenarten nach 20 Jahren im Botanischen Garten München durch Klimaerwärmung

Botanische Staatssammlung München & Botanischer Garten München-Nymphenburg

Mindestens 106 Wildbienenarten kommen im Botanischen Garten München vor, eine Zahl, die sich in den letzten Jahren durch das Hinzukommen von 15 wärmeliebenden Arten erhöht hat.

Eine weit verbreitete Fehleinschätzung ist es, dass am derzeit festgestellten drastischen Insektenrückgang auch die Klimaerwärmung mit schuld sein könnte. Es ist jedoch schon lange bekannt und nachgewiesen, dass diese eher zu einer Vermehrung der Insektenanzahl führen würde, denn wärmeliebende Insekten sind in mediterraneren Klimaten, und natürlich den Tropen, schon immer zahlreicher als in mehr nördlichen Breiten. Dabei ist es oft nicht einfach, die direkten Auswirkungen von Klimaerwärmung auf die Artenzusammensetzung einer bestimmten Insektengruppe (zum Beispiel der Wildbienen) in einem Lebensraum zu erforschen – denn das Klima wirkt sich nicht nur mit Temperatur sondern auch über den damit verbundenen Wasserhaushalt auf den Lebensraum direkt aus, vor allem auf die Nahrungspflanzen der Insekten, die zum Beispiel mit Dürre zu kämpfen haben. Botanische Gärten stellen daher so etwas wie künstliche, „optimierte“ aber langzeitig stabile Lebensräume für blütenbesuchende Insekten dar, denn dort blühen jedes Jahr die gleichen Pflanzenarten, auch bei längerer Trockenheit, denn es wird künstlich bewässert. Lediglich die Temperatur ändert sich auch für die Pflanzen und Insekten dort mit der Klimaerwärmung. Der Artenreichtum des Botanischen Gartens München – an heimischen Wildpflanzen wie auch Zier- und Nutzpflanzen – seine geschützte Lage und die Nichtanwendung von chemischem Pflanzenschutz sind seit der Eröffnung des Gartens 1914 unverändert geblieben. Eine erste Inventarisierung der Wildbienenfauna des Botanischen Garten München fand in den Jahren 1997-1999 statt – nun wurden fast 20 Jahre später die dort vorkommenden Wildbienenarten erneut dokumentiert. Doktorandin Michaela Hofmann von der LMU München hat zusammen mit Dr. Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München (SNSB-BSM) von 2015 bis 2017 jeweils von Frühjahr bis Herbst auf regelmäßigen Kontrollgängen durch den Botanischen Garten alle gefundenen Bienen dokumentiert – bei größeren Arten war das teilweise schon anhand von guten Makrofotos möglich, bei vielen kleinen und schwierig zu bestimmenden Wildbienenarten war eine genaue Bestimmung nur durch DNA-Abgleich mit dem Barcoding-Projekt Fauna Bavarica der Zoologischen Staatssammlung (SNSB-ZSM) möglich. Nun wurden die Ergebnisse dieser Wildbienen-Erfassung zusammen mit der LMU-Wissenschaftlerin und Leiterin des Botanischen Gartens, Prof. Susanne Renner in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Oecologia veröffentlicht.


Die Ergebnisse sind überraschend deutlich: wurden 1997-1999 noch 79 Wildbienenarten im Botanischen Garten nachgewiesen, konnten 20 Jahre später 106 Arten gefunden werden. Im gesamten Stadtgebiet München sind seit 1990 192 Bienenarten von Insektenkundlern gefunden worden, das heißt 55% aller Münchner Bienenarten kommen auch im Botanischen Garten mit seinem reichhaltigen Angebot an Nahrung und Nistplätzen vor. Eine Untersuchung der Temperaturpräferenzen der neu gefundenen und der nicht mehr gefundenen Arten ergab: von den 1997-1999 nachgewiesenen 79 Arten wurden 62 von 2015 bis 2017 wiedergefunden (einige davon sind heute sehr viel häufiger), aber 15 wärmeliebende Wildbienenarten wurden erstmals gefunden. Drei Wildbienenarten, die eher kühlere Lebensräume (wie Wälder) bevorzugen, wurden nicht wiedergefunden. Zwischen 1997 und 2017 hat sich die durchschnittliche Temperatur während der Vegetationszeit in München um 0,5 °C erhöht, während die Winter immer kürzer wurden. Unter den zwischen 2015 und 2017 neu im Botanischen Garten ‚angekommenen‘ Bienen sind entsprechend mehrere Arten, die bis vor ca. 20 Jahren nur von den Wärmeinseln Deutschlands bekannt waren. Dazu gehört zum Beispiel die große und auffällige Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca). Keinerlei Zusammenhang konnte dagegen gefunden werden zwischen Verschwinden

oder Neufund und dem Rote-Liste-Status oder den Nahrungspräferenzen der Arten (ob sie z.B. auf bestimmte Blüten spezialisiert sind oder nicht) – lediglich die Wärmepräferenzen der Bienenarten waren signifikant für ihr Vorkommen.Mehr zu den Wildbienen des Botanischen Gartens München erfahren sie auch unter http://www.botmuc.de/de/bienen/. Dort finden Sie auch Informationen zum Wildbienen-Markierungsprojekt, das auch im Frühjahr 2018 im Botanischen Garten München wieder durchgeführt wird.

Originalveröffentlichung:
M. M. Hofmann, A. Fleischmann, S. S. Renner (2018) Changes in the bee fauna of a German botanical garden between 1997and 2017, attributable to climate warming, not other parameters. Oecologia, online article: https://doi.org/10.1007/s00442-018-4110-x

Kontakt:
Dr. Andreas Fleischmann
SNSB – Botanische Staatssammlung München
Menzinger Straße 67, 80638 München
E-mail: fleischmann@bsm.mwn.de, Tel. (+49) 089/17861-240

MSc. Michaela Hofmann
Ludwig-Maximilians-Universität München
Systematische Botanik und Mykologie, Arbeitsgruppe Prof. Dr. Renner

Ursprung der Frauen mit deformiertem Schädel im frühmittelalterlichen Bayern geklärt

Gemeinsame Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der
Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

Palaeogenomische Studie untersucht Hunneninvasion und weibliche Migration im Frühmittelalter Süddeutschlands.

Nach dem Ende des Römischen Reichs und der wechselvollen Phase der Völkerwanderungszeit folgt in Mitteleuropa die Periode des frühen Mittelalters. Es ist die Epoche, in der viele Siedlungen gegründet werden, die sich in der Folge zu den Dörfern und Städten entwickeln, wie wir sie heute noch kennen. In Mitteleuropa wird diese Epoche gemeinhin mit verschiedenen barbarischen Stämmen, wie etwa Alamannen, Franken oder Langobarden, in Verbindung gebracht. Welche Bevölkerungen populationsgenetisch tatsächlich hinter diesen Begriffen stecken, ist bislang nicht untersucht worden. Ein internationales Team um die Anthropologin Dr. Michaela Harbeck von der Staatssammlung für Anthropologie München und den Populationsgenetiker Prof. Dr. Joachim Burger von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat nun Bevölkerungen untersucht, die in der Zeit um 500 n. Chr. auf dem ehemaligen Gebiet des Römischen Reichs in Bayern lebten, und sind zu verblüffenden Resultaten gekommen.

Neben Mainzer und Münchner Anthropologen gehören zu dem Team auch Dr. Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung München, die archäologische Leiterin des Projekts, sowie Kollegen aus den USA, Großbritannien und der Schweiz. Sie analysierten in einer interdisziplinären Studie, die die VolkswagenStiftung gefördert hat, die alten Genome von etwa 40 mittelalterlichen Menschen aus Süddeutschland. Während ein Großteil der alten Bayern genetisch wie Mittel- beziehungsweise Nordeuropäer aussieht, fällt eine Gruppe von Individuen völlig aus diesem Raster. Diese Gruppe war zuvor schon durch Verformungen ihrer Schädel aufgefallen. Es ist bekannt, dass solche Deformationen in unterschiedlichen Bevölkerungen und zu unterschiedlichen Zeiten vorgenommen wurden, um dem Schädel eine charakteristische Turmform zu verleihen. Michaela Harbeck erklärt dazu: „Eltern umwickelten dafür den Kopf ihrer Kinder einige Monate lang nach der Geburt mit Bandagen, um die gewünschte Kopfform zu erreichen. Warum sie dieses aufwendige Verfahren durchführten, ist heute schwierig zu beantworten, aber wahrscheinlich wurde damit einem bestimmten Schönheitsideal nachgeeifert oder vielleicht auch eine Gruppenzugehörigkeit angezeigt.“ Über den Ursprung des Brauchs in Europa gab es bislang nur Vermutungen. „Für viele galt die Hypothese, dass die Hunnen die Tradition der Schädeldeformation nach Ost- und Mitteleuropa gebracht haben“, erklärt Brigitte Haas-Gebhard.

Die historisch-genetischen Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich bei den mittelalterlichen Personen mit Schädeldeformation um Frauen handelte, die um 500 n. Chr. aus dem Schwarzmeerraum in die bayerischen Siedlungen migriert waren. „Zwar gibt es deutliche Hinweise, dass es auch Einflüsse aus Zentral- oder gar Ostasien gab, aber die genomische Herkunftsanalyse verweist darauf, dass die Frauen mit deformiertem Schädel genetisch heutigen Bulgaren und Rumänen am ähnlichsten sind“, stellt Burger fest und fügt hinzu: „Ein direkter genetischer Einfluss von zentralasiatischen Hunnen kann nur marginal gewesen sein.“

Dabei unterschieden sich diese Frauen nicht nur durch ihre deformierten Schädel, sondern sie fielen auch durch andere äußerliche Merkmale, etwa durch eine deutlich dunklere Haar- und Augenfarbe, auf. Die große Mehrheit der anderen Bayern war blond- und blauäugig, so wie man es heute allenfalls in Skandinavien findet.

Aber die Migration nach Bayern endete nicht mit diesen Frauen. Nur wenig später lassen sich zwei Personen nachweisen, die ihre nächsten genetischen Verwandten unter heutigen Griechen oder Türken besitzen. Und wieder waren es Frauen. „Es ist dies ein einmaliges Beispiel von weiblicher Mobilität, die größere Kulturräume überbrückt“, sagt Burger. „Wir müssen damit rechnen, dass noch viele weitere, bislang ungeahnte bevölkerungsdynamische Phänomene an der Genese unserer frühen Städte und Dörfer mitgewirkt haben.“

Haas-Gebhard von der archäologischen Staatssammlung München hat sich mit den Grabbeigaben und der Tracht der alten Bayern beschäftigt und bemerkt: „Die meisten der fremden Frauen sind kulturell dem Rest der Bevölkerung sehr ähnlich und wirken assimiliert. Alleine aus den materiellen Hinterlassenschaften hätten wir diesen Fall nicht so rekonstruieren können.“

„Interessanterweise finden sich in den untersuchten frühen Einwohnern Bayerns keinerlei genetische Spuren, die auf ein mediterranes Erbe hindeuten, wie es durch Soldaten der römischen Armee hätte kommen können“, ergänzt Harbeck und fügt abschließend hinzu: „Wieviel Kelten und Römer in diesen frühen Bajuwaren stecken, müssen wir allerding auf noch breiterer Basis weiter untersuchen.“

Bildmaterial:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_iome_palaeo_bayern_mittelalter_01.jpg
Künstlich deformierter Schädel einer Frau aus dem frühmittelalterlichen Fundplatz Altenerding: Solche Schädelmodifikationen wurden früher den Hunnen zugeschrieben. Die Untersuchung des Palaeogenoms aus dem Schädel zeigt, dass dieses Individuum zwar zentralasiatische genetische Anteile in sich trägt, aller Wahrscheinlichkeit nach aber zusammen mit anderen Frauen in der Zeit um 500 n. Chr. aus dem Schwarzmeerraum nach Bayern zugewandert ist.
Foto/©: Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_iome_palaeo_bayern_mittelalter_02.jpg
Stark, mittel und nicht deformierte Schädel (v.l.) aus den frühmittelalterlichen Fundplätzen Altenerding und Straubing
Foto/©: Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_iome_palaeo_bayern_mittelalter_03.jpg
Frühmittelalterliche Grabbeigaben aus Altenerding in Bayern
Foto/©: Archäologische Staatssammlung München

Publikation:
Krishna Veeramah et al.
Population genomic analysis of elongated skulls reveals extensive female-biased immigration in Early Medieval Bavaria
Proceedings of the National Academy of Sciences, 12.03. 2018
DOI: 10.1073/pnas.1719880115
http://www.pnas.org/content/early/2018/03/06/1719880115

Kontakt:
Prof. Dr. Joachim Burger
AG Palaeogenetik
Institut für Organismische und Molekulare Evolutionsbiologie (iOME)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-20981
E-Mail: jburger@uni-mainz.de

Dr. Michaela Harbeck
Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie München
Tel. +49 89 5488438-13
E-Mail: michaela.harbeck@extern.lrz-muenchen.de

Tief in die Ohren geschaut: Neue Erkenntnisse zur Evolution der Hirsche

Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

Ein Team bestehend aus internationalen Wissenschaftlern (Schweiz, Spanien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und China), darunter auch Gertrud Rößner von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB), haben röntgentomographische Aufnahmen und 3D-Rekonstruktionen des Innenohrs von 17 heute lebenden und 12 fossilen Hirscharten angefertigt und quantitativ ausgewertet. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der wissenschaftlichen Zeitschrift Scientific Reports.

Hirsche (Geweih tragende Wiederkäuer, wissenschaftl. Cervidae) sind nicht nur Ikonen der abendländischen Kultur, sondern haben schon in vorgeschichtlicher Zeit und in anderen Weltregionen die Menschen stark geprägt. Seit vielen Jahrmillionen bilden sie einen wesentlichen Bestandteil der landlebenden Biomasse und umfassen so unterschiedliche Arten wie den riesigen holarktischen Elch (Alces), den südostasiatischen Muntjak (Muntiacus) und den winzigen süd-amerikanischen Pudu (Pudu). Die heutige Artenvielfalt der Hirsche ist mit über 55 Arten enorm für große Säugetiere und besiedelt fast alle terrestrischen Lebensräume. Von der Küste bis zum Hochgebirge und von den Tropen bis zum Polarkreis sind Hirsche in Eurasien, Nord- und Südamerika verbreitet. Dennoch, oder auch gerade wegen ihrer Diversität, sind viele Fragen noch offen, die internen verwandtschaftlichen Beziehungen, sowie Evolution und Ursprung innerhalb der Stirnwaffenträger (eine Untergruppe der Wiederkäuer, wissenschaftl. Pecora) betreffen.

Eine neue Studie über die Morphologie des Innenohres der Hirsche erlaubt bisher unbekannte Einblicke in diese Struktur. Das Innenohr oder knöcherne Labyrinth, ist ein komplexer Hohlraum bestehend aus Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan im Inneren des Felsenbeins, einem kompakten knöchernen Bestandteil des Säugetierschädels. Es trägt artspezifische Merkmale, die als Indikator für stammesgeschichtliche Zusammenhänge gelten. Die Besonderheit der Forschungsarbeit liegt dabei in der Zusammenführung der vielen fossilen Innenohren, die nur sehr selten in relativ vollständigen Schädeln überliefert sind, so dass eine eindeutige Artzugehörigkeit bestimmt werden kann. Die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) konnte mit 6 fossilen Innenohren einen Beitrag leisten.

Auf diese Weise war es möglich, zum ersten Mal schon lange ausgestorbene Hirscharten gemeinsam mit noch lebenden phylogenetisch zu analysieren und mit Hilfe der molekularen Uhr zu datieren. Dabei wurde die Trennung zweier Hauptradiationen besonders deutlich: die ursprünglichen Hirsche mit langen oberen Eckzähnen und ungewöhnlich geformten Geweihen entfalteten sich vor 20 bis 17 Millionen Jahren; die modernen Hirsche spalteten sich vor ca. 15 Millionen Jahren ab und in die beiden heutigen Großgruppen der Altwelt- und Neuwelthirsche auf. Sie reduzierten die langen oberen Eckzähne und entwickelten die modernen Stangengeweihe. Damit lässt sich die Entstehung der modernen Hirsche auf bis zu 8 Millionen Jahre früher datieren als bisher angenommen. Übrigens: Die bisher älteste nachgewiesene moderne Hirschart, Euprox furcatus, war auch in Bayern heimisch.

Publikation:

B. Mennecart, D. DeMiguel, F. Bibi, G. E. Rössner, G. Métais, J. M. Neenan, Shiqi Wang, G. Schulz, B. Müller, L. Costeur. (2017) Bony labyrinth morphology clarifies the origin and evolution of deer. Scientific Reports 7: 13176 DOI:10.1038/s41598-017-12848-9

PD Dr. Gertrud Rößner
Konservatorin für fossile Säugetiere
Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG)
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Tel: 089 2180 6609
Email: g.roessner@lrz.uni-muenchen.de

Archaeopteryx, der Elfte

LMU & Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

LMU- und SNSB-Forscher beschreiben das geologisch älteste Exemplars des Sauriers und stellen eine neue Diagnosemethode vor, wie sich vogelähnliche Raubsaurier korrekt zuordnen lassen.

Archaeopteryx, der älteste bekannte Vogel, lebte vor 150 Millionen Jahren in einer subtropischen Landschaft aus Inseln und Lagunen im heutigen Bayern, das damals von einem flachen Meer bedeckt war, den nördlichen Ausläufern des Urmittelmeeres. Alle bisherigen Fossilien des Urvogels wurden im sogenannten Solnhofener Archipel im heutigen Altmühltal entdeckt, zuletzt im Jahr 2010. LMU- und SNSB-Forscher Oliver Rauhut hat das jüngste Exemplar nun anatomisch analysiert: Es handelt sich um das geologisch älteste bekannte Fossil, wie ein Team um Rauhut, Paläontologe am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU sowie an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB-BSPG) in München, in der Studie darlegt.
„Exemplare von Archaeopteryx kennen wir inzwischen aus drei verschiedenen Gesteins-Einheiten. Die verschiedenen Funde decken einen Zeitraum von bis zu einer Million Jahre ab“, sagt Rauhut. Das geologisch älteste Fossil hat viele Merkmale, die man bislang von Archaeopteryx nicht kannte. „Sie zeigen unter anderem, wie ähnlich der Urvogel in vielen Merkmalen den fortschrittlichen Raubsauriern ist“, sagt Rauhut, der in der aktuellen Studie nun erstmals eine Diagnose vorstellt, wie sich der Urvogel von anderen fortschrittlichen Raubdinosauriern unterscheiden lässt. Dies wurde notwendig, da viele Funde vogelähnlicher Raubsaurier in den vergangenen Jahren, vor allem in China, eine eindeutige Zuordnung schwieriger gemacht hatten.

Wie wichtig diese ist, hat Oliver Rauhut erst kürzlich selbst in der Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology gezeigt: Er stellte fest, dass der vermeintlich allererste Fund eines Archaeopteryx-Fossils aus dem Jahr 1861 in Wirklichkeit gar kein Urvogel ist. Demnach gibt es nun elf Exemplare statt wie bisher angenommen zwölf.

Zudem stellten die Forscher nun bei der anatomischen Analyse des elften Fossils fest, dass die verschiedenen Exemplare der Gattung Archaeopteryx eine sehr beachtliche Variation zeigen. Erklärungen für diese Variationen reichen von starken individuellen Unterschieden bis hin zu evolutiven Änderungen und der Möglichkeit, dass die verschiedenen Exemplare nah verwandten Arten zugehören. „Auffällig ist insbesondere die starke Variation in der Bezahnung und somit möglicherweise im Nahrungserwerb – keine zwei Exemplare zeigen das exakt selbe Muster“, so Rauhut. „Dies erinnert an die berühmten Darwinfinken und ihre Variation in der Schnabelform. Vielleicht hatte sich bereits der Urvogel nach seiner Ankunft im Solnhofener Archipel auf den verschiedenen Inseln rasch in zahlreiche spezialisierte Arten aufgespalten und stellt somit sozusagen einen jurassischen Darwinfinken dar.“

(Text: LMU München)

Publikation:

Oliver Rauhut, Christian Foth and Helmut Tischlinger: The oldest Archaeopteryx (Theropoda: Avialiae): a new specimen from the Kimmeridgian/Tithonian boundary of Schamhaupten, Bavaria. In: PeerJ 2018

Kontakt:

PD Dr. Oliver Rauhut
SNSB- Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Telefon: +49 (0) 89 2180 6645
Fax: +49 (0) 89 2180 6601
E-Mail: o.rauhut@lrz.uni-muenchen.de

Leuchtende Echsen – Knochenbasierte Fluoreszenz bei Chamäleons

Zoologische Staatssammlung München

Chamäleons sind für ihre Farbensprache berühmt. Mit Farbwechsel und bunten Mustern kommunizieren sie mit ihren Artgenossen. Ein Münchner Forscherteam hat nun herausgefunden, dass viele Chamäleons knöcherne Tuberkel am Kopf aufweisen, die unter UV-Licht blau leuchten und eindrucksvolle Muster bilden. Die Haut ist dort ist sehr dünn und durchsichtig, so dass UV-Licht wie durch ein Fenster direkt auf den Knochen trifft und von dort in sichtbares, blaues Licht umgewandelt wird. Die Funktion dieser Fluoreszenz ist noch unklar, aber die Forscher vermuten darin versteckte Signale zur Arterkennung. Die Arbeit wurde heute in der Zeitschrift Scientific Reports publiziert.

Fluoreszenz ist vor allem von Meeresorganismen bekannt, bei landlebenden Wirbeltieren gilt dieses Phänomen hingegen als selten. „Wir konnten es daher kaum glauben, als wir die Chamäleons in unserer Sammlung mit einer UV-Lampe beleuchteten. Fast alle Arten zeigten blaue, vorher unsichtbare Muster im Kopfbereich, manche sogar über den ganzen Körper verteilt“ sagt David Prötzel, Erstautor der Studie und Doktorand an der Zoologischen Staatssammlung München.

Um das Phänomen zu verstehen, setzten die Forscher verschiedene, moderne Methoden ein. Ihre Micro-CT Scans zeigten, dass die Fluoreszenzmuster und die Tuberkelmuster des Schädels übereinstimmten. Die Gewebeanalysen ergaben eine weitere Überraschung: „Unsere histologische 3D-Rekonstruktion hat gezeigt, dass die Haut über den Tuberkeln am Schädel sehr dünn ist und nur aus einer transparenten Schicht Epidermis besteht“, erklärt Martin Heß vom Biozentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Auf diese Weise bildet die Haut ein Fenster, durch das UV-Licht bis auf den Knochen trifft, dort absorbiert wird und dann wieder als blaues Fluoreszenzlicht ausgestrahlt wird.

„Dass Knochen unter UV-Licht leuchten, ist schon lange bekannt, aber dass Tiere dieses Phänomen nutzen, um selbst zu fluoreszieren, hat uns sehr überrascht und war bisher völlig unbekannt“, sagt Frank Glaw, Kurator für Herpetologie an der Zoologischen Staatssammlung.

Die unter UV-Licht leuchtenden Tuberkel bilden deutliche Muster, die für bestimmte Arten oder Artengruppen typisch sind. Außerdem haben die Männchen bei den meisten Arten der Gattung Calumma deutlich mehr fluoreszierende Tuberkel als ihre Weibchen. Daher vermuten die Forscher, dass die Fluoreszenz kein Zufall ist, sondern den Chamäleons bei der Erkennung von Artgenossen hilft und ein konstantes Muster in Ergänzung zu ihrer Farbensprache darstellt – zumal blaue Farbe im Wald selten und gut erkennbar ist. Diese biologische Funktion konnte allerdings, wie so oft bei Fluoreszenzphänomenen, noch nicht belegt werden. Die eindrucksvollen Signale der Chamäleons zeigen aber, dass es jenseits der menschlichen Wahrnehmung noch viel zu entdecken gibt.

Publikation
Prötzel, D., M. Heß, M. D. Scherz, M. Schwager, A. van’t Padje & F. Glaw (2018): Widespread bone-based fluorescence in cha-meleons. – Scientific Reports, DOI:10.1038/s41598-017-19070-7

Kontakt
David Prötzel
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstraße 21, 81247 München
Tel.: 0176/63200513
E-Mail: david.proetzel@mail.de

Dr. Frank Glaw
SNSB – Zoologische Staatssammlung München
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 114
E-Mail: frank.glaw@zsm.mwn.de

Ur-Archaeopteryx ist gar keiner

LMU und Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie

LMU und BSPG-Paläontologen decken eine Fehldeutung auf: Der allererste fossile Fund eines Archaeopteryx-Fossils ist in Wirklichkeit ein Raubsaurier aus der Gruppe der Anchiornithiden, die bisher nur aus dem heutigen China bekannt waren.

Selbst 150 Millionen Jahre nach seiner Existenz auf der Welt sorgt Archaeopteryx noch für Überraschungen. Der Urvogel hat über die Paläontologie hinaus Promi-Status: Er zählt heute zu den berühmtesten Fossilien, zwölf Exemplare wurden bislang von ihm gefunden. Archaeopteryx ist nicht nur der älteste Vogel, sondern belegt als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln, dass die heutigen Vögel direkte Nachfahren von Raubdinosauriern sind. Die Paläontologen Oliver Rauhut und Christian Foth haben nun das sogenannte Haarlemer Exemplar des Archaeopteryx erneut untersucht, das bislang als erster fossiler Fund des Urvogels überhaupt gilt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift BMC Evolutionary Biology darstellen, zeigt dieses Exemplar jedoch einige Unterschiede zu Archaeopteryx auf. „Es ist keiner der berühmten Urvögel“, fasst Rauhut, Paläontologe am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU sowie an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie (SNSB – BSPG) in München, das Ergebnis der taxonomischen Untersuchung zusammen.

Stattdessen gehört das Fossil zu einer Gruppe vogelähnlicher Raubsaurier, den Anchiornithiden, die vor wenigen Jahren erstmals in China identifiziert wurden. Diese eher kleinen vogelähnlichen Saurier aus China hatten Federn an Armen und Beinen und sind noch älter als Archaeopteryx. „Das Fossil ist der erste Nachweis dieser Gruppe außerhalb Chinas und in Europa. Und es ist neben Archaeopteryx erst der zweite vogelähnliche Raubsaurier aus der Jurazeit, der außerhalb Ostasiens gefunden wurde. Damit stellt es eine noch größere Rarität dar als die Exemplare des Archaeopteryx“, sagt Rauhut.

Made in China

Gefunden wurde das Fossil in Jachenhausen und damit im sogenannten Solnhofener Archipel im Altmühltal, ebenso wie alle bisherigen Exemplare des Archaeopteryx. Damit eröffnet seine neue taxonomische Zuordnung einen neuen Blick auf die Evolution der vogelähnlichen Raubsaurier: „Unsere biogeographische Analyse zeigt, dass die ganze Gruppe der den Vögel nahestehenden Raubsaurier aus Ostasien kommt – alle geologisch ältesten Funde stammen aus China. Im Zuge ihrer Expansion Richtung Westen haben sie auch das Solnhofener Archipel erreicht“, sagt Foth, Paläontologe am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. Der Raubsaurier, der bislang fälschlicherweise als Archaeopeteryx galt, würde damit zu den ersten Ankömmlingen seiner Gruppe in Europa gehören.

Das Solnhofener Archipel im heutigen Altmühltahl war vor 150 Millionen Jahren eine Riff-Insel-Landschaft, die sich Richtung Westen und Süden zum Meer hin öffnete. Das untersuchte Haarlemer Fossil wurde einst am östlichen Rand des Archipels entdeckt, nahe dem Festland. Da die Anchiornithiden im Gegensatz zum Archaeopteryx nicht fliegen konnten, kamen sie möglicherweise nicht viel weiter. Fossilien des Archaeopteryx dagegen wurden bisher nur im westlichen Plattenkalk nah dem damaligen offenen Meer entdeckt, wo sie vermutlich auf kleineren Inseln lebten. Oliver Rauhut plädiert dafür, die bisher entdeckten Fossilien genau zu untersuchen: „Nicht alles, was in den Solnhofener Platten gefunden wird, muss ein Archaeopteryx sein.“

Als neuen Gattungsnamen für das Fossil, das bislang Haarlem im Namen trägt, weil es im niederländischen Ort selben Namens im Museum aufbewahrt wird, schlagen Rauhut und Foth „Ostromia“ vor – nach dem amerikanischen Paläontologen John Ostrom, der das Haarlemer Exemplar in den 1970er-Jahren erstmals als Raubsaurier erkannte. (Text: LMU München)

Publikation:

Christian Foth, Oliver Rauhut: Re-evaluation of the Haarlem Archaeopteryx and the radation of maniratporan theropod dinosaurs. In: BMC Evolutionary Biology 201

Kontakt:

PD Dr. Oliver Rauhut
SNSB- Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie
Richard-Wagner-Str. 10
80333 München
Telefon: +49 (0) 89 2180 6645
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E-Mail: o.rauhut@lrz.uni-muenchen.de

26 neue Zwergfrösche aus Madagaskar

Zoologische Staatssammlung München

Madagaskar ist für seine einzigartige Biodiversität bekannt. 319 Arten von Fröschen sind aus dem Inselstaat vor der Ostküste Afrikas offiziell bekannt, also beschrieben und mit einem wissenschaftlichen Namen versehen. Genetische und andere Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass dort mindestens 200 weitere Arten auf ihre wissenschaftliche Bearbeitung warten. Ein internationales Autorenteam hat jetzt 26 neue Arten von Zwergfröschen der Gattung Stumpffia in einer einzigen Arbeit beschrieben (Vertebrate Zoology 67: 271-398), darunter einige der kleinsten Amphibien der Welt.

„Obwohl Zwergfrösche stellenweise häufig sind, wurden sie von der Wissenschaft lange Zeit wenig beachtet und oft übersehen“ sagt die madagassische Biologin Andolalao Rakotoarison, die die Arbeit an der Technischen Universität Braunschweig geleitet hat. „Im Jahr 1991 wurden gerade einmal drei Arten unterschie-den und heute sind es 41 Spezies!“
Die meisten dieser Zwergfrösche haben ausgewachsen eine Körperlänge zwischen 10 und 20 mm. „Eine der neu beschriebenen Arten, Stumpffia contumelia, misst aber nur 8-9 mm und gehört damit zu den kleinsten Amphibien der Welt“, erklärt Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München.

Aufgrund ihrer extremen Miniaturisierung weisen viele Arten eine rätselhafte Reduktion ihrer Finger und Zehen auf. Bei den kleinsten Arten bleibt im Extremfall nur ein langer Mittelfinger übrig, so dass die Hand an eine beleidigende Geste erinnert — so erklärt sich zum Beispiel auch der Artname Stumpffia obscoena.

Die kleinen Stumpffia-Arten leben oft unauffällig in der Laubstreu des Regenwaldes und über ihre Biologie ist nur wenig bekannt. „Einige Arten betreiben Brutpflege und bauen Schaumnester, in denen sich ihre Nachkommen entwickeln. Aber nun wissen wir, dass dies nicht immer so ist und Eier ohne Schaumnest so-gar in leere Schneckengehäuse abgelegt werden“ sagt Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

„Erst die Kombination von genetischen, morphologischen und verhaltensbiologischen Untersuchungen hat uns ermöglicht, so viele neue Arten zu identifizieren und zu beschreiben“ ergänzt Miguel Vences von der TU Braunschweig.

„Eine der neuen Arten (Stumpffia davidattenboroughi) haben wir dem berühmten britischen Naturfilmer Sir David Attenborough gewidmet, der mit seinen Filmen weltweit zu einem Botschafter für die bedrohte Natur geworden ist“ erklärt Angelica Crottini von der Universität Porto. „Diese extrem seltene Art ist bisher nur von einem einzigen Exemplar bekannt.“

Viele der neu entdeckten Arten haben offenbar nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und sind in ihrem Bestand bedroht. Madagaskar hat zwar die Anzahl und Fläche seiner Schutzgebiete in den letzten Jahren drastisch erhöht und weist auch weiterhin viele neue Reservate aus, aber trotz dieser positiven Entwicklung hat das Land weiterhin mit illegaler Brandrodung und Abholzung und zu kämpfen.

Publikation
Rakotoarison, A., M. D. Scherz, F. Glaw, J. Köhler, F. Andreone, M. Franzen, J. Glos, O. Hawlitschek, T. Jono, A. Mori, S. H. Ndriantsoa, N. Rasoamampionona Raminosoa, J. C. Riemann, M.-O. Rödel, G. M. Rosa, D. R. Vieites, A. Crottini & M. Vences (2017): Describing the smaller majority: integrative taxonomy reveals twen-ty-six new species of tiny microhylid frogs (genus Stumpffia) from Madagascar. – Vertebrate Zoology 67 (3): 271-398

Kontakt
Dr. Frank Glaw
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstr. 21, 81247 München
Tel.: 089 8107 114
E-Mail: frank.glaw@zsm.mwn.de